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09.01.1981

Große Nachfrage nach DV-Geräten und Personal bleibt:Wohl dem, der sich zur Branche zählt

MÜNCHEN - Im Jahresdurchschnitt 1980 lag die gesamtwirtschaftliche Produktion in der Bundesrepublik noch zwei Prozent höher als 1979. Im kommenden Jahr, so lesen es die fünf Weisen im Auftrag der Bundesregierung nach ihren Theorien aus den vorliegenden Daten, dürfte das reale Sozialprodukt nur um ein Prozent gegenüber 1980 wachsen. In diesem Konjunkturschrott steht traumhaft expansiv die Datenverarbeitungsbranche, was Geräteproduktion, Umsatz und Beschäftigungssituation angeht. Negative Beschäftigungswirkungen zeigt die Mikroelektronik nach dem Ifo-Gutachten in Bereichen wie Energiewirtschaft und Verwaltung. Die positiven Arbeitsmarktwirkungen beschränken sich auf die DV-Fachkräfte.

Wer wagt heute noch, positive Prognosen abzugeben", meint ein Sprecher des Vereins Deutscher Maschinenbau-Anstalten e. V. (VDMA), Frankfurt, fast, als schäme er sich über die positive Entwicklung bei den Verbandsmitgliedern, zu denen rund 80 Prozent der Hersteller von DV-Anlagen und Geräten zählen. Bei dem allgemein herrschenden politischen Klima hält er eine zweistellige, reale Wachstumsrate der Büro- und Informationstechnik-Branche im Gesamtjahr 1980 jedoch für fraglich.

Zu bedenken ist nach den vorliegenden Zahlen des VDMA, daß das Wachstum der Büromaschinenhersteller seit Jahren weit hinter dem der Datenverarbeiter zurückbleibt. Die langfristigen DV-lnvestitionspläne der Unternehmen werden nach Ansicht des Sprechers durch den konjunkturellen Einbruch kaum beeinflußt. Der Verband hoffe sogar auf eine verstärkte Nachfrage nach dem Rationalisierungsinstrument. Aber auch bei Einstiegsmodellen im Bereich der Basis-DV seien keine Einbußen zu erwarten. Doch immerhin, gibt er zu, könnte die Lage für alle schwierig werden. Wie schwierig oder positiv werde sich am Konjunkturbarometer Hannover-Messe zeigen.

Stagnation in Elektro

Weniger zuversichtlich in seiner Lagebeurteilung zeigt sich der Zentralverband der elektrotechnischen Industrie (ZVEI). Sein Hauptgeschäftsführer sprach für 1981 von Stagnation, was aber kaum den Bereich Datentechnik betreffen werde. Der Umsatz war nach Angaben von Rudolf Scheid in den ersten acht Monaten 1980 um acht Prozent gestiegen. Der Preisverfall hatte sich abgeschwächt. Nach den letzten vorliegenden Zahlen reiche der Auftragsbestand der Mitglieder aus dem Investitionsgütersektor aus, die Produktion für fünf Monate auszulasten. Aus diesem Grund hält ein Verbandssprecher ein real einprozentiges Wachstum aller Mitgliedsunternehmen für möglich.

Datex-P eröffnet

Für Wachstum sorgte auch Bundespostminister Gscheidle im August vorigen Jahres mit der feierlichen Eröffnung von Datex-P. Nach Mitteilung eines Sprechers des Postministeriums weckte bereits die Vorstellung des Paketvermittlungsdienstes auf der Hannover-Messe 1980 großes Interesse.

Für die Post stellt das Netz auf jeden Fall eines der beachtenswertesten Ereignisse des abgelaufenen Jahres dar. Am 10. November wurde offiziell das französische Netz Transpac mit dem deutschen Datex-P verbunden - und damit ein Schritt zum grenzüberschreitenden Datenaustausch realisiert. Richtig in Betrieb gehen wird die Verbindung mit seinen 9600 Bit/Sekunde erst Mitte dieses Jahres.

Auch das zweitwichtigste Ereignis bei der Bundespost drehte sich um Datex-P. Im letzten Quartal 1980, am 10. November, wurden die ersten externen Rechner über das Datex-Paket-Vermittlungsnetz an Bildschirmtext angeschlossen.

Bildschirmtext fehlt

Die beiden Pilotanwendungen des Bildschirmtextes in Berlin und Düsseldorf fehlten merkwürdigerweise in der Erfolgsbilanz der Bundespost für 1980. Nach den letzten vorliegenden Zahlen findet sich noch nicht einmal die im Versuch geforderte Teilnehmerzahl. Eine Reihe von Anbietern war ausgestiegen. Klagen von Konsumenten über das unzureichende Angebot waren zu hören. Die Post jedoch hält alle Teilnehmer für optimistisch. Sie hoffen, daß der Bürger das Medium akzeptiert.

Nach der Diebold-These aber ist nicht der Verbraucherbereich die entscheidende Komponente für den Erfolg des neuen Mediums. Wie früher das Telefon oder der Taschenrechner, so erklärt das Beratungsunternehmen für Informationstechnologie auf dem ersten Bildschirmtext-Kongreß, der Anfang Dezember 1980 in Düsseldorf stattfand, wird sich auch Bildschirmtext über den Berufs- und Arbeitsbereich seinen Weg in die privaten Haushalte bahnen. Für die Unternehmen stelle das Medium eine billige Alternative zu den bisherigen Datenbanksystemen dar.

"Immer, wenn es gesamtwirtschaftlich schlecht läuft, geht es den Rechenzentren gut", sagt Peter Lange-Hellwig, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Rechenzentren e. V. (VDRZ), Hannover, sogar einen Rechenzentrums-Boom für die kommenden Jahre voraus. Trotz guter Gesamtaussichten werde sich die Konzentrationsbewegung fortsetzen.

