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24.08.1979

Groß und klein

IBM steckt in einer Formkrise. Aber kann die Konkurrenz davon profitieren? Das Fazit vorweg: Siemens, Nixdorf, Univac, Honeywell Bull, NCR, Burroughs und NCR präsentieren sich derzeit auch nicht gerade als schlagkräftige Marketing-Einheiten - fast wäre man geneigt zu sagen: Schwamm drüber.

Doch schauen wir uns die IBM-Mitbewerber einzeln an.

Siemens und Nixdorf, nationale DV-Vorzeige-Objekte beide, machen IBM hierzulande am meisten zu schaffen: Die Münchner im Mittelklasse- und Großrechnerbereich, die Paderborner im Erstanwendermarkt. Diese Feststellung macht auch gleich die chronischen Schwächen des Heimat-Duos deutlich. Weder Siemens noch die NCAG können in allen Rechnerklassen ernstzunehmende Alternativen zum IBM-Produktspektrum bieten. Man ist in Teilmärkten stark - zu mehr reicht es nicht.

Was beispielsweise Siemens bisher im Kleincomputerfeld zuwege gebracht hat, haut keinen IBM-Fan vom Stuhl, geschweige denn das Top-Management der hauseigenen Groß-DV ( im Siemens-Sprachgebrauch: "Geschäftsbereich Daten- und lnformationssysteme").

Andererseits hat - sieht man davon ab, daß sich die Siemens-DV-"Strategen" seit jeher als "Konservative" verstehen - auch das Siemens-Groß-DV-Marketing Orientierungsschwierigkeiten - wie das jüngste SCOUT/WASCO/SCOB-User-Meeting beweist (CW-Nr. 31 vom 3. August 1979). Ursache der Zwistigkeiten zwischen Hersteller und Kundenlobby- lnkompatibilität der Betriebssysteme BS1000 und BS2000 - keine "Quantité négligeable" fürwahr.

Des weiteren muß sich Siemens derweil noch mit Notlösungen im Distributed Data Processing-Gelände behelfen. Genauer gesagt: Ein mit IBM?s Informationssystem vergleichbares DDP-Produkt haben die Münchner nicht im Regal - ob sie das nun, in "Transdata" verliebt, zugeben wollen oder nicht.

Anders liegen die Dinge bei Nixdorf. Es ist bekannt, daß sich die deutschbank-gedopten Ostwestfalen im Frühjahr intensiv darum bemüht haben, via OEM-Abkommen mit einem amerikanischen IBM-Nachahmer ins Großrechnergeschäft einzusteigen. Nach IBM?s Marketing-Galavorstellung mit der 4300 fehlte dem publicitysüchtigen Heinz Nixdorf dann offenkundig die Traute, sich in unbekannte Gewässer vorzuwagen. Sei?s drum: Über kurz oder lang werden die Paderborner den Schritt ins Mainframegeschäft wagen (müssen).

Doch was tun die "US-based Companies" Sperry Univac, NCR und Burroughs? Für Univac gilt das gleiche wie für Siemens: Die Stärke im Großrechnerbereich, und hier insbesondere bei der Serie 1100. Dagegen bezeichnen Marktkenner das BC/7-Geschäft als "Desaster". Überdies muß sich erst erweisen, wieviel die zugekaufte Minicomputerfamilie V77 (vormals Varian) für Sperry Univac wert ist. Bemerkenswert ist immerhin, daß Gerüchte nach draußen gedrungen sind, etwa mit dem Tenor: Univac kommt noch in diesem Herbst mit einer neuen Computerserie, die modellmäßig den Leistungsbreich vom Kleincomputer bis zum Jumbo abdeckt.

Mit inkompatiblen Rechnerfamilien leben zu müssen, dieses Problem hat NCR nicht mehr, denn in den vergangenen Jahren wurden die Lücken innerhalb der Serie 8000 nach und nach geschlossen. Nachdem das "Kassentrauma" überwunden ist, starten die Augsburger durch, um sich im DV-Markt einen Vorderplatz hinter IBM zu sichern - ein reichlich kühnes Vorhaben, denn es fehlen qualifizierte Verkäufer, und es fehlt des weiteren eine schlagkräftige Marketing-Organisation.

Eine Sonderstellung unter den Mainframern nimmt Burroughs ein: Stark im Home-Market, relativ schwach vertreten außerhalb der Vereinigten Staaten (die "foreign affairs" machen lediglich 38 Prozent des gesamten Burroughs-Geschäftes aus). Schwer einzustufen in bezug auf ihre Ambitionen, der IBM Deutschland GmbH die Stirn zu bieten, sind die "Europäer" CII-Honeywell Bull und ICL, wobei man bei CII-HB nicht weiß, wie groß

der Einfluß der amerikanischen Honeywell Inc. auf die Pariser noch ist.

Resümee: Wenn IBM in den kommenden Monaten auf dem deutschen Markt einige Zehntelpunkte verliert, wofür vieles spricht, dann nur, weil sich der Marktführer selbst im Wege ist.