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02.08.1991 - 

OEM-Geschäft drückte das Halbzeitergebnis, aber

Guter Inlandsabsatz machte der deutschen NCR viel Freude

MÜNCHEN (bk) - Unterschiedlich verliefen die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres 1991 für die drei Töchter der deutschen NCR Holding. Während die GmbH vor allem im Inland deutlich zulegen konnte, - wuchs die NCR Osteuropa nur mäßig. Die OEM-Division der Augsburger mußte gar einen kräftigen Umsatzrückgang hinnehmen.

Insgesamt verbuchte die NCR Holding für das erste Halbjahr einen Umsatz von 422,5 Millionen Mark. Damit liegen die Augsburger rund 1,4 Prozent unter dem vergleichbaren Vorjahresergebnis von 428,4 Millionen Mark. Gedrückt hat das Resultat dabei vor allem das OEM-Geschäft. So konnte die NCR OEM Europe GmbH im Berichtszeitraum gerade noch 7,2 Millionen Mark einnehmen, was nach 36,9 Millionen Mark zur gleichen Zeit im Vorjahr einen Rückgang von 80,5 Prozent bedeutet.

Rainer Liebich, NCR-Deutschland-Chef, gestand denn auch ein, daß das europaweite OEM-Geschäft augenblicklich "kein Quell der Freude" sei. Er begründete die Schwierigkeiten zum einen mit dem Versuch der verbliebenen Hersteller, in Europa eigene Kapazitäten mit Produkten aus eigener Entwicklung zu halten. Zum anderen orientierten sich Hersteller, die von einem anderen Unternehmen übernommen wurden, auf die Produkte der neuen Eigentümer. "Aber", so Liebich, "wir werden auf jeden Fall versuchen, gerade auch mit unseren neuen Produkten, wie beispielsweise dem Notepad, unsere OEM-Aktivitäten zu beleben."

Exportgeschäft ging deutlich zurück

Einen Wermutstropfen gab es auch im Rahmen des Geschäftsverlaufes der NCR GmbH. Zwar wurde im Inland mit einem Umsatzplus von 24 Prozent auf 267,8 (Vorjahreszeitraum: 215,5) Millionen Mark ein "geradezu stürmisches Wachstum" (O-Ton Liebich) erzielt, das Exportgeschäft aber ging um 11,8 Prozent auf 144,3 (163,6) Millionen Mark zurück. "Wir mußten feststellen", erklärte er dazu, "daß nach den USA, wo der DV-Markt bereits seit drei Jahren stagniert, entsprechende Tendenzen nun auch in Europa einsetzen." Einziger Lichtblick im internationalen Geschäft sei der pazifische Raum. Dort würden derzeit die größten Steigerungsraten erzielt. Insgesamt konnte die NCR GmbH im Berichtszeitraum umsatzmäßig um 8,7 Prozent auf 412,1 (379,1) Millionen Mark zulegen.

Eher träge verlief die Entwicklung der osteuropäischen Aktivitäten. So konnte die dafür zuständige NCR Osteuropa GmbH gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum zwar eine Umsatzsteigerung von 3,2 Prozent auf 12,8 (12,4) Millionen Mark verzeichnen, beim Auftragseingang indes liegen die Augsburger derzeit 48,1 Prozent unter dem Halbzeitniveau 1990. Allerdings, so Liebich, lieferten diese Zahlen eine "verzerrte Momentaufnahme". So fielen eine Reihe von Großprojekten, die im ersten Halbjahr 1991 hereinkamen, in die zweite Jahreshälfte. Zudem habe man vor einigen Wochen zwei Großaufträge aus der CSFR und aus Polen gewinnen können, deren Gesamtvolumen bei rund zehn Millionen Mark liege. Somit sei er zuversichtlich, für das Gesamtjahr hier ein zweistelliges Wachstum zu erreichen.

Zur im Mai beschlossenen Fusion mit der New Yorker Telefon-Company AT&T erklärte Liebich, obwohl rechtlich noch nicht vollzogen, seien schon jetzt positive Auswirkungen spürbar. So sähen es die Kunden als beruhigend an, daß NCR nun zu einem der weltweit größten Konzerne - immerhin beläuft sich der Gesamtumsatz von AT&T auf derzeit 43 Milliarden Dollar - gehöre. Hinzu käme, daß die New Yorker Wort halten würden, was Name und Struktur der NCR angehe. Liebich: "Wenn die Fusion im September über die Bühne ist, werden wir keine anonyme Division in einem Großkonzern sein, sondern die altbekannte NCR."

Näher gekommen zu sein scheinen sich die Frischvermählten auch in der Frage, wie die Eingliederung der Computerdivision von AT&T in den NCR-Konzern vonstatten gehen soll. Der NCR-Deutschland-Chef erklärte dazu, es sei keinesfalls so, daß der NCR einfach ein unprofitables Unternehmen "aufs Auge gedrückt werde". Beschlossen worden sei vielmehr, daß NCR von der AT&T-Computerdivision übernehmen solle, was für die weiteren Aktivitäten Sinn mache. Alles andere wollen die New Yorker in ihren Konzern eingliedern. In Deutschland gar müsse man kaum umorganisieren. "Hierzulande hat AT&T die Computersysteme über zwei oder drei Vertriebsorganisationen verkauft, ohne dabei aber eine nennenswerte Kundschaft an Land ziehen zu können." Keine Probleme gebe es auch in Sachen Personal, da aus dem AT&T-Computerbereich gerade zwei bis drei direkte Mitarbeiter übernommen werden müßten.

Jahrelange Zänkereien sind nicht zu befürchten

In Sachen Synergie-Effekte hob Liebich den Netzwerkbereich hervor. Hier komme es zu einer "Addition der Kompetenz". Eine Vielzahl der bisherigen AT&T-Produkte werde das NCR-Angebot erweitern und verbessern, wobei es in Einzelfällen zur Zurücknahme "alter" NCR-Produkte komme. Formiert worden sei in den eigenen Reihen zudem eine Network Product Group, an deren Spitze mit Bill O'Shea der erste AT&T-Mann stehe, der als Mitglied des Executive Office ins Top-Management der NCR rücke. In der neuen Gruppe sollen alle bestehenden Hard- und Software-Aktivitäten im Bereich der Netzwerkprodukte zusammengefaßt werden. In Deutschland tragen die Netzwerkprodukte der NCR derzeit rund sieben bis acht Prozent zum Umsatz der GmbH bei. Liebich optimistisch: "Die fachliche und sachliche Umsetzung der Fusion verläuft bislang erfolgreich. Es gibt keinen Anlaß zu der Befürchtung, daß wir uns in jahrelange Zänkereien verstricken und darüber den Kunden vergessen." Zuversichtlich ist Liebich auch für das Ergebnis des Gesamtjahres: "Wir werden entweder ein hohes einstelliges oder niedriges zweistelliges Umsatzwachstum erzielen." In Zahlen heißt das: Die Augsburger erwarten eine Steigerung von sieben bis 14 Prozent.