Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

11.07.1997 - 

US-DV-Manager spricht von Betrug

Haben Berater das Problem 2000 für Zusatzgeschäfte aufgebauscht?

Allein die fünf größten deutschen Banken rechnen nach Angaben der Wiesbadener Compass GmbH mit rund 250 Millionen Mark Personalkosten, um ihre Programme auf den Euro und auf vierstellige Jahreszahlen umzustellen. Die Aktion werde die 100 größten Kreditinstitute über drei Milliarden Mark kosten.

Nachfrage höher als Zahl der Berufsanfänger

Die auf IT-Wirtschaftlichkeitsanalysen spezialisierte Beratungsgesellschaft geht davon aus, daß menschliche Arbeit den überwältigenden Teil der Umstellungskosten ausmachen wird. Daraus und aus einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 150000 Mark pro Entwickler leitet sie ab, daß die Programmanpassungen allein bei den 100 größten Banken einen Aufwand von 20000 Personenjahren verursachen. Das entspräche einem Vielfachen der jährlichen Informatikabsolventen an deutschen Hochschulen.

Über Personalengpässe zeigt sich auch Geoff Unwin, COO von Cap Gemini, besorgt: "Die Löhne werden steigen und mit ihnen die Preise." Auch DV-Dienstleister seien inzwischen an den Grenzen ihrer Kapazitäten. "Wir können nicht genug Leute einstellen. Es gibt sie einfach nicht."

Dienstleister sind "schon voll ausgelastet"

In ähnlicher Weise warnt die Marktforschungsgesellschaft Input: "Die Datums- und Währungsumstellung werden die meisten Unternehmen aus eigener Kraft nicht bewältigen können." Die Situation werde dadurch erschwert, daß "die Anbieter von Beratungs- und Implementierungsleistungen zur Zeit schon voll ausgelastet sind".

Der Cap-Gemini-Manager Unwin prognostiziert, daß insbesondere Anwender im Finanzsektor jeden Preis für DV-Personal zahlen werden, um der Probleme Herr zu werden. Finanzschwächere Unternehmen und vor allem der von Sparmaßnahmen beherrschte öffentliche Dienst würden am Ende in der Warteschlange versauern. Unwin fordert unter anderem ein Eingreifen der Gesetzgeber.

Derlei hält David Starr, ehemaliger Price-Waterhouse-Analyst und heutiger DV-Chef von Readers Digest Association Inc., für Marketing-Getöse. "Die Anbieter sprechen technische Laien an, die es nicht besser wissen."

Dabei handle es sich um ein ganz einfaches Problem; man müsse Cobol-Code "nur durchgehen und nach Datumsangaben schauen". Die Modifizierungen seien nicht besonders schwierig, sondern dasselbe wie "bei einem Bug, einer Änderung oder einer Verbesserung. Das ist nichts Ungewöhnliches für eine Entwicklungsabteilung."

Starr erhebt den Vorwurf, in vielen Fällen würden Leute "das Jahr 2000 benutzen, um andere Projekte zu rechtfertigen". "Wenn ich ein altes, lahmes System seit längerem loswerden möchte, mache ich die Leute darauf aufmerksam, daß es ein Jahr-2000-Problem hat, und begründe damit seine Ablösung. Mit einer Kosten-Nutzen-Analyse ließe sich das schlecht verkaufen."

Allerdings sehe sich auch Readers Digest genötigt, die Haus-DV nach dem Problem 2000 zu durchforsten. Dies sei insbesondere in Europa nötig, wo ältere Systeme im Einsatz seien.