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03.06.1994

Groupware und Office sind die Maerkte der Zukunft

Mit rund 1000 Ausstellern hat sich die soeben zu Ende gegangene Comdex Spring/Windows World zu einer der grossen amerikanischen DV- Messen gemausert. Schwerpunkt im Bereich des Enterprise-Computings waren die Integration von Softwareloesungen fuer Workgroups, Workflow und Groupware. Als eine der kuenftigen Herausforderungen gilt auch die Einbindung von Techniken zur Spracherkennung. Von der US-Messe in Atlanta berichtet CW-Redakteur Stefan Ueberhorst.

b 1997 werden Daten ueberwiegend in Form von Objekten das Netz passieren. Diese Auffassung vertrat auf der Comdex Ad Rietveld, President und CEO von Wordperfect. Objekttechnik sei die Grundlage der von ihm propagierten "Komponentensoftware", die sich aus unterschiedlichen Anwendungen fuer saemtliche Office- und Workflow- Aufgaben individuell und plattformuebergreifend konfigurieren lassen.

Als gravierenden Nachteil heutiger Office-Pakete nennt der Visionaer den Umstand, dass die Anwender immer noch selbst fuer die Integration ihrer jeweils benoetigten Applikationen sorgen muessten. Statt dessen sollten Suites anwendungsorientierter werden. Fuer Rietveld heisst das: Software etwa zur Entwicklung eines Geschaeftsplans muesste die dazu erforderlichen Komponenten aus Textverarbeitung, Datenbanken, Spreadsheet, Grafikmodulen und E- Mail unter einer Oberflaeche zur Verfuegung stellen.

Mit den derzeit vorhandenen Standards sei dies jedoch nicht durchfuehrbar. Das Credo Rietvelds lautet Opendoc, die von Apple, IBM und Wordperfect bis zum Jahresende erwartete Gegentechnologie zu Microsofts Object Linking and Embedding (OLE). Im Gegensatz zu OLE soll das Corba-kompatible Opendoc Informationen zwischen hierarchisch unterschiedlichen Objekten vererben koennen.

Bei Microsoft und Lotus boomt das Office-Geschaeft

Wie sehr sich die Arbeit in Standards fuer Office-, Workflow- und Groupware-Loesungen auszahlen kann, deutet Rietveld anhand einer IDC-Studie an. Die Marktforscher prognostizieren den einzelnen Anwendungen fuer Workgroup-Computing bis 1997 ein durchschnittliches Wachstum von insgesamt 68 Prozent. Bei seinen Konkurrenten errechnet Rietveld ein Absatzplus im vergangenen Jahr gegenueber 1992 in Hoehe von 258 Prozent fuer Microsoft Office und 750 Prozent fuer Lotus Smartsuite.

Um sich gegenueber diesen Mitbewerbern besser abgrenzen zu koennen, hat Wordperfect auf der Comdex ein Update mit gleichzeitiger Umbenennung seines integrierten Bueropakets "Office 4.0" angekuendigt: "Symmetry 4.1", das voraussichtlich ab Ende Juni erhaeltlich ist, soll besonders die Messaging- und Groupwarefunktionalitaet in den Vordergrund stellen. Das Paket enthaelt zusaetzliche Features in den Bereichen E-Mail, Termin- und Ressourcenplanung sowie Workflow. Die Software wird in einer Client-Version mit einheitlichem Front-end fuer zwoelf verschiedene Plattformen angeboten, darunter sieben Unix-Varianten. Als Server- Loesung bedient Symmetry zehn Betriebssystem-Umgebungen.

