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30.03.1984 - 

Moseley kommentiert die Zukunft der Computerbranche

Größte Gewinnchancen bei der Telekommunikation

NEW YORK (hr) - Die Information ist neben Arbeit, Kapital und Boden zu einem selbständigen "Produktionsfaktor" geworden, dessen Bedeutung in den nächsten Jahren ständig steigen wird, so lautet in etwa der Tenor des "Technologie-Ausblicks" der Wallstreet Analytiker von Moseley, Hallgarten, Estabrook, Weeden. Die Zeitabhängigkeit der Nachrichten und des Wissens spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die Unternehmen müssen neue Wege finden. mit der Informationsflut fertig zu werden, sie sinnvoll einzudämmen, zu verwalten, effizient zu nutzen und zu "tilgen", wenn sie nicht mehr benötigt wird. Produkte, Dienstleistungen und Systeme. die diesen Anforderungen gerecht werden können. werden in den nächsten Jahren die größten Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn verzeichnen. meinen die amerikanischen Broker. Die Anleger sollten daher insbesondere die Aktien jener Unternehmen verfolgen, die ein starkes Bein im Bereich der Büroautomation und -kommunikation haben.

Weiterhin sinkende Preise bei den Halbleitern sowie neue technologische Entwicklungen haben nicht nur zu einer neuen Klasse von Produkten, sondern auch zu einem neuen Typus von Managern und Sachbearbeitern geführt, den sogenannten "Knowledge Workers" Es handelt sich dabei um bestinformierte Spezialisten, die jederzeit "auf Tuchfühlung mit jeder einzelnen Abteilung ihres Unternehmens sind, und seien diese auch noch so über die Lande verstreut" Des Rätsels Lösung heißt Telekommunikation.

Technik wird Menschen nicht ersetzen

Moseley vertritt die Ansicht, daß die Revolution im Informationswesen keinesfalls, wie allgemein befürchtet, zu einer Substitution des Menschen durch intelligente Maschinen führen wird Die neuen Technologien würden vielmehr eingesetzt werden, um die Entscheidungsfindung des Managers zu unterstützen und die Produktivität der Mitarbeiter zu steigern In allen Bereichen der Wirtschaft werde es möglich, die Qualitätsstandards der Produkte deutlich zu verbessern und die Ansprüche an das Personal zu reduzieren

In einem ökonomischen Szenario in dem die Information die Hauptrolle spielt, sind nach Ansicht der Wallstreet Experten alle Produzenten dieser Branche auf der Gewinnstraße - wenn sie die Zeichen der Stunde erkennen und zudem dem immensen Konkurrenzdruck von innen und außen standhalten können Es ist allerdings zu befürchten, daß die Prüfung nur einige wenige mit Erfolg bestehen werden.

Die traditionellen Großunternehmen der Computerbranche werden die führende Kraft des Informations- und Automationsmarktes bleiben. IBM werde weiterhin jeden "von der Seite angehen, dabei aber viel Strategie und Methode zeigen", meint Moseley. Die neue Aggressivität des blauen Riesen bringe wahrscheinlich eine ganze Reihe von alteingesessenen Firmen in größere Schwierigkeiten. Aus der Sicht des Anlegers dürfe man die Computerbranche allerdings nicht als einen homogenen Markt betrachten, meint Moseley. Die Dynamik der einzelnen Sektoren und Applikationen und damit auch die Gewinnchancen für den Anleger seien sehr unterschiedlich. Es gibt zudem neben dem Hauptfeld unzählige Nischen für spezifische Anwendungen, in den kleinere Unternehmen ihr Dorado finden können.

