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26.05.2000 - 

IPOs: Intraware AG

Groupware-Anbieter möchte mit der Microsoft-Plattform wachsen

FRANKFURT/M. - Auch bei der Intraware AG in Petersberg bei Fulda ist spätestens seit den IPO-Plänen der Wachstumsmotor angesprungen. Entscheidend wird für den Börsenneuling und Groupware-Anbieter mit Schwerpunkt Lotus Notes in Zukunft allerdings sein, ob es gelingt, sich auch auf der Microsoft-Plattform zu profilieren. Die geplante Produktoffensive beschert dem Unternehmen vorerst noch Verluste.Von Andrea Goder*

Mit der erst 1999 erfolgten Umfirmierung in Intraware haben sich die beiden Gründer und heutigen Firmenchefs Lars Bornemann und Joachim Weber, die 1994 die Analysis GmbH gründeten, nicht unbedingt einen Gefallen getan. Denn der Name Intraware ist weltweit über 70mal geschützt, was sogleich in einen Rechtsstreit mit dem gleichnamigen amerikanischen Internet-Portal-Anbieter mündete.

Noch aus einem anderen Grund ist das letzte Jahr für die Hessen als ein Neuanfang zu sehen. Erstmals wurde in der sechsjährigen Firmenhistorie das Kapitel Wachstum aufgeschlagen, nachdem die Umsätze zuvor eher lustlos vor sich her plätscherten. "Mitte der 90er Jahre waren Groupware-Produkte noch sehr erklärungsbedürftig", erinnert sich Bornemann, der als Durchbruch für dieses IT-Segment das Jahr 1997 sieht.

"Octopus" erzielt 92 Prozent vom Umsatz1999 gelang es dem Unternehmen dann, den Umsatz gegenüber dem Vorjahr auf 14,8 Millionen Mark zu verdreifachen. Inklusive der im letzten Geschäftsjahr erfolgten Akquisitionen kletterten die Einnahmen sogar auf 21,8 Millionen Mark.

Intraware, erst seit zwei Wochen am Neuen Markt notiert, ist Hersteller von Client-unabhängiger Standardsoftware für das E-Management von unstrukturierten Daten - bislang jedoch ausschließlich auf Lotus-Notes-Basis. Die Internet-fähigen E-Management-Anwendungen verwalten Daten aus Aktennotizen, Fax-Mitteilungen oder E-Mails.

Wichtigstes Produkt und mit 92 Prozent Anteil an den Einnahmen Hauptumsatzträger ist die E-Management-Suite "Octopus" - mit Tools für das Customer-Relationship-Management (CRM), Sales-Force-Automation-Anwendungen und Call-Center-Applikationen. Als Wettbewerber auf diesem Gebiet se-hen die Hessen vor allem Teamwork und Gedys - beides Firmen, die ebenfalls am Neuen Markt notiert sind - sowie CAS Software.

"Bonapart", die zweite Produktfamilie von Intraware, ist ein Paket von Internet-basierten Simulations- und Analyse-Tools für die Modellierung von Geschäftsprozessen. In dieser Business-Sparte, die 1999 erst 841000 Mark zum Umsatz beisteuerte, trifft der Börsen-Newcomer am Neuen Markt mit IDS Scheer bereits auf einen starken und vor allem etablierten Konkurrenten. Aufgeteilt nach Geschäftsbereichen entfielen 1999 jeweils knapp 50 Prozent der Einnahmen auf Lizenzverkäufe und einschlägige Dienstleistungen - etwa Consulting, Support und Schulungen. Eigenen Angaben zufolge wurden bislang über 105000 Anwenderlizenzen verkauft.

Als Software-Anbieter in einem bereits etablierten IT-Segment schrieb das Unternehmen allerdings zuletzt rote Zahlen: 256000 Mark Verlust standen 1998 in der Bilanz, 3,2 Millionen Mark am Ende des letzten Jahres.

"Wir haben 1999 erstmals stark akquiriert", gibt Bornemann als Erklärung an. Um die Vertriebsaktivitäten anzukurbeln, übernahmen die Petersberger die Pro Ubis Vertriebsgesellschaft mbH in Berlin und 51 Prozent an der Stuttgarter Mavos AG. Neu in der Unternehmensgruppe sind seit letztem Jahr außerdem die ebenfalls in Petersberg ansässige Web Direct Sales GmbH sowie das Frankfurter Schulungsinstitut Insight Education GmbH.

War bisher die Produktpalette der Hessen ausschließlich Lotus-Notes-basiert, sieht Bornemann die Entwicklung von Applikationen auf der Microsoft-Plattform jetzt als "die eigentliche Herausforderung". Ein Teil des Emissionserlöses von rund 60 Millionen Mark soll darauf verwendet werden. Das nicht ohne Grund: Bereits heute gilt unter Branchenbeobachtern als ausgemacht, dass Microsofts "Exchange 6.0" (Codename "Platinum") mit seinen erweiterten Groupware- und Workflow-Funktionen Lotus Notes stark Konkurrenz machen dürfte. Dem Lotus-Markt wird dagegen ein nur moderates Wachstum prognostiziert.

Dass sich auf die Exchange-Plattform "bislang noch kein Anbieter so richtig herangewagt hat", wie Bornemann glaubt, stimmt nur insofern, als Exchange 6.0 aufgrund der Abhängigkeit von Windows 2000 zunächst auf sich warten ließ. Während das hessische Softwarehaus im Lotus-Umfeld vorwiegend mit kleinen Wettbewerbern konkurriert, sind die Mitstreiter im Microsoft-Lager von anderem Kaliber: Siebel Systems, Oracle, Peoplesoft oder Clarify, im Oktober 1999 von Nortel Networks übernommen, geben im CRM-Markt schon heute den Ton an.

Diesen Playern begegnet der Börsenneuling auch bereits im Ausland, wo Intraware bislang kaum eine Rolle spielte. Neben der Petersberger Zentrale und Niederlassungen in Berlin, Stuttgart und Walldorf gründeten die Hessen im letzten Jahr eine erste Tochtergesellschaft in der Schweiz. Kurz vor dem IPO wurde zudem eine Dependance in Großbritannien eröffnet.

Erste Schritte auf dem wettbewerbsintensiven US-Markt sind im vierten Quartal dieses Jahres geplant. Wie in Deutschland, wo 70 Prozent der Umsätze über Partner generiert werden, setzt Intraware auch im Ausland auf indirekte Vertriebskanäle. Zusätzliche Marktanteile wollen sich die beiden Vorstände Bornemann und Weber durch Akquisitionen sichern.

Die zukünftige Börsenbewertung von Intraware wird neben einer erfolgreichen Auslandsstrategie stark davon abhängen, ob es das Unternehmen schafft, mit neuen Applikationen im Microsoft-Markt Fuß zu fassen. In den Planzahlen der nächsten Jahre sind die Einnahmen aus diesem neuen Geschäftsbereich bereits eingeplant. So erwarten die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt für 2001 über 70 Millionen Mark Umsatz, der sich bis 2004 auf 253 Millionen Mark mehr als verdreifachen soll.

In Geduld müssen sich vorerst noch die Aktionäre üben, denn erste Gewinne stellen die Bankexperten erst ab 2002 in Aussicht. Am Neuen Markt hielt sich die Begeisterung für den neuen Titel zunächst in Grenzen. Die mit 28 Euro emittierte Aktie bewegte sich in den ersten Handelstagen nur knapp über dem Ausgabepreis.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.

Abb: Geduldsprobe: Gewinne werden bei Intraware frühestens für 2002 in Aussicht gestellt. Quelle: Intraware AG