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30.06.1978

Grafische Datenverarbeitung vor dem Anwendungsdurchbruch?

Peter Wisskirchen

Leiter des Instituts für Grafische Datenverarbeitung und Strukturerkennung der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung, St. Augustin.

Grafische Datenverarbeitung ist der Zweig der Datenverarbeitung, bei dem computergesteuerte Zeichentische, grafische Datenerfassungsgeräte (Digitalisiertische) und interaktive grafische Bildschirmgeräte mit Lichtgriffel, positionierbarem Fadenkreuz, optischer und akustischer Ein- und Ausgabe zum Einsatz gelangen. Für viele Anwender Krönung der interaktiven Datenverarbeitung - die Fülle der angestrebten Einsatzgebiete scheint dies zu bestätigen. Die Palette erstreckt sich von der Stadtplanung bis zur Flugüberwachung, von der Prozeßsteuerung bis zur Computerkunst. Und häufig eröffnen sich diesem Gebiet gerade dort Möglichkeiten, wo interaktive Kontrollfunktionen und Hilfestellungen des menschlichen Bearbeiters erforderlich sind und wo vollautomatische Datenverarbeitungskonzepte versagen.

Die Fülle der Einsatzgebiete führte zu einer gewissen Euphorie. Man erwartete einen plötzlichen Durchbruch der grafischen Datenverarbeitung auf breiter Front. Festzustellen ist jedoch, daß viele Versprechungen nicht gehalten werden konnten - dennoch, die grafische Datenverarbeitung entwächst den Kinderschuhen. Eher unbemerkt dringt sie in die verschiedensten Fachbereiche aus Technik, Industrie, Planung und Verwaltung ein. Damit nicht genug: Für die Zukunft zeichnen sich weitere Einsatzmöglichkeiten im Bürobereich, bei Auskunftsystemen sowie bei Hausund Hobbycomputern ab. Grafische Datenverarbeitung würde dann nicht nur Hilfsmittel für hochtechnische Anwendungen sein, sondern ein allgemein akzeptiertes Werkzeug für die Benutzer moderner Informationstechnologien darstellen.

Hardwaretrends

In der Vergangenheit konnten moderne Methoden der grafischen Datenverarbeitung häufig schon deshalb nicht zum Zuge kommen, weil die Hardware zu teuer war. Der Einsatz grafischer Methoden beschränkte sich dadurch im wesentlichen auf die Mitbenutzung eines in einem Rechenzentrum installierten Zeichentisches. Interaktive grafische Bildschirmgeräte waren nicht nur zu teuer, auch hinsichtlich Darstellungsqualität, Geschwindigkeit des Bildbaues und Leistungsfähigkeit des Hintergrundrechners blieben viele Wünsche offen. Hier hat sich in den letzten Jahren viel getan, das Preis-/Leistungsverhältnis hat sich wesentlich gebessert, und das Marktangebot ist breiter geworden, so daß für nahezu jede geplante Anwendung das geeignete Gerät verfügbar ist. leider kann das Geräteangebot von den meisten Anwendern nicht optimal genutzt werden, da zu selten "schlüsselfertige" Lösungen angeboten werden, bei denen die verschiedenartigen Hardwarekomponenten Bildschirmgerät, Zeichentisch, grafisches Datenerfassungsgerät gekoppelt sind.

Softwaretrends

Weit schwieriger als die rein hardwaremäßige Kopplung verschiedener grafischer Komponenten sind Probleme mit der Software anzusetzen. Selbst dem DV-erfahrenen Anwender kann eine unmittelbare Programmierung der einzelnen Gerätekomponenten zur grafischer Datenverarbeitung nicht zugemutet werden. Aus diesem Grunde bemüht man sich seit einiger Zeit am eine softwaremäßige Unterstützung bei grafischen Systemen. Hier sind zwei Wege erkennbar: einmal die vorprogrammierte Lösung für ein spezielles Aufgabengebiet, zum anderen die Unterstützung eines grafischen Systems mit grafischer Basissoftware, auf der die Anwendungsprogrammierung aufsetzt. Probleme bei fertig vorprogrammierten Systemen sind dort zu sehen, wo der konzipierte Anwendungsbereich nicht sauber spezifiziert

werden kann. Dies ist leider bei vielen Anwendungsbereichen der Fall, so daß man heute eher dazu neigt, grafische Systeme lediglich mit einer noch anwendungsanabhängigen grafischen Basissoftware auszustatten, die nach oben hin erweiterbar ist: den "grafischen Kernsystemen". Grafische Kernsysteme wurden in der Vergangenheit in verschiedenen Forschungsstätten entwickelt, jedoch kaum auf dem Markt angeboten. In letzter Zeit haben grafische Kernsysteme stärker an Bedeutung gewonnen. Beachtenswert ist, daß diese Systeme Gegenstand nationaler und internationaler Normungsbemühungen sind.

Gegenwärtiger Einsatzstand

Die Verbilligung grafischer Hardware, das Bemühen der Industrie, den Anwender auch stärker mit Software zu unterstützen, sowie ein wachsendes Einverständnis hinsichtlich Leistungsfähigkeit und Umfang grafischer Basissoftware führen gegenwärtig dazu, daß zwar nicht stürmisch, jedoch kontinuierlich die grafische Datenverarbeitung breiter und stärker genutzt wird. Sowohl im Bereich des Karten- und Vermessungswesens sowie im Automobilbau, beim Entwurf integrierter Schaltungen und in der Prozeßsteuerung gewinnt grafische Datenverarbeitung mehr und mehr an Bedeutung.

Wie sieht die Zukunft aus?

Die angesprochene kontinuierliche Entwicklung

wird dazu führen, daß für die oben genannten Anwendungsbereiche in Technik, Wissenschaft, Industrie und Verwaltung grafische Datenverarbeitung ein vertrautes und akzeptiertes Hilfsmittel sein wird. Aber auch in andere eher persönliche Bereiche scheint die grafische Datenverarbeitung vorzudringen. Analysiert man Fachzeitschriften auf dem Gebiet der Hobbycomputer und Haushaltscomputer, so stellt man fest, daß auch hier

Anwendungen grafischer Datenverarbeitung konzipiert werden. Werden demnächst Datennetze aufgebaut, so ist die Integration grafischer Methoden nützlich und auf der Hand liegend. Denn bei fast allen Auskunftssystemen lassen sich grafische Methoden einsetzen. Informationen über Bahn- und Busverbindungen, Verkehrsbelastungen, vom Hauscomputer abgerufene Kochrezepte gewinnen an Qualität und Akzeptanz wenn Texte um Grafiken bereichert werden. Als Ausgabegerät für solche auf öffentlichen Datennetzen basierende Dienste ist der ohnehin vorhandene Fernsehapparat großer Favorit, und der ist nicht auf die Ausgabe von Texten beschränkt, sondern erlaubt beste Ausgabe in grafischer Form, sogar farbig.