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22.07.1983 - 

PPS-Systemauswahl für die auftragsgebundene Fertigung, Teil 2:

Häufig reicht die Auftragsnummer nicht aus

BREMEN - Produktons-Planungs-Systeme (PPS) sollen helfen, die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens zu steigern. Dabei stellt jede Produktionsart ihre besonderen Anforderungen an ein solches Hilfsmittel. Professor Joachim Scheel, PS Systemtechnik, Bremen, beschreibt im folgenden Kriterien für die Beurteilung von Systemen für die auftragsgebundene Fertigung und gibt organisatorische Grundsätze und DV-technische Lösungen zu bedenken.

Wenn ein Auftrag nicht innerhalb einer Stückliste spezifiziert ist, sondern mehrere Zeichnungen und Stücklisten zur Planung und Steuerung erforderlich macht, sollte die Projektstruktur unabhängig davon spezifiziert werden. Hierzu bietet es sich an, mit Netzplänen und Balkendiagrammen zu arbeiten. Ein Auftragsnetz braucht dabei nicht mehr als 20 oder 30 Aktivitäten zu enthalten. Es gibt aber einen Gesamtüberblick und gestattet, Ecktermine zu ermitteln und zu verändern.

Ein PPS-System sollte daher die Möglichkeit der Projektplanung und -steuerung beinhalten. Der Anwender muß nicht unbedingt jeden Auftrag damit abwickeln, er sollte aber dieses Instrument verfügbar haben und nutzen. Die Übersicht über den Auftragsstand wird besser, die Eingriffsmöglichkeiten kurzfristiger und damit effektiver.

Ein ganz wichtiger Gesichtspunkt ist, daß mit einem solchen Planungsinstrument auch die Aktivitäten vor der Produktion (Konstruktion, Einkauf, Fremdvergabe etc.) behandelt werden können. In manchen Unternehmen ist die Auftragsdurchlaufzeit von der Produktion 50 bis 70 Prozent der Gesamtlieferzeit! Die Eckterminplanung für den Gesamtablauf gewährleistet höhere Termintreue und damit einen Wettbewerbsvorteil. Auch direkte Kosteneinsparungen können nachgewiesen werden.

Jeder Praktiker weiß, daß Terminpläne nie ohne Veränderungen gehalten werden können. Hier erhebt sich immer wieder die Frage: Was ist, wenn. ..? Dann sind Simulationen des Projekt- oder Arbeitsablaufes sinnvoll, um in kritischen Situationen Entscheidungshilfen zu bekommen. Simulierbar sollten sein:

- Terminabläufe

- Kapazitätsbeanspruchungen

Besonders interessant ist die Möglichkeit in der Verhandlungsphase eines neuen Auftrages. Vertriebsund Managemententscheidungen können hiermit optimiert werden. Aber auch bei Schwierigkeiten innerhalb der Auftragsabwicklung ist es hilfreich, Alternativen und ihre Konsequenzen durchzuspielen.

Das Programm zur Eckterlninplanung sollte also auch Stimulationen ermöglichen, wobei Termine und Leistungen (Kapazitätsbelastungen) betrachtet werden.

Die in der Stückliste spezifizierten Materialien und Teile sollten ohne Verzögerung in die Disposition und Beschaffung eingesteuert werden.

Hierzu ist es in der Auftragsfertigung erforderlich, Termine setzen zu können, ohne daß der genaue Ablauf in Arbeitsplänen spezifiziert ist. Andernfalls verliert man mindestens ein bis zwei Wochen, die entscheidend für die termingetreue Bereitstellung sein können. Auch Preise und Beschaffungskosten können günstiger sein, wenn Lager und Einkauf einige Tage mehr Zeit bekommen.

Das Programmsystem muß also die Terminierung der Stücklistenpositionen erlauben, ohne daß Arbeitsplän vorliegen.

So wichtig die unabhängige Terminierung der Stücklisten ist: Nach Disposition der Fertigungsabläufe durch die Arbeitsvorbereitung müssen die Termine gegebenenfalls aktualisiert werden. In Abhängigkeit

von Arbeitsablauf, von der Fertigstruktur, den Bearbeitungs- und Übergangszeiten sind die Bereitstellungstermine neu zu ermitteln und alle Konsequenzen daraus sichtbar zu machen. Die Forderungen an das PPS-System lauten also:

- automatische Korrektur der Stücklistentermine, falls die exakte Arbeitsplanung es erfordert;

- automatische Korrektur der Materialdisposition;

- automatische Warnung bei Konsequenzen in der Materialbereitstellung.