Der Homecomputer-Bereich hat wohl eine erste Sättigungsgrenze erreicht. Die Anwender sind es leid, bei ihren Computerspielen immer mit dem Rest der Familie um den Fernsehschirm konkurrieren zu müssen. Zudem werden die meisten Spiele schnell langweilig. Viele Anbieter dieser Sparte geraten zunehmend in Schwierigkeiten, da die Preise seit zwei Jahre ständig sinken und die Nachfrage deutlich zurückgegangen ist. Wir haben es mit einer ähnlichen Situation, wie einst bei Taschenrechnern und Digitaluhren zu tun. Einige Produzenten von Computerspielen suchen einen Ausweg aus den unbefriedigenden Marktergebnissen der letzten Monaten, indem sie nunmehr in den SBS-Markt (SBS = Small Business Systems) eindringen wollen. Obwohl das Umsatzvolumen dieser Sparte 1984 um 100 Prozent wachsen soll, werden ihre Erfolgschancen als ziemlich gering angesehen. Hier tummeln sich sowieso schon viel zu viele Bewerber um die Gunst des Kunden. Es gibt derzeit rund 100 Unternehmen, die Mikros und Arbeitsplatzrechner bauen, auf die die Merkmale Desktop, Portabel und .irgendwie Kompatibel" zu den Marktführern passen. IBM und Apple legen durch das Lizenzgeschäft mit der Software die Spielregeln fest. AT&T ist es gelungen, mit Unix eine dritte Marktschiene aufzutun. Der Trend gehe allgemein dahin, daß jede Hardware durch den Einsatz entsprechender Generatoren und Umsetz-Compiler jede Software verarbeiten könne. Die Gewinnchancen eines Unternehmens werden dann in erster Linie von seiner Marketingstrategie und von der Effizienz seiner Vertriebsorganisation abhängen. Firmen, die sich allzu sehr auf das Verkaufen unter "fremden Etiketten" und/oder nicht kontrollierbare Vertriebswege verlassen haben, könnten ein schlimmes Wachrütteln erfahren, wenn es ihnen nicht demnächst gelingt, ein eigenes Markenprädikat einzuführen.

Super Mini: Wachstum und Spezialisierung

Der Markt für Super Minicomputer wird weiterhin rasant mit dem Applikationsbedarf wachsen. Die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Hard- und Software werden im gleichen Rhythmus hochgeschraubt werden. Dies bedeutet in erster Linie mehr interne Speicherkapazitäten schnelle Verarbeitungszeiten, mehr Anschlußmöglichkeiten für Terminals und sonstige Peripherie. Die meisten Unternehmen dieser Sparte können ihr weiteres Wachstum aus ihrer eigenen Kundenbasis heraus unterstützen. Moseley schätzt das Umsatzwachstum bei den Spezialcomputern für vertikale Märkte auf durchschnittlich 50 Prozent in den drei nächsten Jahren. Zu dieser Kategorie von Systemen zählt der Broker unter anderem: Front-end und Back-end Prozessoren, Datenbank-Systeme, Array-Prozessoren und sogenannte Non-Stop-Rechner. Man könne den Textverarbeitungsbereich nicht länger als eigenständigen Industriezweig betrachten, sondern müsse ihn als eine von vielen Applikationen sehen. Eigenständige Firmen werden es da sehr schwer haben, es sei denn, sie seien sehr stark spezialisiert und hätten eine Nische dafür gefunden. Aber auch dies sind nur komparative Vorteile auf Zeit.

Der Softwaremarkt kennt derzeit einen Boom, dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Moseley, Hallgarten, Estabrook Weeden gehen davon aus, daß das Umsatzvolumen hier in den nächsten fünf Jahren die 20 Milliarden-Dollar-Marke erreichen werde. In diesem Bereich gibt es ebenso gute Chancen für kleine Unternehmen wie für große Konzerne. Der Spezialisierung sind kaum Grenzen gesetzt.

Zusammenfassend kann man sagen, daß die Broker in allen Bereichen der Datenverarbeitungsbranche gute Gewinnchancen für den Anleger sehen. Das Problem bestehe darin, daß der Trend recht schnell umkippen könnte und damit natürlich auch das Schicksal vieler kleineren Firmen bedroht werde. Gerade diese Unternehmen sind es jedoch, die spekulativ orientierten Anlegern die größte Attraktivität bieten dürften.