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19.09.1986 - 

Durchführung der Phasenorganisation erfordert Kontrolle (Teil 2):

Gutes Entwicklungskonzept ist das A und 0

Ein qualitativ hochstehendes Produkt laßt sich nur durch einen fehlerfreien Entwicklungsprozeß erstellen. Hinzu kommt eine weitere Aufgabe: Die Überprüfung des Entwicklungsprozesses auf korrekten und unmißverständlichen Ablauf sowie auf seine Eignung, die gewünschte Qualität des Produktes zu erzeugen.

Die SW-PhO definiert fünf wichtige Synchronisationspunkte der Entwicklung, die Baselines. Baselines definieren "Reifezustände" der Produktentwicklung mit externem (vertraglichen) oder internem Charakter. Baselines sind Meilensteinergebnisse, die vollständig aufeinander abgestimmt sind und deren Ergebnisse im Konfigurationsmanagement festgehalten und laufend aktualisiert werden. Die Ergebnisse der Teilprozesse (Produkt, Test, Planung) müssen hinsichtlich aller Komponenten inhaltlich aufeinander abgestimmt sein. Insbesondere gilt dies für Leistung, Qualität, Aufwand und Termine. Die Baselines bilden den eindeutig definierten Ausgangspunkt für die Weiterarbeit am Produkt Abbildung 5).

Die folgende Entwicklung muß inhaltlich auf den Baseline-Ergebnissen aufsetzen, so daß sich eine logisch einwandfreie Ableitung ergibt. Änderungen an den Baseline-Ergebnissen sowohl aufgrund von Abweichungen von der Zielvorgabe und geänderter Anforderungen an das Produkt, als auch wegen neuer Erkenntnisse aus der Produktentwicklung, dürfen nur mit den Methoden des Konfigurationsmanagements durchgeführt werden. Jede Änderung erfolgt als "Change Request"- Formulierung und nach der vom Konfigurationsmangement festgelegten Prozedurenbearbeitung. Um die Konsistenz der Baselines auch bei Änderungen aufrecht zu erhalten ,gilt es, jede Abwandlung nur nach einer bewußten Entscheidung darüber im "Change Control Board" durchzuführen.

Damit ergeben sich Zyklen bei der Bearbeitung der Meilensteine, wie in Abbildung 6 gezeigt.

Inhaltliche Änderungen einer Baseline haben im allgemeinen Änderungen der anderen - davor oder danach liegenden - Baselines zur Folge. Es muß darauf geachtet werden daß die Konsistenz der Meilenstein-Ergebnisse der Baselines immer erhalten bleibt. Bis zu welchen Terminen Change Requests zu den jeweiligen Baselines zugelassen werden, ist projektspezifisch festzulegen. So sollten zum Beispiel Change Requests zu den Requirements nicht über die Design-Baseline hinaus möglich sein. Anfallende Änderungswünsche führen dann nämlich zur Entwicklung einer neuen Version. Die Einführung zeigt, daß sich eine Baseline erst dann endgültig festschreiben laßt, wenn die darauffolgende Baseline erreicht ist. Dabei ist zu betonen, daß der Einsatz einer Phasenorganisation ohne ein entsprechendes Konfigurationsmanagement nicht zu den gewünschten Ergebnissen führt.

Die Qualität eines Produktes ist nach DIN definiert als der Grad der Übereinstimmung der Erfordernisse des Benutzers mit Leistungen des Produktes. Qualität kann nicht in ein Produkt hineingeprüft werden, sie muß hineinkonstruiert sein. Die Vorgabe von Standards und Konvention für das Produkt und den Entwicklungsprozeß, sowie die Umsetzung von Qualitätsanforderungen in "Konstruktionselemente" ist Aufgabe der Projektfunktion System-Engineering, nicht der Projektfunktion Qualitätssicherung .

Die SW-PhO bildet die Grundlage für die Planung, Durchführung und Berichterstattung der projektbegleitenden Qualitätssicherung. Diese muß als gesonderte Planung ausgewiesen werden. Sie hat vier Schwerpunkte: Erstens ist es der Test, inwieweit die an das Produkt gestellten Anforderungen den tatsächlichen Erfordernissen des Benutzers entsprechen (Phase O und 0. Als zweites folgt die Überprüfung jedes Entwicklungsergebnisses auf formale und inhaltliche Korrektheit. Drittens gibt es die Kontrolle jedes Entwicklungsschrittes, ob mit ihm die gestellten Anforderungen erfüllt werden können.

Aufgrund der Überlegung, daß ein qualitativ hochstehendes Produkt normalerweise nur durch einen fehlerfreien Entwicklungsprozeß erstellt werden kann, kommt eine weitere Aufgabe hinzu: Überprüfung des Entwicklungsprozesses auf fehlerfreien und unmißverständlichen Ablauf und auf seine Eignung, die gewünschte Qualität des Produktes zu erzeugen.

QS-Plan definiert diverse Prüfkriterien

Der Qualitätssicherungs-Plan (QS-Plan) definiert die Prüfobjekte (Dokumente der Meilensteine, Code), die Prüfkriterien (Formale und inhaltliche Kriterien), die Prüfmethode (Walk Through, DDC, Code-Inspektion) und die notwendigen operativen (Personen, Termine, Aufwände) Daten. Die Qualitäts-Berichterstattung dient dem rechtzeitigen Erkennen von Qualitätsrisiken und enthält Protokolle aller QS-Maßnahmen Fehlerstatistiken, Test- und Prüfberichte mit Bewertung der Prüfobjekte sowie Qualitätsbeobachtungen.

