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Die Struktur des DV-Personals befindet sich im Wandel


19.01.1990 - 

Gute Chancen für Umschüler, die sich durchgekämpft habe

Wenn es um Computerberufe geht, dann gibt es ein Dauerthema, das sowenig totzukriegen ist wie Bobby Ewing: Haben Umschüler überhaupt eine Chance, sich in der komplexen DV-Welt zurechtzufinden. Christian Kvech vom Control Data Institut, München, ist dieser Frage nachgegangen.

Wer den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen möchte, kann es sich leicht machen und für die Antwort die Statistik des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus der Tasche ziehen: Immerhin 32 Prozent der derzeit etwa 220 000 Computerspezialisten sind über eine Umschulungsmaßnahme von mehr als sechs

Monaten Dauer in den Beruf eingestiegen. Eine Zahl, die eigentlich für sich spricht. Eine Informatik-Ausbildung an Universitäten und Fachhochschulen haben gerade sieben Prozent des DV-Personals vorzuweisen, ebenso wenige haben eine betriebliche Ausbildung absolviert. Die überwiegende Mehrzahl der heute in der Datenverarbeitung Tätigen hat als einzige Informatik-Qualifizierung Einarbeitungen am Arbeitsplatz oder kurze Fortbildungsmaßnahmen vorzuweisen.

Allerdings: So wie die Struktur des DV-Personals heute ist, wird sie langsfristig nicht bleiben. Obwohl in den vergangenen Jahren die Kapazitäten für die Ausbildung von Informatikern an Universitäten und Fachhochschulen sowie bei Berufsfachschulen ausgebaut worden sind und die Zahl der Absolventen steigt, wird es trotzdem noch einige Jahre dauern, bis Personal mit dieser Qualifikation den Großteil der DV-Fachleute ausmachen wird.

Fest steht auch, daß der personelle Zusatzbedarf im Bereich der Datenverarbeitung in den vergangenen Jahren nur durch die hohe Zahl an umgeschulten Fachkräften zu decken war und wohl auch in näherer Zukunft zu decken sein wird. Umgeschulte Lehrer, Geisteswissenschaftler oder Techniker konnten - die Praxisbezogenheit der Umschulungsmaßnahme vorausgesetzt - in der Regel erfolgreich die in sie gesetzten Erwartungen bewältigen.

Daß es auch Flops gab und gibt, liegt in der Natur der Sache - schließlich spielt auch die Persönlichkeit jedes Einzelnen bei Bewerbung und Bewährung am Arbeitsplatz keine kleine Rolle. Und: Umschulung ist nicht gleich Umschulung. Wer sich die Mühe macht, die Angebote auf dem Weiterbildungsmarkt einmal genauer anzusehen, stößt dabei auf die unterschiedlichsten Ausbildungsinhalte, die leider nicht immer auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes zugeschnitten sind. Im Klartext: Wer heute eine Umschulung beginnt, in der exotische Programmiersprachen und No-name-Softwareprodukte vermittelt werden, ist selbst schuld, wenn er dann vergeblich in Stellenanzeigen nach seinem Qualifikationsprofil sucht.

Tatsache ist allerdings auch, daß längst nicht jeder für die Arbeit in der Datenverarbeitung geeignet ist. Daß in der Euphorie der "Qualifizierungsoffensive" von manchem Bildungsträger auch weniger geeignete Absolventen ausgebildet wurden, hat den Umschülern insgesamt nicht immer eine gute Presse eingebracht. Seriöse Bildungsanbieter verlangen daher von den Interessenten für eine Umschulung vorab einen Eignungstest, der sich stark an den Einstellungstests der DV-Industrie orientiert. Beim Control Data Institut, wo bis zum Jahresende 1989 über 50 000 Personen diesen Test absolviert haben, erhielten 28,2 Prozent das Urteil "nicht geeignet". Hinzu kommt die Festlegung von weiteren Zugangsvoraussetzungen, wie Höchstalter oder berufliche Vorbildung.

Bleibt der Blick in die Zukunft: Hier wird Umschülern häufig prognostiziert, daß ihnen die theoretische Grundbildung eines Informatikstudiums fehle und sie deshalb mittel- bis langfristig schlechte Berufsaussichten hätten. Dieses Manko können jedoch gerade Umschüler aus Lehramts- oder geisteswissenschaftlichen Fächern entweder entkräften oder zumindest durch andere Qualifikationen wettmachen. Denn: In einer sich immer mehr vernetzenden DV-Landschaft wird zunehmend vom Personal verlangt werden, auch über den Zaun hinüberblicken zu können. Ganz pragmatisch macht sich dies bemerkbar, wenn es um die ständige Weiterbildung von DV-Fachleuten geht. Wer sich heute erfolgreich durch überfüllte Seminare und überlastete Bibliotheken gekämpft und Studium und Umschulung gut hinter sich gebracht hat, wird auch im Job keine große Mühe haben, sich neue Sachverhalte selbst erarbeiten zu können.

Viele der Vorurteile gegenüber den Umschülern kannten in der Vergangenheit auch reifen, weil bisher nur wenig neutrales statistisches Material zu diesem Thema vorhanden war. Zwei aktuelle Untersuchungen des IAB können jetzt helfen: 55 Prozent der Umschüler sind demnach bereits nach relativ kurzer Berufstätigkeit in mittleren Positionen tätig, 17 Prozent haben sogar eine gehobene oder Führungsposition inne. Interessant ist auch die Tatsache, daß Teilnehmer von DV-Umschulungen von der Arbeitslosigkeit nur durchschnittlich betroffen sind, während die Zunahme bei Absolventen von Informatik-Studiengängen und Abgängern von Ausbildungsgängen bei weitem überdurchschnittlich war.