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15.07.1983 - 

PPS-Systemauswahl für die auftragsgebundene Fertigung, Teil 1:

Häufig reicht die Auftragsnummer nicht aus

BREMEN - Produktons-Planungs-Systeme (PPS) sollen helfen, die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens zu steigern. Dabei stellt jede Produktionsart ihre besonderen Anforderungen an ein solches Hilfsmittel. Professor Joachim Scheel, PS Systemtechnik, Bremen, beschreibt Im folgenden Kriterien für die Beurteilung von Systemen für die auftragsgebundene Fertigung und gibt organisatorische Grundsätze und DV-technische Lösungen zu bedenken.

Vergleichende Untersuchungen von PPS-Systemen stellen zwar umfangreiche Sammlungen von möglichen Programmeigenschaften dar, geben aber wenig oder gar keine Hinweise auf deren Nützlichkeit oder Beziehung zu den Anforderungen. Hier sollen nun nicht einzelne Programmeigenschaften im Detail aufgezählt, sondern organisatorische Grundsatzfragen aufgeworfen werden.

In der Konstruktion wird die Grundlage für die gesamte Auftragsabwicklung gelegt; das Produkt wird im Detail spezifiziert. Für die Auftragsdurchsteuerung und Materialdisposition ist die Stückliste eines der wichtigsten Dokumente. Ihre Erstellung ist eine entscheidende Vorarbeit, die die Konstruktion zu leisten hat. Während die kreative Tätigkeit in der Zeichnungserstellung liegt, ist der Aufbau der Stücklisten eine Leistung, die von der Konstruktion im wesentlichen erbracht wird, um andere Abteilungen funktionsfähig zu machen. Der direkte Aufbau der, Stückliste am Bildschirm beschleunigt die anschließenden Dispositionsvorgänge. Die Erstellung der Stücklisten im Dialog sollte daher für den Konstrukteur so einfach wie möglich sein.

Konstruiert wird in der Auftragsfertigung nach funktionalen Gesichtspunkten. Im geometrischen Zusammenhang entsteht eine Maschine, eine Funktionsgruppe, eine Baueinheit. Hierzu gehört die Stückliste, in der die Einzelteile spezifiziert werden. Den Zusammenhang zwischen Stückliste und Zeichnung stellt die Positionsnummer her.

Die Stückliste entsteht parallel zur Zeichnung oder im Anschluß an die Konstruktion. Ihr Aufbau muß sich nach den natürlichen, funktionsorientierten Anforderungen der Konstruktion richten. Und so muß es auch bei Einsatz der EDV geschehen. Wie früher auf dem Stücklisten-Vordruck muß der Konstrukteur (oder eine Hilfskraft) die Stückliste am Bildschirm aufbauen.

Zeile für Zeile, Position für Position wird nacheinander spezifiziert - ohne einen Zwang zur Strukturierung. Erst später, wenn die Arbeitsvorbereitung aktiv geworden ist, wird festgelegt, in welchen Stufen die Baueinheit gefertigt wird. Dann entstehen aus der Konstruktionsstückliste meistens mehrere Fertigungsstücklisten.

Das EDV-System muß ohne Restriktionen den Aufbau einer Konstruktionsstückliste erlauben. EDV-Systeme, die eine andere Arbeitsweise verlangen, als es manuell üblich ist, verursachen Mehraufwand, Widerstand im Konstruktionsbüro und Zeitverluste.

Freiheit der Identnummern-Vergabe

Lagerhaltige Teile und Materialien sind bei EDV-Einsatz mit einer einfachen Nummer zu identifizieren. Diese Nummer ist das Konto, auf dem die Bestände geführt werden. Auch standardisierte wiederzuverwendende Teile sollten so identifiziert sein. Bei Angabe der Identnummer am Bildschirm wird der Stammsatz automatisch in die Stückliste übernommen. Dieses bedeutet Zeitgewinn und Normierung.

In der auftragsbezogenen Konstruktion entstehen aber viele Teile, die nur innerhalb des Auftrages oder bei Wiederholung nur innerhalb der Baueinheit/Zeichnung verwendet werden (zum Beispiel die zugeschnittenen Elemente einer Schweißkonstruktion, die sofort nach ihrer Herstellung montiert werden und nicht im Lager zu verwalten sind).

Alle diese auftragsspezifisch zu fertigenden Einzelteile, Untergruppen und Gruppen (statistisch 10- bis 20mal soviel, wie es Lagerteile gibt) benötigen keinen Stammsatz. Sie sind in Stücklisten spezifiziert und werden auch bei Wiederholfertigung im Baugruppenzusammenhang (Standardstücklisten) abgerufen.

Ein Programmsystem muß es der Konstruktion oder Normung freistellen, einen Stammsatz anzulegen oder nicht. So vermeidet man Verwaltungsaufwand, EDV-Belastung und Verzögerung in der Stücklistenerstellung.

