Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

04.04.2003 - 

SBS-Chef Paul Stodden im Gespräch

"Größe allein ist nicht entscheidend"

Der IT-Dienstleister Siemens Business Services (SBS) hat auf dem Weg zum Turnaround Federn gelassen. Stellen wurden gestrichen und Ansprüche der Vergangenheit aufgegeben. Mit Paul Stodden, Vorsitzender des Bereichsvorstandes bei SBS, sprach CW-Redakteur Joachim Hackmann.

CW: Im Rahmen seiner Reorganisation konzentriert sich SBS auf die Kernbranchen Fertigung, Finanzen und öffentliche Hand. Doch gerade die Bankenbranche schwächelt derzeit. Wirkt sich das auf Ihr Geschäft negativ aus?

STODDEN: Ganz im Gegenteil. Wir beobachten in der Finanz- und Bankenbranche derzeit eher eine ansteigende Nachfrage. Die Finanzdienstleister waren in der Vergangenheit recht zurückhaltend - vor allem; was das Thema Outsourcing betrifft. Innovative Lösungen wie Portale und E-Banking-Verfahren werden zwar derzeit kaum nachgefragt. Dafür gewinnen die Outsourcing-Projekte und Vorhaben, die auf Kostensenkungen und Produktivitätssteigerungen zielen, an Bedeutung.

CW: Das Projektgeschäft mit Banken war für SBS bislang besonders lukrativ. Kann das weniger margenträchtige Outsourcing die fehlenden Einnahmen aus dem Projektgeschäft auffangen?

STODDEN: Man kann hier keine Gegenrechnung aufstellen. Jedenfalls ist in allen Branchen das Interesse groß, die Kosten zu senken und die Produktivität zu verbessern. Dazu kann Outsourcing unmittelbar beitragen.

CW: Die bedeutenden deutschen IT-Auslagerungen etwa bei der Deutschen Bank und der Commerzbank finden ohne Beteiligung von Siemens Business Services statt. Woran liegt das?

STODDEN: Für den Betrieb des Data-Centers der Deutschen Bank haben wir kein Angebot abgegeben. Wir sind aber mit der Deutschen Bank beim Betrieb von PCs, Servern und Netzen bereits seit längerem im Geschäft und betreuen in diesem Rahmen die dezentrale IT- und Telekommunikationsinfrastruktur. So haben wir vor zwei Jahren eine gemeinsame IT-Tochter mit der Deutschen Bank gegründet. Inzwischen haben wir die Mehrheit der Anteile an dem IT-Dienstleister Sinius übernommen.

CW: Auch beim Herkules-Projekt der Bundeswehr hat Siemens Business Services zusammen mit den Partnern T-Systems und IBM überraschend den Kürzeren gegen das Konsortium aus CSC, Mobilcom und EADS gezogen.

STODDEN: Das Herkules-Projekt ist noch nicht vergeben. Wir gehen davon aus, dass spätestens im nächsten Haushaltsjahr eine Entscheidung fallen wird.

CW: Die Entscheidung ist doch bereits für das Konkurrenzkonsortium gefallen.

STODDEN: Die Diskussion ist noch nicht abgeschlossen. Das Konsortium, an dem wir uns beteiligen, ist als alternativer Vertragspartner nach wie vor am Vergabeverfahren beteiligt.

CW: Besteht denn grundsätzlich Interesse an sehr großen Auslagerungsvorhaben, oder ist Siemens Business Services dafür zu klein?

STODDEN: Größe allein ist nicht entscheidend. Wir wollen profitable Geschäfte machen und haben keine Scheu vor großen Projekten.

CW: Behörden sind für viele IT-Unternehmen derzeit ein attraktiver Markt. Gilt das auch für das Outsourcing-Geschäft?

STODDEN: Bei der öffentlichen Hand besteht insbesondere Bedarf an innovativen E-Government-Lösungen. Wir vermissen in Deutschland ein koordiniertes Vorgehen, es ist kein einheitliches Bild zu erkennen. So gibt es zwar eine Initiative des Bundes und parallel dazu eine Vielzahl von Projekten auf Landes- und kommunaler Ebene. Schon unter Kostenaspekten wäre es wichtig, eine durchgängige Strategie zu formulieren.

