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10.03.1989 - 

Der erste Eindruck ist oft entscheidend für eine erfolgreiche Stellensuche:

Gute Vorbereitung ist das A und O bei Bewerbungen

10.03.1989

Wer kennt nicht das deprimierende Gefühl, wenn Bewerbungsschreiben gleich reihenweise wieder zurückkommen? Das liegt jedoch nicht unbedingt an der mangelnden Qualifikation. Bewerbungen müssen generalstabsmäßig geplant und durchgeführt werden. Das beginnt mit der Auswahl der in Frage kommenden Stellen und endet erst nach dem Vorstellungsgespräch. Fred H. Dosenbach* gibt Tips.

Planvolles, gezieltes Handeln und eine positive Grundhaltung zum Bewerbungsverfahren werden die Chancen optimieren. Überzeugen Sie durch eine geschickte und kluge Bewerbung von Ihrer Persönlichkeit, von Ihren Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten!

Die Firmen wollen mit der Stellenbesetzung durch Investition in einen neuen Mitarbeiter ein wichtiges Problem lösen.

Multipliziert man das Jahresgehalt und die Gehaltsnebenkosten (im Durchschnitt eines Berufslebens) mit 30 bis 35 Arbeitsjahren, kommt schnell eine Millioneninvestition zusammen. Dafür werden die Angebote vom "Arbeits"-Markt geprüft. Für diese Entscheidung wird eine hochwertige Angebotspräsentation erwartet.

Ergreifen Sie frühzeitig die Initiative und beschaffen Sie sich Informationen:

Presseabteilungen um Materialien (Firmenprospekte, Geschäftsberichte, Produktprogramme, personalpolitische Leitlinien, Grundsatzpapiere) bitten; Banken, Industrie- und Handelskammern befragen; im "Hoppenstedt" und "Staufenbiel" in der Universitätsbibliothek nachlesen; den Wirtschaftsteil der Tageszeitung und Fachzeitschriften studieren und Stellenanzeigen systematisch auswerten; genaue Adressen, Namen und Telefonnummern von potentiellen Ansprechpartnern ermitteln.

Danach ist eine Analyse der eigenen Situation und die Abstimmung der eigenen Vorstellungen, Fertigkeiten und Fähigkeiten mit dem Geforderten ein weiterer wichtiger Schritt.

Wer informiert ist, gewinnt an Selbstsicherheit, an fachlicher und sprachlicher Kompetenz. Seine Ziele bekommen Konturen. Er läuft weniger Gefahr, sich (unter Verlust von Zeit und Selbstwertgefühl) um die falsche Position zu bewerben.

Auf Messen (CeBIT!), Symposien, Kongressen, Fortbildungsveranstaltungen und so weiter bieten sich Gelegenheiten, direkte Kontakte selbst herzustellen.

Unkonventionell und offensiv ist die Methode der direkten telefonischen Kontaktaufnahme. Den zuständigen Personalleiter oder Personalbeauftragten kann man häufig gegen 9 Uhr oder auch nach 16 Uhr erreichen. Den Namen sollte man vorher in Erfahrung bringen (Anruf in der Personalabteilung). Diese Vorgehensweise ist meist dann erfolgversprechend, wenn Sie Qualifikationen zu bieten haben, die rar sind.

Ablauf eines strategisch und inhaltlich gut vorbereiteten Gesprächs (mit Notizzettel!):

Kurzvorstellung (zwei bis drei Sätze); Anlaß (Zeitungsbericht, Stellenanzeige und so weiter); eigene Qualifikation kurz darstellen und Gründe für sein Interesse nennen; angenehme und unverkrampfte Sprech- und Ausdrucksweise; gezielte und kompetente Fragen stellen und um einen Termin bitten.

Ein Stellensuchender, der sich schon im Vorfeld seiner Bewerbung in der Welt bewegt (Erfahrungen macht), von der er ein Teil werden möchte, erwirbt dabei Vorteile für die besonders wichtige innere und äußere Selbstsicherheit.

Einige "Schlüsselqualifikationen", die der Beruf verlangt, können so bereits gezeigt oder geübt werden:

Zielorientiertheit, Einsatzbereitschaft, Entscheidungsfreude, langfristige Aktivität und Initiative, Flexibilität, kreativ-methodisches Vorgehen bei der Lösung von Problemen, Überzeugungskraft, Kommunikationsfähigkeit, Marketing (hier für persönliche Ziele) und (hoffentlich nicht zuviel) Frustrationstoleranz.

