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01.04.1977

Große Anlagen arbeiten wirtschaftlicher als kleine

- Herr Präsident, wann wird Ihr Amt aufgelöst?

Ich bin sicher, daß das Bayerische Landesamt für Datenverarbeitung nicht aufgelöst werden wird. Denn wir arbeiten bisher mit fünf Geschäftsbereichen zusammen, und soweit mir bekannt ist, sind diese zum überwiegenden Teil interessiert, weiterhin die Servicefunktion des Amtes in Anspruch zu nehmen.

- Jetzt will die Politik aber Ressortrechner in der EDV-Anwendung des Staates: Da wird doch das Service-Unternehmen "Landesamt" in seiner ursprünglichen Form überflüssig?

Man kann nicht sagen, daß es nach der ursprünglichen Form keine Ressortrechner geben sollte. Denn das in den Artikeln 4 und 6 des bayerischen EDV-Gesetzes umrissene Konzept sieht das Nebeneinander von Ressortrechnern und Dienstleistungsrechnern des Landesamtes vor.

- Konkret monierte der Rechnungshof, daß das Landesamt, bei dem Versuch, Aufgaben der Datenverarbeitung aus anderen Geschäftsbereichen an sich zu ziehen, "zwangsläufig auf den von Eigeninteressen bestimmten Widerstand der Ressorts stieß". Sie sind also von denen, die heute Ressortrechner noch lauter als früher fordern, nie akzeptiert worden.

Nein, es war so, daß, als das Gesetz erlassen wurde, jene Geschäftsbereiche schon große EDV-Anwendungen hatten, mit denen Massenarbeiten unterstützt wurden. Das waren die vier Anwender: Finanzministerium - als überhaupt größter EDV-Nutzer im staatlichen Bereich -, Innenministerium, Landwirtschaftsministerium und Arbeitsministerium. Mit dem EDVG-Konzept kam der Gedanke, aus wirtschaftlichen Gründen das Hilfsmittel EDV gemeinsam zu nutzen.

- Die Ressorts haben sich aber doch gegen dieses Konzept gestellt: Worin lagen denn die Gründe, oder liegen sie, daß die Ressorts Rechenaufgaben nicht an Sie abgeben können oder wollen?

Ich möchte nicht sagen, daß die Ressorts Aufgaben nicht abgeben können. Daß es aber sehr problematisch ist, Rechneraufgaben kurzfristig zu übergeben, weiß jeder, der genügend mit den internen Feinheiten der Materie Datenverarbeitung vertraut ist. Wir haben aus diesem Grund ein bestehendes Rechenzentrum genau eins zu eins übernommen. Erst nach einiger Zeit haben wir begonnen, zusätzliche Aufgaben draufzubringen. Dabei haben wir aber die alten Projekte nur in dem unbedingt nötigen, vom Auftraggeber gewünschten Umfang geändert.

- Woher dann der Druck, die Kritik, das Landesamt mit seinen Gebietsrechnern funktioniert nicht?

Kritik kommt zumindest nicht von den fünf Geschäftsbereichen, mit denen wir zusammenarbeiten. Und das ist von acht Geschäftsbereichen mit EDV-Einsatz der überwiegende Teil. Im übrigen war, so glaube ich, Argumentation nicht konsequent: Wenn man von der Aufgabenverantwortung gesprochen hat und argumentierte, wer nicht über einen eigenen Rechner verfügt, könne seiner Aufgabenverantwortung nicht gerecht werden. Die anderen fünf Ressorts haben darin keine Hinderungsgründe gesehen.

- Sie haben einen Siemensrechner und zwei IBM-Anlagen in Betrieb, zusammen mit 2300 K; eine Siemens-Einheit soll ja nun vergrößert werden, so daß Sie noch einmal 256 K dazugewinnen: Wie sind denn Ihre Anlagen im Monatsschnitt ausgelastet?

Wir fahren in der Regel zwei volle Achtstunden-Schichten und kommen auf 322 bis 341 Stunden pro Monat.

- Eine beachtliche Auslastung. Haben Sie auch analysiert, zu welchen Kosten Sie diese Leistung erreichen?

Wir haben begonnen, eine Kostenrechnung zu entwickeln. Das ist ein problematisches Unterfangen: Mit welchen Kosten rechnet man? Mit Plan- oder Ist-Kosten. Wie soll man mit Ist-Kosten rechnen, wenn man zum Beginn einer Periode sagen muß, die und die CPU-Sekunde kostet soundso viel und die und die Minute Einschaltzeit kostet soundso viel, ohne die genaue künftige Auslastung zu kennen. Da beginnen die Schwierigkeiten: Hat man CPU-intensive Aufgaben und die CPU-Sekunde hoch belastet, dann wird die Erledigung solcher Aufgaben enorm teuer. Geht man von der Einschaltzeit aus, wird die CPU-intensive Arbeit sehr preisgünstig erledigt.

- Haben Sie auch mal den Hersteller gefragt, wie sich die Auslastung der Anlagen am besten berechnen läßt?

Ja, aber damit sind die Schwierigkeiten nicht gelöst worden. Denn bei einer exakten Auslastungsberechnung wird man wohl auf die Daten, die der Rechner selbst liefert, zurückgreifen müssen. Dabei hat sich herausgestellt, daß die Rechner, die wir benutzen, unterschiedliche Systemzustände zählen. Die EDV-Fachleute, die darüber zusammensaßen, sind zu dem Ergebnis gekommen, daß man die Auswertung des Siemens-Rechners nur sehr schwer mit der des IBM-Rechners vergleichen könne.

