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16.11.2001 - 

Auf der Frankfurter Linux-World 2001 wird der Ruf nach weiterer Standardisierung laut

Gute Perspektiven für Linux auf Servern

Die Auseinandersetzung mit dem Microsoft-Monopol im PC-Umfeld ist ein unverändert heiß diskutiertes Thema in der Open-Source-Gemeinde. Anerkennung gewinnt Linux aber derzeit jenseits seiner Web-Server-Domäne vor allem als Betriebssystem für anspruchvolle DV-Umgebungen im Backend. CW-Bericht, Ludger Schmitz

Kurz vor der Frankfurter Linux-World Conference & Expo, die vom 30. Oktober bis 1. November 2001 stattfand, hatte Linus Torvalds erklärt, der Linux-Kernel sei gut genug als Basis für eine Offensive auf dem Desktop. Unter anderem mit der Benutzeroberfläche "KDE" sowie den Büropaketen "KOffice" und "Open Office" gebe es konkurrenzfähige Alternativen zu Microsoft. Aber, so sein Appell an die Open-Source-Community, es bedürfe noch vieler Anwendungen für Linux auf Desktop-PCs.

Mehr in Sachen Desktop tunDiesen Aufruf hält Daniel Riek, Vorstand des Linux-Verbands, in dem derzeit 42 Unternehmen organisiert sind, für richtungsweisend. Es sei "wichtig, sich mehr in der Desktop-Entwicklung zu engagieren". Was Linux andererseits noch an Verbesserungen für seine Verwendung auf Servern brauche, lasse sich vor allem mit dem Unix-Know-how der großen Anbieter erarbeiten und erfordere deren Hardware-, Personal- sowie Finanzressourcen.

"Man muss mehr in Sachen Desktop tun", fordert auch Kersten Bassow, Geschäftsführer des Münchner Informations- und Marketing-Service Nomina GmbH. Viele Unternehmen zeigten vor allem deshalb Zurückhaltung gegenüber dem quelloffenen Alternativsystem, weil sie auf dem Markt nicht die benötigten Anwendungen für Linux-PCs fänden. Ein größeres Softwareangebot werde die Akzeptanz von Linux in Unternehmen rasant beschleunigen.

Unmut über Microsoft ausnutzenDem widerspricht Bruce Perens, Projektleiter der Linux-Distribution Debian und Open-Source-Evangelist bei HP: "Für 80 Prozent der Anwender ist unter Linux alles verfügbar, was sie brauchen." Der Unmut über Microsoft wachse, "und deshalb sind unsere Chancen auf dem Desktop ganz gut".

Den Optimismus von Perens in Sachen Linux-Desktop teilen jedoch heute - ganz anders als noch vor ein oder zwei Jahren - nicht mehr viele Beobachter der Entwicklung. Markus Draeger, Linux-Guru bei Fujitsu-Siemens Computing (FSC), etwa registriert, dass sich viele Firmen interessiert zeigen, aber "Defizite von Linux auf dem Desktop" beklagen. Dabei sei die Ausgangslage eigentlich sehr gut, weil immer mehr Unternehmen "wachsende Probleme mit Microsoft" hätten.

"Für den Normal-User am Fat Client ist Linux zu kompliziert", stellt Draeger fest. Allerdings biete sich eine andere Variante an: "Immer mehr Firmen sind interessiert an Linux für Thin Clients." In dieselbe Kerbe schlägt Dan Powers, Vice President Linux Solutions von IBM. Seit 1998 beobachte Big Blue ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 40 Prozent im Markt für Thin Clients und eine steigende Nachfrage nach Linux für solche Architekturen. Entsprechend stellte IBM auf der Linux-World neue "Netvista"-Thin-Clients vor, die mit Suse Linux vorkonfiguriert und laut Powers "dramatisch billiger als Fat-PCs mit Microsoft-Systemen" sind.

