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27.11.1987

Grafiker sind die besten Desktop-Publisher

27.11.1987

"So holprig, wie die Bezeichnung Desktop-Publishing von vielen Personen ausgesprochen wird, so unvollkommen sind teilweise die angebotenen Lösungen", sagen häufig Anwender, die aus dem Druckgewerbe kommen. Im allgemeinen äußern sich jedoch Unternehmen, die gerade erste Erfahrungen mit DTP machen, sehr euphorisch. Viele stecken noch in der Experimentierphase, aber manche stellen bereits sämtliche Druckvorlagen mittels DTP her. Enorme Zeit- und Kosteneinsparungen stehen dabei immer an oberster Stelle - ganz gleich, für welche Anwendung das DTP-System eingesetzt wird. Das Gros der DV-Verantwortlichen ist sich im klaren darüber, daß ein Spezialist aus dem Druckgewerbe mit Typografie- und Layout-Kenntnissen vonnöten ist, wenn man professionelle Ergebnisse erzielen möchte.

Günter Galliger

zuständig für Ablauforganisation im Unternehmensbereich Luftfahrzeuge, MBB, München

In Sachen Desktop-Publishing (DTP) und Computer Aided Publishing (CAP) haben wir zwei Pilotprojekte in Fachabteilungen laufen; ein drittes versuchen wir gerade in der zentralen DV-Abteilung im Bereich Ablauforganisation auf die Beine zu stellen.

Den Begriff CAP definieren wir so: Erstellen von technischen und kommerziellen Handbüchern, Einbinden von Illustrationen in Texte in großer Menge, Manipulation von digitalisierten Grafiken und Bildern (sowohl Raster- als auch Vektor-Grafik) in einem Umfang von 20 bis 1000 Seiten und mehr in Druckqualität (Auflösung S00 bis 600 Punkte pro Zoll). Unter DTP verstehen wir das Erstellen von Prospekten, Werbe-/Verkaufsunterlagen, Präsentationsunterlagen, Rundschreiben, Vortrags-Unterlagen, lllustrationen mit einem Umfang von 1 bis 20 Seiten in mittlerer bis guter Auflösung (mindestens 300 Punkte pro Zoll).

Die Projekte in den Fachabteilungen differenzieren daher hinsichtlich der verwendeten Hard- und Software und der Anwendungen, die damit realisiert werden sollen. Bei dem ersten Vorhaben - Beginn vor eineinhalb Jahren -, wird mit Rechnern auf 32-Bit-Basis unter Unix experimentiert (CAP). Das Projekt mit 1 6-Bit-Systemen unter MS-DOS wurde vor etwa einem halben Jahr gestartet (DTP).

Das Projektteam im Unix-Bereich setzt sich zusammen aus zwei Fachabteilungsmitarbeitern, die bereits über die nötigen Typografie- und Layout Kenntnisse verfügen, und je einem Kollegen aus der DV und der Organisation. Hier wird der Versuch unternommen auf Apollo-Workstations umfangreiche technische Dokumentationen zu erstellen. Dazu werden die Programme "Interleaf" und "Context" getestet. Die Peripherie dieses Equipments besteht aus einem Scanner für grafische Vorlagen, die mit einer Rastereditier-Software verändert oder vektorisiert werden können, und einem Laserdrucker. Ziel ist es, digitalisierte Grafiken

(Explosionszeichnungen) in die Handbuchtexte einzubinden.

Das Projekt mit DTP-Systemen auf PC-Basis wird im Vertriebsbereich für Hubschrauber durchgeführt und von zwei Mitarbeitern (einem aus der DV/Org.- und einem aus der Fachabteilung) betreut. Dort wird die Erstellung von Prospekten, Vortragsunterlagen und Business-Grafiken erprobt. Diese Anwendungen beschränken sich momentan beispielsweise auf das Editieren von Text-Fonts mit Hilfe des Ventura Publisher. Langfristig planen wir, komplexere Prospekte bis zu kleinen Verkaufshandbüchern für die Hubschrauber anzufertigen.

