Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

02.03.1979

Gummihammer

Die "E-Serie" könnte zum Prüfstein werden, ob es den von IBM beschworenen Anwendungsstau bei den kleineren und mittleren 370-Anwendern gibt oder nicht. Denn nüchtern betrachtet, nicht freudetrunken angesichts "sensationell niedriger" Hardwarepreise, handelt es sich bei der 4300 höchstens um ein verfeinertes 370-Produkt keinesfalls um wirklich Neues.

Eine unzutreffende Behauptung?

Wenn, dann nur da: 96 Ein-/Ausgabeverbindungen - um einmal die Mimikry des neuen 64-K-Bit-Chips zu beleuchten - sind ein "industry first". Und sicherlich lassen sich auf der Hardware-Seite noch ein paar gewichtige Merkmale ausmachen, die massiven Einspruch gegen das "bloß verfeinert" rechtfertigen würden - allerdings nur, wenn die Hardware alleine im Zeugenstand stünde.

Wer kann schon sagen, was - technologisch gesehen - Bestand haben wird?

Aber kommt es darauf überhaupt an? Ist bloße Hardware noch so wichtig, daß allein sie den Ankündigungs-Turnus (oft nur vermeintlich) neuer Systeme bestimmen sollte?

Freilich wäre es in der Tat neu: Nicht mehr die graduellen Verbesserungen der Hardware-Nominalleistungen werden registriert, sondern ausschließlich Software-Happenings, die alte Zöpfe abschneiden wollen.

Effizienterer Rechnereinsatz durch neue Software-Technologien - besonders auf dem Betriebssystemgebiet: Dieser anspruchsvolle Bewertungsansatz würde vermutlich das Kräfteverhältnis unter den Computer-Herstellern zumindest auf dem Papier verschieben.

Doch das ist nicht das Entscheidende. Angesichts des Kostendrucks im DV-Personalbereich wird mehr Produktivität im DV-Bereich gefordert - zu erreichen wohl nur durch bessere Software.

Selbst die offizielle IBM-Argumentation schlägt sich in dieser Frage auf die Seite der Anwendungs-Realisten - mag jedoch gleichzeitig auf die broschürenfüllende Vorstellung der neuen Speicherfamilien nicht verzichten. Wie überhaupt die "Boxen" von IBM auf eine äußerst geschickte Weise hintenrum wieder ins Spiel gebracht werden - indem etwa auf die Hauptspeichergrößen der 43er Modelle oder die Zugriffsmechanismen der neuen 3370-Platten verwiesen wird.

Wen wundert's: Da kann man wenigstens etwas vorzeigen, das ist - im wahrsten Sinne des Wortes - "begreifbar", messbar - eben Hardware.

Insofern ist die jüngst erlebte IBM-Demonstration der

(Chip-)Stärke durchaus legitim; die anderen Anbieter machen's - so sie können - nicht anders, und der Anwender ist es nicht anders gewöhnt.

Damit könnte die Sache ihr Bewenden haben - zumal ohnehin nicht zu erwarten ist, daß sich im Emotionellen angesiedelte Vorlieben für bestimmte Anlagen eines bestimmten Herstellers so schnell über die Ratio auflösen lassen.

Nein: Mit diesem Marktführer-Bonus, der jede ins Rennen geschickte Rechnerfamilie zum Bestseller prädestiniert, wird IBM lieben müssen.

Was unterscheidet die 4300-Ankündigung dennoch von Premieren-Vorstellungen vergangener Tage?

Zunächst dies: Jedwede Software soll Geld kosten.

Konnte der Sinnspruch "einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul" bislang noch über so manche Unzulänglichkeit der Basis-Software hinwegtrösten, so ist nunmehr wohlwollendes Verständnis für angepasstes Imponiergehabe des Herstellers völlig fehl am Platze.

Denkbar, daß einige 370-Anwender den Rotstift ansetzen, um auszurechnen, ob denn die E-Serien-Maschinen - Software-Lizenzen eingerechnet - wirklich so billig sind, wie es die Hardwarepreise vermuten lassen.

Daß sie die für DOS/VSE-Betrieb versprochene Leistung im VM/370-Modus nur schwerlich auf die Pins bringen können, ist ohnehin kein Geheimnis. Und es soll Anwender geben, die vom erweiterten DOS/VSE bereits respektlos als "DOS/VS-Release 35" sprechen. Überhaupt haut IBM hier mit dem Unbundling-Gummihammer auf ein zentrales Nervengeflecht im Anwender-Organismus - darf IBM sich wundern, wenn die "Parabel vom Anwendungsstau" zum Bumerang wird?