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23.04.1993 - 

DDE und relationale Datenbanken machen es moeglich

Grenze zwischen Anwendungen und CASE-Tools verschwimmt

Bereits heute werden Endbenutzersysteme oft als Entwicklungswerkzeuge eingesetzt. Am bekanntesten ist Microsofts Excel, das es mit Hilfe einer Makrosprache Anwendern ermoeglicht, Arbeitsblaetter (Spreadsheets) zu generieren, denen man erst auf den zweiten Blick die Herkunft aus Excel ansieht. Aber auch andere Produkte enthalten - allgemein wenig bekannte - Programmierfeatures; so ist in Word fuer Windows die Programmiersprache Wordbasic integriert. Benutzer werden jedoch in den im Lieferumfang enthaltenen Handbuechern nicht darauf hingewiesen.

Anwender manipulieren die gekauften Programme

Mit Excel und Word fuer Windows koennen Dialoge und Buttons definiert und mit der entsprechenden Logik versehen werden. Ferner lassen sich eigene Menues und die dazugehoerigen Menueoptionen sowie Menueleisten definieren, so dass Anwender die urspruenglichen Anwendungsprogramme vollstaendig verfremden koennen. Es ist also prinzipiell moeglich, Anwendungen mit Hilfe anderer Anwendungsprogramme zu entwickeln.

Die integrierten Makroprogramme sind dabei grundsaetzlich Bestandteile von Arbeitsblaettern beziehungsweise Dokumenten. Das heisst, die Funktionalitaet von Produkten wie Excel und Word fuer Windows (im weiteren werden sie "Basissysteme" genannt) bleibt von den Programmen unberuehrt.

Basissysteme sind fuer die Entwicklung von Anwendungssystemen eine attraktive Alternative zu den konventionellen, sprachzentrierten Entwicklungsumgebungen, da sie Konstrukte anbieten und die Makrosprachen vergleichsweise leicht zu erlernen sind. Ausserdem kann die eigene Funktionalitaet des Basissystems in den Anwendungen mitgenutzt werden.

Um eine lokale Programm-zu-Programm-Kommunikation durchfuehren zu koennen, bietet Windows Object Linking and Embedding (OLE) und Dynamic Data Exchange (DDE). Mit OLE lassen sich Dokumente oder Teile als Objekte in andere Manuskripte einblenden. Die Richtung der Objektuebergabe beziehungsweise -uebernahme wird dabei vom System selbst vorgegeben. Anbieter von Objekten sind Server, zum Beispiel Grafikprogramme. Clients koennen unter anderem Textverarbeitungs-Programme sein. Einige Programme koennen sowohl als Client als auch als Server eingesetzt werden.

Aehnlich funktioniert DDE: DDE-Kanaele realisieren den Austausch beliebiger Daten zwischen verschiedenen Anwendungen ueber eine standardisierte Schnittstelle. Auch koennen Ausschnitte aus einem Excel-Spreadsheet in ein Word-fuer-Windows-Dokument eingeblendet werden. Aenderungen im Spreadsheet lassen sich also automatisch in ein Word-fuer-Windows-Dokument uebertragen.

Verbindung laeuft ueber OLE und DDE

DDE beziehungsweise OLE sind somit Grundlage fuer die Integration von Anwendungen, die mit Hilfe von Basissystemen entwickelt wurden. Damit koennen User Teile einer komplexen Anwendung ueber Excel-Makros und andere Parts mit Wordbasic realisieren, wobei die Verbindungen zwischen diesen Modulen ueber DDE beziehungsweise OLE hergestellt werden. Die direkte Integration von Anwendungen ueber DDE und OLE ist allerdings nur im lokalen Betrieb sinnvoll, da Mechanismen fuer die Sicherung des Mehrbenutzerbetriebs oder die Integritaet von Datenbestaenden im DDE- und OLE-Konzept nicht implementiert sind.

DDE kann aber auch fuer die Kommunikation zwischen Excel oder Word fuer Windows und dem Datenbanksystem Oracle genutzt werden. Der Oracle-DDE-Manager nimmt ueber die DDE-Schnittstelle SQL-Queries entgegen und liefert hierueber die selektierten Datenbestaende an die anfragende Anwendung zurueck. Informationen einer Datenbank, die sich auf einem zentralen Server befinden oder auf verschiedene Netzknoten verteilt sein koennen, lassen sich damit uebernehmen, ohne dass Word fuer Windows, Excel oder das jeweils geoeffnete Dokument verlassen werden muss. So eroeffnen sich bisher kaum bekannte Moeglichkeiten: Daten aus beliebigen Oracle-basierten Anwendungen koennen aus einer zentralen Datenbank in ein Excel- Spreadsheet uebernommen und dort ausgewertet beziehungsweise zu Praesentationsgrafiken weiterverarbeitet werden. Ebenso ist es moeglich, Informationen aus zentralen Adressbestaenden direkt in einen Brief zu integrieren oder fuer die Generierung von Serienbriefen heranzuziehen.