CW: Der Siemens-Konzern zentralisiert seine internen IT-Aktivitäten unter der Leitung von CIO Friedrich Fröschl. Täuscht der Eindruck, dass er SBS bei der Auftragsvergabe nicht immer ganz oben auf der Liste führt?

STODDEN: Siemens zentralisiert nicht die IT-Dienste, sondern formuliert jetzt eine zentrale IT-Governance-Strategie. In den 90er Jahren gab es in den einzelnen Siemens-Bereichen und -Landesorganisationen sehr viele parallele IT-Aktivitäten. Das hat, wie übrigens in anderen großen Unternehmen auch, zu einer hohen Komplexität geführt. Friedrich Fröschl hat die Aufgabe, diese Heterogenität zu reduzieren und die zersplitterte IT-Landschaft zu konsolidieren. Und natürlich ist damit eine signifikante Kostensenkung verbunden. Siemens Business Services stand im Übrigen seit jeher im Wettbewerb zu externen Dienstleistern und es gab zu keiner Zeit eine automatische Auftragsvergabe an uns.

Stärkeres Gewicht kommt hierbei der zentralen CIO-Funktion im Siemens-Konzern zu. Selbstverständlich werden wir als IT-Dienstleister von Herrn Dr. Fröschl auch deshalb inzwischen genauer beobachtet, denn er war ja zuvor Chef von Siemens Business Services.

CW: Dadurch kennt Fröschl allerdings auch sehr genau die internen Abläufe, Stärken und Schwächen von Siemens Business Services. Er könnte also für bestimmte Aufgaben ganz gezielt andere Anbieter als Siemens Business Services beauftragen, weil er dem eigenen, internen Dienstleister nicht vertraut.

STODDEN: So sehe ich das nicht: Im Unterschied zu anderen IT-Anbietern konnten wir in zahlreichen Projekten unsere Leistungsfähigkeit und Kompetenz unter Beweis stellen. Ich erwarte deshalb auch keinen Einbruch beim internen Siemens-Geschäft. Ganz im Gegenteil gehen wir davon aus, weitere Anteile am IT-Budget von Siemens zu gewinnen. Als Konsequenz der allgemeinen Investitionszurückhaltung und der Konsolidierung wird das absolute Volumen voraussichtlich rückläufig sein.

CW: Haben Sie eine Last-Call-Option, also das Vorrecht, das letzte Angebot abzugeben, oder etwas Ähnliches?

STODDEN: Nein, allerdings sind wir aufgrund unserer umfassenden Kenntnis des Kunden Siemens in der Lage, uns bei neuen Vorhaben richtig zu positionieren.

CW: Unter Ihrer Führung wurde das visionäre Ziel, zu einem weltweit führenden IT-Dienstleister aufzusteigen, nicht weiterverfolgt. Kann Siemens Business Services noch den Siemens-Ansprüchen genügen?

STODDEN: Die Vision, zu den weltweit größten fünf Anbietern aufzusteigen, hat sich als nicht umsetzbar erwiesen. Das Ziel wurde auch aufgrund des sich stark verändernden Markts und Wettbewerbs aufgegeben. In den Zeiten des Internet-Hypes hat man ja viele Dinge zu optimistisch gesehen.

Der Markt für IT-Dienstleistungen ist generell stark fragmentiert. Die größten zehn Anbieter erzielen zusammen einen Marktanteil von rund 25 Prozent am weltweiten IT-Service-Volumen. Ich erwarte in den nächsten Jahren keine starke Marktkonsolidierung, denn auch die kleineren, regionalen Anbieter können so wie die großen internationalen Anbieter gute Margen erzielen. Wer das Geschäft richtig betreibt, verdient gut. Wer es schlecht macht, wird scheitern, egal wie groß oder klein das Unternehmen ist.

CW: Sie widersprechen den gängigen Prognosen der Marktanalysten, die nahezu einhellig eine Marktkonzentration erwarten. Es kursieren Zahlen, dass 50 Prozent der Anbieter die Marktschwäche nicht überstehen werden.

STODDEN: Das glaube ich nicht. Es wird weiterhin Anbieter aller Größen geben, die sich gut positionieren. Wenn eine Organisation zu komplex wird, wird es schwierig. So haben wir uns bei Siemens Business Services im letzten Jahr deutlich fokussiert - in Bezug auf Regionen, Branchen und Themen.