Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.07.2000 - 

IT im Handel/Baumarktbelieferer Conmetall steigert Logistikeffizienz

Großhandel kann als Schaltzentrale in der Supply Chain fungieren

Mit einer integrierten IT-Lösung hat der Großhändler Conmetall aus Celle die Basis geschaffen, um eine zentrale Rolle in unternehmensübergreifenden Logistikketten zu spielen. Mit Großkunden, den bekannten Baumarkt-Filialketten, werden inzwischen Partnerschaftskonzepte wie Efficient Consumer Response (ECR) umgesetzt. Hans-Peter Sander* beschreibt das System.

Rund 25000 Artikel führt die Conmetall GmbH in den drei Sortimentsbereichen Sanitär, Werkzeug und Eisenwaren. Täglich sind durchschnittlich 30000 Auf-tragspositionen, verteilt auf 600 bis 1000 Aufträge, abzuwickeln. Aber auch Spitzen mit bis zu 50000 Auftragspositionen am Tag sind keine Seltenheit. Zentral strukturiert, ohne Lager führende Außenstellen, bedient der Großhändler den gesamten Markt von Celle aus. "Wir machen die Ware regalfertig, liefern sie, zeichnen die Preise aus und platzieren auch", skizziert Organisationschef Ulrich Kottwitz die Leistungen seines Unternehmens. "Dazu haben wir einen personell starken Außendienst, der die Märkte regelmäßig besucht und dort neben der reinen Disposition aktive Arbeit im Markt leistet. Und wir betreiben eines der modernsten Warenverteilzentren Europas." Dessen Herzstück ist ein hoch technisiertes, vollautomatisches Hochregallager mit fünf Gassen und zirka 20000 Palettenstellplätzen. Daneben gibt es ein großes halbautomatisches Kommissionierlager mit 32 Gassen und etwa 15000 Palettenstellplätzen sowie 15000 Fachbödenplätzen. Hinzu kommt ein separates konventionelles Lager für sperrige Teile.

Unternehmen wie Conmetall, die täglich Zehntausende Auftragspositionen abwickeln, stellen hohe Anforderungen an Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit ih-rer DV-Systeme. Zudem müssen diese insbesondere bei Großhändlern Strategien zur Optimierung der Lieferkette unterstützen. In Celle erfolgte der Einstieg ins Supply-Chain-Management (SCM) mit einer vollständig integrierten betriebswirtschaftlichen Standardsoftware mit E-Business-Funktionen. Dabei wurden alle unternehmensinternen Abläufe mit der Enterprise-Resource-Planning- (ERP-) Lösung "Basis/400" von Soft-M, München, integriert. Einzelne Softwaremodule dieses Mittelstandsspezialisten waren bei Conmetall bereits seit zehn Jahren im Einsatz. Im Zuge der Komplettierung der vorhandenen Soft-M-Anwendungen zu der integrierten ERP-Lösung wurden die bereits im Einsatz befindlichen Komponenten zunächst auf den neuesten Release-Stand gehoben. Im zweiten Schritt ergänzte man die Lösung um die noch fehlenden Module. "Mit der Einführung der Vertriebsabwicklung Anfang Dezember 1999 sind wir nun ein Komplettkunde", erläutert Kottwitz. "Innerhalb von zwei Jahren haben wir so faktisch die komplette Software Schritt für Schritt ausgetauscht: von der Anlagenbuchhaltung über die Fibu bis zum Vertrieb. Damit haben wir, was die geänderten Marktanforderungen wie beispielsweise den Euro angeht, jetzt quasi freie Bahn", freut er sich. Der Aufbau einer durchgängigen Supply Chain spielte bei der Einführung des Komplettsystems eine zentrale Rolle. "Auf der einen Seite haben wir Lieferanten in aller Herren Länder, auf der anderen Seite unsere Kunden, die Baumärkte, die wiederum die Endkunden bedienen. Wichtig ist hier, die bestehenden Barrieren zwischen den einzelnen Gliedern dieser Lieferkette abzubauen und Informationen schnell mit allen Prozessbeteiligten auszutauschen. Unsere Erfahrungen zum Beispiel mit Edifact zeigen ganz deutlich: Hier lassen sich eine Menge Vorteile für alle Beteiligten erzielen. Der größte Fortschritt zeichnet sich einer effizienten Warenbewirtschaftung sowohl unseres eigenen Lagers, der Lager unserer Lieferanten als auch der Verkaufsfläche bei unseren Kunden ab."

Aufträge gehen auf drei verschiedenen Wegen bei Conmetall ein: Entweder disponieren die Außendienstmitarbeiter im Baumarkt selbst und wickeln Ordersätze einzelner Artikel zu den vereinbarten Konditionen über mobile Datenerfassung ab, oder die Baumärkte disponieren - über ihre Warenwirtschaftssysteme gelangen die Aufträge via Edifact oder Fax zu Conmetall und schließlich nimmt das Conmetall-Servicecenter Aufträge an. Dabei ist das Verhältnis der elektronischen Aufträge per Edifact zu den klassischen Eingängen per Telefon und Fax bereits 80 zu 20 - Tendenz im Edifact-Bereich stetig steigend.