Terminplanung ist notwendig für die pünktliche Einsteuerung in der Produktion. Vorher ist sie aber bereits entscheidend für

- Materialdisposition und

- Kapazitätsbelastungsplanung.

Hierdurch wird abgesichert, daß die Einsteuerung überhaupt möglich ist.

So wie die Termine automatisch die Materialdisposition steuern, so müssen sie integriert die Kapazitätsanforderungen sichtbar machen, die sie verursachen. Eine Terminangabe oder Terminänderung in einem Arbeitsplan sollte umgehend (online, realtime) die Belastung der betroffenen Arbeitsplatzgruppen verändern und aufzeigen.

Die Vorgabe von Terminen steuert Materialdisposition und Kapazitätsplanung. Der nächste Schritt, die Einflußnahme auf die Termine, hilft

- Lagerbestände zu senken,

- Kaufteile nicht zu lange zwischenlagern,

- Durchlaufzeiten zu senken und

- Halbfabrikatebestände zu senken.

Diese Einflußnahme ist aber nur möglich, wenn der Sachbearbeiter den Überblick über Termine und Abläufe behält. Terminlisten sind gut, grafische Darstellungen dafür aber besser. So sollten

- der Eckterminplan,

- die Arbeitsabläufe in der Werkstatt und

- die Arbeitsabläufe in den vorgelagerten Bereichen

in Form von Balkendiagrammen das Geschehen veranschaulichen, und zwar nicht nur in der Planungsphase, sondern auch nach Start und Rückmeldung der Aktivitäten. Projektablauf und Projektstand als grafische Darstellung ist die Forderung an ein wirksames System.

Auch die Werkstatt und die Arbeitsverteilstelle werden dankbar sein, wenn eine anschauliche Antwort auf folgende Fragen gegeben wird:

- Ist ein Arbeitsablauf gestartet worden?

- Welcher Arbeitsgang wird gerade bearbeitet?

- Welches ist der nächste Arbeitsgang?

- Wie ist der gesamte Restdurchlauf des Teiles?

Wenn diese Informationen online zu sehen sind, werden BDE-Systeme interessant, die jede Veränderung im Abarbeitungsstatus sofort melden.

Individuelle Terminierung

EDV-Systeme vereinfachen oder automatisieren die Terminierung durch Verkettung der Aktivitäten, Ermittlung der Durchlaufzeiten aus Vorgabezeiten und Abgreifen der Übergangszeiten aus Matrizen; das ist ein Rationalisierungseffekt.

Es muß aber auch möglich sein, andere Entscheidungen zu treffen. Bildlich gesprochen: Mit dem EDV-System muß die bewußte Beschleunigung oder Verzögerung eines einzelnen Teiles genauso möglich sein wie früher, als man den Terminjäger in die Werkstatt hinunterschickte. Der "Terminjäger" am Bildschirm muß die Arbeitsfolge verändern können, Überlappungen einplanen, Übergangszeiten individuell verkürzen und Arbeitsaufträge splitten können.

Für die Standardserienfertigung auf Lager gibt es EDV-Programme zur vollständigen Automatisierung der Dispositions- und Beschaffungsvorgänge. Bedarfe werden stochastisch ermittelt, Losgrößen automatisch gebildet, Beschaffungsvorschläge erstellt etc.

Das ist in der Auftragsfertigung anders. Der Aufwand ist zwar größer, aber die auftragsspezifischen Bedingungen erfordern individuelle Entscheidungen, zumindest dann, wenn man

- hohe Termintreue,

- kurze Lieferzeiten,

- keine Lagergüter und

- geringe Bestände

anstrebt. Diese Ziele dürften kaum in Frage gestellt werden. Damit ergeben sich die Forderungen an ein PPS-System für die auftragsgebundene Fertigung.

