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Vertrieb profitiert von Verbindung zwischen Groupware und Internet

GWF nutzt den Domino-Server als Web-Zugang

23.05.1997

Die GWF ist nicht das einzige ostdeutsche Unternehmen, das aufgrund der wirtschaftlichen Neuordnung sein Produktionsbild neu zeichnen mußte. Es ist auch nicht das erste Mal in der nahezu hundertjährigen Firmengeschichte, daß sich der im thüringischen Gotha ansässige Maschinenbauer umorientiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich das Unternehmen auf dem Sektor Waggon und Straßenbahnbau etabliert. Zeitweilig wechselte es in die Klima- und Lüftungstechnik sowie in den Fahrzeugbau. Heute fühlen sich die Thüringer im Nutzfahrzeug-Bereich heimisch.

Hier spezialisiert sich das Unternehmen auf die Fertigung von Lkw-Anhängern und -Aufbauten - ein hart umkämpftes Marktsegment das ohne modernes Management, und transparente Fertigung nicht zu erobern ist. Die 380 Mitarbeiter erzielten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 50 Millionen Mark. Unter dem Markennamen "die Gothas" avancierten sie zum größten europäischen Hersteller auf dem Sektor der Spitzenausleger für die Kranindustrie und sicherten sich einen beachtlichen Marktanteil im Bereich der Kippsattel-Auflieger.

Zudem ist die GFW der größte ostdeutsche Anbieter von Schweißerkursen und zählt somit zu den wichtigsten Ausbildungsstätten der Region. Im Juli 1996 erwarb das Unternehmen die ISO-9001-Zertifizierung, einen Monat später das EU-Öko-Audit 1836/93.

Darüber hinaus bemühen sich die Gothas, ihre Wettbewerbsfähigkeit mit Hilfe moderner Informationstechnik zu stärken. So ist das Unternehmen seit dem Herbst des vergangenen Jahres mit einer eigenen Homepage im Internet sichtbar. "Unser Ziel war die Unterstützung des europa- und weltweiten Vertriebs durch das Zukunftsmedium Internet", erläutert Geschäftsführer Martin Hetzel.

Gemeinsam mit dem Service-Provider Computer Dienst Jena untersuchte das Gothaer Fahrzeugwerk die Möglichkeiten und Aspekte dieses Vorhabens. Aus dieser Analyse ergab sich als mittelfristiges Ziel die Einführung eines interaktiven Informationssystems, das weit über das Erscheinungsbild ähnlich orientierter Unternehmen im Internet hinausgehen sollte.

Nach Angaben von Joachim Schmidt, dem Technikverantwortlichen für die Internet-Präsenz der Gothas, ließ sich dieses Vorhaben mit üblichen Publishing-Werkzeugen kaum realisieren - jedenfalls nicht mit vertretbarem Aufwand. "Wir hätten schon beim Zusammentragen und mehr noch beim ständigen Aktualisieren der HTML-Dokumente einen unangemessen hohen Aufwand treiben müssen."

Der Grund: Ein herkömmliches Publishing-Tool bedarf der HTML-Programmierung, sprich: darin geschulter Mitarbeiter. Also hätte der Verkäufer oder Techniker, der eine Information ins Internet stellen will, sein Anliegen zunächst einmal einem HTML-Spezialisten verdeutlichen müssen.

Der Computer Dienst Jena machte die GFW auf die Lotus-Produkte "Notes 4.1" und "Domino-Server" aufmerksam. Da der Dienstleister zu den Lotus-Partnern zählt, erhielt er schon im Herbst 1996 ein Beta-Release des Domino-Servers, dessen Aufgabe die Verbindung zwischen der Groupware Notes und dem World Wide Web sein soll. Nach Ansicht der Jenaer war diese Lösung die Antwort auf die Anforderungen der Gothas: Statt auf Seiten im Format Hypertext Markup Lan- guage (HTML) könnte das geplante Informationssystem auf Notes-Datenbanken aufsetzen. Damit wären die Mitarbeiter der GFW imstande, die im Web zu veröffentlichenden Dokumente mit vordefinierten Notes-Masken zu erstellen. Zudem ließen sich Notes-eigene Authentifizierungsfunktionen nutzen, um verschiedenen Anwendergruppen jeweils unterschiedlich tiefe Einblicke in das System zu gewähren.

Für die Inhalte dieses durchgängigen Informationssystems sollten die Mitarbeiter aus Entwicklung und Marketing verantwortlich zeichnen. Gleichzeitig war vorgesehen, daß der Vertrieb Angaben zu Finanzierungsmöglichkeiten beisteuerte und umgekehrt die Möglichkeit erhielt, die aus dem Internet eingehenden Anfragen zu kategorisieren und gezielt an die verantwortlichen Mitarbeiter weiterzuleiten. Die Entscheidung für das System fiel im August 1996, und sogleich machte sich der Jenaer Dienstleister an die Realisierung.