Parallel zu dieser Entwicklung und auch im Hinblick auf den Information Superhighway muessten laut Rietveld wissensbasierte Informationssysteme zur Filterung von Massendaten erstellt werden. Der Manager erweiterte seine Visionen um Technologien zur Spracherkennung, die nach seiner Meinung in unmittelbarer Zukunft eine wichtige Rolle in der DV-Landschaft einnehmen werden. Das Prinzip bestehe darin, dass sich der Anwender nicht mehr durch die Menuestrukturen hangeln muesse, um Softwarefunktionen auszuloesen, sondern seine Kommandos direkt in den PC diktiere. Dazu soll "Voice Companion", ein Tool der Kolvox Communications Inc. aus Toronto, als Add-on-Produkt fuer Wordperfect 6.0 vermarktet werden.

Im Gegensatz zu Rietveld konnte Bill Gates auf der Messe nur mit wenigen Neuheiten aufwarten. Der Microsoft-Chef bot seinem erwartungsfrohen Publikum erstmals einen Blick auf Chicago, dessen spartanisch eingerichtete Eingangsoberflaeche nur ein einziges Icon enthaelt, hinter dem sich allerdings 90 Prozent aller benoetigten Funktionen verbergen.

Am Erscheinungsbild des Betriebssystems wird sich offensichtlich nicht mehr viel aendern. Auch der Zeitplan des Windows-3.1- Nachfolgers wurde von Gates bestaetigt: Das erste Beta-Release ist etwa in einem Monat, die zweite Version fuer das dritte Quartal vorgesehen. Als Verfuegbarkeit von Chicago gilt das Jahresende. Gates geht davon aus, dass alle wichtigen Windows-Applikationen innerhalb von drei Monaten auf Chicago portiert werden.

Aus neuen Ausfuehrungen ueber Daytona, dem Windows-NT-Nachfolger 3.5, wurde das urspruenglich beabsichtigte Entwicklungsziel des geringeren Ressourcenbedarfs nicht ersichtlich. Gates demonstrierte das Betriebssystem auf Intergraphs neuen Rechnern der TD-Familie, einer TD4 mit Dualprozessor, 32 MB RAM und Grafikbeschleuniger.

Im uebrigen verwies Gates auf seine Erfolge mit Windows, von dem mittlerweile 50 Millionen Kopien verkauft wurden und dessen Absatz sich derzeit auf rund zwei Millionen Einheiten pro Monat eingependelt hat.

Keine Saettigung im PC-Markt in Sicht

Dass die Windows-Intel-Plattform fuer Applikationsentwickler nach wie vor ein lukratives Betaetigungsfeld darstellt, versuchte Gates anhand von Marktzahlen zu belegen: Der Verkauf von PCs betrage derzeit etwa 40 Millionen Stueck pro Jahr und wachse um weitere 15 Prozent jaehrlich; etwa 200 PC-Hersteller seien in das OEM-Geschaeft mit vorinstalliertem Windows eingestiegen. Der Pentium-Absatz solle schneller anlaufen, als dies beim 486er der Fall war. In diesem Jahr erwartet Intel den Verkauf von etwa sechs Millionen, 1994 von 20 Millionen dieser Chips. Gates rechnet damit, dass es bereits im naechsten Jahr Pentium-Rechner mit 16 MB RAM und CD-ROM- Laufwerk fuer 2000 Dollar geben wird.

Unter der Bezeichnung "Office Compatible" demonstrierte Gates erstmals auf der Messe eine bereits im April angedeutete Initiative: Herstellern von Windows-Applikationen wird damit die Moeglichkeit geboten, ihre Software in das Look and Feel von Microsofts Buerokommunikationspaket Office einzubinden (siehe auch Seite 1). Von der Suite-Loesung wurden inzwischen etwa vier Millionen Lizenzen verkauft. Die Konsistenz der Oberflaeche betrifft unter anderem gemeinsame Dialogboxen, Titel- und Statusbar, Teile der Menuestruktur sowie des Hilfesystems.