Aber nicht nur Microsoft-Produkte lassen sich auf diese Art und Weise als Datenbank-Front-ends einsetzen. Prinzipiell ist jedes Werkzeug, das Programmiermoeglichkeiten und eine DDE-Schnittstelle anbietet, dafuer geeignet.

Datenbanken koennen auch als Werkzeuge fuer die netzweite Integration von Windows-Anwendungen genutzt werden, ohne dass die Benutzer auf ihren gewohnten Komfort verzichten muessen. Die Anwender koennen vollkommen transparent auf einer unternehmensweiten Datenbasis arbeiten, wobei die datenbankeigenen Transaktionsmechanismen dafuer sorgen, dass die Datenintegritaet erhalten bleibt.

Aber auch im funktionalen Bereich ergeben sich Vorteile aus der Kombination von Basissystemen und Datenbanken. Moderne Systeme koennen neben Daten auch Integritaetsregeln, Trigger sowie Stored procedures speichern und ausfuehren. Die Codierung von Massnahmen zur Konsistenzsicherung laesst sich daher weitgehend in die Datenbank verlagern und damit anwendungsunabhaengig implementieren und warten.

Ein besonders maechtiges Konzept sind Stored procedures. Prozedurale Erweiterungen der Datenbank-Abfragesprache SQL erlauben die komfortable Programmierung von Prozeduren, die in der Datenbank abgespeichert und vom Datenbankkern ausgefuehrt werden. Der Aufruf einer solchen Prozedur erfolgt von einem Basissystem aus ueber die DDE-Schnittstelle.

Damit lassen sich Funktionen, die von mehreren Anwendungen benoetigt werden, redundanzfrei implementieren und von beliebigen Modulen aufrufen. Dies vereinfacht die Wartung und reduziert den Entwicklungs- und Testaufwand.

Auch wenn Werkzeuge wie Excel oder Word fuer Windows mit ihren Makrosprachen den Entwickler geradezu verfuehren, Anwendungen ohne vorherige Ueberlegung zu implementieren, ist eine detaillierte Systemplanung spaetestens bei einem Einsatz im Mehrbenutzerbetrieb notwendig. So muss der User beachten, welche Funktionen von mehreren Modulen er nutzen will (und somit Kandidaten fuer die Realisierung als Stored procedures sind) und welche Features fuer welchen Arbeitsplatz verwendet werden muessen. Ebenso sollte klar sein, welche Integritaetsregeln existieren und zu implementieren sind.

Die Vorteile der Konzeption, Standardsoftware aus Standardsoftware zu entwickeln, liegen auf der Hand: Die Anwendungsentwicklung ist sehr effizient, da die Funktionen der Standardsoftware uneingeschraenkt in den Programmen genutzt werden koennen. Ausserdem arbeitet der Benutzer mit vertrauten Programmen, so dass die Akzeptanz gefoerdert und der Einarbeitungsaufwand vermindert wird. Ferner benutzen alle Arbeitsplaetze mit verschiedenen Anwendungen einen integrierten Datenbestand.

Anwendungen kann also der Benutzer auf seine individuellen Beduerfnisse zuschneiden. So kann eine Excel-basierte Anwendung ohne weiteres um grafische Auswertungen erweitert oder ein Formular in Word fuer Windows an einen vorhandenen Briefbogen angepasst werden. Funktionen, die in mehreren Anwendungen benoetigt werden, koennen in die Datenbank ausgelagert und dort gewartet werden. Prozeduren zur Konsistenzsicherung lassen sich weitgehend aus Anwendungen auslagern.

Insgesamt laesst sich festhalten, dass die Vorteile der Anwendungsentwicklung auf der Basis von Standardsoftware eine attraktive, ueberwiegend vorteilhafte Alternative zur konventionellen Software-Entwicklung darstellt.

*Claus Rautenstrauch ist wissenschaftlicher Assistent am Institut fuer Wirtschaftsinformatik der Universitaet Muenster. Thomas Roedding und Juergen Grothe sind Geschaeftsfuehrer der Diron- Wirtschaftsinformatik GmbH, Muenster.