Das Projekt in der Ablauforganisation hat zum Ziel, die Dokumentationen für die einzelnen Org./DV-Projekte beziehungsweise -Konzepte mittels DTP und CAP zu erstellen. Im Grunde möchten wir auf diese Weise mit diesen Anwendungen Erfahrungen sammeln, um künftig qualitative Beratung zu bieten. Die Publikationen, die von den Fachabteilungen erstellt werden, gehen ja mit den Produkten nach außen und müssen daher einen gewissen Qualitätsstandard haben. Die Konfiguration in unserer Abteilung besteht aus einem AT 03, einem Scanner und einem Laserdrucker.

Allen diesen Projekten gingen Untersuchungen voraus, bei denen mit Büroanalysemethoden die Nutzenpotentiale neuer Techniken festgestellt wurden. Wir versprechen uns davon enorme Kosteneinsparungen.

Josef Armbruster

Fachgruppenleiter Bürotechnik, WDR, Köln

In der Hausdruckerei des estdeutschen Rundfunks wird DTP seit etwa zweieinhalb Jahren sehr erfolgreich eingesetzt. Das hier verwendete System ist allerdings nicht als DTP-Lösung eingeführt worden, sondern als Hilfsmittel für die Layout- und Satzerstellung. Wir erzeugen mittels DTP Vorlagen, sowohl Einzelseiten als auch umfassende Dokumentationen, Handbücher, kleine Handzettel, Vordrucke, Organigramme und Grafiken. Dafür verwenden wir Xerox-Workstations unter der Software Viewpoint, die ursprünglich für Bürokommunikationszwecke konzipiert wurde, jedoch durch umfangreiche Funktionen im Text- und Grafikbereich hervorragend für DTP-Anwendungen geeignet ist.

Kosteneinsparungen um bis zu 50 Prozent ergaben sich in unserem Bereich vor allem durch die Reduzierung bei der Vergabe externer Layout- und Satzarbeiten. Die dadurch eingesparten externen Satzkosten liegen bei etwa

75 000 Mark pro Jahr. Die Zeit für die Erstellung von Druckvorlagen hat sich durch die Installation des Satzsystems von zirka 14 auf zwei bis drei Tage verringert.

Wir haben bei der Einführung zwei Wege beschritten: Unsere gelernten Drucker haben eine Schulung bei dem Hersteller des Systems besucht oder sich die Funktionsweise in Eigenregie beigebracht. Diese Mitarbeiter verfügten also bereits über das nötige Wissen hinsichtlich der Layout-, Satz- und Montagetechniken. Dies ist allerdings das größte Problem bei allen anderen DTP-Anwendern im Unternehmen. Auch wenn man ein Super-DTP-System hat, kommt man nicht um Grafik- und Layoutkenntnisse herum, um einwandfreie und druckreife Vorlagen zu erstellen. Wenn uns Kollegen auf dem PC erstellte Vorlagen bringen, müssen wir diese in der Regel neu setzen, da grundsätzliche Fehler beim Layout- und im Formatbereich gemacht werden.

Die ersten PC-Systeme mit Desktop-Publishing - sprich: Ventura oder GEM- sind in anderen Abteilungen seit etwa einem Jahr im Einsatz, wobei der Schwerpunkt bei Text- und Datenverarbeitung liegt. Bei diesen Systemen ist die Druckausgabe das größte Problem. Die PC-Systeme sind anfangs mit Matrixdruckern ausgeliefert worden; deren Qualität reicht jedoch bei weitem nicht aus, um diese Vorlagen weiterverarbeiten zu können.

Im PC-Bereich beschränkt sich der DTP-Einsatz meist auf Organigramme und einseitige Informationsblätter für den internen Gebrauch. Der größte Teil der DTP-Anwendungen wird jedoch auf dem professionellen Xerox-Satzsystem der Hausdruckerei produziert. Von den PC-Anwendern erhält die Hausdruckerei nur die reinen Texte, die dann im Satzsystem weiterbearbeitet werden.

