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20.05.1983 - 

Probleme gibt es bei Hard- und Software:

Grafiksysteme stehen erst am Anfang

Der Nutzen eines CAD-Systems wird von vielen Faktoren bestimmt, die einerseits hardware-, andererseits softwareabhängig sind. Derzeit gibt es jedoch sowohl bei der Hardware wie auch bei den Grafikprogrammen Probleme, die den sinnvollen und wirtschaftlichen Einsatz grafischer Systeme im Unternehmen beeinträchtigen. Über die Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung beim Anwender gibt Lothar Fleischer, Geschäftsführer der Adidec GmbH, Ritterhude, Auskunft.

Basis eines jeden CAD-Systems ist die Leistungsfähigkeit des Rechners und die zur Verfügung stehenden Massenspeicher sowie der Komfort der Grafiksoftware. Es ist unbedeutend, ob es sich dabei um "TURNKEY-Systeme" oder aus Hard- und Software modular aufgebaute CAD-Anlagen handelt. Die zu bewältigenden Datenmengen sind bei CAD um ein Vielfaches größer, als beispielsweise in der mittleren Datentechnik, so daß einerseits höhere Verarbeitungs- und Zugriffsgeschwindigkeiten, andererseits größere Massen-beziehungsweise Arbeitsspeicher nötig wären.

Für jedes CAD-System ist von vornherein eine Hardwarekonfiguration erforderlich, die unabhängig vom Betrieb der Arbeitsstation die Zeichnungsausgabe am Plotter gewährleistet. In aller Regel sind damit die meisten Minicomputer bereits überfordert, da diese selten zwei Arbeitsplätze gleichzeitig unterstützen können.

Die Trennung in zwei Arbeitsplätze ist aber keinesfalls zwingend. In CAD-Anlagen mit einem niedrig erscheinenden Systempreis sind integrierte Plotstationen die Regel, sie sind jedoch unwirtschaftlich, da beim Betrieb des Plotters an der integrierten Arbeitsstation die Bildschirmarbeit blockiert ist.

Bei schnellen Plottern, die nach elektrostatischem Prinzip arbeiten, ist die Plotzeit in manchen Anwendungen vernachlässigbar, nicht aber beim Einsatz von Pen-Plottern. Vor allem beim Betrieb mit Tuscheeinsätzen, bei dem nur ein geringer Prozentsatz der Maximalgeschwindigkeit gefahren werden kann, ergeben sich bei Zeichnungen der Größe DIN A0 zum Beispiel durchschnittliche Plotzeiten von rund vier Stunden. Einige Systemlieferanten bieten deshalb die Möglichkeit des "Background-Plotting".

Unwirtschaftlicher Betrieb

Auch diese Alternative kann nicht befriedigen, wenn die Voraussetzungen für wirtschaftlichen Einsatz nicht gegeben sind. Bei den meisten Systemen muß zunächst eine Kopie des zu plottenden Datenfiles erstellt werden (Plotfile). Das Anlegen dieses Plotfiles kann in solchen Anlagen etwa 38 Prozent der Zeit erfordern, die normalerweise zum Plotten nötig ist, so daß nur etwa zwei Prozent eingespart werden kann.

Die Leistungsfähigkeit eines CAD-Systems läßt sich auch für CAD-Neulinge an der Dauer für einen Bildaufbau am Grafikterminal ablesen. Vor allem in preiswert erscheinenden Komplettsystemen werden aus Kostengründen leistungsschwächere Komponenten verwendet, was sich in relativ langen Bildaufbauzeiten bemerkbar macht. So sind Aufbauzeiten von 20 bis 30 Minuten für eine Zeichnung der Größe DIN A0 für viele Systeme leider immer noch Standard und es darf bezweifelt werden, ob sich solche Systeme unterhalb der "Schallgrenze" von 2 Jahren amortisieren. Für die komplette Generierung einer DIN A0-Zeichnung können zirka 20 bis 50 neue Bildaufbauvorgänge zugrunde gelegt werden. Bei einer durchschnittlichen Bildaufbauzeit von 14 bis 18 Minuten ergeben sich daraus etwa 4 bis 6 Stunden, in denen der Bildschirm blockiert wäre, ohne daß Generierungsarbeit durchführbar ist.

Vor der Einführung der CAD-Technologie ist darum genauestens zu prüfen, ob die Mittel für leistungsstarke Hardware zur Verfügung stehen, bewußt die Nachteile schwächerer Komponenten zunächst akzeptiert werden können oder ein bereits vorhandenes EDV-System diesen neuen Aufgaben dienen kann.

Niedriges Software-Niveau

Zum Erfolg mit CAD-Anlagen tragen aber nicht nur die Hardware-Leistungen bei, sondern auch Komfort bei der Grafiksoftware. Das momentane Leistungsniveau gerade derjenigen Programmpakete, die auch einem kleineren oder mittleren Unternehmen erschwinglich scheinen, sind derzeit noch sehr niedrig angesetzt. Komfortable Programmpakete, deren Entwicklung und Pflege seit vielen Jahren bereits intensiv betrieben werden und einen hohen Qualitätsstand erreicht haben, liegen preislich häufig genug in Sphären, die utopisch anmuten. Dies hat gerade in den letzten beiden Jahren dafür gesorgt, daß Grafikprogramme in großer Vielzahl auf den Markt drängen.

