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15.12.2005

Große Defizite in der Personalplanung

Die Mittelständler machen in ihrer Personalarbeit gute Fortschritte. Ressourcenplanung und Web-Auftritt weisen allerdings gravierende Mängel auf.
Kleine Firmen verstärken den Einsatz von Systemen zur Fehlzeitenkontrolle und zur Arbeitszeitverwaltung.
Kleine Firmen verstärken den Einsatz von Systemen zur Fehlzeitenkontrolle und zur Arbeitszeitverwaltung.

Zum dritten Mal ermittelte Christian Scholz, Personal-Management-Experte und Betriebswirtschaftsprofessor an der Universität Saarbrücken, das mittelständische Unternehmen mit der besten Personalarbeit. 36 Mittelständler wurden in der vergleichenden Studie auf ihre Aktivitäten in Sachen Personal-Management geprüft (siehe Kasten "Best Pers Award 2005"). Die Betriebe wurden unter anderem nach den Kriterien Personalbeschaffung, Kommunikation, Vergütung, Vision und Strategie, Personalentwicklung, - führung und -einsatz sowie Work-Life-Balance bewertet.

Hier lesen Sie …

• was erfolgreiche Mittelständler in puncto Personalarbeit auszeichnet;

• wo eine Vergleichsstudie der Universität Saarbrücken Schwächen sieht;

• welche Unternehmen einen Preis gewonnen haben.

Best Pers Award 2005

Der Best Pers Award ermittelt jährlich, welche mittelständischen Firmen gute, also "stimmige" Personalarbeit praktizieren und wie sie im Vergleich zu ihren Wettbewerbern dastehen. Mitmachen können Unternehmen mit bis zu 5000 Mitarbeitern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Teilnahme ist kostenlos. Der Startschuss für die nächste Runde fällt im März 2006. In der Jury sitzen Personalprofis wie Christian Scholz, Betriebswirtschaftsprofessor und Personal-Management-Spezialist an der Universität Saarbrücken, Monika Rösler, Vorstandsvorsitzende der PPM AG, Commerzbank-Personalchef Bernhard Heye sowie Werner Fröhlich, Professor an der Donau-Universität in Krems.

Gewinner des Wettbewerbs 2005 wurde der unter anderem auf Gehalts- und Steuerabrechnung spezialisierte IT-Dienstleister Datev aus Nürnberg. Platz zwei belegte der Expresszusteller TNT und damit der Vorjahressieger und auf Rang drei kamen die Zollner Elektronik AG und die Multimedia Solutions GmbH, eine Tochtergesellschaft der T-Systems. Alle vier schnitten in sämtlichen Bewertungskategorien von der Personalbeschaffung bis hin zu Vision und Strategie gut ab. In den einzelnen Kategorien wurden ebenfalls Preise verteilt. Dabei fielen vor allem Vertreter der Dienstleistungs- und Hightech-Branche positiv auf.

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www.computerwoche.de/go/

568988: Talent-Management;

569743: Personalarbeit im Internet;

538638: Digitale Personalarbeit.

Der Saarbrücker Wissenschaftler beobachtet eine Professionalisierung der Personalarbeit. So haben sich beispielsweise die Werte in der Kategorie Strategie und Vision gegenüber den Vorjahren deutlich verbessert. In der Personalentwicklung haben die Kleinen von den Konzernen gelernt und greifen praktisch auf alle gängigen Lernmethoden und Inhalte zurück. Alle Befragten (Vorjahr 90 Prozent) bieten für ihre Manager Kurse zu den Themen Kommunikation, Führungsverhalten und Leistungsbeurteilung an.

Was den Computereinsatz im Personalwesen angeht, haben die meisten Kleinen die wichtigsten Prozesse automatisiert. So geben 94 Prozent der Teilnehmer an, dass ihre Lohn- und Sozialverwaltung IT-gestützt läuft, über 80 Prozent betreiben die Fehlzeitenkontrolle und die Arbeitszeitverwaltung am Computer. Es fällt auf, so Scholz, dass im Vergleich zum Vorjahr in die elektronische Kontrolle der Fehlzeiten kräftig investiert wurde. Verbesserungsfähig seien Funktionen wie elektronische Personalakte, Personaleinsatzplanung und Leistungsbeurteilung. Auch Skill-Datenbanken und elektronisches Wissens-Management sind noch die große Ausnahme.