Ein großes Manko ist derzeit noch, die auf einem PC erstellten Texte in ein Satzsystem zu importieren, denn fast jede Anwendersoftware wie Word, Wordstar oder GEM hat eine eigene Codierung. Die PC-Formate müssen also in das Format des Satzsystems konvertiert werden. Wir sind ständig auf der Suche nach Softwarehäusern, die Lösungen für dieses Problem anbieten oder entwickeln können. Bei gewissen Softwareprogrammen muß man jedoch eigene Konverter erstellen, da diese nicht am Markt vorhanden sind. Eine Möglichkeit, diese Konvertierungsprobleme zu minimieren, ist unter anderem, daß die Anwender bei der Texterfassung gewisse Regeln beachten müssen und daß sie vereinbarte Codes zur Formatierung verwenden sollen.

Meiner Ansicht nach wird jemand, der nur ab und zu auf seinem PC Desktop-Publishing anwendet, zu keinem guten Ergebnis kommen. Denn je umfangreicher DTP-Programme sind und desto mehr Möglichkeiten sie bieten, um so komplizierter und schwieriger wird der Umgang damit.

Dr. Dieter Zorn

Geschäftsführer, Team Direct, Hamburg

Wir verwenden gegenwärtig zwei Apple-DTP-Systeme in unserer Agentur, allerdings ohne direkte Anbindung an eine Linotype-Anlage. Das würde sich für ein Unternehmen unserer Größe nicht lohnen. Nach einer kurzen Einarbeitungszeit machen wir jetzt das Layout für alle unsere Kunden fast ausschließlich mit diesen Systemen. Das sieht so aus, daß unsere Texter an einem Macintosh die Textvorlagen eingeben, den Text an den Großbildschirm schicken, an dem der Grafiker den Umbruch und das Layout erledigt. Layout-Vorlagen geben wir über einen Scanner ein und gewinnen damit in kürzester Zeit ein Reinlayout, daß wir dann unseren Kunden präsentieren können. Früher wurden das Textmanuskript und das Layout getrennt angeliefert. Das war jedesmal ein Suchspiel nicht nur für den Werbeleiter, sondern auch für die Fachleute, die ihr Okay geben müssen.

Änderungen können sofort am Bildschirm durchgeführt werden, worüber die Grafiker(innen) sehr froh sind. Die Druckvorlagen für die endgültigen Versionen werden im Augenblick noch auf konventionelle Weise erstellt. Der umbrochene Text geht direkt vom Laserwriter in die Reinzeichnung oder wird zum Beispiel über die Linotronic 300 professionell belichtet.

Bei der Umstellung auf DTP gab es ein Problem: Grafiker sind heutzutage im allgemeinen nicht mehr so gut ausgebildet, daß das typografische Können ausreichen wurde. Insofern mußten wir einige Übungen und Schulungen einschieben, in denen den Grafikern die neuen Aufgaben deutlich gemacht wurden. Druckwerke mit einem Umfang von 80 Seiten oder mehr müssen wenn sie top sein sollen, von typografisch geschulten Fachleuten erstellt werden. Entweder man trainiert die eigenen Mitarbeiter, oder man geht mit seiner Diskette zum Typeshop.

Wir haben festgestellt, daß es unseren Grafikern ungeheuren Spaß macht, mit Desktop-Publishing umzugehen. Sie können sich gar nicht mehr vorstellen, wie sie vorher konventionell gearbeitet haben. Sie entdecken völlig neue Perspektiven an ihrem Beruf und sind Änderungen gegenüber viel aufgeschlossener. Im Layout-Bereich lassen sich enorme Kosten und Zeit einsparen. Wir waren noch nie so schnell und so perfekt wie heute. Für uns als Direktmarketing-Unternehmen ist das noch wichtiger als für die klassischen Werbeagenturen. Man kann dem Kunden die Mailings und Beilagen in einer ganz anderen Optik präsentieren.

