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06.02.2007

Gute Zeiten - schlechte Zeiten für SAP

Ist Deutschlands Softwarehaus Nummer 1 angeschlagen? Nachdem die angepeilten Geschäftszahlen zum zweiten Mal verfehlt wurden, sind Zweifel angebracht.

Für SAP begann das IT-Jahr 2007 turbulent. Schlagzeilen über die Zukunft von Vorstandssprecher Henning Kagermann, Übernahmegerüchte sowie die verfehlten Erwartungen prägten den Januar. "Der Lizenzumsatz stieg im vierten Quartal 2006 um sieben Prozent auf 1,26 Milliarden Euro." Eine Nachricht, mit der die Börsianer zufrieden wären, ginge es nicht um SAP: Weil der größte europäische Softwarekonzern sowohl die eigenen Erwartungen als auch die der Experten verfehlte, brach der Marktwert des Unternehmens binnen weniger Augenblicke um fünf Milliarden Euro ein.

Was sonst noch geschah ...

Die Deutsche Telekom schockt die Anleger mit einer erneuten Gewinnwarnung. Das Ebitda soll 2007 um 0,7 bis 1,2 Milliarden Euro niedriger ausfallen als geplant. Apple meldet ein weiteres Rekordquartal und verzückt seine Fans mit der Ankündigung des Iphones. Sun Microsystems schafft nach langer Durststrecke die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Intel und AMD müssen dem brutalen Preiskampf Tribut zollen. AMD rutscht in die roten Zahlen und Intel beklagt deutliche Gewinneinbrüche. Microsoft bringt endlich Windows Vista und Office 2007 auf den Markt. Die Verzögerungen haben zwar den Gewinn des zweiten Fiskalquartals geschmälert, doch für das dritte Quartal erwartet der Konzern 1,6 Milliarden Dollar mehr Umsatz und 1,1 Milliarden Dollar mehr Gewinn. Der von Affären gebeutelte Siemens-Konzern übernimmt für 3,5 Milliarden Dollar den Softwarehersteller UGS. Wegen der schwarzen Kassen nimmt die Staatsanwaltschaft nun auch Ex-Vorstände aufs Korn. Die EU-Kommission verhängt wegen illegaler Preisabsprachen eine Rekordstrafe von 419 Mio. Euro gegen Siemens. Die Suche nach einem Investor für den bankrotten Handyhersteller Benq Mobile scheitert.

Martin Bayer

Der ITK-Markt befindet sich in einem rasanten Wandel. CW-Redakteur Martin Bayer berichtet Monat für Monat im Branchenmonitor über die wichtigsten Ereignisse. Seine persönliche Marktsicht fasst er in der computerwoche für Sie zusammen. Noch näher am Puls des ITK-Marktes sind nur Sie, lieber Leser. Scheuen Sie sich nicht, uns über interessante Entwicklungen zu informieren und uns "die Meinung" zu sagen.

Kontakt: Martin Bayer, Tel. 089/360 86-697 oder mbayer@computerwoche.de.

Solide Bilanz, aber ...

Dabei waren die übrigen Geschäftszahlen alles andere als schlecht. Der Umsatz im Abschlussquartal legte im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent auf 2,95 Milliarden Euro zu, und der Gewinn schoss sogar um 29 Prozent auf fast 800 Millionen Euro in die Höhe. Im Gesamtjahr 2006 machten die badischen Softwerker mit 1,9 Milliarden Euro ein Viertel mehr Profit als noch ein Jahr zuvor. Der Umsatz verbesserte sich um zehn Prozent auf 9,4 Milliarden Dollar.

... das Lizenzgeschäft wackelt

Grundsolide Bilanzen, möchte man meinen. Wenn da nicht der Pferdefuß mit den Lizenzumsätzen wäre. Mit Argusaugen schielen die Investoren Quartal für Quartal auf diesen Bilanzposten, lässt er doch Rückschlüsse darauf zu, wie sich das künftige Geschäft entwickelt. Im Gegensatz zu den Wartungserlösen, die mit hohen Kosten erkauft werden müssen, verdienen Softwarehäuser an den Lizenzen schnelles Geld. Außerdem ziehen Einbußen im Lizenzgeschäft schwächere Wartungsgeschäfte nach sich.

Entsprechend groß ist die Nervosität in der Walldorfer Konzernzentrale. Als Erster bekam dies Henning Kagermann zu spüren. Dass der langjährige Plattner-Zögling nur noch eine Vertragsverlängerung für ein weiteres Jahr angeboten bekommen sollte, warf sofort die Frage nach seiner Ablösung auf. Diskussionen, ob nun Technikchef Shai Agassi oder der Mann fürs Operative Leo Apotheker besser auf den SAP-Chefsessel passe, schlugen hohe Wellen. Dass Vorstände ab 60 Jahren bei SAP traditionell nur jeweils ein weiteres Jahr im Amt bestätigt werden, geriet dabei fast in Vergessenheit.

