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07.01.1977 - 

Anwenderbericht: Maizena GmbH, Hamburg

Groß-EDV und MDT schließen sich nicht aus

Exklusiv für CW von Bernhard Hoelzner* und Günter Dimroth**

Die Maizena GmbH, Hamburg, ist ein Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie mit einem Jahresumsatz von rund 950 Millionen Mark und einem Beschäftigungsstand von etwa 4600 Mitarbeitern. Das Gesamtgeschäft ist untergliedert in die Bereiche Markenartikel, Industrie und Großverpflegung. Die zentrale Abteilung Organisation und Datenverarbeitung hat ihren Sitz in Heilbronn, zugleich Standort der größten Produktionsstätte des Markenartikelbereiches. Die dezentralisierten Betriebsstätten sind über Datenstationen mit dem Zentralrechner IBM 370/155 verbunden, auf dem alle wesentlichen kommerziellen Abrechnungs-, Dispositions- und Planungsfunktionen abgewickelt werden.

Realtime um jeden Preis?

Für das neu zu organisierende Gebiet Materialwirtschaft in der Produktion bestand die Auflage, die Datenverarbeitung sowie die Informationsbereitschaft über Materialbestände und -bedarfe absolut aktuell im Sinne eines Realtime-Dialogs zu gestalten. Dabei ergab sich zwar eine Notwendigkeit, den Datenverarbeitungsteil so auszulegen, daß eine Kommunikation zur zentralen Datenbank des Großrechners besteht - diese Beziehung mußte jedoch nicht um jeden Preis auf Realtime-Basis erfolgen. Somit konnten als Alternative zum Ausbau des Großrechners auch autonome Rechner-Systeme in die Überlegungen mit einbezogen werden. Nicht zuletzt auch aus Sicherheitsgründen fiel die Entscheidung zugunsten eines autonomen Systems, hier für einen Nixdorf-Rechner 8870/4 mit 40 KB Hauptspeicherkapazität, drei Bildschirmplätzen und 2x6 Mio. Platten.

Die Anlage ist in der Abteilung Produktionsplanung stationiert und über eine Wählleitung mit dem IBM-System verbunden.

Folgende Teilaufgaben werden mit der 8870/4 realisiert:

- Datenerfassung,

- Bestandsfortschreibung,

- Systemanfrage,

- Berichtswesen,

- Formularerstellung,

- Verbrauchsrechnung täglich,

- Bedarfsabgleich monatlich,

- Bedarfsplanung und -disposition

wöchentlich.

Die Abteilung Produktion stellt rund 420 Fertigfabrikate her. Dazu werden monatlich 400 Rohstoffe, 1200 Verpackungsmaterialien und 1500 Halbfabrikate benötigt. Die Vielzahl von Materialien muß nach Berechnung des erforderlichen Bedarfs für bestimmte Perioden beschafft, disponiert, geplant und verwaltet werden.

Erfassung und Update im Dialog

Alle Bewegungen wie Zu-/Abgänge von Material, Halbfabrikaten und Fertigfabrikaten etc. werden durch die Sachbearbeiter der Abteilung "Produktionsplanung" erfaßt. Das Erfassungsprogramm führt, den Bediener durch entsprechende Informationen (Matrix) bei der Dateneingabe. Logische Fehleingaben werden per System erkannt.

Materialzu- und -abgänge bewirken eine unmittelbare Veränderung des Bestandes, so daß die Bestandsfortschreibung stets aktuell ist. Der Bestandssatz ist so aufgebaut, daß neben den Stammdaten die freien und belegten Lager- und Betriebsabteilungsbestände geführt werden.

Durch besondere Funktionen innerhalb des Erfassungsprogrammes ist eine Abfrage der Dateien möglich, ohne daß die übrige Erfassung gestoppt werden muß. Dies ist notwendig bei allen Entscheidungen über Materialbereitstellungen innerhalb der Produktion.

Täglich wird ein Bericht vom System erstellt, in dem die produzierten Mengen als Tages- und Kumulationsgrößen dargestellt sind. Außerdem wird ein Soll/Ist-Vergleich zur geforderten Monatsmenge gemacht.

Fachabteilungen von logistischen Funktionen entlasten

Bei Materialzu- und -abgängen werden auf Endlospapier Formulare wie etwa Eingangsanzeigen für die Rechnungskontrolle oder Materialentnahmescheine für das Lager erstellt.

Der Materialeinsatz innerhalb der Halb- und Fertigfabrikate wird nicht durch Belege erfaßt, so daß eine Berechnung mittels Rezeptstrukturen notwendig wird, die über die Verbrauchsmengen Aufschluß gibt. Dazu werden täglich die Daten von der Nixdorf 8870 auf die zentrale IBM-Anlage übertragen. Nach Ermittlung der Verbrauchsmengen werden diese zurückgesendet und die Betriebsbestände entsprechend korrigiert.

Die monatlichen Bedarfsmengen an Fertigfabrikaten werden von der Vertriebs-Dispositions-Abteilung der Produktion vorgegeben. Die in diesen Fertigfabrikaten enthaltenen Rohstoff- und Verpackungsmaterialmengen werden auf dem Zentral-Computer errechnet. Da zwischen Programmerstellung, Berechnung des Bedarfs, Beschaffung und Belieferung der Materialien zeitliche Unterschiede bestehen, wird zu Beginn des neuen Monats nochmals ein Bedarfsabgleich auf dem Nixdorf-System durchgeführt. Bei Materialunterdeckungen wird eine sofortige Einkaufsaktivität ausgelöst.

Der von der Produktionsplanungsstelle entwickelte Wochenplan für Fertig- und Halbfabrikate wird in seinen Materialbruttobedarf aufgelöst. Dieser wird dem Betriebsbestand nach Menge und Termin gegenübergestellt und löst automatisch eine Belieferung der Produktionsabteilung aus (befindet sich in Vorbereitung).

Steuerungsdaten auf ein Mindestmaß reduzieren

Zusammenfassend läßt sich sagen: Die zur Steuerung und Überwachung des Produktionsablaufes, notwendigen Daten werden auf ein Mindestmaß reduziert. Dies sind aufgrund der Struktur der Maizena-Fertigung die Materialbewegungen mit Produktionsmeldungen und Programmvorgabe. Die Eingabe der Daten erfolgt nur einmal im Dialog-Verfahren, verbunden mit dem Real-Update der Bestandsdateien. Diese ersetzen die bisher geführten Karteien und stehen jederzeit im direkten Zugriff. Alle Bewegungsdaten werden gespeichert und stehen für weitere Auswertungen und den Anschluß an andere EDV-Systeme bereit. Tagesbericht, Eingangs-Anzeigen und Entnahmescheine werden maschinell erstellt. Der Verbrauch und Bedarf an Material-Bestandteilen wird maschinell errechnet und im System gespeichert. Die Abteilungen Produktionsplanung und Betriebsabrechnung sowie die Meistereien werden von der Durchführung der umfangreichen manuellen Rechenvorgänge weitgehend entlastet, wenn der Teilkomplex "Wöchentliche Bedarfsplanung und -disposition" fertiggestellt sein wird. Die Produktionsstellen fordern dann nicht mehr an, sondern erhalten die Bereitstellung zugewiesen. Damit sind sie von logistischen Funktionen entlastet und können sich voll ihrer Hauptaufgabe widmen.

Die Projektrealisierung erfolgte in enger Zusammenarbeit zwischen der zuständigen Fachabteilung und der Abteilung ORG/EDV.

*Bernhard Hoelzner ist Projektleiter

**Günter Dimroth Organisator für das Projekt "Produktionsplanung" bei Maizena