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05.02.1988 - 

Flexibilität ist notwendig und wünschenswert, aber nicht unproblematisch:

Große Menge an Parametern fordert vom User viel Know-how

Die Parametersteuerung kann für den Endanwender eine weitgehende Unabhängigkeit gegenüber dem Softwarehaus und der eigenen DV-Abteilung bedeuten. Wilhelm Domandl* weist allerdings darauf hin, daß diese Idealvorstellung sich nur dann realisieren läßt, wenn der User über qualifiziertes Fachwissen und exakte Zielvorstellungen verfügt.

In den Gründerzeiten der DV hatten die Unternehmen meist mehr oder weniger große DV-Abteilungen, die mit Organisatoren, Programmierern, Operatoren, Arbeitsvorbereitern etc. bestens ausgestattet waren. Sehr oft hatten diese Abteilungen nicht nur eine sachliche Funktion, sondern dienten auch als Prestigeobjekte für das Unternehmen. In diesen "Hexenküchen" braute dann jede Firma ihr eigenes "Software-Süppchen", das manchmal gut, manchmal aber auch weniger gut gelang - in jedem Fall aber enorme Kosten verursachte.

In den folgenden Jahren wurde das Geld knapper, und die DV hielt Einzug auch in kleinere Betriebe. Diese Unternehmen konnten und wollten solche Abteilungen nicht mehr finanzieren; in der mittelständischen Industrie sind sie heute auch weitgehend unbekannt. Ja, man trifft sogar immer häufiger auf Firmen, in denen es überhaupt keine ausgebildeten DV-Fachkräfte mehr gibt.

Wurde früher das Hauptaugenmerk auf die einzusetzende Hardware gelegt, so wird heute in erster Linie eine Softwarelösung für ein ganz spezielles Fachgebiet gesucht. Dieser Bedarf wurde von den Softwareherstellern erkannt; sie entwickelten Programme, welche in den unterschiedlichsten Unternehmen eingesetzt werden können. Solche nicht nur auf die Bedürfnisse einer Firma zugeschnittenen, sondern universell einzusetzenden Softwarelösungen bezeichnet man heute als "Standardsoftware".

Diese Standardsoftware wird in zwei große Gruppen unterteilt: in branchenabhängige Software, zum Beispiel für die Bauwirtschaft, für Apotheker oder für Hausverwaltungen, und in branchenunabhängige Software, zum Beispiel für Finanzbuchhaltung, Kostenrechnung oder Anlagebuchhaltung.

Beide sollten jedoch eine Anforderung unbedingt erfüllen: Sie müssen nahezu unverändert bei den verschiedensten Unternehmen eingesetzt werden können - ohne Programmanpassungen in wesentlichen Funktionen.

Die weiteren Merkmale eines optimalen Systems werden nach zwei Gesichtspunkten untergliedert: in die DV-technischen wie Ablaufsicherheit, Datensicherheit, Transparenz und Dokumentation sowie die fachspezifischen, also Bedienerfreundlichkeit, Sicherheit, permanente Anpassungsfähigkeit und Ausbaumöglichkeit. Diese Liste ließe sich selbstverständlich je nach Anwendung noch um vieles ergänzen und erweitern.

Was aber macht ein Programm so anpassungsfähig, daß es in den unterschiedlichsten Branchen und Ländern ohne wesentliche Anpassungen eingesetzt werden kann? - Die Antwort darauf heißt oft: Parametersteuerung.

Dies ist nun kein neues Zauberwort der Softwareentwicklung oder eine noch nie dagewesene Erfindung. Parametersteuerung gibt es schon seit Jahren; sie hat sich aber im Laufe der Zeit wesentlich verändert. Wichtige Merkmale der zur "klassischen" Parametersteuerung weiterentwickelten Form sind die drei folgenden: Die Parameter werden durch die Fachabteilung gewartet, eine Unterstützung durch Programmierer erübrigt sich, und die eingegebenen Parameter sind sofort wirksam. Das setzt selbstverständlich voraus, daß die Funktion der Parameter ausreichend dokumentiert, eindeutig und nachvollziehbar ist.