Bei einer Vielzahl mittlerer Unternehmen sei mittlerweile eine "Computer-Ernüchterung" eingetreten. Gerade im Bereich der "Mickey-Mouse"-Rechner hätten Hersteller und Verkäufer mit überzogenen Versprechungen operiert. Den Unternehmern sei klar geworden, daß der Computer nicht auf die menschliche Sprache reagiere, sondern ohne Software nicht funktioniere. "Ohne falsche Scham", meint Lange-Hellwig, kehren viele der Erstanwender zum Rechenzentrum zurück.

Die ADAC Reise GmbH, München, konnte wie viele andere, die unentdeckt blieben, diesen einfachen Weg nicht einschlagen. Die neue EDV-Anlage, die IBM geliefert hatte, fuhr 1980 einen Verlust ein, der nach Angaben von Geschäftsführer Reinhold Tigges "auf keinen Fall zweistellig" ausgefallen ist. Mit Adabas traten Schwierigkeiten im Antwortbereich auf, Engpässe im Datenzugriff entstanden, Suchvorgänge wurden erschwert. Jedenfalls ist zu vermuten, daß die Suche der ADAC Reise nach Software-Technikern den Arbeitsmarkt belebte.

Die lebhafte Nachfrage nach Datenverarbeitungs-Spezialisten seitens der Hersteller und von Anwenderseite wird wahrscheinlich 1981 anhalten. Auf den Elektroingenieur sollen pro Mann drei Stellen kommen.

Die Hersteller stellten nach Angaben des VDMA in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres allein 11 000 Leute ein. Nach den letzten vorliegenden Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg, die sich auf das erste Halbjahr 1980 beziehen, existierte damals ein Überhang an offenen Stellen. Ende Juni 1980 waren nach Angaben der BfA 623 Angebote verzeichnet, denen 293 Bewerber gegenüberstanden. Am rarsten waren dabei die Systemanalytiker. Die Waage hielten sich etwa Angebot und Nachfrage nach DV-Kaufleuten. Dr. Karl Maly, der sich in der Frankfurter Zentralstelle für Arbeitsvermittlung um natur- und geisteswissenschaftliche Berufe kümmert, glaubt, daß dieser Arbeitskräftemangel trotz des Umschulungsangebotes vom Arbeitsamt bestehen bleibt.

Die Kehrseite

Während Rationalisierer gesucht sind, mehrt sich die Schar derer die durch deren wirkungsvolle Arbeit ihren Arbeitsplatz verloren haben und sich schwer tun, einen neuen zu finden. Als wichtigste Ereignisse des Jahres 1980 nennt ein Sprecher des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung die Ablieferung der beiden Gutachten, die das Ifo-Institut und die schweizerische Prognos im Auftrag mehrerer Bundesministerien erstellt hatten. Zwar sagen beide nach Angaben des Sprechers "Strukturänderungen der Wirtschaft ohne merkliche Brüche" voraus. Doch soll es nach Berechnungen der Prognos Mitte der 80er Jahre 1,5 Millionen Arbeitslose geben, die vor allem durch die Verbreitung der Mikroelektronik und der von ihr ausgehenden Rationalisierungseffekte freigesetzt wurden.

Einige Gewerkschafter rechnen sogar damit, daß bis zur Mitte dieses Jahrzehntes jeder fünfte Arbeitsplatz eingespart wird. Daß diese Befürchtungen nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt der angespannte Haushalt der Bundesanstalt für Arbeit in Zusammenhang mit den Klagen des Unternehmerverbandes, der die Aufstockung für unzureichend hielt.

Folgen der "Mikroelektronisierung" von der bundesdeutschen Gesellschaft abzuwenden, bemüht sich das Bundesministerium für Forschung und Technologie. 1980 gab das Ministerium nach Angaben eines Sprechers rund 118 Millionen Mark für die Projekte aus, die unter dem Oberbegriff "Humanisierung des Arbeitslebens" seit 1974 ein Stiefkind des Forschungsministers sind.

Vom BMFT-Haushalt, der l980 bei rund 6,8 Milliarden lag und nach dem Haushaltsentwurf für 1981 um 6,2 Prozent auf runde 8,1 Milliarden steigen soll - was weniger ist, als nach der mittelfristigen Finanzplanung vorgesehen -, wurden 1980 nur rund 88 Millionen für die Datenverarbeitung ausgegeben. Auf die Förderung der Datenverarbeitung insgesamt entfielen aber 366,5 Millionen nach 355 im Jahr davor. Laut Forschungsbericht sind für 1981 rund 364 Millionen Mark geplant.

Zum ersten Mal seit Beginn der DV- Programme mußten die Hersteller von DV-Geräten ihre Forschung selbst bezahlen. 1979 war das 3. DV-Programm der Bundesregierung ausgelaufen. Einige Gelder für noch nicht abgeschlossene Projekte tröpfelten noch nach. Der Grundsatz, die deutsche DV-Industrie bei der Beschaffung von deutschen Rechnern für Universitäten beispielsweise zu unterstützen, der in Bremen etwas peinlich aufgestoßen war, konnte sich retten. Nunmehr, da "Wettbewerbsalternativen zum Marktführer", wie der Sprecher sich ausdrückte, geschaffen sind, stehen aridere Ziele auf dem Schild eines nun auch neuen Forschungsministers. Aber auch er lebt mit dem alten Erbe: die Entwicklung von Software-Technologien und neuen Rechner-Strukturen zu fördern.