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Diehl-Fachgespräch über Textverarbeitung:

Großes Problem für kleine Betriebe

16.02.1979

BERLIN (CW) - Der Nutzen der Textverarbeitung ist auch in Klein- und Mittelbetrieben nicht mehr umstritten. Im Gegenteil: Selbst in einem Kleinbetrieb mit nur 28 Mitarbeitern ließen sich durch die Einführung eines Schreibautomaten die Durchlaufzeiten für Angebote auf vier Tage kürzen, die Rechnungen gingen schneller raus, und eine Schreibkraft könnte eingespart werden.

Volkmar Wierzbiki, Geschäftsführer von Sommer & Runge, fand dennoch kritischce Worte für TV-Hersteller: "Einer weiteren Verbreitung der Schreibautomaten in Klein- und KIeinstbetrieben", so Wierzbiki auf einem Diehl-Textverarbeitungs-Symposium, "steht das Fehlen von umfangreichen Muster-Textsammlungen entgegen".

Schlicht überfordert

Einen Tag lang diskutierten in Berlin drei mittelständische Textverarbeitungs-Anwender mit Beratern und Journalisten das Thema: "Nutzen der Textverarbeitung im Klein- und Mittelbetrieb - Theorie oder Wirklichkeit?" Es wurde deutlich, daß gerade der Mittelstand, dem durch die Textverarbeitung eine interessante Rationalisierungshilfe erwachsen kann, ohne externen Beistand in der Installationsphase kaum in der Lage ist, sich aus eigener Kraft freizuschwimmen.

Vor allem mit umfangreichen Text- und Korrespondenzanalysen und dem Aufbau eines eigenen Text-Handbuches sind kleinere Anwender schlicht überfordert. Daher auch die Forderung nach mehr Beratung und Unterstützung durch den Hersteller, zumal externe Berater aus Wirtschaftlichkeitsgründen ebenfalls nur in Ausnahmefällen - und dann nicht selten als "Feuerwehr" - gerufen werden. Werner Schulte, Geschäftsführer der "Presse-Versand-Service GmbH", Neckarsulm, -meinte zudem, daß der Einsatz von Textverarbeitungs-Systemen "bei Firmen unserer Betriebsgröße durchaus sinnvoll, aber nicht ohne weiteres voll nutzbar ist".

Zu den wichtigsten Vorteilen der Textverarbeitung in seinem 100-Mitarbeiter-Unternehmen zählte W. Schulte vor allem Zeiteinsparungen:

- bei der Korrespondenz durch die schnelle Korrekturmöglichkeit,

- bei Angeboten durch den Zugriff auf Textbausteine und

- bei der Rechnungsschreibung; hier vor allem, weil "erstens Textbausteine genutzt werden können und zweitens das jeweilige Ausrechnen entfällt".

Die meisten Probleme entständen durch die Betriebsgröße. "Wir haben keine eigene Organisationsabteilung", sagte Geschäftsführer W. Schulte, "die uns Texthandbücher und Arbeitsabläufe ausarbeiten kann. Selbst für die Ausbildung von Mitarbeitern fehlt uns häufig die Zeit. Dadurch können wir viele Möglichkeiten, die technisch vorhanden sind, nicht voll nutzen."

Mittelstands-Probleme? Vielleicht. Warum kommt eigentlich kein Software-Haus auf die Idee, Textsysteme für kleine und mittlere Unternehmen in Form schlüsselfertiger Lösungen anzubieten?

Der dritte Anwender, die Adler-Versicherungen, Berlin, wurde durch die Leiterin der Organisation und EDV, Hannelore Trautmann, vertreten. Auch hier zwang der konventionell unbefriedigend arbeitende Schreibdienst zu moderner Technologie. "Die Anfälligkeit des zentralen Schreibdienstes wurde immer bemängelt", sagte H. Trautmann, "die programmierte TV sollte eingeführt werden, um Arbeitsspitzen und die Anfälligkeit des Schreibdienstes bei Ausfällen abzubauen". Seit Mitte 1978 wird nun "effektiv mit den Automaten gearbeitet".

Zur Zeit werden folgende Arbeiten über einen Diehl-Schreibautomaten abgewickelt:

-Schadenschriftwechsel;

-Versicherungsscheine und Nachträge, die nicht durch die EDV erstellt werden; Mahnschriftwechsel und Mahnbescheide;

- Kündigungsschriftwechsel;

- Schriftwechsel der Tochtergesellschaft Adler Leben und

- Schriftwechsel der Bezirksdirektion Berlin.

Dennoch sind die Möglichkeiten des Systems noch längst nicht ausgeschöpft. Ziel ist, rund 70 Prozent des gesamten individuellen Schriftwechsels über den Textautomaten zu erledigen.

Gisela Scheloske, Geschäftsführerin des Verbandes für Textverarbeitung im AWV, forderte, um die Lebens- und Leistungsfähigkeit von Klein- und Mittelbetrieben zu erhalten, gezielte Information und Aufklärung des Mittelstandes über die Anwendung neuer Techniken, Unterstützung bei der Einführung neuer Arbeitsabläufe sowie staatliche Hilfen und Steuerung über ein "Mittelstandsförderugsprogrammm".

Die Diehl-Datensysteme GmbH, Nürnberg (DDS), als Veranstalter des TV-Fachgespräches, legt große Hoffnungen in den Textverarbeitungs-Mark Auswertungen von Betriebsgrößen- und Branchenstatistiken hätten gezeigt, daß es in der Bundesrepublik über 400 000 Schreibplätze in Klein- und Mittelbetrieben gibt: Arbeitsplätze, an denen die Textverarbeitung in irgendeiner Form Einzug halten könne. Bis heute seien Textautomaten jedoch überwiegend in Großbetrieben, in Behörden und in den großen Dienstleistungsbereichen eingesetzt. Dieses Bild werde sich in den nächsten Jahren deutlich verschieben.

Hans-J. Rosemann, neuer Geschäftsführer der zur Triumph/Adler-Gruppe gehörenden Firma Diehl Datensysteme und innerhalb der T/A-Gruppe als Produktmanager für den Bereich Textverarbeitung zuständig (siehe Foto), beurteilt die Absatzchancen optimistisch. Die enge Verflechtung mit Triumph/Adler habe sich bisher sehr positiv ausgewirkt, stellte er fest. Gleichzeitig gab Rosemann der Hoffnung Ausdruck, "daß in Anwenderkreisen die Angst vor Textsystemen bald abgebaut werden möge".