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12.11.1993

Grossbank loest reine 3270-Technologie ab Entwicklung eines verteilten Wechselsystems unter OS/2

Die HMT aus Grasbrunn bei Muenchen hat bei ihrer Muttergesellschaft, der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank AG, die Theorie der verteilten Anwendung im Rahmen eines drei Jahre dauernden Projektes in die Praxis umgesetzt. Die Bank verfuegt heute ueber ein Client-Server-basiertes Wechselsystem unter OS/2. Rainer Pankratz* berichtet ueber die Einfuehrung.

Die Zielvorgaben waren klar definiert: Das alte, auf 3270- Technologie basierende Wechselsystem sollte abgeloest und durch ein neues, den gestiegenen Anforderungen hinsichtlich Benutzerkomfort und Funktionalitaet angepasstes ersetzt werden. Wie man dieses Ergebnis erreichen wollte, stand aber im wesentlichen noch nicht fest, zumal in der Hypo-Bank die Infrastruktur fuer verteilte Anwendungen noch nicht im notwendigen Masse vorhanden war.

Ungeachtet dessen sollte das Projekt jedoch auf jeden Fall in Angriff genommen werden. So bestand das primaere Ziel darin, eine projekteigene Infrastruktur aufzubauen, die sich ohne grosse Anpassungen spaeter in die Hypo-eigene Umgebung integrieren lassen wuerde.

Prototypen-Entwicklung brachte viele Vorteile

Die Beschreibung des Fach- und Systemkonzepts erfolgte gemaess den Verfahrens- und Dokumentationsrichtlinien der Hypo-Bank, die gegenueber den reinen 3270-Projekten lediglich um einige kleinere Kapitel erweitert wurden. Damit standen viele konzeptionelle Ueberlegungen schon am Anfang der Realisierungsphase an.

Zum besseren Verstaendnis seien hier einige Funktionen des Wechselsystems kurz aufgefuehrt. Das System ermoeglicht im wesentlichen

- den Ankauf beziehungsweise die Annahme von in- und auslaendischen Diskont-, Inkasso- und LZB-Abrechnungswechseln,

- das Versenden der Wechsel an die einloesende Bank im In- und Ausland,

- das Ueberwachen der Einloesung,

- die Optimierung der Kontingentvergabe an einzelne Geschaeftsbereiche sowie

- die automatische Vorschlagserstellung rediskontfaehiger Wechsel zum Weiterverkauf an die Landeszentralbanken.

Zur besseren Abstimmung der Dialogablaeufe mit der Fachabteilung wurde im Rahmen des Fachkonzepts ein Prototyp entwickelt, der auch im Zuge der Realisierung verwertet werden sollte. Dieses Vorgehen fuehrte insgesamt zu einer besseren Akzeptanz des Systems, liess jedoch auch die Anforderungen an die Qualitaet der Benutzeroberflaeche steigen. In der Realisierungsphase wurden die Masken mit einem selbstentwickelten Werkzeug automatisch aus dem Prototyp extrahiert und in die Presentation-Manager-Umgebung ueberfuehrt.

Dadurch liess sich in kurzer Zeit ein einheitliches Design herstellen. Um eine optimale Abstimmung der PC-Host-Schnittstelle und damit eine bessere Software zu erreichen, wurden Entwicklungsteams gebildet, in denen ein PC-Spezialist und ein Host-Spezialist zusammen an einer fachlichen Teilfunktion arbeiten.

Durch die Erstellung einer Online-Hilfe unter Information Presentation Facility (IPF) ist es nun saemtlichen Projektmitgliedern, die PC-Software entwickeln, moeglich, schnell auf den aktuellen Stand von Funktionsbeschreibungen, Beispielen fuer Funktionsaufrufe und Datenformaten zuzugreifen.

Die Dynamic Link Libraries (DLLs) von OS/2 sind dazu geeignet, eine fachliche Teilfunktion in der Software abzubilden.

Die DLLs enthalten saemtliche Masken und Funktionen, die zu einer Fachfunktion gehoeren, und koennen so unabhaengig von anderen Entwicklungsteams entwickelt werden. So besteht die Anwendung PC- seitig aus vielen DLLs, die ueber eine Hauptmaske aktiviert werden. Sie koennen damit auch von anderen Anwendungen genutzt werden, so dass insgesamt ein unternehmensweiter Vorteil gegeben ist.