Die Spekulationen rund um eine handfeste Führungskrise bei SAP waren erst der Anfang. Nur wenige Tage später kursierten die ersten Übernahmegerüchte. Angeblich sei Oracle interessiert und biete 38,50 Euro pro SAP-Aktie, wurde in Börsenkreisen gemunkelt. Doch damit nicht genug: Um die Sache so richtig spannend zu machen, hätten auch Microsoft und IBM ihre Hüte in den Ring geworfen und offerierten den Gerüchten zufolge sogar 40 Dollar je Papier. Dass sich an so einem Deal, der um die 50 Milliarden Euro schwer sein könnte, auch Branchenschwergewichte wie IBM verheben dürften und eine erwogene Fusion zwischen Microsoft und SAP wegen unüberbrückbarer firmenkultureller Differenzen schon einmal ad acta gelegt worden war, tat dem Brodeln in der Gerüchteküche keinen Abbruch. Böse Zungen behaupteten indes, SAP selbst habe die Übernahmespekulationen in die Welt gesetzt, um den eigenen Aktienkurs zu stützen.

Also alles nur Schmierentheater auf dem Börsenparkett? Mitnichten. Die Anbieter von Business-Software stehen massiv unter Druck: Verwöhnte Börsianer, hartnäckige Konkurrenz und zögerliche Kunden machen ihnen das Leben schwer. Allerdings sind die Hersteller nicht ganz unschuldig an der eigenen Misere. Um ihren hohen Börsenwert zu rechtfertigen, rasseln sie mit den Säbeln und legen den Analysten überzogene Pläne vor.

Hochtrabende Ziele

SAP ist da keine Ausnahme. Auf 100000 wolle man seine Kundenzahl bis zum Jahr 2010 steigern, hieß es vor einem Jahr. Aktueller Stand sind etwa 38000. Das adressierbare Marktvolumen für SAP-Produkte rechnete Kagermann von 30 auf 70 Milliarden Dollar hoch. Powerpoint-Folien sind geduldig. De facto laufen die Geschäfte bei SAP längst nicht so rund, wie es das Management gerne hätte.

Also soll es eine neue Mittelstandssoftware richten, die in erster Linie als Hosting- und On-Demand-Variante angeboten werden soll, verlautete geheimnisvoll aus dem Badischen. Wie das Ganze aussehen wird, wissen bislang vermutlich nur die SAP-Entwickler. Auch die Positionierung innerhalb des SAP-Portfolios bleibt mehr als schwammig. Vor allem die Frage, was mit den bisherigen Mittelstandslösungen passieren soll, dürfte Kunden und vor allem Partner noch eine Weile quälen.

Der Kunde gerät aus dem Blick

Die Querelen rund um das neue Produkt sowie das muntere Stühlerücken in SAPs Mittelstandsetage machen deutlich, wie schwer sich der Softwarekonzern tut. Jahrelang war das ERP-Brot-und-Butter-Geschäft eine sichere Bank für SAP. Doch der Glaube, die Kunden würden alle Release-Wechsel brav mitmachen und jedes Mal die Geldbörse zücken, erwies sich als trügerisch. Spätestens mit der Enterprise Services Architecture fragten sich mehr und mehr Kunden, was SAPs neue Anwendungsgeneration wirklich bringt. Zwar stellten die meisten Kunden ihre Verträge - nicht zuletzt wegen der versprochenen Rabatte - um, eingesetzt wird SAPs jüngste Software jedoch nur selten. R/3 4.6c ist schließlich auch kein schlechtes Produkt, so der Tenor. Das Schreckgespenst des Good-enough-Computing macht die Runde.

Schicksalsjahr 2007?

Dazu kommen neue Geschäftsmodelle wie On-Demand und Software-as-a-Service, auf die SAP antworten muss, möglichst ohne Kollateralschäden für sein Stammgeschäft. Seitdem Anbieter wie Salesforce.com mit ihrer Mietsoftware den Markt aufmischen, fragen immer mehr Kunden, warum sie für teures Geld Lizenzen und vor allem jährliche Wartung kaufen sollen.

2007 könnte für SAP zu einem Schicksalsjahr werden. Die eigene SOA-Entwicklung soll abgeschlossen und Kundschaft im Mittelstand gewonnen werden. Auch wenn man genug Wunden findet, in die man den Finger legen kann, sollte es einem erfahrenen Konzern wie SAP mit einem Jahresumsatz von 9,4 Milliarden Euro und einem Gewinn von 1,9 Milliarden Euro eigentlich gelingen, sein Softwaregeschäft weiter voranzutreiben, wenn...? Ja, wenn er es schafft, wieder etwas Schwung in die Sache zu bringen und die Anwender nicht mit abgehobener Technik und geheimnisvollen Geschäftsstrategien verärgert.

Vielleicht sollten sich die Walldorfer ein Beispiel an Steve Ballmer nehmen. Der feixende Microsoft-Chef schert sich nicht um öffentliche Häme wegen Verspätungen und Sicherheitslücken. Der Marktauftritt von Windows Vista und Office 2007 glich der Vorstellung eines neuen Popalbums. Und glaubt man den Prognosen, hat der weltgrößte Softwareanbieter vermutlich wieder einen Nummer-eins-Hit gelandet. Auch wenn die Analysten nölen, die Produkte böten keine wirklichen Neuerungen und man solle mit dem Kauf noch warten. Letztendlich wird auch der Schreiber dieser Zeilen Vistas bunte 3D-Menüs bestaunen und sich durch die schier endlosen Funktionen von Office 2007 klicken - auch wenn er es eigentlich gar nicht braucht.