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12.06.1981 - 

Die NOE-Schaltechnik GmbH wollte nicht mehr alles doppelt konstruieren:

Grafische DV hilft bei der Verschalung

SÜSSEN - Betonbaustellen im In- und Ausland versorgt die NOE-Schaltechnik GmbH, Süssen, mit Schalungsteilen. Steigende Kosten, verbunden mit einem ständigen Mangel an qualifizierten Technikern und technischen Zeichnern, veranlaßten das Unternehmen, intensiv nach Rationalisierungsmöglichkeiten im Bereich Projekttechnik zu suchen. Aufgrund eines ausführlichen Kriterienkatalogs wurde NOE fündig.

In einer Bestandsaufnahme erfaßte und dokumentierte NOE Arbeitsmittel und Tätigkeiten einer Projektbearbeitung. Eine Analyse des Arbeitsablaufes zeigte folgende Schwachstellen der herkömmlichen Projektbearbeitung:

- Täglich stellen Techniker und Zeichner identische Einzelteile und Baugruppen neu dar und bereiten sie für die weiteren Arbeitsschritte auf;

- bewährte Lösungen können nur selten auf einfache Art und Weise übernommen werden;

- gleichlautende organisatorische Angaben müssen innerhalb eines Projektes mehrfach gemacht werden.

Aus diesen Tatsachen ergab sich der erste Grundsatz zur Beseitigung des Engpasses in der Projektbearbeitung:

Jede einzelne Information, ob geometrischer, technischer, kaufmännischer oder organisatorischer Natur darf nur einmal an zentraler Stelle erzeugt, gespeichert und gewartet werden. Sie muß aber von jedem Anwender jederzeit vom Arbeitsplatz aus abgerufen und auch dort verarbeitet werden können.

Nun hat NOE ein Lieferprogramm das 10 000 Normteile mit einer Unzahl von Kombinationsmöglichkeiten umfaßt. So wurde deutlich, daß langfristig nur mit Hilfe der EDV eine Lösung der anstehenden Probleme zu erreichen war.

Informationen direkt aus technischer Zeichnung

Die Überprüfung der Funktion einer technischen Zeichnung innerhalb des Betriebsablaufs ergab Grundsatz 2:

Die technische Zeichnung ist der Informationsträger, von dem letzten Endes fast alle betrieblichen Aktivitäten angestoßen werden. Deshalb müssen geometrische und technische Daten schon beim Konstruktionsvorgang mit kaufmännischen und organisatorischen Angaben verknüpft werden.

Im weiteren Verlauf einer Projektbearbeitung könnten dann Informationen per Programm direkt aus der technischen Zeichnung gewonnen und verarbeitet werden. Grundsatz 3 folgte aus der Überlegung, welche Bedeutung der Datenverarbeitung zukommen soll:

Die Lösung eines technischen Problems muß im Normalfall vom Techniker mit Unterstützung der grafischen Datenverarbeitung erarbeitet werden.

In einem Pflichtenheft legte NOE nicht nur Arbeitsabläufe fest, sondern beschrieb auch die Anforderungen, denen ein CAD-System für die Zwecke des Unternehmens genügen mußte:

- Alle wesentlichen geometrischen Grundprobleme wie Punkt- und Linienfunktionen, 2D- und echte 3D-Konstruktionen sowie Transformationen sollen standardmäßig gelöst sein; - geometrische Daten müssen mit technischen, kaufmännischen und organisatorischen Daten verknüpft werden können, die als integrierter Bestandteil einer Zeichnung weiterverarbeitet werden sollen;

- außer der grafischen Anwendung haben technische Berechnungsprogramme, einfache Textverarbeitung, Maskendarstellung, Datenfernverarbeitung sowie der Anschluß an einen vorhandenen Rechner wirtschaftlich möglich zu sein;

- die geometrische Darstellung eines durchschnittlichen NOE-Anwendungsfalles soll mindestens zweimal so schnell wie von Hand erledigt werden können;

