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23.07.1999 - 

Newcomer in Deutschland: Prodacta AG

Grenzgänger zwischen NT-Rollouts und digitalem Kunden-Management

Von Andrea Goder* ETTLINGEN - In die illustre Schar der IT-Dienstleister am Neuen Markt hat sich Anfang Juni auch die Prodacta AG eingereiht. Die bisherige Wachstumsstory des in Ettlingen bei Karlsruhe ansässigen Systemintegrators weist allerdings noch Schwachstellen auf. Bisher sind die Schwaben stark vom deutschen Markt und von den Großkunden abhängig.

"Als wir 1992 mit Dienstleistungen starteten, wurden wir in der Branche zunächst belächelt. Damals herrschte bei vielen die Meinung vor, daß es den Service kostenlos zur Hardware gibt", erinnert sich Herbert Uhl. Gemeinsam mit seinem Studienkollegen Andreas Ehrle hat der heute 31jährige Vorstandssprecher das Unternehmen vor rund sieben Jahren quasi aus einer Wohngemeinschaft heraus gegründet. Zu Beginn tüftelten die Studenten an kundenindividuellen IT- beziehungsweise Infrastruktur-Lösungen auf der Basis von Microsoft-Produkten.

Daß die Zeit damals für Dienstleistungen in der Tat noch nicht reif war, spiegeln die Bilanzen der Anfangsjahre wider. Auf Wachstumskurs befindet sich das Unternehmen erst seit etwa zwei Jahren. So kletterte der Umsatz 1998 gegenüber dem Vorjahr von 18,6 auf 27,6 Millionen Mark (plus 48 Prozent). Inklusive der im letzten Jahr übernommenen mps Software GmbH, Kirchheim bei München, lagen die Einnahmen bei 34,5 Millionen Mark. Auch die Ertragsseite gestaltete sich zuletzt positiv. Nach 1,8 Millionen Mark Verlust 1997 wandelte sich das Ergebnis im zurückliegenden Jahr mit zwei Millionen Mark ins Plus.

Als Systemintegrator mit über 200 Mitarbeitern ist Prodacta heute vor allem auf "Komplettlösungen" im Windows-NT-Umfeld spezialisiert. Ziel ist es dabei Firmenangaben zufolge, Verwaltungsstrukturen in Unternehmen effizienter zu gestalten, um langfristig enge Kundenbeziehungen aufzubauen. Das zentrale Schlüsselwort der Ettlinger für ein elektronisches Kunden-Beziehungs-Management lautet dabei "E-Customer-Care". Im Mittelpunkt des Serviceportfolios steht die Digitalisierung interner und externer Schnittstellen von Unternehmen.

Prodacta stützt sich dabei auf die vier Unternehmensbereiche "Office Automation", "IT-Service", "Produkt Zentrum" und "Akademie". Hauptumsatzträger war im Geschäftsjahr 1998 mit 43 Prozent die Business Unit IT-Service. Zum Leistungsspektrum gehören hier klassische Anwendungsszenarien wie Client-Server-Netze, Helpdesk oder Data-Warehouse, außerdem E-Commerce-Applikationen, System-Management sowie Unified Messaging. Prodacta begleitet die Kunden bei der Planung, beim Aufbau und dem Betrieb ihres "digitalen Nervensystems", heißt es im Firmenprospekt. Zum "Herzstück" des Unternehmens soll in Zukunft die Sparte "Office Automation" avancieren, die im vergangenen Jahr 16 Prozent zu den Gesamteinnahmen beitrug. Hier erstreckt sich die Palette von Enterprise Relationship Management (ERM) über Workflow, Dokumenten-Management-Systeme (DMS) und Archivierung bis hin zur Computer-Telefonie-Integration (CTI). Marktsegmente, die laut Uhl ein großes Wachstumspotential in sich bergen: "Noch heute scheitern 70 Prozent aller DMS- und Workflow-Projekte", behauptet der Vorstandschef. Und: "Die Verbesserung der Anbieter-Kunden-Schnittstelle wird künftig so bedeutend sein wie klassische ERP-Systeme", beschreibt er die von ihm ins Visier genommenen Zukunftsmärkte. Partner von Prodacta sind hier Filenet, Siebel Systems und Micrologica.

Um deren Standardlösungen im Rahmen individueller Kundenprojekte bei Bedarf ergänzen zu können, entwickeln die Schwaben auch eigene Produkte. Dieser Geschäftsbereich (1998 knapp 20 Prozent Anteil am Gesamtumsatz) konnte allerdings nicht mit dem ursprünglichen Wachstumszielen Schritt halten und lag sieben Prozent unter dem Vorjahresresultat. Doch Add-on-Lösungen haben in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens einen wichtigen Stellenwert. "Eigene Produkte sind margenträchtiger", erklärt Uhl, der deshalb die Anstrengungen in diesem Bereich noch forcieren will.