Die Rechenzentren erobernVor übertriebenen Hoffnungen warnt allerdings Erich Clementi, IBMs Vice President System Sales in Europa: "Ich glaube nicht, dass Linux Windows ersetzen wird." Davon träumen nicht einmal die optimistischsten Mitglieder in den Community-Projekten KDE und KOffice. Allerdings sei eine deutliche Steigerung des Marktanteils durchaus realistisch. Alexandre Julliard, Leiter eines Projekts, aus dem der Windows-Emulator "Wine" hervorgegangen ist, beurteilt die absehbare Zukunft so: "Auf den Linux-Clients wird es neben KDE, KOffice oder anderen direkten Alternativen zu Microsoft weiter viele Windows-Anwendungen geben, die über Emulatoren wie Wine laufen."

Während Linux auf dem Desktop auf absehbare Zeit eher schwach repräsentiert sein dürfte, hat es sich anderswo fest etabliert und weitet seinen Einfluss aus. So beobachtet Scott Handy, für Linux-Lösungen zuständiger IBM-Director, die Entwicklung von Linux werde jetzt nicht mehr nur von Technikern, sondern auch von Business-Strategen wahrgenommen. Das System habe "die Kluft zur Anwendung in Business-Umgebungen überwunden" und vor allem ein gewaltiges Wachstumspotenzial bei Servern und kleinen Internet-Devices.

Dirk Hohndel, einst Technikchef von Suse und heute als Intel-Angestellter Mitglied im Direktorium der Free Standards Group, ist ähnlicher Auffassung: "Der Desktop ist nicht der Höhepunkt der Linux-Entwicklung. Die Zukunft von Linux liegt auf dem Server und in den Rechenzentren." Dafür seien allerdings weitere Fortschritte in der Linux-Standardisierung vonnöten. Die gebe Softwarehäuser und Anwender Sicherheit für große Investitionen.

Obwohl die Standardisierung von Linux noch in den Anfängen steckt, sind viele Anwender offenkundig schon jetzt bereit, das quelloffene System über Web-orientierte Verwendungszwecke hinaus auf Servern zu nutzen. "Die angebotenen Lösungen entsprechen immer mehr den professionellen Ansprüchen", beobachtete Hans Bayer, Deutschland-Chef der Linux- und SCO-Unix-Company Caldera. "Noch richten sich viele Angebote auf die klassische Linux-Domäne bei Web-Servern, zunehmend geht es aber um die Integration der bestehenden Unternehmens-IT in E-Business-Konzepte und die notwendigen Infrastrukturen."

Nachfrage von Highend-AnwendernDas Interesse an Linux für große Server und insbesondere Rack-Cluster sei enorm, berichtet FSC-Manager Draeger. Die Standbesucher fragten vor allem nach guten Administrationskonzepten für komplexe Umgebungen, nach der Stabilität und Verfügbarkeit Linux-basierter Systeme. Sicherheit der Systeme sei ein großes Thema - was man vor Ort bestätigt finden konnte: Um das kleinste Linux-Gerät am FSC-Stand, eine "ID-Mouse", die berechtigte Benutzer anhand ihres Fingerabdrucks auf einem kleinen Scanner identifiziert, sammelten sich viele Besucher.

"Thin-Client-Architekturen und Hochverfügbarkeit" nennt auch Alfred Schröder, Geschäftsführer des Arnsberger Linux-Spezialisten Gonicus GmbH, als die Schwerpunkte des Interesses. "Die Nachfrage verlagert sich immer mehr auf komplexe Themen und hochspezialisiertes Know-how für Beratung und Implementierung." Die Interessenten wüssten um die Vorzüge von Linux und hätten zumindest Basiskenntnisse.

Manchmal schienen Aussteller überrascht zu sein, für welche aufwändigen Aufgaben die Anwender inzwischen Linux in Betracht ziehen. So präsentierte Clusterlabs einen Rack-Server mit bis zu 80 CPUs in Blade-Technik, der mit einem aus Red Hat Linux weiterentwickelten Betriebssystem läuft. Schon am Morgen des ersten Ausstellungstages verzeichnete die gerade einmal ein Jahr alte Berliner Firma den Besuch von Interessenten aus großen Unternehmen.