- die Handhabung der grafischen Software muß sich an die herkömmliche Methode und Denkweise eines Technikers oder technischen Zeichners annähern;

- der Anwender selbst benötigt keine Programmier- oder vertieften EDV-Kenntnisse;

- im täglichen Betrieb darf für die Bedienung der Hardware kein Operator erforderlich werden;

- zur Betreuung und weiteren Entwicklung des CAD-Systems genügt ein NOE-Mitarbeiter mit vertiefen Kenntnissen von Hardware und Software;

- auch langfristig erforderliche Erweiterungen müssen möglich sein.

Von 20 CAD-Anbietern, die nach dem ersten Auswahlverfahren übriggeblieben waren berücksichtigte NOE nach dem Vergleich zu ewartender Leistungen nur noch 1/3. Diese Unternehmen wurde zur Angebotsabgabe aufgefordert und mindestens einmal ausführlich mit einem in der Praxis vorkommenden Anwendungsfall getestet.

Die letzte Entscheidung fiel zugunsten des gemeinsamen Angebots der Firmen Prime und AGS. Die heute bei NOE installierte Hardware ist in Abbildung 1 dargestellt. Dazu lieferte Prime noch folgende Komponenten des Systems PR350:

- Betriebssystem Primos IV;

- Editor, Fortran, Basis, Assembler und Dienstprogramme;

- Dateiverwaltungssystem Midas;

- "Runoff" und "Werb" zur Textverarbeitung;

- Grafik-Software zum Anschluß der grafischen Bildschirme und des Plotters;

- Forms zur Erzeugung und Verarbeitung von Masken.

Cablos und Medusa

Die von AGS gelieferte grafische Software hat im wesentlichen folgenden Umfang:

- Cablos 2D-Konstruktionssystem für schematische und mechanische Konstruktion;

- Medusa 3D-Konstruktionssystem zur Erzeugung eines 3D-Modells aus einer 2D-Konstruktionszeichnung mit Linien, Flächen, ebenen Körpern und Rotationskörpern, Komponentenassembler, Schnitt-Generator Perspektive und orthogonale Ansichten;

- Hlview-System ermöglicht Ausgabe von Drahtmodellen, Isometrien und orthogonalen Ansichten, automatisches Ausblenden verdeckter Kanten, Zentralperspektive mit beliebigem Winkel und wahlfreier Lage im Raum, Schnittansichtsgenerierung;

- Stücklistengenerator.

Mitte 1980 waren Hardware und Software installiert und die Einweisung der beiden Erstbenutzer Abgeschlossen. Von diesen wurden bis Herbst 1980 die geometrischen, technischen und kaufmännischen Daten von Normteilen und Baugruppen erfaßt und die organisatorischen Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Systemeinsatz erarbeitet. Innerhalb einer Schulungswoche wurden drei weitere Techniker mit der Anwendung des CAD-Systems vertraut gemacht, die seitdem an einem der beiden Arbeitsplätze Konstruktion selbständig Projekte bearbeiten.

Bis heute hat NOE rund 5000 Abbildungen von Normteilen und Baugruppen erfaßt. Der Leistungssteigerungsfaktor gegenüber der herkömmlichen Arbeitsmethode liegt bei zwei, kann jedoch in nächster Zukunft auf durchschnittlich drei erhöht werden.

In Abbildung 2 ist ein Ausschnitt einer einfachen Projektbearbeitung schematisch dargestellt und der Zeitaufwand der herkömmlichen Praxis dem Zeitaufwand der CAD-Praxis gegenübergestellt.

Bemerkenswert ist beim Leistungsvergleich, daß der Zeitaufwand bei der herkömmlichen Methode bei umfangreicheren Darstellungen in etwa linear ansteigt, während er bei CAD weniger stark zunimmt, in größeren Abstufungen sogar konstant bleiben kann.