Die Eile hatte einen triftigen Grund: Die Gothas wollten die Lösung in einer ersten Ausbaustufe bereits zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) Nutzfahrzeuge vorzeigen, die Ende September in Hannover stattfand. Zwar basierte das dort präsentierte System noch auf konventioneller HTML-Programmierung mit statischen Web-Seiten, doch waren Struktur, Arbeitsweise und Interaktions-Möglichkeiten bereits erkennbar.

Die positiven Reaktionen der Messebesucher bewogen die GFW, den öffentlichen Testbetrieb auf dem Internet-Server des Computer Dienstes Jena aufzunehmen. Zeitgleich begann das Unternehmen, eine Client-Umgebung für Notes aufzubauen. Mittlerweile existieren zahlreiche Einzelanwendungen. Da wäre zunächst die Homepage mit allgemeinen Informationen über das Unternehmen. Diese Seiten werden derzeit in eine Notes-Applikation überführt. Dort soll dann unter anderem ein Grundlayout hinterlegt werden, so daß die Richtlinien der Corporate Identy bei jeder Veröffentlichung gewahrt bleiben. Darüber hinaus wird die Software in der Lage sein, automatisch alle einmal definierten Links zu anderen Informationen einzufügen.

Als zentrale Anlaufstelle für Internet-Surfer dient das Kundeninformationssystem. Diese Notes-Anwendung bietet detaillierte Informationen und eine schnelle, direkte Betreuung der potentiellen oder bereits gewonnenen Kunden sowie Verweise auf die jeweils verfügbaren Services. Darüber hinaus nimmt sie produktunabhängige Anfragen entgegen und stellt sie dann zur Weiterverarbeitung bereit.

Die eigentlich interessanten Anwendungen beginnen beim Produktinformationssystem. Es enthält detaillierte Informationen zu sämtlichen Erzeugnissen und Dienstleistungen des Unternehmens - geordnet nach Themen wie Hersteller, Finanzierungsmöglichkeiten oder Produktgruppen. An jeder Stelle hat der Besucher auch die Möglichkeit, Anfragen zu hinterlassen.

Den Mitarbeitern aus dem technischen Bereich nimmt diese Anwendung viel Arbeit ab: Ergeben sich beispielsweise Veränderungen der technischen Spezifikation eines Produkts, so erledigen die Techniker die Aktualisierungen am PC. Postwendend sind die neuen Informationen dann auch im Domino-Server einsehbar. Neue Produkte lassen sich per Mausklick in das Informationssystem aufnehmen, mit den jeweils notwendigen Angaben versehen und nicht nur den internen Mitarbeitern, sondern auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

Börse für Nutzfahrzeuge

Auch etwaige Veränderungen oder Erweiterungen des Grundlayouts müssen nur ein einziges Mal vorgenommen werden. Damit sind sie automatisch bei sämtlichen Dokumenten desselben Produkttyps aktualisiert.

Die Anfragen der Internet-Surfer lassen sich via Notes-Mail quasi auf Tastendruck dem zuständigen Unternehmensbereich übermitteln, von wo aus sie zur weiteren Bearbeitung an eine zentralen Kundenpflegedatenbank wandern.

Aber die Gothaer haben sich noch mehr einfallen lassen. Als kostenlose Dienstleistung für die Benutzer ihrer Homepage betreiben sie eine quasi-öffentliche Börse für gebrauchte Nutzfahrzeuge und Anhänger. "Wir wollen unseren Kunden damit die Möglichkeit geben, auf einer zentralen Plattform ihre Angebote kostenfrei einem großen Interessentenkreis zu unterbreiten", bekundet Geschäftsführer Hetzel nicht ohne Stolz.

Wer das Produktinformationssystem oder die Fahrzeugbörse nutzen will, muß sich vorher kurz registrieren. "Die Nutzung dieser Systeme ist völlig unentgeltlich, wir wollen jedoch wissen, mit wem wir es zu tun haben, um bei Rückfragen oder Problemen Kontakt aufnehmen zu können", begründet Hetzel die Registrierpflicht.

Mittlerweile ist die Testphase erfolgreich beendet. Nun wollen die Thüringer mit der breiten Einführung dieser Services beginnen. Zudem arbeiten sie weiter am Ausbau ihrer internen Notes-Kommunikation. Beispielsweise denken sie darüber nach, ihren Vertriebsaußendienst sowie die verschiedenen Niederlassungen an das Informationssystem anzubinden. Im Testbetrieb haben die Gothas derzeit neue Notes-Applikationen, die einen Mietpark für technische Ausrüstungen und einen "Die-Gothas-Shop" unterstützen sollen.

*Rolf Böllmann leitet die Geschäftsstelle Erfurt der Computer Dienst Jena GmbH.