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24.05.1985 - 

Management sieht Softwarewartung als Sklavenarbeit für minderqualifizierte Programmierer, aber:

Gut gepflegte Programme sind ein wertvoller Aktivposten

DALLAS (cw) - Bis zu 60 Prozent der DV-Personalressourcen in amerikanischen Unternehmen sind derzeit mit Aufgaben der Softwarewartung gebunden. Trotzdem messen die Verantwortlichen der Programmpflege vielfach immer noch eine untergeordnete Bedeutung bei. Zu diesem Fazit kamen die Teilnehmer einer Konferenz für SW-Maintenance die jetzt von der Data Processing Management Association in Dallas veranstaltet wurde.

"Die Bedeutung einer qualifizierten Softwarepflege ist vielen Führungskräften nicht klar", monierte der kalifornische DV-Berater Ned Chapin. Dabei seien gut gepflegte Programme ein wertvoller Aktivposten für jedes Unternehmen, mit dem nicht Schindluder getrieben werden dürfe. Für viele DV-Leiter, so der amerikanische DV-Experte, bestehe eine Verbesserung der Wartung immer noch darin, mehr Manpower aufzuwenden. Wie die COMPUTERWORLD berichtet, ignorieren die Verantwortlichen oft sogar effizientere Wartungsmöglichkeiten wie spezielle Softwaretools oder Prozeduren.

Bei Rechner-Ausfall wäre Konkurs vorprogrammiert

Die meisten Unternehmen tun sich nach Aussage von Chapin schwer damit, Programmierer zu finden, die bereit sind, sich vorwiegend mit der Softwarepflege zu beschäftigen. Klagte William Vann, Manager Anwendungsentwicklung bei einem Betrieb der Bekleidungsindustrie im US-Bundesstaat Virginia: "Kaum ein Anfangsprogrammierer hat Lust, den Verhau von jemand anderem zu beseitigen. "

Harte Kritik an der Urteilsfähigkeit der DV-Bosse übte auch der kanadische DV-Profi Rick Ball (Esso Petroleum Canada). Aus eigener Erfahrung könne er sagen, daß zwischen dem Verständnis der Manager und der Realität oft Welten lägen. "Einmal wurde ich", so weiß Ball zu berichten, "zu unserer Niederlassung in der Provinz Alberta gerufen, um ein Wartungsproblem zu beheben. An Ort und Stelle angekommen, fand ich heraus, daß für Maintenance-Aufgaben nur zwei Leute zuständig waren: ein College-Absolvent und ein ehemaliger Operator. "

Das DV-System kontrolliert Ball zufolge den Verkauf aller Produkte auf Petroleumbasis in mehreren Zweigstellen des ÖImulti. "Wenn der Rechner auch nur einmal abgestürzt wäre, hätte das Unternehmen innerhalb einer Woche Konkurs anmelden müssen", warnte der DV-Experte weiter.

Nach den Erfahrungen von Ball gehen viele Unternehmen nur mit Vorurteilen an die Problemkreise Softwareentwicklung und -wartung heran: "Neue Produkte herauszubringen wird immer mit Prestige assoziiert." Für die DV-Leiter sei es deshalb leichter, der Unternehmensführung ein neues Projekt nahezubringen als dem Topmanagement auseinanderzusetzen, wie lebenswichtig eine qualifizierte Wartung für das gesamte Unternehmen sei".

Aber auch die Anbieter kamen auf der Konferenz nicht ungeschoren davon. Einig waren sich die Teilnehmer, daß der Problemkreis "Wartung in vielen Fällen nur zu gern unter den Tisch gekehrt wird. Er gilt in Herstellerkreisen als wenig populär, da nicht sehr gewinnträchtig. Dies allerdings, so die einhellige Meinung der in Dallas versammelten DV-Experten, sei eine äußerst kurzsichtige Überlegung. Sie zeige, daß die Anbieter das Marktpotential nicht erkannt haben. Vor allem wurde die Divergenz zwischen den Tonlos angeprangert, die für Entwicklungsvorhaben vermarktet werden und denen, die für Wartungszwecke konzipiert sind.

Besorgniserregend erscheint Nikolaus Zvegintzov, dem Chefredakteur des amerikanischen Newsletters "Software Maintenance News", die ablehnende Haltung vieler Benutzer gegenüber Softwaretools. Als Begründung hierfür führt Zvegintzov an: "Wir verlangen vom Benutzer komplizierte Aktionen, um das Tool zu ergänzen. Außerdem sind die Kosten, die beim Einsatz von Softwarewerkzeugen entstehen, in der Realität meist wesentlich höher als ursprünglich veranschlagt. Eine Patentlösung gibt es nicht." Resümiert Richard Gallery, Projektmanager bei der Boston Edison Co., die Einstellung der meisten Unternehmen gegenüber Softwarewartung: "Wenn Sie jemanden bestrafen wollen, setzen Sie ihn auf Maintenance an. Beim Management gilt das nämlich als Sklavenarbeit für einen minderqualifizierten Programmierer. Aber Softwarepflege ist wichtig. Diese Tatsache der Unternehmensspitze klarzumachen, ist allerdings eine andere Story.