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17.11.2000 - 

Absatzeinbruch im deutschen PC-Markt

Großkunden fordern die Kreativität der Hersteller

MÜNCHEN - Nach den jüngsten Untersuchungen von Dataquest wuchs der deutsche PC-Markt im dritten Quartal eher verhalten. Mitverantwortlich für die bescheidene Verkaufsquote ist nach Angaben der Analysten nicht zuletzt das schleppende Firmenkundengeschäft. Die IT-Verantwortlichen der Unternehmen können die ihnen unterstellte Zurückhaltung jedoch nur bedingt bestätigen. Von CW-Mitarbeiterin Katharina Friedmann

"An uns kann es nicht liegen, dass der PC-Absatz momentan ins Stocken geraten ist", schmunzelt Klaus Thoma, Pressesprecher der Deutschen Bank. So folge man in seinem Unternehmen nach wie vor den gängigen, etwa dreijährigen Investitionszyklen. Auto-Vermieter Sixt sieht im eigenen Unternehmen den Bedarf an Hardware sogar eher zunehmen. "Derzeit investieren wir sogar wieder stärker, auch in Unix-Server, da man die Systeme alle zwei Jahre aus Wachstumsgründen auswechseln muss", erklärt Horst Effenberger, Leiter DV bei Sixt.

"Ich sehe da bei uns keine ungewöhnliche Zurückhaltung", wundert sich auch Bernhard Menze, Verantwortlicher IT-Coordination bei Bertelsmann Media Systems. Seiner Meinung nach handelt es sich um eine für das dritte Quartal ganz natürliche Tendenz, da es hier in der Regel keine nennenswerten Geschäftsjahresabschlüsse gebe. "Teilweise ist der Mehrbedarf im dritten Quartal vergangenen Jahres der Jahr-2000-Umstellung zuzuschreiben", erklärt er. Wenn man die Zahlen im Vorfeld des Millenniumswechsels als Maßstab für die nächsten Jahre hernehme, sei das "arg unrealisitisch".

Laut Dataquest ist die Anzahl der in den vergangenen drei Monaten an Unternehmen ausgelieferten Systeme gegenüber dem Vorjahresquartal um sieben Prozent zurückgegangen, der Absatz im Consumer-Bereich im gleichen Zeitraum hingegen um 19,2 Prozent gestiegen. Die Kombination aus schwächelndem Euro und einer gewissen Sättigung aufgrund der Investitionen im Vorfeld der Jahr-2000-Umstellung gilt als Hauptgrund für die augenscheinliche Anschaffungslethargie im Business-Bereich. "Die Abwertung des Euro hat den durch die Jahr-2000-Problematik verursachten Bummelabsatz noch zusätzlich ausgebremst", erklärt Dataquest-Analyst Thomas Reuner. Auch die zögerliche Akzeptanz von Microsofts Betriebssystem Windows 2000 sowie der anhaltende Margenverfall im Großkundengeschäft in den vergangenen drei Monaten seien zum großen Teil auf die Inflation der europäischen Währung zurückzuführen. Die Versuche der Anbieter, die Preise in die Höhe zu treiben, um profitabel zu bleiben, habe die Business-Kundschaft letztendlich in die momentane Abwartehaltung gedrängt. Durch diese Einflüsse ist nach Ansicht der Dataquest-Analysten - anders als in den vorhergehenden Quartalen - teilweise auch das Geschäft mit den kleinen und mittleren Unternehmen in Mitleidenschaft gezogen worden.

Systemhäuser, die gerade die Großunternehmen bedienen, können den Einbruch bestätigen. "Das geht schon das ganze Jahr so", klagt Andreas Kullmann, Geschäftsführer des CBC Computer-Business-Center. Ansatzweise interpretiert auch er das gehemmte Geschäft als Nachwehen der letztjährigen Sonderkonjunktur im Zusammenhang mit der Jahr-2000-Thematik. So bestünden derzeit einfach keinerlei wirtschaftliche Zwänge zu neuen Investitionen.

Doch gebe es auch andere Ursachen. "Gerade unsere mittelständischen Kunden sind angesichts der vielen neuen Schlagwörter spürbar verunsichert", deutet er die Zurückhaltung seiner Klientel. "E-Commerce", "E-Business", "E-Procurement" oder "CRM" seien nur einige Begriffe, die den Unternehmen tagtäglich um die Ohren flögen - von denen aber keines mehr Umsatz oder mehr Gewinn garantiere. "Wir hatten in diesem Jahr auf der CeBIT ein so hochkarätiges Publikum wie nie zuvor", so Kullmann. Dennoch habe sein Unternehmen noch nie weniger Abschlüsse nach der Messe getätigt als in diesem Jahr. Mitschuldig am Nachlassen der Kauflust bei den Firmenkunden sind in seinen Augen die Lieferprobleme, mit denen große Hersteller wie IBM, Siemens und Compaq zu kämpfen hatten. "Teilweise haben wir und unsere Kunden drei Monate und länger auf die Ware gewartet", beschwert sich Kullmann. "Ich bin geneigt, meine Kundschaft zu Aldi zu schicken. Der hat wenigstens keine Logistikprobleme", flachst der CBC-Chef.

