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28.10.1994

Groupware-Computing und neue Geschaeftsprozesse Die Objekte weisen den Weg zum virtuellen Unternehmen

Datenverarbeitung darf nicht isoliert vom Unternehmenszweck betrachtet werden. Optimale Ergebnisse, so Eckard Maurus*, lassen sich zum Beispiel durch die Verbindung von neuen Organisationsverfahren mit objektorientierten Techniken und Groupware-Produkten erreichen. Richtig eingesetzt, koennte diese Kombination seiner Ansicht nach zur Entstehung eines neuen Typs von Unternehmen fuehren, die er als virtuell bezeichnet.

Die methodische Bruecke zwischen Business Process Re-Engineering (BPR) und Groupware ist die Objektorientierung. Die Objektorientierung hat durch das in ihr enthaltene Nachrichtenkonzept die Kommunikation sozusagen eingebaut. Aus diesem Grund ist sie als Methode zur Beschreibung der Anforderungen an ein Groupware-System geeignet.

Die radikale Neugestaltung der Geschaeftsprozesse durch BPR kann mit Hilfe der Objektorientierung wesentlich erleichtert werden. Geschaeftsprozesse sind nichts Abstraktes. Im Grunde haben sie sich schon immer mit Objekten befasst. Zum Beispiel koennen Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Belege, Bildschirmmasken und Gegenstaende als Objekte aufgefasst werden, kurz gesagt: so ziemlich alles in unserer Arbeitswelt.

Das mit der Objektorientierung verbundene Nachrichtenkonzept gibt einen sehr guten Ueberblick ueber das Gesamtsystem und laesst sich uebersichtlich und leicht in Tabellenform darstellen. Es ist prozessorientiert und damit eine ideale Unterstuetzung fuer den BPR- Einsatz.

Oft macht erst objektorientierte Informationsverarbeitung neue Unternehmensablaeufe durch ihre Methoden und Hilfsmittel effizient. Die Unterstuetzung kann auf die verschiedenste Art und Weise erfolgen: mit Standardsoftware, wenn sie flexibel genug ist, mit Individualsoftware, wenn ihre Erstellung wirtschaftlich vertretbar ist, oder mit einem Groupware-Produkt.

Innovative Kombinationen sind erlaubt und dringend erforderlich, um der DV-Welt und ihren Verantwortlichen im Unternehmen den richtigen Stellenwert zu verschaffen. Informationstechnik (IT) wird nicht zur Automatisierung von Ist-Ablaeufen verwendet, sondern als Unterstuetzung eines bereits schlanken Geschaeftsprozesses.

Die Objektorientierung sieht Daten (Attribute) und Funktionen (Methoden, Services, Funktionen) als untrennbare Einheit von Objekten. Fuer die gemeinsame abstrakte Beschreibung von Daten (Attribute, Variable) und Funktionen (Services, Dienste) der einzelnen Objekte hat sich der Name Klasse durchgesetzt.

Einmal erstellte Klassen lassen sich immer wieder in modifizierter Form verwenden. Ein typisches Beispiel sind Templates als Hilfe zum Aufbau von Bildschirmoberflaechen. Klassenbibliotheken koennen aufgebaut werden, die bei der Anwendungsentwicklung die Arbeit wesentlich erleichtern. Bei Aenderungen werden nur noch die jeweiligen Klassen veraendert und nicht mehr grosse Teile des Programms.

Die Ergebnisse koennen dramatisch sein. Als Auszug aus einem Beispiel, das vom Autor auf Anforderung kostenlos zur Verfuegung gestellt wird, sind folgende Verbesserungen eines IST-Ablaufes durch BPR und IT moeglich:

In einem konkreten Geschaeftsvorgang wurden die bisher sechs beteiligten Mitarbeiter durch BPR um die Haelfte reduziert. Ausserdem verringerte sich die Zahl der Formulare von acht auf sechs. Davon blieb nach einer weiteren Optimierung des Ablaufs durch objektorienterte DV-Techniken nur noch eines uebrig.