Transparenz des Systems nicht immer gewährleistet

Frei nach Duden ist ein Parameter die unbestimmte Konstante einer Funktion, aber was bedeutet das in Verbindung mit Software? - Parameter stellen keinen Ersatz für vergessene Programmfunktionen dar, sondern "beliefern" vorhandene Funktionen mit den nötigen Informationen; so schaffen sie eine Verbindung zwischen dem Anwender und der Software.

Die Vorteile für den Benutzer, sowohl in der Fachabteilung als auch in der DV, liegen auf der Hand: Er kann ohne Programmodifikationen sofort auf betriebliche und organisatorische Änderungen reagieren und wird somit weitgehend unabhängig vom Softwarehaus und der eigenen DV-Abteilung.

Das soll nun nicht heißen, je mehr Parameter desto besser: Es gibt bei der Parametersteuerung einen "Break-even-Point", der den Anfang des Chaos signalisiert; wird dieser Punkt überschritten, so steigt nicht mehr die Flexibilität, sondern es beginnt die Undurchschau- und Unabwendbarkeit eines Systems.

Anwender-Fachwissen macht Beratungsleistungen obsolet

Um einige Möglichkeiten aufzuzeigen, wofür Parameter sinnvoll verwendet werden können, hier einige Beispiele aus der Kostenrechnungs- und Controlling-Praxis: variabler Aufbau des Betriebsabrechnungsbogens, flexible Definition des Kalkulationsschemas, freie Wahl von Kostenrechnungs- und Umlageverfahren etc.

Gerade im Bereich des Controlling ist heute eine derartige Flexibilität unbedingt erforderlich, um kurzfristig auf Änderungen jeder Art reagieren zu können. Die Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz eines von parametergesteuerten Systems ist jedoch ein umfassendes Know-how des Anwenders; er muß exakt wissen, welche seiner spezifischen Probleme wie gelöst werden sollen.

Die Anforderungen des Controllers lauten beispielsweise: flexible Plankostenrechnung, Umlagen, Soll/ Ist-Vergleich, Vor-/Nachkalkulation und Deckungsbeitragsrechnung. Das Softwarehaus leistet dann die Erklärung des Gesamtsystems und der notwendigen Parameter sowie den Aufbau eines Testbeispieles. Wenn der Anwender über genug fachliches Wissen verfügt und detaillierte Vorstellungen von dem zu erreichenden Ziel hat, benötigt er keine weitere Beratung von seiten des Softwarelieferanten.

Für den Fall, daß kein Kostenrechnungsfachmann im Unternehmen ist, beschränkt sich die Anforderung auf die Einführung einer Kostenrechnung. Die Tätigkeit des Softwarehauses darf sich hier nicht nur auf die bloße Erklärung des Systems und der Parameter beschränken; vielmehr muß es den Anwender über den systematischen Ablauf der Problemlösung beraten. Die Vorgehensweise müßte ungefähr so aussehen: Ist-Aufnahme, Soll-Konzeption (kurz-, mittel- und langfristig), Schulung und dann erst Realisierung.

Der exakten Vorbereitung und Organisation kommt also beim Einsatz eines Standardpaketes ganz besondere Bedeutung zu. Erst wenn genau definiert und festgelegt ist, welche Anforderungen die zukünftige Software erfüllen soll, kann mit der Auswahl und dem Einsatz begonnen werden. Hierbei spielt die intensive Ausbildung des Anwenders, insbesondere in bezug auf die Möglichkeiten und Auswirkungen der Parameterfunktionen, eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Je flexibler ein System ist, desto größer wird die Verantwortung für den Benutzer - es wachsen aber auch die Möglichkeiten, die sich ihm bieten. Der Softwarehersteller muß sich ebenfalls seiner besonderen Verantwortung bewußt sein und einem offensichtlich überforderten Kunden hier konstruktive Hilfestellung leisten.

Moderne Standardsoftware ist ohne Parametersteuerung undenkbar. Aber dieser Erkenntnis sollte man eine weitere hinzufügen: Je flexibler die Software und je mehr die Parameter, desto qualifizierter muß der Anwender sein.

* Wilhelm Domandl ist Entwickler eines Softwarepakets für Kosten- und Deckungsbeitragsrechnung bei der R + S Software Vertriebs GmbH, München.