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06.09.1991 - 

LAN-Marktanteil von 24,6 Prozent in Europa

Großbritannien richtet sich erfolgreich an Standards aus

Der britische Markt für lokale Netzwerke ist der bedeutendste Europas. 1989 betrug sein Anteil am europäischen Markt 24,6 Prozent. Jeffrey Peel* befaßt sich mit der Rolle Großbritanniens als Hersteller und Abnehmer von lokalen Netzen und weist dabei auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit anderen europäischen Staaten und den USA hin.

1985 belief sich der Umsatz auf dem britischen LAN-Markt auf 50,7 Millionen Dollar. Bei einer durchschnittlichen Zuwachsrate von 89,6 Prozent wuchs er auf 655 Millionen Dollar im Jahr 1989 an. Für den Zeitraum von 1990 bis 1994 wird ein gebremstes Wachstum von jährlich 8,4 Prozent vorausgesagt. Im Vergleich liegen die britischen Werte leicht unter den europäischen Durchschnittswerten, die für die genannten Zeiträume 95 beziehungsweise 13,4 Prozent betragen. Die angekündigte Wachstumsverlangsamung wird in Fachkreisen als ein Anzeichen für den gesättigten Markt gewertet.

Amerikanische Anbieter dominieren im LAN-Markt

Allgemein beträgt die Verzögerung bei der Einführung neuer Technologien zwischen den USA und Großbritannien sechs bis 18 Monate. Es ist daher nicht überraschend, daß vier der fünf wichtigen LAN-Anbieter in Großbritannien und Europa amerikanische Unternehmen sind. Diese fünf Anbieter - Digital Equipment, Novell, IBM, 3Com und Bicc Data Networks als britische Ausnahme - halten zirka 58 Prozent des LAN-Marktes. Jeder von ihnen hat bestimmte Stärken: Novell bei den Terminalservern und Ethernet-Basisprodukten, IBM beherrscht den Token-Ring-Markt, 3Com verkauft die meisten Ethernet-Steuereinheiten, und Bicc Data Networks hält einen bedeutenden Marktanteil bei Basisprodukten wie Transceivern, Mehrfachschnittstellen, Repeatern (Relaisstationen), Multiport-Repeatern und Glasfaser-Hubs.

Arcnet konnte sich nicht durchsetzen

Die Marktanteile von Digital, Novell und IBM gingen zurück, als immer mehr amerikanische LAN-Firmen auf den britischen Markt vorstießen, um von dort aus den europäischen Markt zu erobern. Da Großbritannien den bestentwickeltsten LAN-Markt Europas aufweist, geht man allgemein davon aus, daß sich die wichtigsten Hardware-Anbieter in den nächsten Jahren einen harten Schlagabtausch um die Vorherrschaft auf dein Markt liefern werden.

Obwohl Großbritannien den US-Trends generell unterläuft, hat es auch beachtliche Ausnahmen gegeben. Entweder hat man sich gegen US-Trends entschieden, oder eigene Entwicklungen konnten sich eine führende Rolle erkämpfen. Ethernet wurde rasch angenommen und stieg zur vorherrschenden LAN-Technologie in Großbritannien auf, während das aus den USA stammende Arcnet, das in Frankreich und Deutschland große Verbreitung fand, nur in sehr geringer Zahl installiert wurde. Der historische Grund für das Scheitern Arcnets ist wahrscheinlich die fehlende Bereitschaft der britischen Post, die Twisted-Pair-Verkabelung sowohl für die Datenübertragung als auch für die Übermittlung von Sprache bereitzustellen.

Sprache und Daten getrennt übertragen

Von Anfang an wurden Sprache und Daten getrennte übertragen, und die Unternehmen hatten wegen des damaligen Telefonmonopols keinen direkten Einfluß auf diese Entwicklung. Daraus resultierte konsequenterweise ein Desinteresse an der Twisted-Pair-Verkabelung, bis letztes Jahr der Ethernet-Standard 10Base-T verabschiedet wurde. Seitdem ist man bemüht, die verlorengegangene Zeit aufzuholen, und die Nachfrage nach strukturierter Verkabelung hat zugenommen.