Schon lange arbeitet Conmetall auf diesem Gebiet in verschiedenen Arbeitskreisen von Branchenverbänden mit. So war der Celler Großhändler bei der Umstellung auf EAN (European Article Numbering) sehr früh im Boot. "Wir haben heute alle großen Baumarktketten angebunden, wenn auch noch in unterschiedlichem Umfang: den einen nur zur Rechnungsstellung, den anderen auch für die Bestellung. Manche wickeln den gesamten Stammdatenbereich so ab. In diesem Jahr wird noch das Lieferavis beziehungsweise die Transportmeldung über Speditionen via Edifact hinzukommen."

Ganz oben auf der Prioritätenliste für nächste Projekte Kottwitz'' steht eine E-Commerce-Lösung für das Business-to-Business. Hier geht es vornehmlich darum, die Kunden, für die eine EDI-Installation (Electronic Data Interchange) zu aufwändig wäre, mit einem effizienten Bestellsystem zu versorgen. Die Anforderungen, die der Großhändller an eine solche Lösung stellt, sind nicht trivial. Ein Artikelkatalog plus Warenkorb reichen nicht aus. Der Besteller muss die jeweils für ihn geltenden Artikelpreise erhalten, die je nach Bestellumfang und ausgehandelten Konditionen variieren; Verfügbarkeiten müssen geprüft, Liefertermine genannt werden können. Gefordert ist folglich ein hohes Maß an Integration in das Backend-ERP-System.

Bei diesem Projekt lassen sich die Celler von der Fachhochschule Lüneburg unterstützen. In Frage kommen zum einen Shop-Lösungen von Drittanbietern. Solche Integrationen mit Systemen wie etwa von Network Unlimited oder Intershop sind bereits bei einigen anderen Kunden des Münchner Softwarehauses realisiert. Geprüft wird aber auch ein neues Konzept der Münchner, das darauf zielt, die vorhandenen ERP-Funktionen in Internet-Frontends zur Verfügung zu stellen. Dabei werden die Daten des ERP-Systems über das Austauschformat XML (Extensible Markup Language) an einen Web-Server geliefert, der daraus HTML-Masken (Hypertext Markup Language) generiert. Durch den hohen Integrationsgrad dieser Lösung ergäbe sich beispielsweise die Möglichkeit, die vollständigen Auskunftsfunktionen des Systems auch im Web-Browser zu nutzen.

Mit der Internet-Lösung soll nicht nur die Kommunikation mit dem Kunden vervollständigt werden. Auch der Informationsaustausch mit den Lieferanten ließe sich effizienter gestalten. Derzeit gibt es in diesem Bereich häufig noch einen Medienbruch, da die Formulare in der Regel per Fax bei Conmetall ankommen. Sicherlich lasse sich das auch mit dem neuen E-Commerce-System nicht ganz vermeiden, gibt Kottwitz zu bedenken, denn viele der ausländischen Zulieferfirmen sind kleinere Familienunternehmen. "Da kommt es auch schon mal vor, dass die Oma am Küchentisch die Rechnungen schreibt", schmunzelt der Organisationsleiter.

Neben Funktionalitäten der elektronischen Kommunikation zur Optimierung der Supply Chain bietet die Lösung integrierte moderne Planungs- und Dispo-sitionsfunktionen. Prognosen etwa über den zukünftigen Bedarf unter Berücksichtigung der tatsächlichen Kundenbedarfe sind damit möglich. Das setzt unter anderem eine rechtzeitige und möglichst elektronische Benachrichtigung von Seiten der Kun-den voraus. Durch den forcierten Einsatz moderner Warenwirtschaftssysteme in den Baumärkten ist hier einiges in Bewegung geraten. Steuerte Conmetall un-längst noch weitestgehend seine Kunden, kehrt sich dieser Prozess nun um. So melden immer mehr Baumärkte ihre Abverkaufszahlen beziehungsweise Bedarfe, mit denen dann in Celle automatisch Aufträge generiert werden.

Neben der Optimierung des Informationsflusses kommt in modernen Supply-Chain-Konzepten der Warenlogistik eine besondere Bedeutung zu. Im Sinne des Efficient Consumer Response (ECR) entwickelte Strategien erschließen auch in diesem Bereich deutliche Optimierungen in der Lieferkette. Erhebliche Vorteile bringt da zum Beispiel die Auszeichnung der Waren mit einem Barcode auf Basis der Norm EAN128 in den Conmetall-Lagern. Mit dieser Funktionalität, die von Basis/400 unterstützt wird, lassen sich mit einem einzigen Barcode-Lesevorgang alle relevanten Informationen wie zum Beispiel Artikelnummer, Menge in der Verpackung, eigene Bestellnummer, gegebenenfalls Chargen- oder Seriennummer etc. direkt in das System eingeben und zeitnah prüfen.

