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12.09.1986 - 

Notwendigkeit technisch-ökonomischer Bildung erkennen:

Gymnasien vor neuen Herausforderungen

Systematischer als bisher müssen die Gymnasien hierzulande ihre Schüler auf die Arbeits- und Berufswelt vorbereiten. Ein prägendes Stichwort hierbei lautet neue Technik. Denn immer mehr Abiturienten verzichten auf ein Studium und streben nach dem Abitur eine Berufsausbildung im dualen Sinn an. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einem Abriß über die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft. Die COMPUTERWOCHE veröffentlicht daraus einen Auszug über "das Gynmasium vor neuen Herausforderungen".

Angesichts einer hochtechnisierten industriellen Zivilisation, angesichts der raschen Wandlung von Technik und Gesellschaft, muß das Gymnasium den jungen Menschen dahin führen, auf künftige Anforderungen sachgerecht zu antworten.

Es wäre jedoch verhängnisvoll aus der Tatsache, daß Naturwissenschaften und Technik heute die vorherrschenden Faktoren sind, abzuleiten, die Gymnasien mußten in erster Linie ein Ort naturwissenschaftlicher und technischer Wissensvermittlung sein.

Die Schule muß beide Zielvorstellungen beachten

Das Gymnasium wird beides als Zielvorstellung beachten: ein Höchstmaß an guter Fachausbildung, wozu auch die Naturwissenschaften und die technischen Unterrichtsinhalte zählen, sowie gleichzeitig ein breites Fundament an Allgemeinbildung (Sprache, Kultur, Geschichte). Das eine schließt das andere nicht aus-im Gegenteil: "Das Gynmasium"- um mit Paul Mikat zu sprechen- "hat ... die Aufgabe, dem jungen Menschen sinnstiftende Dimensionen im Blick auf Technik, Zivilisation, Umwelt und gesellschaftliche Anforderungen zu vermitteln und ihm damit Maßstäbe für das Verständnis seiner Gegenwart und für sein Handeln in dieser Zeit an die Hand zu geben. Aufgabe des Gymnasiums ist es, die geschichtlich überkommene und gegenwärtig erfahrene Welt im Gesamt ihrer Bezüge hervortreten zu lassen. Hier gibt es grundlegende Bereiche, in denen diese Welt gegenwärtig ist: die Muttersprache, die Fremdsprachen, die Geschichte - darin eingeschlossen gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen -, die Naturwissenschaften, die Mathematik, die Literatur und die Künste" (1).

Diese grundlegende Feststellung mag unbestritten sein. Gleichwohl ist zu fragen, wie die inhaltliche Ausgestaltung des Gymnasiums beschaffen sein muß, damit die Bildung, die heute geschieht, zur Bewältigung künftiger Problemsituationen geeignet ist. Diese Frage zielt nicht so sehr auf den Kanon der gymnasialen Unterrichtsfächer. Vielmehr geht es darum, welchen Raum ökonomische Inhalte, aber auch besonders aktuelle und für Schüler zukunftsrelevante Themen wie beispielsweise "Neue Technologien" oder "Berufsorientierung" im Unterricht der Sekundarstufe II einnehmen.

Was die Informationstechnik angeht, wird jeder Bürger und Arbeitnehmer künftig zunehmend informationstechnologisches Basiswissen benötigen. Nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie der Gesellschaft für Informatik (GI) müssen 50 Prozent der Beschäftigten in der Bundesrepublik Deutschland über DV-Grundwissen verfügen, 15 Prozent gute bis sehr gute DV-Kenntnisse haben und vier bis fünf Prozent als DV-Spezialisten tätig sein. 70 Prozent der arbeitenden Bevölkerung also werden bei ihrer beruflichen Tätigkeit in der einen oder anderen Form über Computerkenntnisse verfügen.

Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, daß beim überwiegenden Teil der Pädagogen und verantwortlichen Schulträger die Einbeziehung der neuen Technologien in den Unterricht akzeptiert wird, wenn auch die Integration dieser neuen Technologien an den einzelnen Schulen und in den einzelnen Bundesländern in recht unterschiedlicher Weise erfolgt (2) In dem Maße, wie neue Techniken in Wirtschaft und Gesellschaft zum Zuge kommen, wächst die bildungspolitische Aufgabe, auch Schülern Wissen über den Computer und seine Einsatzmöglichkeiten zu vermitteln.

Bei der Einführung des Computers in Schulen sehen Kritiker vor allem drei Nachteile:

-eine einseitige Ausrichtung menschlichen Denkens an der Computerlogik,

-eine Verkümmerung von Kommunikation und sozialen Fähigkeiten,

-das Fehlen eines pädagogischen Konzepts.