Nach Aussagen der Analysten prüfen die Unternehmen momentan noch, ob das Betriebssystem Windows 2000 in ihre IT-Landschaften passt. Der Abschluss dieser Phase zum Jahresende soll den Hardwareherstellern gerade im Großkundengeschäft wieder Perspektiven bescheren. Der zu erwartende Upgrade-Zyklus soll möglicherweise bis zu zwei Jahre anhalten.

PC-Hersteller Compaq, der ebenfalls hohe Einbußen bei den Top Large Accounts erlitt, macht gerade die derzeitige Migration auf Windows 2000 im Großkundenbereich für das zähe Business verantwortlich. Eine durch den Einsatz des Microsoft-Betriebssystems deutlich verstärkte Hardwarenachfrage erwartet das Unternehmen etwas später - voraussichtlich im ersten Jahresviertel 2001. "Kein Großkunde tut es sich an, Soft- und Hardware gleichzeitig auszutauschen", weiß Andreas Lechner, Director der CPCG (Commercial Personal Computing Group) bei Compaq.

Paradoxerweise wechseln die Anwender laut Lechner zuerst die Software und dann erst die Hardware aus. Warum das so ist, kann er sich selbst nicht erklären. "Momentan sind große Betriebe wie etwa Banken, die sehr viel Middleware einsetzen, wohl dabei, zu prüfen, wie sich Windows 2000 in ihre bestehende Landschaft einfügt", vermutet er. Erkennbar sei dies auch innerhalb des eigenen Servicegeschäfts, in dem derzeit sehr viele Windows-2000-Migrationsprojekte anstünden. Die großen Sammelinstallationen von 40000 bis 60000 Rechnern, die das reguläre Basisgeschäft von Compaq darstellten, hätten jedenfalls im dritten Quartal nicht stattgefunden.

Das lässt sich an den jüngsten Quartalsergebnissen auch unschwer ablesen: Obwohl der Computerhersteller seinen zweiten Platz auf dem deutschen Markt verteidigen konnte, hat Compaq mit einem Marktanteil von 9,9 Prozent im vergangenen Dreimonatsabschnitt gegenüber dem Vorjahreszeitraum (13,2 Prozent) Federn gelassen.

Zweifel am kollektiven Umstieg auf Windows 2000IBM ist neben Hewlett-Packard der einzige Computerhersteller, der in Deutschland in den vergangenen drei Monaten ein beachtliches Stückzahlenplus (30 Prozent) im Vergleich zum Vorjahresquartal erzielen konnte. Bezüglich der Erwartungen im Zusammenhang mit dem kollektiven Umstieg auf Windows 2000 ist man bei der deutschen Filiale in Stuttgart nicht ganz so euphorisch. "Erst einmal abwarten", beschreibt Michael Cerny, Leiter des PC-Geschäfts der IBM Personal Systems Group (PSG), die momentane Strategie der Unternehmen. Auch Norbert Büker, Geschäftsführer der Hypo-Vereinsbank-Tochter HVB Info, hält die Erwartung, dass "jetzt alle auf Windows 2000 umsteigen" für unrealistisch: "Dafür ist das Microsoft-Betriebssystem einfach zu teuer." In einer Zeit, in der die Ressourcen knapp seien, investiere man ohne Not nicht auch noch in Endgeräte. Die von Microsoft erträumte Breitenwirkung von Windows 2000 ist seiner Ansicht nach zweifelhaft. "Wir werden Windows 2000 nur dort einsetzen, wo es defintitiv Vorteile bringt - und das ist im zentralen Server-Bereich. Die konkreten Pläne, die wir diesbezüglich haben, betreffen nicht die Desktop-Ebene."

Zudem werde die zunehmend verbreitete Browser-Technologie den Bedarf an leistungsfähigeren Endgeräten ohnehin in Frage stellen. Unternehmen steckten vielfach in Zentralisierungsprojekten und bevorzugten am Frontend Thin Clients.

Trotz der momentanen Flaute erwarten die Analysten vom Kundensegment der kleinen und mittleren Betriebe beträchtliche Investitionen. Auch Compaq-Manager Lechner erklärt den Mittelstand zum aktuellen Wachstumsmotor im PC-Geschäft. So bestehe gerade im Bereich Internet und bei den Dotcoms große Nachfrage nach PCs und Notebooks. IBM-Manager Cerny sieht das ähnlich. "Der Mittelstand hat ja nicht so vehement in den Jahr-2000-Wechsel investiert wie die großen Firmen", erklärt der PC-Chef der PSG.