Auch hier - wie beim Aufbau der Stücklisten - muß das EDV-System eine Abwicklung in der Konstruktion zulassen, wie es ohne EDV praktiziert worden ist: Anwendung von Standards nur dann, wenn es sinnvoll ist; Stammsätze nur dann, wenn es sich um genormte Bauelemente oder lagerhaltige Materialien und Teile handelt.

Der Einsatz von CAD-Systemen ermöglicht die parallele und automatische Generierung von Stücklisten. Diese Stücklisten müssen vom PSS-System übernommen und weiterverarbeitet werden.

CAD-Systeme liefern Stücklisten in klassischer, konstruktionsgerechter Form. Die problemlose Übergabe an das PPS-System ist davon abhängig, ob es genau diese Stücklisten verarbeiten kann. Wenn nicht, entstehen sehr aufwendige Schnittstellenprobleme. Auch wenn man nicht sofort die Einführung eines CAD-Systems betreibt, sollte auf die Kompatibilitätsbedingungen geachtet werden.

Praxisgerechter Änderungsdienst

In der Auftragsfertigung ist Ändern an der Tagesordnung. Auch wenn immer wieder versucht wird, Änderungen einzudämmen, bleibt letztlich doch der Wunsch des Kunden entscheidend. Hier stehen Marktpositionen und Folgeaufträge auf dem Spiel. Das PPS-System muß diese Änderungen problemlos bewältigen.

Wenn nicht gerade absolute Einzelfertigung betrieben wird (zum Beispiel schwerer Stahlbau), dann hat jedes Unternehmen Zeichnungen und Stücklisten von wiederzuverwendenden Bauelementen und Baugruppen vorliegen. Meistens werden allerdings auftragsindividuelle Änderungen daran ausgeführt - für jeden Auftrag gegebenenfalls andere. Hier muß das PPS-System zulassen, daß auftragsspezifisch Standardstücklisten beliebig abgeändert werden können, ohne den Standard anzutasten. Mehrere unterschiedliche Stücklisten der gleichen Baugruppe müssen auftragsgebunden nebeneinander verwaltet werden.

Auch diese Forderung entspricht wieder den flexiblen Möglichkeiten eines CAD-Systems: Standardisierung ja, aber Abwandlung ohne großen Aufwand zur Erfüllung der Kundenforderungen. Der Kunde wird immer stärker sein - besonders in Zeiten schwächerer Konjunktur; das EDV-System zur Stücklistenbearbeitung muß das Ändern so einfach machen, daß die kundenindividuelle Anpassung zum Verkaufsargument gemacht werden kann.

Stücklistenkomposition unter Verwendung von Standard-Baugruppen

Nicht nur Einzelteile sind zur Wiederverwendung genormt; noch rationeller wird die Bearbeitung von Aufträgen in allen Abteilungen, wenn Konstruktionen aus standardisierten Baugruppen zusammengesetzt werden. Ob manuell oder über CAD die Stücklistenbearbeitung im PPS-System muß diesem Anspruch folgen. Neue Stücklisten müssen auftragsbezogen aus ein oder mehreren Standardstücklisten am Bildschirm generiert werden können. Danach muß selbstverständlich wieder die auftragsspezifische Änderung und Ergänzung möglich sein.

Fertigungsstücklisten

Es war aufgezeigt worden, daß Stücklisten in der Konstruktion funktionsorientiert aufgebaut werden müssen. Die Produktion braucht sie in anderer Struktur. Konstruktionsstücklisten müssen vom EDV-System in Fertigungsstücklisten umgewandelt werden können. Die Werkstatt will exakt wissen, welche Teile für einen Arbeitsablauf benötigt werden. Der Werker soll nicht aus einer kompletten Stückliste mühevoll seine Informationen zusammensuchen. Arbeitsplan und zugehörige Teile werden vom Arbeitsvorbereiter in Beziehung gebracht, terminiert und als Steuerungsbeleg zur Verfügung gestellt. Zum Beispiel eine Zuschnittliste soll alle Blechteile enthalten, die gemeinsam ausgebrannt werden; ein Montagearbeitsplan soll nur die Stücklistenpositionen enthalten, die gemeinsam in der Komplettierungsstufe gebraucht werden. Und eine Versandstückliste führt alle Bauelemente auf, die gemeinsam verpackt und transportiert werden.

Die Terminplanung ist ein weiterer wichtiger Grundstein eines PPS-Systems.

Bei einfachen Produkten, spezifiziert in einer einzigen Stückliste und wenigen Arbeitsplänen, ist sie kein Problem. Man kann die Informationen vernetzen, einen Ecktermin vorgeben und die anderen Termine von der EDV ermitteln lassen.

Was geschieht aber mit komplexeren Konstruktionen:

- Woher kommen die Ecktermine für Stücklisten, die nach und nach aus der Konstruktion geliefert werden?

- Wie werden die Termine für Materialien und Komponenten ermittelt, die in der Stückliste spezifiziert sind, für die aber noch keine Arbeitspläne existieren?

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