Das Thema Personalbeschaffung hat im Vergleich zum Vorjahr an Bedeutung verloren. Verständlich, da die Firmen weniger Mitarbeiter einstellen. Nach wie vor suchen sie, wenn sie denn Personal benötigen, vor allem über die eigene Homepage oder hören sich nach Empfehlungen um. Der noch nie berauschende Auftritt im Netz habe sich allerdings gegenüber den Vorjahren weiter verschlechtert, so Scholz. "Eigentlich sollten die Unternehmen wissen, dass gute Mitarbeiter vor allem im Internet auf Jobsuche sind." Für unzureichend hält der Professor besonders die Benutzerfreundlichkeit vieler bewerberbezogenen Online-Auftritte. Lediglich elf Prozent der teilnehmenden Firmen bekommen die Note "sehr gut".

In puncto Kommunikation läuft in den mittelständischen Betrieben eine ganze Menge. Wie auch im Vorjahr gaben knapp über 80 Prozent der Befragten an, dass bei ihnen regelmäßige Besprechungen mit allen Mitarbeitern und persönliche Gespräche mit Führungskräften stattfinden. Abgenommen hat dagegen die elektronische Kommunikation, also E-Mail-Anbindung und Einrichtung eines Intranets. Etwa die Hälfte der Befragten (Vorjahr 65 Prozent) verweisen darauf. "Vor einigen Jahren hieß es noch, dass jeder Mitarbeiter eine E-Mail-Adresse benötigt und ein Intranet Plicht ist", so der Professor. Mittlerweile erhalte nicht mehr jeder Mitarbeiter Mail- und Internet-Anschluss.

In der Vergütungspolitik agiert der Mittelstand konservativ. Alle Befragten gewähren in irgendeiner Form eine zusätzliche Altersvorsorge, immerhin 80 Prozent agieren mit einer leistungsorientierten Vergütung, und drei Viertel zahlen die geleisteten Überstunden. Absolut out sind der Kindergeld-, der Baugeldzuschuss und Belegschaftsaktien. Abgenommen hat der Anteil der variablen Entlohnung. Das hängt laut Scholz mit der wirtschaftlichen Situation vieler Unternehmen zusammen. Ist die Lage schwierig, wird die variable Komponente abgebaut.

Sehr wenig Teilzeitarbeit

Mit den modernen Methoden der Arbeitsorganisation scheinen viele Mittelständler auf Kriegsfuß zu stehen. Immerhin gaben fast alle Studienteilnehmer an, dass sie flexible Arbeitszeiten eingeführt haben. Allerdings bieten nur 17 Prozent Teilzeitarbeit an. Virtuelle Büros, Jobrotation und Jobsharing sind auf dem Rückzug. Das größte Defizit sieht Scholz in der Personaleinsatzplanung. Er beobachtet immer wieder, dass die Arbeitgeber keine Antwort auf die Frage haben: Wie viel Mitarbeiter benötigt das Unternehmen, und nach welchen Kriterien sollen sie für eine bestimmte Aufgabe eingesetzt werden? "Erst wenn die Klagen immer lauter werden und die Überarbeitung sichtbar wird, wachen die Firmen auf", so der Professor.

Familie kommt zu kurz

Erste Fortschritte haben die Firmen dagegen beim Kapitel Vereinbarkeit von Beruf und Familie gemacht. Scholz kritisierte im vorletzten Jahr die Unternehmen und sagte damals: "Das bekommt keiner richtig hin." Mittlerweile fällt sein Urteil etwas milder aus. Er empfiehlt pragmatische Lösungen: Wenn es beispielsweise einem Unternehmen alleine nicht möglich sei, einen Betriebskindergarten einzurichten, dann müssten sich eben mehrere Firmen aus einem Stadtteil oder Gewerbegebiet zusammentun.