Mit einer "freien" Bewerbung, in der man unaufgefordert seine Bewerbung einsendet, haben Bewerber - jedenfalls bei gefragter Qualifikation - relativ gute Chancen.

Suchen Sie die Firmen gezielt aus, informieren Sie sich über Charakteristisches und sprechen Sie es an. Bereits vorhandene Kontakte sind immer ein guter Aufhänger ("Bei der CeBIT habe ich Herrn XY Ihrer Firma kennengelernt").

Man kann eine Kurzbewerbung einsenden. Aber warum nicht gleich eine vollständige Bewerbung? Wenn Sie Interesse wecken, ersparen Sie sich und dem Unternehmen Unnötiges. Andernfalls werden die Unterlagen sowieso zurückgesandt.

Der positive Gesamteindruck der Bewerbungsunterlagen ist sehr wichtig für den Erfolg. Saubere und attraktiv zusammengestellte Bewerbungsunterlagen vermitteln den ersten Eindruck, sie sind die erste Arbeitsprobe, die der gewünschte Arbeitgeber von Ihnen erhält.

Einige Tips:

- Originalunterlagen einsenden (außer Zeugniskopien).

- Bei lückenhaften Unterlagen wird häufig auf verborgene Mängel geschlossen und die Bewerbung damit aussortiert.

- Alle Unterlagen im Format DIN A4.

- Normales weißes Qualitätspapier.

- Gute, übersichtliche Seiteneinteilung machen (linksbündig, rechter und linker Rand, mehrere kurze Absätze).

- Sauber und fehlerlos schreiben; ohne Tippfehler, Rechtschreibfehler, Eselsohren und Flecken.

- Stiltips: Wesentliches (nicht romanhaft), klare Aussagen in kurzen Sätzen, nicht distanziert und unpersönlich, sondern eher interessiert, Motiviert, individuell und begeistert; ohne Floskeln und Schnörkel; knapp, präzise und informativ; selbstbewußt formulieren (ohne "ziemlich", "vielleicht", "ich glaube", "ich würde mich freuen").

- Elektrische Schreibmaschine oder PC mit NLQ-Drucker nutzen.

- Bild (Name und Adresse rückseitig!) lösbar befestigen.

- Die Unterlagen im (neuen!) Plastikschnellhefter (eventuell jedes Blatt extra in einer Klarsichtfolie) einreichen (keine Loseblattsammlung).

- Reihenfolge der Unterlagen: Deckblatt (Bewerbung als . . .; Inhalt; Name, Anschrift, Telefon; Foto), Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Sonstiges.

- Im DIN-A4-Umschlag und ausreichend frankiert versenden.

- Bewerbung auf absolute Vollständigkeit überprüfen, noch einmal überschlafen und gegebenenfalls verbessern.

Das Hauptziel der Bewerbung ist zuerst die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Dazu ist jeder vertretbare Aufwand gerechtfertigt und gut eingesetzt.

Das Anschreiben ist die geistige Herausforderung und Auseinandersetzung mit dem Thema Bewerbung. Besteht die Bewerbung letzten Endes aus einem Anschreiben und dem Rest? Häufig ja, denn Anschreiben und Lebenslauf bewirken oft mehr als Zeugnisse. In der Be-"Werbung" steckt Werbung. Effekthascherei wäre jedoch der falsche Weg. Was ist das besondere Problem des Inserenten und was können Sie als Bewerbung zur Lösung anbieten?

Helfen Sie dem Lesenden kurz und präzise, zu verstehen, welche der in der Anzeige genannten Forderungen Sie erfüllen, Gehen Sie dabei sachlich und unaufdringlich auf das Inserat ein. Das beste Mittel zur weiteren Darstellung Ihrer eigenen Persönlichkeit sind für den Empfänger wichtige Sachinformationen.

Das Bewerbungsschreiben sollte nicht länger als eine Seite sein und dem Leser folgendes mitteilen:

Wer bewirbt sich? Für welche Stelle (enger Bezug zwischen Anforderungsprofil und Bewerberqualifikation)? Warum (Motivation)? Wie stellt sich der Bewerber dar und wie drückt er sich aus?