Peter Dürolf

Abteilungsleiter Controlling, MD Papierfabriken Heinrich Nicolaus GmbH, Dachau

Als innovationsfreudiges Unternehmen begannen wir uns vor rund einem Jahr mit den Möglichkeiten von Desktop-Publishing-Systemen zu beschäftigen. Demonstrationen diverser Pakete, Gespräche mit einigen Softwarehäusern sowie Vorträge und Diskussionen mit Anwendern zu diesem Thema ließen uns sehr schnell zu dem Schluß kommen, daß DTP nur von einem Profi - was Layout und grafische Gestaltung angeht - sinnvoll betrieben werden kann. Als potentielle Anwender kommen daher in unserem Hause nur Mitarbeiter des Bereiches Marketing-Services (Werbung, PR etc.) in Frage, die die gebotenen Möglichkeiten auch tatsächlich nutzen können. Speziell für einen Hersteller grafischer Druckpapiere sehen wir eine weitere Einschränkung auf Inhouse-Publikationen, da unsere externe Kommunikation hohen Qualitätsanforderungen gerecht werden muß.

Gisbeirt Speth

Hauptabt.-Leiter Org./DV MD Papierfabriken Heinrich Nicolaus GmbH, Dachau

Wenn es sich um Probleme in der Bürokommunikation handelt, wird DTP als der Lösungsweg schlechthin angeboten. Mir persönlich stellt sich die Situation so dar: So holprig, wie die Bezeichnung Desktop-Publishing von vielen ausgesprochen wird, so unvollkommen sind teilweise die angebotenen Systeme.

Betrachtet man PC-Anwendungen, dann stellt man fest, daß man sehr schnell an die Grenzen des Machbaren gelangt. So liefern am PC angeschlossene Scanner eine relativ schlechte Qualität an Bildern und Grafiken, und zum anderen fehlt es an lebensnotwendigen Funktionen in der angebotenen Software.

In unserem Hause werden gerade die ersten Gehversuche mit DTP auf einer Großanlage gemacht, und auch hier erleben wir täglich neue Überraschungen. Die installierte Hardware ist in einem Ethernet-Netzwerk eingebunden und besteht aus einem leistungsfähigen Laserdrucker (70 Seiten pro Minute), einer Workstation und einem Scanner. Die Kosten dieser Anlage inklusive Laserdrucker betrugen zirka 800 000 Mark. Der Laserdrucker wird darüber hinaus für den List-Output unserer gesamten Rechensysteme verwendet. Als Pilotprojekt wurde das Erstellen eines Handbuches im DIN-A5-Format aufgegriffen. Die für uns so simpel erscheinende Anwendung stellte sich bei der Umsetzung als sehr problematisch heraus:

- Die Übernahme des Textes aus der bestehenden Textverarbeitung in ein DTP-Programm bereitete aufgrund der Steuerzeichen Schwierigkeiten.

- Das Scannen der Bilder und Grafiken benötigt sehr viel externe Plattenkapazität.

- Das Drehen der Grafiken auf Hoch- oder Querformat ist nicht ohne weiteres möglich (nur mit einem Kostenaufwand von etwa 200 000 Mark).

- Sehr langsame Verarbeitungszeiten bei nur einem Arbeitsplatz.

- Ungenügende Unterstützung des Herstellers, da erfahrene und geschulte Mitarbeiter fehlen.

- Instabilität des Netzwerkes und der eingebundenen Hardware.

Wir können zu DTP-Systemen folgendes konstatieren: Man muß genügend Zeit und Geduld aufbringen, um ein solches System vernünftig betreiben und in den täglichen Arbeitsprozeß integrieren zu können. Des weiteren muß sehr viel Geld investiert werden, um überhaupt ein leistungsfähiges und stabiles System zu bekommen. Wir sind beispielsweise überzeugt davon, daß brauchbare Scanner erst ab 50 000 Mark zu haben sind und nur Laserdrucker mit der Fähigkeit zu zweiseitigem Druck eine sinnvolle Lösung darstellen.

Fazit: Zwischen Demonstration und Praxiseinsatz liegen Welten. Gleichwohl sind die Perspektiven von DTP vielversprechend und mit der bereits angesprochenen Geduld in einem akzeptablen und überschaubaren Zeitraum realisierbar. Denn an der Notwendigkeit derartiger Systeme als Basis für ein modernes Informations-Management besteht bei uns keinerlei Zweifel. Die Konzeption von DTP ist richtig und von anderen Konzepten (beispielsweise Kombination von Grafik und Textverarbeitung) in der Eleganz und Funktionsmächtigkeit nicht erreichbar.