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31.03.2000

Green Card löst Bildungsstreit aus

Seit die COMPUTERWOCHE im Internet ein Green-Card-Forum eingerichtet hat, dreht sich die Diskussion vor allem um eine Frage: Was sind die Gründe für den Personalmangel? Die interessantesten Meinungen sind auf dieser Seite schlaglichtartig zusammengestellt.

Der Mangel an Fachkräften ist hausgemacht

Diplominformatiker Jürgen Friedr

Ich weist darauf hin, dass die Misere größtenteils hausgemacht ist: "Aus der Wirtschaft und von den DV-Firmen bekam man Mitte der 90er Jahre zu hören, dass der Bedarf für die Softwareentwicklung und auch der für reine Informatiker nur gering sei und auch auf absehbare Zeit bleiben würde. Die Delle in der Zahl der Neu-einschreibungen an den Hochschulen kann man direkt auf diese Prognosen zurückführen. Hier sehe ich eine Mitschuld der DV-Firmen an der heutigen Situation."

"Die Arbeitgeber haben sich nicht um das Sichern der Ressource Arbeitskraft gekümmert. Große Firmen wie Siemens haben jahrelang Ingenieure und Informatiker entlassen und kaum neue eingestellt. Die wenigen Leute in der Firma durften für wenig Geld umso mehr arbeiten. Lange Jahre haben die Arbeitgeber die Arbeitnehmer zwangsflexibilisiert und werden nun vom schnell drehenden Personalkarussell überholt. Es wäre unsinnig, diesen Mangel an intellektuellem Überblick durch die Green Card nachträglich zu subventionieren."

Harte Arbeit lohnt sich nicht

Martin W.: "Es ist für kleine Unternehmen schwer, Personal zu finden, weil das Sicherheitsdenken die Arbeitnehmer zum Großunternehmen (''da kann ich in Rente gehen'') tendieren lässt." Jürgen Friedrich gibt zu bedenken, dass sich harte Arbeit in Deutschland auch nicht lohnt: "In den USA haben die guten IT-Fachkräfte neben überdurchschnittlich hohen Gehältern häufig die Gelegenheit, über Stock Options am Geschäftserfolg ihrer Firmen teilzuhaben. In Deutschland hat der hart arbeitende DVler dagegen nur die Gewissheit, dass der arbeitslose Nachbar durch seine sporadische Schwarzarbeit netto genauso viel verdient wie er selbst."

Die Aus- und Weiterbildung hat versagt

MÜNCHEN (CW) - Gegner wie Befürworter der Green Card kommen zum selben Schluss: Das eigentliche Problem ist die Ausbildungssituation in Deutschland, das auch durch die Initiative der Bundesregierung nicht gelöst wird.

Einige Diskussionsteilnehmer sind der Ansicht, dass die Green Card der notwendige Schritt aus dem Mangel an Spezialisten ist: "Die Entscheidung von Bundeskanzler Gerhard Schröder ist absolut richtig. All die deutschen Computerspezialisten haben versagt, weil sie nicht ausreichend ausgebildet und eben keine echten Spezialisten sind. Das, was ein angeblicher Computerfachmann aus Deutschland kann, wird von den 14- bis 16-jährigen PC-Freaks ohne Ausbildung überboten."

Andere sind überzeugt, dass nur die universitäre Ausbildung die Misere lindern kann: "Der häufig gehörte Ruf nach Lehrstellen in diesem Gebiet nützt uns gar nichts. Wir können für unsere Art von Entwicklungstätigkeit keine Leute gebrauchen, die über Realschule und Lehre zu uns kommen. Das ist so, als wollte man einen Mangel an Ärzten durch die zusätzliche Ausbildung von Krankenschwestern und Pflegern beheben." So äußert sich Ernst Denert, Vorstandsvorsitzender von sd&m in München.

Allerdings berichtet der Diplominformatiker Jürgen Friedrich aus eigener Studienerfahrung: "Es werden viel zu viele Studenten durchgeschleppt, die an der Uni nichts verloren haben. Viele Leistungsnachweise wurden grundsätzlich nicht benotet, um den Wettbewerb zwischen den Studenten zu verhindern. Im Hinblick auf diese Probleme werden Green Cards nur wenig bewirken."

Auch für einen britischen Beobachter hat das deutsche Bildungswesen vollständig versagt: "Die deutsche Ausbildung ist vollkommen praxisfern. Die meisten Universitäten bieten in ihren Kursen nicht einmal e-orientiertes Basiswissen an. Weil nicht mit der Industrie zusammengearbeitet wurde, klafft eine große Lücke zwischen den Studieninhalten und dem tatsächlich benötigten Wissen. Das ganze Bildungssystem ist gescheitert und muss erneuert werden. Andernfalls haben wir in zehn Jahren weitere 100000 arbeitslose Bergleute und brauchen genau die gleiche Anzahl ''importierter'' IT-Spezialisten."