"Schon heute praktiziert Conmetall eine fertige Lösung im Sinne von SCM - wenn auch erst im Kleinen", skizziert Kottwitz den Intercompany-Verkehr zwischen Conmetall und deren Tochtergesellschaft Conpac. Diese ist als reiner Verpackungsbetrieb der größte Lieferant.

Der Intercompany-Verkehr läuft ausschließlich auf elektronischem Wege automatisiert ab: Disposition der Artikel, Bestellvorschlag, Bestellung, Kundenauftrag, Fertigungsauftrag, Anstoß Fertigungsprozess. Am Ende stehen auf Conpac-Seite die Abgangsbuchungen der Rohmaterialien und die Fertigartikel. Conpac fertigt "auf die Rampe", die Produkte werden sofort ins Warenverteilzentrum von Conmetall geliefert. Dadurch wird der Kreislauf geschlossen, auch Rechnungsstellung und -prüfung erfolgen automatisch. "Alles in allem ist das ein absolut in sich rund laufendes System. Unter dem Aspekt SCM ein Musterbeispiel, denn vorher herrschte hier die reinste Zettelwirtschaft", so Kottwitz. "Was dabei am meisten ins Gewicht fällt, ist die neue Qualität in der Arbeit."

Für die meisten Mitarbeiter von Conmetall brachte das System neue Erfahrungen mit sich. Zum Beispiel zeigte ein eingehender Auftrag sofort in allen Bereichen sichtbare Auswirkungen. "Völlig neu war auch für die Vertriebsmitarbeiter, dass sie nun zum Zeitpunkt der Auftragserfassung exakt auskunftsfähig waren", berichtet Kottwitz.

"Früher konnten sie dem Kunden am Telefon nicht sagen wann die Ware geliefert wurde, weil wir keine Auftragsreservierungen kannten. Meist haben sich unsere Vertriebsleute deshalb auf die Daten aus dem Lagerverwaltungssystem, in dem die Warenbestände sichtbar waren, verlassen. Diese Notlösung ist nun nicht mehr nötig, denn das System meldet alle Daten genauestens aufgelistet. Das liegt an den unterschiedlichen Zeithorizonten: Der reicht ja beim Lagersystem vom Erstellen des Kommissionierbelegs bis zur Rückmeldung. Das Warenwirtschaftssystem reicht von der Auftragserfassung bis zur Fakturierung und bietet den Vertriebsmitarbeitern damit eine Informationsplattform, da sich alle im Unternehmen vorhandenen relevanten Informationen über die Deckungssituation jederzeit aktuell darstellen lassen."

Einen weiteren großen Vorteil sieht Kottwitz in dem schnellen Zugriff, den die Mitarbeiter auf beliebige Informationen haben. "Wenn in der Gutschriftenabteilung Informationen über die offenen Posten benötigt werden, geht das heute in Sekundenschnelle. Das war früher nur mit mehr oder weniger eleganten Programmwechseln möglich", lobt Kottwitz die integrierte Lösung. "Und die Information stimmt, es gibt keine Zeitverzögerungen zwischen der Betrachtung etwa im Vertrieb und der in der Finanzbuchhaltung. Das gibt Sicherheit."

Neue Zugriffsmöglichkeiten auf wichtige Informationen wurden auch mit der Dokumenten-Management-Lösung geschaffen. Früher wurden die Belege Zeit raubend und teuer mikroverfilmt, die Dias wurden, nach Zeiträumen sortiert, in unterschiedlichen Archiven gelagert und mussten bei Bedarf erst einmal gesucht werden. "Mit der neuen Lösung hatten wir sehr schnell eine Kostenreduzierung erreicht", erklärt der Conmetall-Organisationschef. "Da wir die elektronische Archivierung zentral auf der AS/400 vornehmen, kann jeder berechtigte Benutzer direkt auf die für ihn relevanten Daten zugreifen.

*Hans-Peter Sander ist freier Journalist in Dießen am Ammersee.

Das Unternehmen

Die Conmetall GmbH & Co. KG im niedersächsischen Celle ist Lieferant der großen Bau- und Handwerkermärkte in Deutschland und Europa. Zu ihren Kunden zählen unter anderem Hagebau, Obi und Praktiker. Rund 5000 Geschäfte umfasst der Kundenstamm, wovon mehr als zwei Drittel auf die großen Filialketten entfallen; etwa 1500 sind kleine Unter-nehmen mit einem oder wenigen Läden. Das Sortiment reicht von Sanitäreinrichtungen über Gartengeräte und Werkzeuge bis zu Türbeschlägen und anderen Eisenwaren. Die 100-prozentige Tochter des Würth-Konzerns, die einen Jahresumsatz von knapp 300 Millionen Mark erzielt und derzeit etwa 450 Vollzeitmitarbeiter beschäftigt, bezieht Waren aus aller Welt, lagert und liefert sie in allen Bedarfsmengen aus. Conmetall-Gesellschaften sowie verbundene Unternehmen gibt es in zahlreichen europäischen Staaten.