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24.05.1991 - 

Trends bei Desktop-Publishing- und Grafikprogrammen

Grafik- und Textsoftware kommen den DTP-Programmen entgegen

Bisher völlig getrennte Softwaregebiete wachsen langsam zusammen: Textverarbeitung, Desktop-Publishing- und Grafikbearbeitung. Worin liegen heute noch die Unterschiede? Wird es eines Tages nur noch eine universelle Software geben, die alle Möglichkeiten der Text-, Desktop-Publishing- und Grafikbearbeitung bietet? Der ZVEI-Fachverband Informations- und Kommunikationstechnik (ZVEI-FV IuK) gibt Antwort auf diese Fragen.

Textverarbeitungsprogramme waren bis vor kurzem die typische Sekretariatssoftware. Sie sollten das Schreiben vereinfachen, beschleunigen und rationalisieren. Inzwischen bieten sie zusätzliche Leistungen, die sie auch für Arbeiten qualifizieren, die weit über ihren ursprünglichen Zweck hinausgehen und für die früher hochwertige Spezialprogramme eingesetzt werden mußten. Hierzu gehören die Möglichkeit, vorhandene Grafiken und Bilder in die Textpassagen zu integrieren, Tabellen sowie mathematische, technische und chemische Formeln fast so einfach wie Fließtext zu schreiben und den Text mehrspaltig zu setzen - wie einen Zeitschriften- oder Zeitungsartikel. Dabei unterscheidet sich das gedruckte Ergebnis kaum noch von einer Desktop-Publishing-Arbeit. Es ist jedoch komplizierter und zeitaufwendiger zu erreichen.

Am Schreibtisch publizieren

Desktop-Publishing-Programme wurden ursprünglich für das grafische Gewerbe entwickelt. Der Name sagt, daß mit ihnen am Schreibtisch "publiziert" wird, also Druckunterlagen entstehen. Für diese Arbeiten kombinierte man einen sehr leistungsfähigen PC mit einem Scanner (Bildleser) und einem hochwertigen Laserdrucker sowie zahlreichen Spezialprogrammen.

Das eigentliche Desktop-Publishing-Programm war (und ist) im wesentlichen eine Sammel- und Veredelungssoftware. Es kombiniert den Text, der in Textverarbeitungsprogrammen er- und bearbeitet wurde, fügt Bilder und Grafiken, die aus dafür spezialisierten Programmen stammen, hinzu und bereitet das Ganze so auf, wie es für ein Buch, eine Zeitung, Zeitschrift oder ein anderes Druckerzeugnis erforderlich ist. Die Ausgabe des Erarbeiteten erfolgt dann entweder direkt, also auf einem Bürodrucker, indirekt über einen Datenträger oder mittels Datentransfer auf einer hochwertigen Druckanlage. Die fertigen Erzeugnisse sind von denen des klassischen Buchdrucks nicht mehr zu unterscheiden.

Leistungsfähige Hard- und Software sorgt dafür, daß sich Desktop Publishing in immer mehr Betrieben durchsetzt, weil diese Prospekte, Druckschriften, Haus- und Kundenzeitschriften selbst anfertigen wollen.

Natürlich ist auch die Leistung der Desktop-Publishing-Programme in den letzten Jahren gestiegen. Viele Funktionen, die sonst mühevoll und zeitaufwendig manuell durchgeführt werden mußten, erfolgen bei moderner Software automatisch. Hierher gehören das Erstellen von Inhaltsverzeichnissen, das Verwalten der Fuß- und Endnoten, die Numerierung der Abschnitte, das Anfertigen von Tabellen und Formeln sowie die Gestaltung der Seite mit dem "vertikalen Keil". Mit ihm löst das Programm ein besonders unangenehmes Problem der Desktop-Publishing-Arbeiten. Dieser Keil sorgt dafür, daß bei mehrspaltigem Satz die letzten Zeilen aller Spalten auf gleicher Höhe stehen.

Die geschilderten Erweiterungen der Textverarbeitungsprogramme um automatisch ablaufende Funktionen (Inhalts- und Indexverzeichnisse) stammen eigentlich aus dem Desktop-Publishing-Bereich, denn dort war der Bedarf dafür am größten. Auch die heute weit verbreitete Maus-Steuerung der Befehle und Funktionen kommt daher.