Zu den bisherigen Entwicklungen gehört das System-Management-Tool "Pronet", mit dem sich PCs automatisch konfigurieren und beispielsweise NT-Rollouts großen Stils bewerkstelligen lassen. Ein weiteres Produkt ist der aus dem Kauf der Ipro Informationssysteme GmbH hervorgegangene "digitale Postkorb" "Office" - eine Software, mit der laut Prodacta komplette Verwaltungsprozesse auf der Basis von Oracle- und Filenet-Programmen geplant gesteuert werden können. Abgerundet wird das Leistungsspektrum der Schwaben durch einschlägige Schulungsangebote, die sowohl Endanwender als auch Systemadministratoren und Entwickler adressieren.

Mit Hilfe dieser Positionierung glaubt sich Uhl von anderen IT-Dienstleistern im deutschen Markt klar zu differenzieren. Die Herausforderung, vor der das Unternehmen jedoch steht, ist nicht zu unterschätzen. Als (noch) kritisch dürfte zum Beispiel die Größe der Company einzuschätzen sein. Zudem tummelt man sich zum Teil in Wachstumsmärkten (DMS, ERM), wo die Claims noch nicht abgesteckt sind - in naher Zukunft also ein Hauen und Stechen beziehungsweise eine Konsolidierung zu erwarten sein dürfte. Im eigentlichen "Brot-und-Butter"-Geschäft (Installation von PCs und Workstations inklusive Softwarekonfiguration, Einrichten von Legacy-LANs) wiederum hat man es mit etablierten Wettbewerbern wie Compunet oder Hancke & Peter zu tun. Ganz zu schweigen von der Konkurrenz der großen IT-Beratungshäuser und -Dienstleister.

Zudem dürfte Prodacta auch noch ein Handicap zu schaffen machen. Im Gegensatz zu vielen IT-Dienstleistern (am Neuen Markt) sind die Ettlinger bis dato kaum im Ausland aktiv. "Wir halten nichts von sinnlosem Wachstum", erklärt Uhl, der übereilten Akquisitionen eine klare Absage erteilt und sogar den Sprung ins deutschsprachige Ausland noch bis zum Jahr 2001 hinausschieben will. "Erst wenn unsere Strukturen eine Mehrsprachigkeit zulassen, nehmen wir auch andere Märkte ins Visier", macht er deutlich. Mit anderen Worten: Noch ist das Unternehmen, das mit Standorten in Bad Homburg, Neuss, Hamburg, Stuttgart und München vertreten ist, auf eine die Anleger "elektrisierende" Wachstumsstory nicht vorbereitet. Doch die Zeit drängt. Wollen die Schwaben dennoch die mittelfristig prognostizierten Wachstumsraten in Höhe von jährlich 40 Prozent erreichen, dürfte dieses Unterfangen im deutschen Markt alleine kaum zu bewerkstelligen sein. Als wichtiger Türöffner für das "Going Europe" könnte sich unter Umständen die Wiesbadener Plenum AG erweisen, die - zum Teil selbst Wettbewerber der Schwaben - nach dem Börsengang mit 12,5 Prozent an Prodacta beteiligt ist. Neben der Abhängigkeit vom deutschen Markt drückt das Unternehmen aber auch noch an einer anderen Stelle der Schuh. Der "kleine" Systemintegrator führt bislang vorwiegend Großkonzerne auf der Referenzliste, darunter Daimler-Chrysler, Allianz, die Deutsche Bahn und Siemens. Der Mittelstand ist hingegen bis dato noch nicht Sache der Ettlinger gewesen. Ein Versäumnis, das es jetzt aufzuholen gilt, um eine möglichst breite Kundenbasis aufzubauen.

Und: Während der Börsen-Newcomer noch mit dem Erreichen einer für den Markt ausreichenden kritischen Größe kämpft, droht andererseits die Gefahr, vom eigenen Erfolg überrollt zu werden. Nichts Ehrenrühriges, aber typische Probleme einer auf Wachstum fokussierten Company. So fehlt es dem Unternehmen beispielsweise noch an einem integrierten betrieblichen Rechnungswesen und Controlling. Nur so lassen sich aber die prognostizierten ehrgeizigen Einnahmensteigerungen managen. Immerhin soll sich der Umsatz nach 54 Millionen Mark in diesem Jahr bis 2001 auf 107 Millionen Mark verdoppeln. Entsprechend ehrgeizige Ziele verfolgt Prodacta auch bei den Erträgen. 4,1 Millionen Mark sind für das laufende Geschäftsjahr, 14,1 Millionen Mark im Jahr 2001 anvisiert (siehe Abbildung).

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.