Außerdem muß in Europa auf den Vorteil verzichtet werden, den viele amerikanische Firmen nutzen können: Das "Floodwiring" von Gebäuden durch Bell bedeutet, daß Ethernet über die existierende Telefonverkabelung laufen kann, während bei uns immer noch zusätzliche Kabel verlegt werden müssen.

Die britischen Hersteller haben sich traditionell in äußerst erfolgreicher Weise an gesetzten Standards orientiert. Anders als die allgemeine US-Praxis, proprietäre Lösungen zu schaffen, die sich nicht an existierenden und künftig erscheinenden Standards ausrichten, haben die britischen Unternehmen immer erst gewartet, bis ein Standard gesetzt war, und dann versucht, den maximalen Nutzen daraus zu ziehen. Dieser Erfolg erklärt sich zum Teil aus der engen Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Bicc Data Networks, die bereits frühzeitig mit einem 10Base-T-konformen Produkt auf den Markt gingen. Die Konformität zu bestehenden Standards wird immer wichtiger, weil die Nachfrage nach offenen Normen auf Kosten von proprietären Systemen ständig steigt.

Es gibt keinen Hauptgrund dafür, daß Großbritannien zum größten europäischen LAN-Markt geworden ist, sondern eine Reihe von Faktoren, darunter die Beschaffenheit des britischen Finanzsektors, seine Nachfrage nach dezentralen, verteilten Rechnersystemen und die Expertise der Techniker in den einheimischen Unternehmen und an den Universitäten. Der von den Universitäten Anfang der achtziger Jahre gesponserte "Cambridge Ring" weist zum Beispiel große Ähnlichkeit mit dem späteren Token-Ring auf. Britische Techniker bewiesen großes Können im Erstellen maßgeschneiderter Softwarelösungen und im Einsatz der künstlichen Intelligenz zur effizienten Netzwerksteuerung. Eine breite sich rasch weiter ausdehnende Basis kommerziell genutzter PCs und die geeigneten Netzwerkspezialisten waren vorhanden, als die Nachfrage nach gemeinsamer Datenbenutzung zunahm. Im Vergleich zum restlichen Europa war die Zahl kommerziell genutzter nicht vernetzter PCs in England wesentlich größer.

Der britische Finanzsektor mit seinem internationalen Zuschnitt zeigte sich gegenüber der großangelegten Vernetzung von Rechnern von Anfang an sehr aufgeschlossen, ansonsten wurden LANs und WANs eher zögerlich eingesetzt.

MANs (Metropolitan Area Networks) haben den Durchbruch immer noch nicht geschafft. Die lokale Konzentration ist teilweise auf die britische Geschäftsphilosophie zurückzuführen, daß nämlich von einem einzigen Firmenstandort aus das ganze Land erreicht werden soll, anstatt mehrere Standorte einzurichten, die gleichzeitig auf Daten zugreifen können müssen.

MANs haben Durchbruch noch nicht geschafft

Bei FDDI-Produkten hat sich die Lage jedoch geändert. In der Anwendung der Faseroptik ist Großbritannien weltweit führend. Seit Mitte der Achtziger Jahre sind in Großbritannien Faseroptik-Produkte auf breiter Ebene im Einsatz, darunter Punkt-zu-Punkt-Verbindungen wie Ethernet-Hubs und Multiplexer. In diesen Bereichen liegt Großbritannien sogar noch vor den USA.

Es wird erwartet, daß der britische LAN-Markt noch für einige Zeit der bedeutendste Europas sein wird, auch wenn sein Anteil relativ abnimmt. Als ein weiterer Trend hinsichtlich der LAN-Anteile läßt sich festhalten, daß der deutsche Markt an Bedeutung gewinnt und 1994 mit dem britischen Markt gleichziehen wird.