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10.11.1998 - 

Ab 2000 bricht der Markt ein

Grove: "Die PC-Industrie betritt das Tal des Todes"

MÜNCHEN (CW) - Für dieses und das kommende Jahr erwartet die Branche einen erneuten Boom des PC-Marktes. Danach allerdings droht ein kräftiger Abschwung.

Die zu erwartenden Schwierigkeiten mit der Datumsumstellung im Jahr 2000 sorgen in den Unternehmen heuer und im kommenden Jahr für einen neuen Höchststand bei den PC-Käufen, prognostizieren die Analysten von Forrester Reserach. Die Firmen ersetzen alte Rechner durch neue, um sich aus möglichen Problemen herauszukaufen.

Nach der Jahrtausendwende reduziert sich der Bedarf, was zu weiter sinkenden Preisen führen wird. Zudem werden simple, Internet-taugliche Geräte allgemein verfügbar, was einen Abschwung im PC-Markt nach sich ziehen dürfte. Forrester schätzt, daß allein in den USA der Umsatz mit PCs von 55 Milliarden Dollar im Jahr 1999 auf 47 Milliarden im Jahr darauf zurückgehen wird. Auf eine noch griffigere Formel bringt es Andy Grove, langjähriger Intel-CEO und jetzt Aufsichtsratsvorsitzender: "Die PC-Industrie betritt ein Tal des Todes. Nicht nur die Akteure werden in Zukunft andere sein, auch Basistechnologie und Geräte ändern sich."

Forrester befragte für seine Studie "PC Industry Roller Coaster" 50 der Fortune-1000-Unternehmen nach ihren Kaufkriterien und Budgets. Dabei stellte sich heraus, daß in Firmen nicht der billigste Anbieter zum Zug kommt, sondern Markenware bevorzugt wird. Im Schnitt schaffen die befragten Unternehmen 3900 Desktops und 1100 Laptops im Jahr an. Das Budget hat sich trotz sinkender Desktop-Preise - weniger als 1800 Dollar - nicht verändert, denn es werden mehr Tragbare als früher gekauft. Durchschnittlich geben die Firmen 3000 Dollar je Laptop aus.

Fast die Hälfte der Befragten investieren in diesem Jahr sogar mehr Geld in PCs, da sie fürchten, mit den alten Geräten zur Jahreswende 1999/2000 ein Desaster zu erleben. "Wir rüsten gerade von Windows 3.1 auf NT um", begründete der Mitarbeiter einer Bank den Analysten gegenüber die in diesem Jahr ungewöhnlich hohen PC-Kosten. Doch danach werden die PC-Budgets zumindest eingefroren. "Wir werden unsere Ausgaben für Desktops Mitte 1999 halbieren", erklärte beispielsweise der Mitarbeiter einer Transportfirma.

Für viele Unternehmen gibt es dann betriebswirtschaftlich keinen Sinn, die immer kürzeren Technologiezyklen mit Neuanschaffungen nachzuvollziehen. Insbesondere Intel gerät wegen seiner quartalsweisen Vorstellung neuer Prozessoren in die Schußlinie: "Ein Lebenszyklus von drei Monaten für Chips ist einfach zu kurz", beschwerte sich der DV-Leiter einer Bank. "Wir behalten unsere PCs zwischen sechs Monaten und fünf Jahren, je nach Geschäftseinheit."

Für viele der Befragten besteht kaum die Notwendigkeit, auf schnellere Maschinen umzusteigen. Der IT-Manager eines Raumfahrtunternehmens äußerte Forrester gegenüber seinen Unmut so: "Die PC-Industrie teilt jedes Jahr mehr Rechenleistung aus, aber die Business-Anwendungen verbessern sich nicht mit annähernd gleicher Geschwindigkeit." Die PC-Hersteller sollten nur dann schnellere Maschinen anbieten, wenn auch die Applikationen davon profitieren.