- Trifft unter diesem Aspekt der Vorwurf des CSU-Abgeordneten Will zu, daß Großrechen-Anlagen im Staatsbetrieb zur Kostenaufblähung und Undurchsichtigkeit geführt haben?

Dieser Vorwurf trifft nicht zu. Nach einer Studie des Landesamtes für Datenverarbeitung arbeiten große Universalrechner heute, von wenigen Ausnahmen abgesehen, wirtschaftlicher als kleinere Anlagen. Die Gründe liegen in der Kostenersparnis bei der Hardware- und Softwaremiete, den Raumkosten und insbesondere den Personalkosten. Daraus ergibt sich eine starke, Kostendegression pro Leistungseinheit.

Im übrigen werden in der staatlichen Verwaltung fast noch keine Großrechenanlagen vergleichbar denen der Wirtschaft eingesetzt.

- Wie hoch sind die Gesamtkosten?

In den drei Rechenzentren fallen insgesamt rund 11 Millionen Mark Kosten pro Jahr an. Darin sind die kalkulatorischen Kosten enthalten.

- Wie berechnen Sie diese Kosten?

Wir haben einen Betriebsabrechnungsbogen für die Rechenzentren eingerichtet und legen am Jahresende die Gesamtkosten auf die Kostenstelle um. Wir wissen, daß sich der Bayerische Oberste Rechnungshof stark für diesen Abrechnungsmodus interessiert. Er war auch an einer Reihe von Gesprächen, die dieser Einführung vorangegangen sind, beteiligt.

- Gibt es für die Ressortrechner ein ähnliches System?

Uns ist dergleichen nicht bekannt. Aber der Rechnungshof wird wahrscheinlich darauf hinwirken, daß die Betriebsabrechnung in der gesamten staatlichen Datenverarbeitung nach dieser Methode gemacht wird.

- Bleibt die Frage: Worauf stützt sich die geballte Kritik am dienstleistenden Großrechner?

Ich muß noch einmal sagen: Großrechner ist ein Mißverständnis. Wenn beispielsweise das RKW in seinem Gutachten von Dezentralisierung spricht, dann hätte ich starke Bedenken, das so auszulegen, daß nur jedes Ressort seinen Rechner erhalten müsse, und schon wäre das die Dezentralisierung. Dezentralisierung heißt, daß man nicht zentral in München arbeitet, sondern zum Beispiel auch in Nordbayern ein Rechenzentrum ansiedelt.

- Diese Dezentralisierung nützt?

Ich glaube, ein Rechenzentrum in München als Dienstleistungsunternehmen und eines in Nordbayern würde auch politisch gebilligt werden. Das hätte verschiedene Vorteile: Die Benutzer wären näher beim Rechenzentrum. Das sind zwar psychologische Überlegungen. Aber das heute so oft zitierte Konzept der Dezentralisierung beruht zum großen Teil auf psychologischen Gründen. Sicher wird man auch bei einer Dezentralisierung leistungsfähige Rechenzentrumsgrößen anstreben müssen. Schließlich werden dabei noch Leitungskosten gespart.

- Lassen Sie mich zusammenfassen: Sie erreichen durch Aufgabenmix eine gute und gleichmäßige Auslastung, und dennoch wird die Arbeitsteilung in einem gemeinsamen Rechner von den Ressort-Fetischisten unterlaufen?

Das würde ich nicht sagen. Es ist einfach so, daß die Geschäftsbereiche ihre Rechenzentren schon lange haben und sie - das kann niemand bestreiten - für sich gesehen mit Erfolg betreiben. Wir sind aber überzeugt, daß sich durch den Einsatz von Mehrzweckrechenzentren ein besserer Aufgabenmix und eine gleichmäßigere Auslastung und damit, nicht ressortbezogen, sondern insgesamt für den staatlichen Bereich gesehen, eine noch größere Wirtschaftlichkeit ergeben kann.

- Nun haben Sie in einer Studie mit dem Titel "Kostendegression und bessere Auslastung bei der Zusammenfassung zweier Rechenzentren" nach unserer Meinung eher für eine Jumbo-Lösung plädiert.

An ein einziges zentrales Großsystem war nie gedacht. Die Studie soll lediglich die wirtschaftlichen Vorteile einer Zusammenlegung innerhalb handelbarer Rechnergrößen (unter 3 MByte) herausarbeiten. Deshalb bezieht sich diese Studie lediglich auf Universalrechner der derzeit in Bayern in der staatlichen Verwaltung eingesetzten Größenklassen. Dabei wurde vorausgesetzt, daß der Bedarf an Computerleistung am Arbeitsplatz (bei den Ämtern) durch Fernverarbeitung gedeckt werden kann. Die Vor- und Nachteile alleinstehender Kleincomputer wurden nicht verifiziert, weil diese Rechnerklasse im staatlichen Bereich nur einen sehr kleinen Anteil an der Gesamt-EDV-Kapazität hat.

Walter Schleicher (49),

seit 1973 Präsident des Bayerischen Landesamtes für Datenverarbeitung ist Jurist mit volkswirtschaftlichen Neigungen. Die EDV-Wiege Schleichers stand 1968 bei der Oberfinanzdirektion Nürnberg, wo er als Vertreter des Organisationsreferenten das zweite Datenverarbeitungszentrum für Nordbayern miteinrichtete.