Dieses Beispiel macht deutlich, dass BPR vor allem die Anzahl der Mitarbeiter und damit Kosten senkt. DV-Techniken dagegen verringern die Anzahl der Formulare und beschleunigen die Prozesse. Beide Methoden richtig miteinander kombiniert, koennen zu erstaunlichen Erfolgen fuehren.

In einem weiteren Schritt laesst sich dieser Erfolg durch die Schaffung eines virtuellen Unternehmens ausbauen. Hierbei spielt Groupware eine entscheidende Rolle.

Neue Moeglichkeiten der Informationstechnologie in den Bereichen Telekommunikation, Groupware und Client-Server ermoeglichen einen staendigen und intensiven Austausch von Informationen zwischen Lieferanten, Herstellern und Kunden. Der Lieferant koennte Einblick in die Daten des Kunden bekommen. Der Kunde koennte bei seinem Lieferanten die Behandlung seiner Auftraege verfolgen, seine Kundendaten pflegen und Auftraege einsteuern.

Diese ungewohnte Art der offenen Kooperation erfordert ausser der neuartigen IT auch offene Mitarbeiter, die bereit sind, als Team jenseits der Hierarchien zu arbeiten. Unternehmen und Mitarbeiter, die sich in diese Richtung rascher bewegen als andere, werden Wettbewerbsvorteile erlangen, die von den Konkurrenten nur schwer auszugleichen sind.

Eine der Folgen ist, dass die bislang klar definierten Unternehmensgrenzen durchlaessiger werden. Ausserdem steigt mit der Kommunikation auch das Vertrauen der Firmen zueinander. Dieses neue Netzwerk, das auf IT und Vertrauen beruht, kann als virtuelles Unternehmen bezeichnet werden.

Bedingt durch das Denken in Objekten und Nachrichten, kann ein solches Unternehmen nahezu aus dem Nichts entstehen. Objekte gibt es nicht nur im eigenen Unternehmen. Ein Unternehmen lebt von der Kommunikation mit anderen und deren Mitarbeitern. Ein komplexes Geflecht von Menschen, Hilfsmitteln und Nachrichten zum Zwekke der Beduerfnisbefriedigung ist zu organisieren.

Wie erwaehnt bietet die Objekt-Technik durch ihr Messaging- Verfahren die Voraussetzung fuer firmenuebergreifende Kommunikation, Groupware ist das technische Hilfsmittel, um diese am Arbeitsplatz wirksam werden zu lassen. Die strukturierten Daten werden in einer relationalen Datenbank abgelegt, die unstrukturierten in einem Groupware-System. Die Koppelung erfolgt ueber ein Interface.

Zusammenfassend laesst sich sagen, dass optimierte Geschaeftsprozesse, das objektorentierte Nachrichtenkonzept und Groupware zu einer neuen Unternehmensform fuehren koennten.

Groupware

Softwaresysteme, die den Kommunikationsprozess von Teams unterstuetzen, koennen als Groupware-Produkte bezeichnet werden. Sie helfen Teams beim Anlegen, Verteilen, Diskutieren, Aendern, Ablegen und Wiederfinden von Dokumenten sowie beim Austausch von Nachrichten jeder Art. Der Kommunikationsaspekt der DV steht im Vordergrund.

Groupware eignet sich nicht fuer Anwendungen, die sehr viele Zugriffe in kurzer Zeit zu verarbeiten haben. Das klassische Beispiel hierfuer ist das Buchungssystem einer Luftfahrtgesellschaft.

Relationale Datenbanksysteme koennen heute schon mit Groupware- Programmen verbunden werden. So koennen die Staerken beider Systeme im konkreten Anwendungsfall zu einer innovativen Loesung verknuepft werden.

Re-Engineering

Business Process Re-Engineering ist die grundlegende Neugestaltung von Geschaeftsprozessen. Das Ziel sind hohe Leistungssteigerungen in den operativen Ablaeufen. Aus diesem Grund sollen zeitfressende funktionale Abteilungen durch prozessorientierte Teams ersetzt werden. Deren Qualitaet misst sich vor allem an ihrer Kommunikationsfaehigkeit.

Im Klartext kann das heissen, die Bearbeitungszeit einer Police wird von Monaten auf Tage verkuerzt.