Dazu praktische Vorschläge:

- Nennen Sie im "Betreff" die Kennziffer oder das Schlagwort der Anzeige.

- Wenn Sie für die Anrede den Namen des Zuständigen (zum Beispiel Personalleiter) herausbekommen um so besser (ansonsten "Sehr geehrte Damen und Herren").

- Haben Sie mit dem Einleitungssatz Interesse wecken oder einen Aufhänger finden können, der einen bestimmten Anlaß aufgreift ("Aus der Zeitung konnte ich entnehmen, daß Ihre Firma . . ., dabei könnte ich Sie unterstützen")?

- Beschreiben Sie für die Aufgabe wichtige Zusatzkenntnisse. "Um den Anforderungen an einen modernen Sekretariatsplatz gerecht zu werden, habe ich mit Erfolg einen Einführungskurs, in Computertechnologie, einen mehrwöchigen Abendkurs über moderne Schreibsysteme und zwei PC-Kurse absolviert."

- Signalisieren Sie Ihr Interesse an einem Gespräch.

Bewerber in ungekündigter Stellung, die kein Zwischenzeugnis haben, sollten kurz das jetzige Arbeitsgebiet beschreiben, ohne jedoch Betriebsinternes preiszugeben.

Für Absolventen ist das Gehalt eine wichtige Frage, Es gibt manchen finanziellen Nachholbedarf. Eine Orientierung ist wichtig. Aber wichtiger ist, eine Eintrittskarte in die richtige Umgebung zu bekommen. Einige Jahre später (rückblickend) ist vieles wichtiger als die Höhe des Anfangsgehalts gewesen: der erste Chef, die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und dazuzulernen, die Förderung der Mitarbeiter etc.

Fügen Sie Zeugnisse vollständig in der Reihenfolge des Lebenslaufes bei. Normalerweise reicht die Übersendung von Kopien. Aber: Sauber wie neue Originale. Ist ein Zeugnis einmal schlecht ausgefallen, so ist ein Begründungssatz im Lebenslauf hilfreich.

Bei Akademikern sind Seminarscheine nur angebracht, wenn Sie über erforderliche Zusatzkenntnisse Auskunft geben, die aus dem Prüfungszeugnis nicht ersichtlich sind.

Das Foto ist vom Spezialisten geschaffen und von bester Qualität. Es ist nicht älter als einige Monate, etwas größer als ein Paßfoto, farbig und mit schmalem Rand. Die Kleidung sollte weder allzu studentisch leger noch allzu steif wirken, die Körperhaltung natürlich sein. Was drückt Ihr Foto aus? Ist es Selbstsicherheit, positive Lebenseinstellung?

Das Foto wird mit zwei Fotoecken oder ähnlichem auf dem Deckblatt der Bewerbungsmappe oder auf dem Lebenslauf befestigt. Es sollte gut lösbar "fest"-gemacht sein (wird meist für betriebsinternes Formular bei Vertragsabschluß benötigt), Bitte nicht mit Büroklammern befestigen (wirk schlampig) und Namen und Adresse auf die Rückseite schreiben.

Der Lebenslauf (siehe Beispiel unten) ist ein wichtiger Einblick in den bisherigen persönlichen und beruflichen Werdegang. Gefordert wird eine rasche Überblicksmöglichkeit und dies meist in tabellarischer Form. Wichtiges für die ausgeschriebene Stelle sollte hervorgehoben und beschrieben, Unwichtiges weggelassen werden. Der Lebenslauf sollte nach Themen strukturiert werden und auf die gewünschte Tätigkeit zugeschnitten sein.

Die Universitätsphase wird gestrafft dargestellt und sollte nicht zu "vollakademisch" wirken. "Passende" Nebentätigkeiten während des Studiums angeben. Mit Hobbies und gesellschaftspolitischen Aufgaben sparsamst umgehen. Wechsel im Studienfach oder im Beruf sollten begründet aber nicht problematisiert werden (mit einem Satz).

*Fred H. Dosenbach leitet bei der IBM Deutschland GmbH das Berufsbildungsprojekt "Anwendungsinformatiker Wirtschaft (VWA)" für arbeitslose Lehramtskandidaten.