In der Anwenderschaft nehmen die Berührungsängste ab, wobei allerdings die Linux-Orientierung großer IT-Firmen eine wichtige Rolle spielt. Linux-Companies haben sich darauf eingestellt, berichtet Linux-Verband-Vorstand Riek, dass die Branchengrößen bei großen IT-Projekten die Gesamtleitung innehaben und die kleinen Linux-Spezialisten als Partner mit ins Boot nehmen. Nur bei eng begrenzten Aufträgen aus dem Mittelstand treten die Open-Source-Spezialisten direkt als Projektträger in Erscheinung.

Im Schlepptau der IT-Größen"Große Anwenderunternehmen tendieren zu prominenten Anbietern", bestätigt Jos Visser, Technologiechef der niederländischen Open-Source-Beratungsfirma Open Solution Providers. Solche Anwender möchten sich nicht darauf verlassen, dass sie im Problemfall irgendwann vielleicht eine Lösung von Community-Programmierern erhalten. "Wir sollten einiges an unserer Rhetorik ändern", ermahnt Visser die Linux-Community. Sie dürfe keine Versprechungen machen, die sich möglicherweise nicht halten lassen.

"Wir sollten uns auf das konzentrieren, wo man schnelle Erfolge sehen kann", empfiehlt Dieter Hoffmann, Europa-Chef von Red Hat, den Linux-Companies. Zurzeit sei die Ausgangslage sehr gut: Die Linux-Anbieter registrierten zunehmende Aufträge und wachsende Umsätze, was ihre zuletzt eher mäßige Ausgangsposition wieder deutlich verbessert habe. Die geschäftlichen Perspektiven seien gut, weil "immer mehr Anwender über eine Linux-Strategie nachdenken und Machbarkeitsstudien erstellen", so Hoffmann.

Motiv des steigenden Interesses an Linux sei die Rezession, die in der Wirtschaft und den Verwaltungen zu Kürzungen der IT-Budgets geführt habe. "Die Schmerzgrenze ist erreicht", argumentiert Hoffmann. "Die Krise erhöht den Druck, auf Linux umzustellen." 20 bis 30 Prozent niedrigere IT-Kosten seien durch eine Migration auf kostengünstige Intel-basierende Systeme mit Linux durchaus realistisch.

Messezahlen13300 Besucher, rund 20 Prozent mehr als im letzten Jahr, zählte der Veranstalter der Linux-World 2002. Das angesichts der vielen negativen Schlagzeilen um Linux-Firmen in letzter Zeit überraschende Ergebnis dürfte allerdings darauf zurückzuführen sein, dass viele Besucher der parallelen European Banking Technology Fair (EBTF) die kostenlose Gelegenheit nutzten, sich auf der Linux-World umzuschauen. Mehr als 2000 Gäste wurden bei den "Keynote"-Vorträgen registriert, obwohl die bekannten Größen der Open-Source-Szene nach den Terroranschlägen vom 11. September kurzfristig ihre Teilnahme abgesagt hatten.

Das erfreute natürlich die rund 100 Linux-World-Aussteller, etwa so viel wie im letzten Jahr. Nach Veranstalterangaben betrug der Fachbesucheranteil 92 Prozent, davon kamen 28 Prozent aus Unternehmen mit mehr als 1000 Angestellten. Viele Anbieter berichten, neben IT-Profis aus Unternehmen seien auffällig viele Manager mittlerer und auch hoher Ebene gekommen. Nur am letzten Messetag war ein größerer Anteil studentischer Besucher zu erleben.

Auch im nächsten Jahr wird die Linux-World parallel zur EBTF stattfinden. Der Termin steht fest: 29. bis 31. Oktober 2002.