Fuer das Wechselsystem wurde ein dreistufiges Datenhaltungskonzept eingefuehrt. Die erste Stufe besteht aus dem lokalen PC, der anwendungsspezifische Parameter und geoeffnete Datenobjekte bereithaelt, an denen Funktionen ausgefuehrt werden koennen. Die zweite Stufe stellt einen LAN-basierenden Datenbank-Server dar, der fuer kleinere Datenbestaende mit geringer Aenderungsfrequenz zustaendig ist. Die dritte Ebene bildet der Grossrechner, der grosse Datenbestaende mit hoher Aenderungsfrequenz zur Verfuegung stellt.

Bei den lokalen PCs werden saemtliche Masken und DLL-uebergreifende Daten in einer DLL abgelegt und somit anderen DLLs zur Verfuegung gestellt. Der Zugriff auf diese lokale Daten-DLL erfolgt durch das Senden von Nachrichten. Ausserdem kann eine Maske Informationen ueber die Veraenderung von bestimmten Daten erhalten. Auf diese Weise laesst sich ein Datenaustausch zwischen zwei DLLs und damit zwischen fachlichen Teilfunktion realisieren.

Bei dem Wechselsystem werden keine Daten auf dem Server gehalten. Dies liegt im wesentlichen daran, dass die Schnittstelle nicht rechtzeitig zur Verfuegung stand. Als Ersatz werden nun die Daten entweder beim Starten der Anwendung auf den PC uebertragen und dort lokal gehalten, oder aber sie bleiben auf dem Host und werden erst bei Bedarf vom Grossrechner gelesen.

Bei dem Projekt handelt es sich um eine verteilte Anwendung, bei der der PC verantwortlich ist fuer die grafische Darstellung der Daten, fuer die Eingabepruefung und teilweise fuer die lokale Verarbeitung. Der Host regelt die Bereitstellung der Daten und teilweise die lokale Verarbeitung.

Der Datenzugriff erfolgt durch eine selbstentwickelte Kommunikations-DLL, die eine Schnittstelle zu IMS/DC (Information Management System/Data Communication) darstellt. Sie kann jederzeit durch eine Testversion ersetzt werden, damit PC-seitig eine fachliche Teilfunktion getestet werden kann, ohne dass die entsprechenden Host-Transaktionen schon zur Verfuegung stehen.

Testtreiber machen Entwickler unabhaengig

Diese Kommunikations-DLL arbeitet vollkommen nachrichtengesteuert und ermoeglicht ein komfortables und uebersichtliches Programmieren unter dem Presentation Manager (PM). Komplette C-Strukturen koennen gesendet und empfangen werden. So entfaellt das muehsame Zerlegen und Zusammensetzen der IMS-Strukturen, womit eine unnoetige Fehlerquelle vermieden wird.

Die Anforderungen an die Benutzer-Schnittstelle sind wie gesagt hoch. Das grundsaetzliche Konzept besteht nun darin, alle Eingaben direkt beim Verlassen des Eingabefeldes zu pruefen. So kann der Anwender gezielter auf Hinweise und Fehlermeldungen reagieren.

Die Eingabepruefung erfolgt in vier Stufen. Der erste Schritt besteht aus der rein syntaktischen Kontrolle. Daran schliesst sich der semantische Test an, und als drittes wird die Kombination mit anderen Feldern abgecheckt. Erst auf der vierten und letzten Stufe wird die Eingabe mit dem tatsaechlichen Datenbestand auf dem Host verglichen, mit der zugleich also keine Feld- und Kombinationspruefungen anfallen. Technisch wird dieses Konzept durch die Methode des Subclassing realisiert.

Zentrales Hilfesystem verbessert die Ergonomie

Software-Ergonomie hat sehr viel mit Unterstuetzung via Tastendruck zu tun. Das Unternehmen muss im Idealfall weniger schulen, der Anwender hat weniger Stress. Die Hilfe fuer Ein- und Ausgabefelder, PM-Kontrollelemente und Fehlernachrichten wird durch ein zentrales und einmaliges Erfassen aller Hilfetexte im Data-Dictionary des Hosts erreicht. Dieses Hilfekonzept wurde von HMT entwickelt und bildet die Basis fuer alle verteilten Anwendungen der Hypo-Bank.