Als weitere Projekte nannte Gates in seinem Vortrag:

- das mit "Touchdown" bezeichnete Groupware-Konzept, bei dem sich Objekte, etwa ein Spreadsheet-Chart, per Drag and Drop in ein E- Mail-Dokument einbinden lassen;

- das auf Windows-NT-Servern basierende Datenbank-Management-Tool "Tiger" zur netzweiten Verwaltung von Multimedia-Dateien.

Bezueglich der kuenftigen Computerentwicklung hielt sich Gates bedeckt. Neue Ideen und Inhalte koennten nicht von einem Hersteller allein durchgesetzt werden. Gates: Wir muessen staendig an Verbesserungen arbeiten, sonst wird man uns ersetzen, wie das mit der Mainframe-Industrie vor uns passiert ist.

"Been there, done that" (es genuege, Chicago gesehen zu haben) war die Antwort der IBM PSP-Group auf Microsofts neues Betriebssystem. Die fuer OS/2 verantwortliche Division praesentierte die geplanten Varianten ihres Betriebssystems, fuer das es mittlerweile 2000 Applikationen und 200 OEMs geben soll. Seit der Verfuegbarkeit von OS/2 2.x wurden fuenf Millionen Kopien verkauft. Damit sei eine kritische Masse erreicht, mit der man kuenftigen Windows-Versionen wie Chicago oder NT Paroli bieten koenne, meint Walley Casey, Marketing-Direktor bei der amerikanischen PSP-Group.

Im Gegensatz zu Windows sollen die neuen Versionen sowohl den High-end- wie auch den Low-end-Bereich unter einer einheitlichen Oberflaeche abdecken: OS/2 in seiner SMP-Variante fuer symmetrisches Multiprocessing auf dem Enterprise-Server, OS/2 fuer den Power PC, OS/2 fuer den Enterprise-Client sowie OS/2 fuer Windows, das als Personal-Version die benoetigten Hardware-Ressourcen auf 4 MB RAM reduziert.

Besonders im Bereich der Portablen sieht die PSP eine grosse Chance fuer die Windows-Version von OS/2. Das Betriebssystem erfuelle genau die Hardware-Voraussetzungen der meist mit Windows vorinstallierten Rechner, habe dafuer aber einiges mehr zu bieten. Dazu gehoere die in OS/2 integrierte SOM-Objekttechnik - Microsoft will OLE 2.0 erst mit Daytona und Chicago in das Betriebssystem einbinden. Als Vorteil gelten auch die automatischen Konfigurationsfunktionen, die echtes Plug and Play erlauben: So soll OS/2 beispielsweise den Anschluss einer PCMCIA-Faxkarte erkennen, ohne dass sich der Anwender um Installationsroutinen kuemmern muss.

OS/2 kuenftig mit Photo-CD-Technik

Als Messeneuheiten praesentierte IBM:

- Den "PC Server" auf Intel-Basis fuer kleinere Unternehmen mit LANs zwischen fuenf bis 50 Clients. Der Rechner ist skalierbar und startet in seiner einfachsten Version mit 486DX2-Prozessor, 8 MB RAM und einer 728-MB-Festplatte mit IDE-Controller. Die neue Serie soll ueberwiegend von VARs konfiguriert und vertrieben werden. Der Preis liegt mindestens bei 3100 Dollar.

- Lizenzierung der Photo-CD-Technik von Eastman Kodak, die in kuenftige Versionen von OS/2 integriert wird, um Multimedia- Faehigkeit bereits auf Betriebssystemebene auszubauen.

Wie schon Rietveld haelt auch David Huge, IBM-Manager bei der Personal Systems Division, Spracherkennung fuer eine der grossen Herausforderungen kuenftiger DV-Anwendungen. Automatic Speech Recognition (ASR) soll daher zu einem Standard-Feature in Big Blues DV-Produkten werden. IBM setzt dabei auf einen vielversprechenden Markt, dessen Wachstum von Frost & Sullivan von derzeit 2,6 Milliarden Dollar (1993) auf 5,4 Milliarden Dollar bis 1998 geschaetzt wird.