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31.01.2003 - 

Kolumne

"Gut gedacht, Herr McNealy"

Christoph Witte Chefredakteur CW

Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass Sun-Chef Scott McNealy im Interview mit der CW (siehe Seite 12) der Frage nach dem Hardwaregeschäft geschickt ausweicht. Sun, so McNealy, sei kein Hardware-, sondern ein Systemanbieter, der Produkte aus Hard- und Software offeriere. Im angelsächsischen Sprachraum kommentiert man eine solche Finesse wahrscheinlich mit einem bewundernden "Nice try, Mr. McNealy". Aber mehr ist es bisher auch nicht.

Schließlich erzielt Sun über 60 Prozent seines Umsatzes mit Hardware, das Software-Business trägt nur mit fünf Prozent zum Geschäft bei. Der große Rest wird mit Services generiert, zumeist sind das sehr hardwarenahe Dienstleistungen wie Wartung, Support und Implementierung. Ein Projektgeschäft wie die Konkurrenten IBM und HP kann und will Sun nicht vorweisen. McNealy stellt sich auf den Standpunkt, dass Suns Geschäft sich aus den eigenen Forschungs- und Entwicklungsausgaben entwickeln muss und nicht aus der Anzahl der Experten, die er für seine Kunden arbeiten lassen kann.

Deshalb propagiert er die Integration von Hardware, Software und Services. Auf diesem Wege - mit Hilfe von Sun ONE und Orion - versucht Sun, seine Rechner als voll integrierte Plattformen zu verkaufen, auf denen nicht nur jedwede Applikation läuft wie geschmiert, sondern die dank N1 sich selbst und auch noch andere Systeme verwalten sowie über Selbstwartung und -heilung für die eigene Verfügbarkeit sorgen.

Der angestrebte Imagewechsel ist notwendig und fein ausgedacht. Die Margen im Rechnergeschäft sind mittelfristig bedroht. Im unteren Segment wächst zunehmend Konkurrenz aus dem Wintel-Lager heran. Die Rechner sind sicher (noch) nicht so leistungsfähig, aber sie sind billiger. Das reicht für einige Kunden, um Sparc-Rechner hinauszuwerfen. Dabei ist die Preisentwicklung noch keineswegs am tiefsten Punkt angelangt. Der Druck wird zunehmen, schon allein deswegen, weil Suns Entwicklungskosten für die Sparc-Architektur sich mit weit weniger verkauften Rechnern amortisieren müssen als im Windows-Intel-Lager.

Auch im Highend-Segment dürfte sich Suns Leben zunehmend schwieriger gestalten. HPs Vorzeigerechner Superdome beispielsweise ist auf die 64-Bit-Architektur von Intel bereits vorbereitet. Ob Sun die bisherigen CPU-Partner bei der Stange halten kann, ist seit der Ankündigung von Fujitsu-Siemens, im Highend künftig neben Sparc auch auf Itanium zu setzen (Seite 11), ebenfalls fraglich geworden.

Daher muss McNealy den Plattformgedanken propagieren, wenn er Sun in eine gedeihliche Zukunft steuern will. Die Preisfrage lautet deshalb, ob er seine Versprechen mit Orion und vor allem N1 erfüllen kann. Bedenkt man Suns bisher fehlende Geschäftserfolge außerhalb des Hardwaresektors, sind Zweifel angebracht.