Trotz dieser Erweiterungen blieben jedoch die bekanntesten Desktop-Publishing-Programme bei ihrer reinen Sammel- und Veredelungsfunktion.

Zur Zeit ist ein Trend spürbar, auch die Textverarbeitungsfunktionen in die Desktop-Publishing-Software zu integrieren. Das gestaltet sich jedoch problematisch, denn es wird schwierig sein, alle Funktionen eines leistungsfähigen Textprogramms beizubehalten. Daher besteht die Gefahr, daß der Anwender für anspruchsvolle Textverarbeitungsaufgaben ein weiteres Programm einsetzen muß.

Einsatzgebiete für Grafikarbeiten

Darüber hinaus könnte damit der Desktop-Publishing-Anbieter seinen Kunden zwingen, für die Textverarbeitung ein ganz bestimmtes, also ein von ihm angebotenes Programm zu verwenden. Das würde Betrieben, die auf allen Schreibplätzen das gleiche Textverarbeitungsprogramm einsetzen wollen, erhebliche Probleme bereiten.

Bei den Grafikarbeiten sind zwei Einsatzgebiete zu unterscheiden: die Präsentations- und die Geschäftsgrafik. Die Präsentationsgrafik kombiniert vor allem Texte und Bilder. Geschäftsgrafiken sind dagegen die bildhafte Darstellung von Tabellen, also Zahlenrelationen. Die dafür geeigneten Programme müssen rechnen können, um Zahlen in Größen zu verwandeln und dann Balken oder Säulen, Kreissegmente, Punkte oder Linien in ein Koordinatensystem zu übertragen.

Kennzeichnend für moderne Grafikprogramme ist darüber hinaus das enorm große Angebot repräsentativer Schriftarten. Hier bleibt wirklich kein Wunsch offen. Während gute Textverarbeitungsprogramme mit etwa sechs, Desktop-Publishing-Programme mit zehn Schriftarten ausgestattet sind und auskommen, verfügen Grafikprogramme über 50 Fonts. Außerdem besitzen sie zahlreiche automatisch ablaufende Funktionen und Werkzeuge zum Anfertigen von Bildern. Außerdem bieten sie Symbolverzeichnisse mit bis zu 15 000 Grafiken, die der Anwender beliebig verwenden, also verändern und miteinander oder mit eigenen Bildern kombinieren kann.

Die Stärke dieser Software liegt eindeutig bei der Herstellung repräsentativer, nur eine Druckseite umfassenden Unterlagen, die entweder direkt verwendet - als Urkunden, Handzettel, Plakate, Anschläge fürs Schwarze Brett, für Speisenkarten und Schilder - oder als Teil einer umfangreichen Publikation in das Desktop-Publishing-Programm übernommen werden können.

Benutzerführung muß vereinheitlicht worden

Die drei Programmarten werden sich immer ähnlicher, trotzdem sind zumindest heute noch klare Anwendungsschwerpunkte zu erkennen. Werden sie zu einem Einheitsprogramm zusammenwachsen?

Der harte Wettbewerb der Anbieter führt dazu, daß diese die Leistung der Softwarepakete ständig steigern. Der Trend, dabei in einen der beiden konkurrierenden Bereiche einzubrechen, ist unübersehbar. Trotzdem müssen wir uns fragen, welche Vorteile das für den Anwender bringt.

Wahrscheinlich würden vollständig kombinierte Programme noch leistungsfähigere Hardware verlangen, als sie heute zur Verfügung steht. Die Software böte dann auch Leistungen, die die meisten Anwender nicht oder nur gelegentlich brauchen. Ob der damit verbundene höhere Aufwand durch Kostenersparnisse dank größerer Absatzmöglichkeiten kompensiert würde, ist ungewiß. Vorteilhafter wäre es, die Leistungen der Spezialprogramme zwar weiter zu vergrößern, ihre Benutzung aber durch lesbarere und verständlichere Dokumentationen zu vereinfachen. Noch wichtiger ist allerdings, die Benutzerführung der Programme zu vereinheitlichen, damit es den Anwendern leichter gemacht wird, die Arbeitsergebnisse aus den einzelnen Spezialprogrammen untereinander auszutauschen und an anderer Stelle zu verwenden.