Darüber hinaus ist es Normalität, daß die Entwicklung eines CAD-Programmes dem Verlauf einer Kurve nach der e-Funktion ähnlich ist - anfänglich steil ansteigende Entwicklungserfolge, die um so geringer ausfallen, je näher man dem gewünschten Endzustand kommt, wobei stets eine Restfehlerquote in Kauf genommen werden muß. Daß diese Gesetzmäßigkeit für alle CAD-Software-Anbieter zuzutreffen scheint, zeigte die letzte Hannover-Messe wieder sehr eindrucksvoll. Nicht nur, daß an fast allen Ständen, die CAD/CAM demonstrierten, Probleme mit der Hardware bestanden, sondern vor allem auch fatale Fehler in den Programmen am Bildschirm sichtbar wurden. Fehlende Körperkanten, völlig unsinnig verlaufende Linien, falsch plazierte Texte und viele weitere Darstellungsmängel waren keine Seltenheit.

Anwender einbeziehen

Eine Investitionsentscheidung zugunsten eines CAD-Systems wird aber nicht nur anhand einer Checkliste von Hard- und Software getroffen. Immer stärker müssen die tatsächlichen Anwender, also Konstrukteure, technische Zeichner und Entwicklungsingenieure, in den Entscheidungsfindungsprozeß einbezogen werden. Gelingt das nicht, wird sich jede Investition in diesem Bereich als Fehlentscheidung erweisen, verursacht durch passive Abstinenz gegenüber dieser Technologie an der Basis.

Zwei Gründe sprechen dafür, daß Konstrukteure am Entscheidungsfindungsprozeß nicht nur beteiligt werden, sondern ihre Stimme letztlich Priorität bei der Programmauswahl haben muß.

Erstens, das fachliche Urteilsvermögen des Konstrukteurs, eine Grafiksoftware für seinen Fachbereich als brauchbar klassifizieren zu können und zweitens, deren sinnvolle Nutzung im Unternehmen dann auch zu gewährleisten.

Dem kaufmännisch orientierten EDV-Mitarbeiter sind solche Verhaltensweisen fremd, und er sieht darin nur entschlußloses Zaudern. Eine Zusammenarbeit des EDV-Mitarbeiters und des Konstrukteurs ist nötig, wenn die Entscheidung zu keinem Flop fuhren soll. Der Konstrukteur benötigt im allgemeinen die Erfahrungen des EDV-Mitarbeiters auf dem Sektor Computertechnik bei der Zusammenstellung des CAD-Systems, während die Beurteilung eines CAD-Programmpaketes, ohne den erfahrenen Konstrukteur zu Rate zu ziehen, Risiken birgt.

Die Entscheidung sollte auch dadurch abgesichert werden, daß über einen längeren Zeitraum das CAD-System erprobt wird. Während dieser Zeit werden Schwächen erkannt und können beseitigt werden und die gewählte Konfiguration der Anlage kann optimal den Anforderungen der Praxis angepaßt werden. Bei CAD-Anwendertreffen wurde seitens der Teilnehmer übereinstimmend festgestellt, daß der endgültigen Einführung eines CAD-Systems eine 6- bis 8monatige Testphase vorausgehen sollte.

Ferner wurde massive Kritik vorgetragen, sowohl bezüglich der Auslieferung der Systeme, deren Inbetriebnahme und Betreuung, als auch des Entwicklungszustandes und Pflege der Programmpakete. Die Summe der dort diskutierten Erfahrungen dürfte für potentielle Anwender nicht nur die Einsparung finanzieller Mittel, sondern auch die Vermeidung von Personalproblemen, Gerichtsverfahren und Imageverlusten bedeuten, die oft das Unternehmen und die betroffenen Entscheidungsträger stärker belasten.

Für mittlere und kleinere Unternehmen ist die Situation besonders schwierig, weil diese Unternehmen oft nicht in der Lage oder auch willens sind, höhere Systempreise für ausgereifte CAD-Systeme zu akzeptieren, leichter verlockenden "Günstigangeboten" zum Opfer fallen und aus Unkenntnis nicht in der Lage sind, einen Vertrag abzuschließen, der den Besonderheiten und Gepflogenheiten des DV-Marktes gerecht wird.

Eindringlich muß auch davor gewarnt werden, im Vertrauen auf eine renommierte Marke ein erst kurze Zeit am Markt erhältliches System anzuschaffen. Einer in Amerika vielgeübten Praxis, Produkte bereits im Entwicklungsstadium zu vermarkten, bedienen sich zunehmend auch in Deutschland namhafte Firmen, die vielleicht befürchten vom großen Kuchen - CAD - sonst nicht einmal mehr die "Krümel" zu erhaschen.