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10.01.1992 - 

DV-Abteilungen erhalten neues Werkzeug

Grafik-Sprache optimiert die Kooperation mit Anwendern

Eine bessere Kommunikation zwischen Software-Entwicklern und Mitarbeitern von Fachabteilungen soll ein Werkzeug gewährleisten, das am Fachbereich Wirtschaftsinformatik der Fachhochschule Nordostniedersachsen in Zusammenarbeit mit der Agens Consulting GmbH in Ellerau entwickelt wurde. Grundlage ist eine grafische Sprache, an deren Entwicklung Heinz-Dieter Knöll* beteiligt war.

Der Schwerpunkt bei der Tool-Entwicklung ist auf die Verwaltungsautomation gelegt worden. Das Werkzeug "KS-Graph" richtet sich hauptsächlich an solche Fachabteilungen, die in Banken, Versicherungen, der öffentlichen Verwaltung oder in den kaufmännischen Abteilungen von Industrieunternehmen ihren Arbeitsplatz haben. Die zugrundeliegende Sprache benutzt einfache Ikonen als Symbole, die je nach ihrer Umrandung eine Funktion oder ein Objekt repräsentieren. Dabei haben die Objektsymbole einen ovalen Rand und die Funktionssymbole einen quadratischen Rand.

Die Modellierung beginnt üblicherweise mit dem Ist-Zustand auf Vorgangsebene (siehe Abbildung 1). Dabei werden die einzelnen Vorgänge innerhalb eines Prozesses mittels Konnektoren verbunden.

Die Eingabeobjekte werden auf der linken Seite dargestellt, die Ausgabeobjekte auf der rechten Seite.

Mit dieser Datenflußplan-artigen Darstellung wird erreicht, daß sowohl die Informationsflüsse als auch die Aufeinanderfolge von der Verarbeitung dargestellt werden kann. Die einzelnen Vorgänge können anschließend in den Detaildiagrammen auf Funktionsebene verfeinert werden.

In unseren praktischen Erfahrungen war die Diskussion um den Inhalt dieser Diagramme mit den Fachabteilungs-Mitarbeitern sehr lebhaft. Bei anderen grafischen Methoden, zum Beispiel Entity-Relationship-Diagrammen, LCP-Diagrammen, Bubble-Charts, Jackson-Diagrammen, SADT-Diagrammen und Datenflußplänen nach DIN 66001, waren die Fachabteilungs-Mitarbeiter nur teilweise in der Lage, diese Diagramme nachzuvollziehen. Das Verständnis reichte nicht so weit, daß eine ausführliche Diskussion dieser Diagramme stattfinden konnte.

Nach der Ist-Aufnahme und der ausführlichen Diskussion des Ist-Zustandes mit den Benutzern, ist die nächste Aufgabe die Modellierung eines Soll-Zustandes mit möglichst effektiver Benutzerpartizipation. Gerade bei der Verwaltungsautomation muß das Soll-Konzept in enger Verbindung zum Ist-Zustand entwickelt werden, zumal die Verarbeitungsschritte im wesentlichen durch gesetzliche Vorschriften, durch vertragliche Bestimmungen und hausinterne Verfahrensrichtlinien vorgegeben sind.

Es sind also keine grundsätzlich neuen Verfahrensvorschriften anzuwenden. Vielmehr muß das bestehende System im Ablauf optimiert und der Zugriff auf die für die Sacharbeit notwendige Information beschleunigt werden.

Die Modellierung des Soll-Zustandes erfolgt mit der Entity-Relationship-Methode von Chen, die auf der Datenseite genaue Vorschriften liefert, wie aus der realen Welt des Unternehmens ein logisches Datenmodell entwickelt werden kann. Dieses logische Modell kann dann nach den Transformationsregeln von Chen in einen physischen Datenbank-Entwurf übertragen werden, wobei Chen Regeln für hierarchische Datenbanksysteme wie DL/1, Netzwerk-Datenbanksysteme (Codasyl) und relationale Datenbanksysteme entwickelt hat.

Auch die funktionale Seite kann mit der Entity-Relationship-Methode modelliert werden. In dem soeben vorgestellten Buch von Chen und Knöll** wird neben dem logischen Datenbankentwurf von Chen auch der logische Programmentwurf von Knöll vorgestellt. Darin sind Regeln enthalten, wie aus manuellen Ist-Zuständen computerunterstützte Konzepte entwickelt werden können. Dabei werden Single-User- und Teilhaber-Systeme ebenso wie transaktionsorientierten Teilnehmersysteme behandelt.

Unter Verwendung dieser Methoden wird eine enge Verbindung zu der Ist-Zustands-Beschreibung hergestellt: Die Formulare werden weitgehend in Bildschirmformate transformiert die Ausgangsschreiben in Computerausdrucke und die Akten in Dateien. Die manuellen Funktionen, wie Berechnen und Formular-Ausfüllen werden computerunterstützte

Funktionen.

Anhand von Grafiken kann sich der künftige Benutzer wie bei einem Prototypen vorstellen, wie die künftige Verarbeitung an seinem Arbeitsplatz ablaufen wird (vergleiche Abbildung 2). Der Vorteil dieses Diagramms gegenüber einem Prototypen ist die Darstellung der Verzahnung von weiterhin notwendigen manuellen Arbeiten und der maschinellen Datenverarbeitung. Gerade diese mangelhafte Verzahnung der Arbeitsschritte führt in vielen Fällen dazu, daß technisch einwandfreie Softwarepakete in der Praxis nicht angenommen werden.

Viele Softwarepakete enthalten zwar alle Funktionen, die benötigt werden, ihre Handhabung ist aber den verbliebenen manuellen Tätigkeiten nicht angepaßt. Das Werkzeug ist in seinem Aufbau so gestaltet, daß es als grafische Oberfläche für eine Software-Engineering-Datenbank dienen kann. Einige große Banken und Versicherungsgesellschaften setzten es aber nicht nur zur Ist-Analyse und Spezifikation von Softwaresystemen ein, sondern in verstärktem Maße für die DV-Revision. Die Revisoren können nämlich mit Hilfe dieser Darstellungen erheblich leichter die Schwachstellen in der Sicherheit des DV-Systems aufspüren.

**Literatur: Peter P. S. Chen und Heinz-Dieter Knöll: Der Entity-Relationship-Ansatz zum logischen System-Entwurf. Datenbank- und Programm-Entwurf. BI-Wissenschaftsverlag 1991