Dagegen ist jedoch einzuwenden: Schule und speziell das Gymnasium sind von der Breite des Fächerspektrums her in der Lage, möglichen Fehlentwicklungen entgegenzusteuern. Computerlogik ist nicht die einzige Logik, die vermittelt wird, und die Isolierung des Schüllers muß keine notwendige Folge der Arbeit mit dem Computer sein.

Gewiß gibt es noch kein ausgereiftes pädagogisches Konzept. Das darf jedoch nicht dazu führen, die Hände in den Schoß zu legen. Auch Schulen müssen - ähnlich wie Unternehmen - anfangen, mit den neuen Techniken Erfahrungen zu sammeln, so daß im Laufe der Zeit auch ein sinnvolles pädagogisches Konzept erarbeitet werden kann.

Das Gymnasium ist die Schule wissenschaftlicher und humaner Bildung. Sie hat sich zu jeder Zeit neuen Erkenntnissen und Erfordernissen geöffnet, und sie wird zum Nutzen seiner Schüler nuch die neuen Technologien auf sinnvolle Weise integrieren.

Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Voraussetzungen sind vor allem bei den Lehrern zu schaffen sowie im Hinblick auf die pädagogische und didaktische Gestaltung.

Weil am Gymnasium wegen der zur Verfügung stehenden Zeit grundlegender gearbeitet werden kann, scheint gerade hier die Möglichkeit gegeben, am meisten Verständnis für die neuen Technologien, ihre Zusammenhänge und Auswirkungen zu wecken, also der Forderung zu entsprechen, naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Aspekte, Einsichten und Fragen zusammenzuführen. Diese Auseinandersetzung kann an keiner anderen Schulform besser geleistet werden als am Gymnasium.

Im Hinblick auf die "Berufsorientierung" von Schülern an Gymnasien ist zunächst einmal festzustellen, daß ihnen eine berufliche Orientierung, wie sie in der Regel Schülern an Haupt- und Realschulen zuteil wird, nicht vorenthalten werden sollte.

Anteil Studierwilliger auf 60 Prozent gesunken

Die berufliche Orientierung erhält auch deshalb eine zunehmende Bedeutung, weil sich eine entscheidende Bedingung geändert hat: Gingen noch Anfang der 7Oer Jahre zirka 90 Prozent der Abiturienten in ein Studium, so ist der Anteil der Studierwilligen eines Abiturjahrgangs. heute auf unter 60 Prozent gesunken. Prozentual und absolut entscheiden sich immer mehr Studienberechtigte für eine duale Ausbildung. Ihnen bei der Berufswahlentscheidung eine Hilfestellung zu geben, erscheint unverzichtbar.

Berufsorientierung war in einem traditionellen Verständnis gymnasialer Bildung nicht vorgesehen. Die Bestimmung des Gymnasiums lag darin, den Zögling so rein hinzustellen, daß er physisch, sittlich und intellektuell der Freiheit überlassen werden kann und, vom Zwange entbunden, nicht zur Müßigkeit oder zum praktischen Leben übergehen, sondern eine Sehnsucht in sich tragen wird, sich zur Wissenschaft zu erheben, die ihm bis dahin immer gleichsam von Ferne gezeigt war (3).

Dieses Gymnasium als "Vorbereitungsstätte für die Universität" hatte für die berufliche Orientierung keinen Platz, sie konnte allenfalls "Zufallsprodukt" sein.

Für berufliche Orientierung kein neues Fach notwendig

Wie bei anderen aktuellen und zukunftsrelevanten Inhalten, die im Gymnasium bereits Eingang gefunden haben, ist auch für die berufliche Orientierung kein neues Fach vonnöten; sie kann in bestehende Fächer bruchlos integriert werden.

Wenn das Gymnasium - wie immer wieder betont wird - heute seine Schüler befähigen will, "sich selbst zu entfalten, verantwortlich zu handeln, sich als Erben und Träger abendländischer kultureller Traditionen zu verstehen und sich die Qualifikationen zu erwerben, die für die Bewältigung der komplexen Aufgaben der Gegenwart wie der Zukunft erforderlich sind (4), dann sollte jeder Lehrer die Möglichkeiten beruflicher Orientierung in seinem Fach wahrnehmen.

"Entscheidend ist allerdings, daß jeder Lehrer selbst zu einem Verständnis von Allgemeinbildung findet, das berufliche Bildung einschließt, weil er sonst kaum vor Schülern überzeugend arbeiten kann." (5).

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