Ähnliches bemängelt auch Michael Slater, Herausgeber des "Microprocessor Reports", der die 20 Jahre seit Einführung des (IBM-) PCs Revue passieren läßt: "Die Systemarchitektur ist durchzogen mit historischen Altlasten, die Konfigurationsprobleme bereiten und unnötige Komplexität verursachen." Hinzu komme, daß sich auch die Software-Industrie festgefahren habe. "Es ist Jahre her, seit ein richtiger Durchbruch die Software-Anwendungen optimiert hat. Verbesserungen bei der Benutzbarkeit kommen im Schneckentempo. Die Forschung beim Design beschränkt sich auf die Welt der langweiligen Boxen."

Slater macht insbesondere Intel und Microsoft für den Stillstand verantwortlich. Beide versuchten, möglichst viel von den Altlasten zu beseitigen, ohne inkompatibel zu werden. Dabei hielten sie Prozessoren und Betriebssysteme so proprietär wie möglich. Deshalb wird sich, so Slater, der bisherige PC-Standard weiterentwickeln und auch in Zukunft die Welt der Desktops und Notebooks dominieren.

Diese Strategie sei riskant, weil inzwischen Bedarf an einer neuen Kategorie von Computern entstanden sei. Slater sieht Kommunikation und Entertainment als die treibenden Anwendungen für das, was er "die fünfte Computing-Ära" nennt: Internet, E-Mail, Spiele und Videos. Die heutigen PCs seien dafür ungeeignet, denn sie sind "unförmig, häßlich, schwierig zu bedienen und unzuverlässig".

Auch die Analysten von Forrester erwarten nach dem Jahr 2000 unterschiedliche Rechengeräte selbst in Unternehmen. So werden dann zwei Drittel der Firmen ihre neuen Anwendungen so entwickeln, daß sie PCs mit Browsern und eine neue Generation von einfachen Internet-Zugangsgeräten ê la Palm-Pilot und NC unterstützen. Die Schwierigkeiten mit Windows-APIs, GUIs oder Lizenzgebühren würden dann hinfällig.

Auch die bisherige Client-Server-Struktur wird sich zugunsten von Servern mit Client-Browsern unter Java verschieben, glauben die Forrester-Analysten. Application-Server wie "Lotus Domino" oder Microsofts "MTS" agieren als Front-end für Legacy-Datenbanken, Transaktions-Server oder für den Web-Inhalt bei Zugriffen aus dem Internet. Der Arbeitsplatzrechner ist nur mehr mit einem Browser oder einer Java-Ablaufumgebung ausgestattet und benötigt nicht mehr Rechenpower als einen 333-Megahertz-Prozessor. Wenn die wichtigsten Applikationen erst einmal auf die Server gebracht werden, dann fallen auch die Kosten für das Desktop-Managament.

Die fünfte Ära des Computerns

Der als "Prozessorguru" bekannte Michael Slater ruft das fünfte Zeitalter des Computerns aus. Nach dem PC, bei dem Verbesserungen des Mikroprozessors im Mittelpunkt standen, werden Geräte auf den Markt kommen, die das "allgegenwärtige Computern" erlauben. Die kritischen Techniken für solche Rechner sind Displays, Massenspeicher und Kommunikationsfähigkeiten.

Der Haushalt der Zukunft braucht nicht einen oder zwei schnelle PCs, sondern viele verschiedene Zugriffsmöglichkeiten: "Ein Display in der Küche, eines am Eßtisch, eines am Bett. Einige werden Tastaturen haben, einige Touchscreens, einige werden groß, andere werden klein sein." Der Bedarf an Massenspeicher steigt, denn Musiksammlungen oder Fotoserien werden digital gespeichert sein. Später werden sich dann auch digitale Videobibliotheken wirtschaftlich rechnen. Schnellere Verbindungen zu den Häusern werden dafür sorgen, daß Internet-Verbindungen permanent geschaltet sind. Das bloße Abrufen von Daten wird ergänzt werden durch das Einspeisen von Informationen ins Web.