Jeder Meilenstein und damit jede Phase wird durch eine explizite Entscheidung über seine Ergebnisse abgeschlossen. Dabei ist es zunächst unerheblich, ob diese Entscheidung auf einer Phasenentscheidungssitzung (PES) per Formularumlauf oder durch den Projektleiter getroffen wird. Ziel einer Phasenentscheidung ist es, sicherzustellen, daß erarbeitete Ergebnisse einer Phase (Meilenstein) von allen am und im Projekt Beteiligten akzeptiert werden und damit die unbezweifelte Grundlage des nächsten Entwicklungsschrittes darstellen. Die Verfahrensweise der PES sichert, daß der Entscheider für die Entwicklung ausreichend beraten wird (siehe Kasten).

Die Durchführung der PES laßt sich durch entscheidende Formalisierung (Formularsatz) sehr effizient gestalten. Der Inhalt der PES bezieht sich rein auf die Entscheidungsfrage, Sachdiskussionen werden von den Betroffenen vorher geführt. Bei einer PES hat sich die Vorbereitung und Durchführung durch einen Moderator bewährt.

Die von der PES freigegebenen Phasenergebnisse werden grundsätzlich an die Konfigurationsverwaltung übergeben. Damit sind gültig erklärte Phasenergebnisse nur noch über kontrollierte Change-Control-Verfahren änderbar.

Auftrag ist ableitbar aus Gesamtprojektplanung

Jede Phase ist im Rahmen der Gesamtprojektverwaltung selbständig zu planen, durchzuführen, kontrollieren und abzuschließen. Zur eigenen verantwortlichen Durchführung der Phase kann es je nach Projektgröße erforderlich sein, einen Phasenleiter zu benennen. Die Ernennung unabhängiger Phasenleiter ermöglicht es, mehrere Teilprojekte parallel in der gleichen Phase laufen zu lassen.

Der Phasenleiter erhält vom Projektleiter einen Auftrag zur Durchführung der Phase mit Vorgaben über das zu erbringende Ergebnis und die zur Verfügung stehenden Ressourcen. Der Auftrag ist dann aus der Gesamtprojektplanung ableitbar. Nach der - nur von den Eckwerten der Gesamtprojektplanung beeinflußten - Phasenplanung durch den Phasenleiter akzeptiert dieser den Auftrag zur Erstellung der Phasenergebnisse oder erwirkt entsprechende Änderungen. Die Planung wird dann durch eine Phasenentscheidung genehmigt (Beginn der Phase).

Die Phasendurchführung erfolgt entsprechend der Phasenplanung, Die erarbeiteten Ergebnisse sind durch die Qualitätssicherung zu prüfen, im Rahmen der Meilensteinentscheidung zu genehmigen und in die Projektbibliothek zu übernehmen. Ein eventuell eingesetzter Phasenleiter verantwortet noch die Nacharbeiten, die aus Auflagen der Qualitätssicherung oder der Phasenentscheidung resultieren.

Für den Ablauf jeder Phase laßt sich also ein gleichartiges Vorgehen feststellen: Zuerst kommt der Phasenauftrag des Projektleiters an den Phasenleiter zur Erstellung der Phasenprodukte. Nächster Schritt ist die Phasenvorbereitung durch den Phasenleiter (Einarbeitung, Planung).

Der Phasenbeginn, die Abnahme des Phasenauftrages durch den Phasenleiter und Freigabe der Phasenplanung durch die Meilensteinentscheidung ist ein weiterer Punkt.

Die Phasendurchführung mit der Entwicklung der Phasenergebnisse folgt danach. Ferner gibt es den Phasenabschluß, eine Entlastung des Phasenleiters durch eine Meilensteinentscheidung. Schließlich bleibt die Phasennacharbeit mit eventueller Nacharbeit als Auflage der Phasenentscheidung (siehe Abbildung 7).

Die SW-PhO muß vom Projektleiter sehr sorgfältig an die Bedingungen seines Projektes angepaßt werden. Dabei sind insbesondere folgende Punkte zu prüfen:

- Auswahl der notwendigen Planungs- und Steuerungsfunktionen

- Aufteilung in Teilprojekte mit getrenntem Phasenablauf.

- Zusammenlegung von Phasen

- Aufteilung von Phasen in Subelemente

- Definition der Phasenergebnisse

- Entscheidungszeitpunkte

- Projektgröße

- Projektstatus

- Projektphase

- Auftraggeberverhalten

- Randbedingungen.

Die Erfahrung zeigt, daß eine Phasenorganisation nicht mit einer Managemententscheidung angeordnet werden kann. Ihre Einführung ist nur durch Informationen, Schulung und Herbeiführung der Akzeptanz aller Betroffenen erfolgreich zu erzielen.

Dabei kommt der Führungsmannschaft als Träger dieser Organisationsentwicklung und Trainer ihrer Mitarbeiter eine besondere Bedeutung zu. Die Einführung der SW-PhO muß also neben der Durchführung des rein fachlichen Prozesses von motivierenden Maßnahmen flankiert werden. Verantwortlichkeit Einführung ist das zuständige Linienmanagement.

Bei neu gestarteten Projekten ergeben sich naturgemäß geringere Schwierigkeiten bei der Einführung, da die PhO alle für das Projekt notwendigen Schritte vom Projektanstoß an beschreibt (siehe Kasten).