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27.10.2000 - 

IIR-Konferenz über Billing Mediation in Zürich

GTS bringt Legacy-Systeme aus Akquisitionen unter einen Hut

ZÜRICH (sra) - Die Verbindungsdaten von Telefongesprächen in eine einheitliche Form zu bringen ist eine Kunst. Besonders wenn sie wie bei Global Telesystems (GTS) auf 40 Switches verschiedener Hersteller in zwölf Ländern verteilt sind. Noch komplizierter wird es, wenn auch Verbindungsdaten aus IP-Netzen integriert werden sollen.

Carrier gehen beim Billing folgendermaßen vor: Sie sammeln die millionenfach vorhandenen Call Detail Records (CDRs). Diese enthalten Verbindungsdaten wie Zielrufnummer, Uhrzeit und Dauer jedes Gesprächs. Ein so genanntes Mediation Device bringt die Daten ins richtige Format. In der Rating Engine werden sie dann mit den aktuellen Tarifen verknüpft. Anschließend lassen sich die Rechnungen erstellen. Mediation ist also das Bindeglied zwischen dem Netz und dem Billing-System. Im Idealfall sieht der Carrier nichts davon.

Auf dem IIR-Kongress "Billing Mediation" in Zürich berichtete Global Telesystems (GTS), der Betreiber eines paneuropäischen IP-Netzes und Anbieter von Services für andere Carrier und Großunternehmen, über ein Mediation-Projekt. GTS hatte sich eine Herkulesaufgabe gestellt: Die Firma musste nach verschiedenen Akquisitionen acht Legacy-Mediation-Systeme unter einen Hut bringen. Die CDRs aus zwölf Ländern und mehr als 40 Switches verschiedener Hersteller waren zu verarbeiten. Pro Tag fielen 20 Millionen solcher Datensätze an. Die neue Lösung sollte rasche Änderungen in der Branche und weitere Übernahmen verkraften.

Richard Stok, Director Billing & Mediation Systems bei GTS, zog eine gemischte Bilanz. Als positiv hob er die Zuverlässigkeit der Lösung hervor. Anders als bei den Legacy-Systemen gingen jetzt keine CDRs mehr verloren. Zentralisierung und Integration der verschiedenen Switches sind seinen Angaben zufolge gelungen.

Allerdings gab es auch Schattenseiten. Zum einen habe GTS die Komplexität des ganzen Vorhabens unterschätzt, so Stok. Zum anderen war durch die verschiedenen Übernahmen Wissen über die Legacy-Systeme und da-rüber, welche Daten auf welchen Switches liegen, teilweise verloren gegangen. Zunächst ließ auch die Performance zu wünschen übrig. Und es erwies sich als schwierig, genügend Personal mit den richtigen Fähigkeiten freizustellen.

Aus diesen Erfahrungen hat das Unternehmen einige Lektionen gelernt: Die Anforderungen verändern sich ständig, und zwar schneller als erwartet. Pläne für alternative Entwicklungen sollte der Carrier daher in der Schublade haben. Automatische Kontrollen sind ein Muss. Einen weiteren Stolperstein stellt laut Stok das fehlende Know-how des Systemintegrators über das Geschäft seines Kunden dar. Es sollte genügend Zeit zum Testen eingeplant werden. Stok empfiehlt, dafür noch einmal 200 Prozent auf den ursprünglichen Zeitplan draufzuschlagen. Tools für die Darstellung am Bildschirm und Automation sind im Vorhinein anzuschaffen. Bei den Tests sollte mit echten Produktionsdaten gearbeitet werden.

Noch komplizierter wird es, wenn auch Verbindungsdaten aus IP-Netzen (IPDR = IP Detail Records) integriert werden sollen. Die Servicevielfalt wächst, und der Anteil der Ausgaben für Billing Mediation in IP-Netzen steigt. Darum wird eine konvergente Mediation, die sowohl Sprache als auch Daten berücksichtigt, immer dringender. Doch der Weg dahin ist weit und mit Schwierigkeiten gepflastert. Noch gibt es keine Standards für Datensätze. Die vielfältigen Datenquellen in IP-Netzen bereiten Kopfzerbrechen. Zudem lassen Skalierbarkeit und Performance oft zu wünschen übrig.

Immerhin ist ein Standard in Arbeit. Die von über 100 Firmen unterstützte Organisation IPDR (IP Detail Record) hat sich zum Ziel gesetzt, einen offenen Datensatz für den Austausch von Nutzungsinformationen zwischen Netzelementen und Applikationen in IP-Netzen zu definieren. Bisher existieren eine Servicedefinition sowie ein Format für die Datensätze auf Basis von XML. Für den Transport ist ein Soap-basierendes Protokoll vorgesehen. Detaillierte Nutzungsinformationen dienen nicht nur als Input zu Billing-Systemen, sondern auch für andere Applikationen wie Netz-Management oder Data Warehouses.

Auch die Mobilfunknetze der Zukunft setzen die Fähigkeit für Mediation von Sprache und Daten voraus, erläutert Frank Raudszus von der Danet GmbH. Für das Billing in diesen Netzen bestehen zwei verschiedene Möglichkeiten: Hot Billing oder Prepaid. Beim Hot Billing müssen die Verbindungsdaten sofort verarbeitet werden. Die Rechnung muss jeden beliebigen Zeitraum abdecken - ob Tage oder Stunden. Bezahlt wird nach Erhalt der Rechnung.

Anders bei Prepaid: Hier kauft der Kunde eine Karte, mit der er für einen bestimmten Betrag telefonieren kann. So lässt sich ausschließen, dass er die Rechnung nicht bezahlt. Allerdings weiß der Betreiber nicht mehr, wer das Endgerät besitzt, und es besteht ein gewisses zusätzliches Betrugsrisiko durch Manipulationen am Handy. Auch bei Prepaid-Accounts kommt es auf eine sofortige Weiterverarbeitung der CDRs an. Wenn nämlich ein Kunde ein Ferngespräch führt, obwohl auf seinem Konto nur noch drei Pfennig übrig sind, dann hat der Provider Pech gehabt, bei dem das CDR erst nach zwei Stunden eintrudelt. Die Anforderung an die Mediation sind also in beiden Fällen ähnlich.

Abb:1: Skizze der Lösung von GTS

Das Mediation-System von Global Telesystems verarbeitet 20 Millionen CDRs am Tag, die auf 40 Switches von sieben verschiedenen Herstellern gesammelt werden. Quelle: GTS

Abb.2: Ausgaben heute und künftig

Der Anteil der paketvermittelten Daten, die in Billing-Mediation-Systeme einfließen, wächst. Quelle: Openet Telecom 2000