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15.11.2007

Googles Mobilfunkplan ist gewagt

Google will mit der neu gebildeten Open Handset Alliance (OHA) und der Softwareplattform Android den Mobilfunkmarkt erobern. Beobachter sind skeptisch.

Google hat wie immer ganz große Pläne: Eine einheitliche, von möglichst vielen Handy- und Softwareanbietern unterstützte Plattform, bestehend aus Betriebssystem, Middleware, Benutzeroberfläche und Anwendungen, soll es Entwicklern leicht machen, Software zu schreiben, die auf jedem Handy läuft. Doch für Google ist der Mobilfunkmarkt Neuland. Die Strukturen sind gefestigt, die Claims abgesteckt. Das Interesse, ausgerechnet Google mit seinem erfolgreichen Internet-Werbemodell Zugang zu den Mobilfunkkunden zu gewähren, ist möglicherweise nicht so groß, wie Google-Boss Eric Schmidt und das Management denken.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/ 1846955: Dossier: Google plant Handy-Plattform Android;

1847230: Interview mit Google-Manager Rich Miner;

1847232: Microsoft-Chef Ballmer über Android (Video).

10 Millionen Dollar: Google lockt Entwickler

Damit sich genügend Softwareentwickler mit der neuen Mobilfunk-plattform Android beschäftigen, hat Google einen Wettbewerb gestartet. Eine Jury aus OHA-Mitgliedern beurteilt die Arbeiten von Programmierern und verteilt Preisgelder zwischen 25 000 und 275 000 Dollar. Die Anwendungen können zwischen dem 2. Januar und dem 3. März 2008 eingereicht werden. Seit Anfang der Woche steht Programmierern das Android Software Developer Kit (SDK) einschließlich Dokumentation, Entwicklungs-Tools, Beispielprojekten, Emulator und Softwarebibliotheken zur Verfügung. Informationen über den Wettbewerb und das SDK selbst finden sich unter http://code.google.com/android/adc.html.

Taktische Mitgliedschaft in der Open Handset Alliance?

Hinzu kommt, dass nicht sicher ist, ob die OHA-Mitglieder überhaupt an einem Strang ziehen werden. Unter anderem gehören die Netzbetreiber T-Mobile, NTT DoCoMo, Sprint Nextel, Telecom Italia und China Mobile zum Verbund, ebenso die Handy-Bauer Samsung Electronics, LG Electronics, Motorola und HTC. Hinzu kommen andere Schwergewichte im Markt, darunter Intel, Ebay, Nvidia, Qualcomm und Texas Instruments.

Dass sich die Partner in der OHA denn auch eher vage äußern, überrascht kaum. Motorola etwa, einer der wichtigsten Verfechter mobiler Linux-Systeme, will Android seiner bestehenden Palette an Handy-Plattformen hinzufügen. "Wir haben Abkommen mit Carriern und anderen Anbietern, die verschiedenste Produkte betreffen", relativierte Ed Zander, Chairman und CEO von Motorola, den Schulterschluss mit Google und den OHA-Partnern. "Daran werden wir uns halten." Konzernsprecher Paul Alfieri bekräftigte: "Android ist nur eine der Waffen in unserem Arsenal." Derzeit nutzt Motorola auf seinen Handys ein Linux-System von Monta Vista.

Ähnlich unverbindlich klingen die Kommentare vom taiwanischen Handy-Hersteller HTC, der eigentlich wichtigster Hardwareanbieter unter den Windows-Mobile-Partnern von Microsoft ist. "An unserem Commitment zu anderen Betriebssystemen ändert sich gar nichts", sagte Peter Chou, CEO des Handset-Lieferanten.

Dass sich die Google-Gegner Nokia und Microsoft noch eine Spur skeptischer äußerten, verwundert nicht. Nokia, das auf Symbian und seine eigene Entwicklungsplattform "Series 60" setzt, denkt nicht daran, Android zu unterstützen. Zumindest äußerte sich US-Manager Bill Plummer entsprechend. Er sagte, im Markt gebe es genügend Platz für verschiedene Plattformen. Nokia heiße "offene Ansätze", wie sie mit Android verfolgt würden, willkommen. Allerdings betonte Plummer mit Blick auf die OHA, dass es mit der Open Mobile Alliance bereits eine große Organisation gebe, die für die Interoperabilität der verschiedenen Plattformen kämpfe. Diese Gruppe, in der die Finnen Gründungsmitglied sind, war entstanden, um Standards zu schaffen, damit Anwendungen über verschiedene Plattformen hinweg laufen können. Tatsächlich halten sich die Erfolge bislang in Grenzen.

"Ein Vergleich mit Windows Mobile ist schwierig"

Auch Microsoft äußerte sich skeptisch zu Googles Mobilfunkvorstoß. CEO Steve Ballmer zierte sich zunächst, die Ankündigung des Rivalen zu kommentieren, sagte dann aber vor der Presse: "Diese Anstrengungen sind derzeit nicht viel mehr als ein paar Worte in einer Pressemitteilung. Es ist schwierig, einen Vergleich mit Windows Mobile anzustellen." Ballmer verwies auf die Erfolge, die Microsoft mit Windows Mobile erzielt habe. Derzeit sei das System auf 150 Handy-Modellen von 100 Mobilfunkunternehmen verfügbar.