Auch hinsichtlich der Investitionszyklen sind die Hersteller zuversichtlich. Demnach dürfte es mit den Absatzzahlen nach Ansicht von Lechner jetzt wieder nach oben gehen. Allerdings scheinen die gängigen Anschaffungszyklen der Unternehmen mit den Produktzyklen der Hersteller nicht ganz übereinzustimmen. HBV-Geschäftsführer Büker rechnet da jedenfalls anders. "Wenn man sich einmal anschaut, wann Windows NT installiert wurde, dann ist es doch klar, dass diese Geräte noch nicht voll abgeschrieben sind." Der Abschreibungszyklus für PCs betrage in der Regel vier Jahre, und die seien einfach noch nicht abgelaufen.

Nach Ansicht der Marktforscher müssen sich die Hersteller im kommenden Jahr einiges einfallen lassen, um die widerspenstigen Großunternehmen aus der Reserve zu locken. Viel Neues scheint sich bislang an der Herstellerfront jedoch nicht zu tun. So baut Big Blue weiterhin auf seine bereits Anfang dieses Jahres eingeführte "segmentorientierte" Strategie. Gemeinsam mit den Partnern versuche man für die innerhalb des Bereichs Unternehmenskunden heterogenen Segmente, die durch unterschiedliche Einkaufs- und Entscheidungskriterien gekennzeichnet seien, individuelle Strategien zu erarbeiten, erklärt Cerny. Diese Herangehensweise scheint sich auszuzahlen, wie die jüngsten Zahlen zeigen. Seinen Großkunden bietet Big Blue ferner die Möglichkeit des Direktkaufs. Auch das ist nicht neu - bereits seit 1998 können Großunternehmen unmittelbar bei IBM bestellen. Eine grundsätzliche Möglichkeit, die Nähe zur Firmenklientel zu wahren, sieht Cerny darin, als Fullservice-Company umfassende Konzepte anzubieten, die über das Standard-Hardwaregeschäft hinausgehen.

Das hat sich inzwischen herumgesprochen: Zwar will sich Konkurrent Compaq vorrangig auf den Mittelstand konzentrieren, der Ansatz ist jedoch der gleiche. Unter dem Motto "Plan-Build-Run" bietet der Hersteller so genannte PC Lifecycle Solutions, sprich: Komplettpakete, die von der Konzeption der Anlage über die Hardwarelieferung und -installation bis hin zu Finanzierung und Service alles beinhalten sollen.

PC-Hersteller Fujitsu-Siemens, der von dem Absatzeinbruch bei den Professional-PCs im dritten Quartal besonders betroffen war, bastelt momentan an einer neuen PC-Strategie für das kommende Jahr, die das akut erlahmte Geschäft mit den Business-Kunden wiederbeleben soll. Schwerpunkte des Unternehmens, dessen Anteil am deutschen PC-Markt im vergangenen Quartal gegenüber dem Vorjahr von 31,2 auf 27,7 Prozent abrutschte, sollen die Themen "Security" und "Manageability" darstellen. Letzteres hat auch bei den Unternehmen Priorität. "Alles, was im Nachhinein das Management der PCs beeinflusst, stellt gerade bei der großen Menge von Systemen ein entscheidendes Kriterium dar", bestätigt Thoma. Daher setze die Deutsche Bank auch auf PCs gängiger Marken.

Auch wenn sich der PC-Markt wieder fangen und solides Wachstum aufweisen wird, scheint es doch, als sei die Goldgräberstimmung bei den Hardwareherstellern endgültig verflogen. Einige Anwender haben sich vom Endgerät PC bereits weitgehend verabschiedet. "Wir versuchen, um PCs einen großen Bogen zu machen", berichtet beispielsweise Dietmar Schröter, Systemadministrator der Drewag. Bereits seit fünf Jahren arbeiten die Dresdner Stadtwerke mit mehr als 1000 X-Terminals und setzen PCs nur im Ausnahmefall ein. Schröter hält ein größeres PC-Netzwerk für einen unzumutbaren Hardware-Zoo, der jegliche Art der Ersatzteilbeschaffung oder auch politische Entscheidungen hinsichtlich Hard- und Software ad absurdum führe. "Mit der Turnschuhadministration, dem Mangel an Konzepten zur Softwareverteilung sowie der unzureichenden Standardisierung ist das eine wirklich unmögliche Technologie."

Abb: Auf und Ab liegen im PC-Markt des 3. Quartals 2000 in Deutschland nahe beieinander. Während die führenden FSC und Compaq Einbrüche zu beklagen haben, können HP und IBM deutlich zulegen. Quelle: Dataquest