Symbian-Chef Nigel Clifford, dessen Betriebssystem einen direkten Konkurrenten zu Symbian darstellen wird, spielte die Ankündigung ebenfalls herun-ter: "Es gibt bereits zehn, 15, 20, vielleicht auch 25 unterschiedliche LinuxPlattformen da draußen." Die Fragmentierung von Linux greife offenbar rasant um sich. Googles Commitment zu Offenheit bezeichnete Clifford als "gute Sache. "Ich würde aber eher sagen, so etwas wie freie Software gibt es in Wirklichkeit nicht.

Unter den Marktforschern ist das Echo auf Android geteilt. "Das Timing der Ankündigung ist hervorragend", so Ovum-Analyst Martin Garner. Apple habe mit seinem iPhone das richtige Klima für eine Aufbruchstimmung geschaffen.

Android sei der Versuch, eine starke, offene Plattform zu schaffen, die eine kritische Masse an Entwicklern anziehe und schnell bessere Geräte, Anwendungen und Services bereitstelle als die Wettbewerber. Im Wesentlichen gehe es in dieser frühen Phase darum, Entwickler auf das Software Developer Kit (SDK) aufmerksam zu machen, damit sie auf dieser Basis mobile Anwendungen schrieben.

Ovum wirft die Frage auf, ob für Googles Ziel, die Softwarefragmentierung aufzuhalten, eine benutzerfreundlichere Oberfläche anzubieten und Werbung auf mobilen Endgeräten zu verbreiten, dieser große Wurf nötig war. Vielleicht hätte es ja auch ein einfacher Browser getan, so die Analysten. Ob Android zu einem Erfolg werde, sei keineswegs gewiss.

"Die Telco-Landkarte ist übersät mit wackligen, sich überschneidenden und gescheiterten Initiativen. Die meisten Mitglieder der OHA haben Erfahrungen aus erster Hand damit", so Garner. "Wenn ich zynisch wäre würde ich sagen: Es kostet die Hersteller wenig, der OHA beizutreten und nette Dinge darüber zu sagen." Wenn sie es ernst meinten, sollten die OHA-Mitglieder für Glaubwürdigkeit sorgen. Dazu gehöre unter anderem

zu erklären, warum auf Handys mit Android-Software Google-Services mehr bringen sollen als auf derzeitigen Handys, auf denen man Google auch nutzen kann;

deutlich zu machen, welche Geschäftsmodelle die Mitglieder der OHA, also Netzbetreiber, Softwarehersteller, Anbieter von Chipsets und andere, verfolgen;

Details über die zu erwartenden Handy-Modelle und künftige Software herauszugeben und zu sagen, inwiefern diese den State of the art übertreffen (zumindest Google sollte seine Roadmap offenlegen);

zu erklären, warum die OHA besser und voraussichtlich erfolgreicher werden könne als LiMO, die Open Mobile Terminal Platform, die Open Mobile Alliance, die Gnome Mobile and Embedded Initiative oder andere relevante Allianzen;

darzulegen, wie diese sehr offene Plattform mit Sicherheitsfragen umgehen wird und

zu verraten, wie diese Plattform, an der 33 Partner mitarbeiten, gemanagt werden soll denn so etwas sei schon in einem einzigen Großkonzern schwierig genug.

Der Name Google steht für Erfolg

Auch Avi Greengart, Analyst bei Current Analysis, sieht vor allem die Chance, die dem Android-Konzept innewohne: "Wir haben von IT-Managern viel gehört über Enterprise-Class-Lösungen in Bereichen wie E-Mail, die aber nie das Licht der Welt gesehen haben, weil es keine vernünftige einheitliche Plattform gab." Dass Google hinter der Initiative stecke, erhöhe die Chance auf einen Erfolg gegenüber allen früheren Initiativen. Ein robustes Linux-System in der Hand von Google und seinen Partnern könne die bisherigen Bemühungen, mehr Plattformen mit Open-Source-Software auszustatten, in den Schatten stellen. Entwickler, die sich mit dem Linux-Kernel beschäftigt haben, sollten sich klarmachen, dass dies eine interessante Option sei.

Die Ankündigung könne dafür sorgen, dass Unternehmen die Chance bekämen, mobile Geräte viel mehr als bisher zu individualisieren und an den eigenen Bedarf anzupassen. Die Folge sei, dass Applikationen und Tools in die Unternehmen gelangen könnten, an die bislang nicht zu denken gewesen sei. Außerdem, so Greengart, bekommen Firmen unter Umständen die Chance, Geräte komplett zu verändern, ehe sie an die Mitarbeiter ausgegeben werden. Das, was heute als Default-Einstellungen vorgegeben ist, spiele dann möglicherweise keine Rolle mehr. (hv)