Die Forderung nach der Erkennbarkeit des Verursachers in der Disposition ist die trivialste, allgemein akzeptiert und auch in einigen Systemen verwirklicht. Kann der Auftrag als Bedarfsverursacher in der Disposition nicht erkannt werden, dann ist dieses ein absolutes K.-o.-Kriterium für das entsprechende PPS-System. Die Forderungen gehen aber weiter. Ein komplexeres Produkt ist in mehr als einer Stückliste spezifiziert und erfordert meist viele Arbeitsabläufe zu einer Erstellung. Die Konstruktionsstücklisten, die den Bedarf zunächst auslösen, werden in Fertigungsstücklisten umgewandelt.

Es muß daher in der Disposition erkennbar sein,

- welche Stückliste den Bedarf verursacht,

- ob es Konstruktionsstücklisten oder Fertigungsstücklistenbedarf ist,

- welche Fertigungsstückliste beziehungsweise welcher Arbeitsplan den Bedarf verursacht.

Erkennbarkeit des Bestandes

Bedarfe werden nicht durch Lagerbestände allein gedeckt, sondern durch offene Bestellungen und offene Betriebsaufträge beziehungsweise Lagervorratsaufträge oder durch auftragsindividuell gefertigte Komponenten.

Hier ist der terminliche Zusammenhang zwischen dem Bedarf und dem Bestand oder dem Zugang zu zeigen. Ein Bedarf in der 30. Woche der in der 10. Woche eingegeben wird, braucht erst durch einen Zugang in der 29. Woche gedeckt zu werden und nicht etwa durch eine Reservierung vom Bestand! In der Disposition muß dann ausgewiesen sein,

- Welche Bestellung beziehungsweise Position bringt die Deckung?

- Welcher Betriebsauftrag bringt die Deckung?

- Ist die Deckung durch den Lagerbestand gegeben?

Keine Reservierung

Die Reservierung von Lagerartikeln über EDV ist eine Programmeigenschaft, die auf nicht optimalen Konzeptionen aufgebaut ist. Eine frühzeitige Reservierung führt zu höheren Lagerbeständen und Einbuße an Konkurrenzfähigkeit. Wer für frühzeitig erkennte Bedarfe Teile reserviert, nimmt diese Teile anderen weg, die ihren Bedarf zwar später anmelden, aber eher abrufen müssen. Schnell kommt es dazu, daß die Werkstatt trotz EDV-Reservierung Teile für andere Aufträge entnimmt, und dann hat man das EDV-gestützte Chaos. Hier muß das EDV-Programm so angelegt sein, daß es Transparenz schafft, die gezielte Umdisposition ermöglicht und sofort warnt, wenn kritische Situationen auftreten. Das kann zum Beispiel wie folgt geschehen:

- Jeder einzelne Bedarfsfall wird aufgeführt und terminlich sortiert den Beständen oder offenen Bestellungen gegenübergestellt.

- Priorität hat der Termin. Wenn ein neuer Bedarfsfall auftritt, wird er terminlich richtig eingeordnet, tritt also unter Umständen an die Stelle anderer Bedarfe.

- Entsteht durch die terminliche Reihung eine Unterdeckung, so muß das EDV-System warnen, und

- es muß eine Entscheidung gefällt werden, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, um die neu eingetretene kritische Situation abzufangen.

In der Auftragsfertigung ist der Termin entscheidend und meistens fest vereinbart. Nur der Sachbearbeiter mit Erfahrung und Kompetenz hat hier die optimalen Eingriffsmöglichkeiten. Auf die Vergabe von Prioritäten für einzelne Aufträge ist gefährlich: Es könnte beim Kunden bekannt werden. Man sieht wie wichtig die Terminplanung in der Auftragsfertigung ist.

Doch Reservierung

Es gibt aber doch ganz spezifische Anforderungen in der Einzelfertigung, die Reservierungen notwendig machen. Und zwar muß das Programmsystem außer der allgemeinen Disposition zusätzlich die Verwaltung einzelner Einheiten zulassen, zum Beispiel,

- wenn auftragsgebunden global vorab Teile bestellt werden, die in mehrere Einzelkonstruktionen einlaufen (zum Beispiel Ventile im Rohrleitungsbau);

- wenn Bleche und Profile mit besonderen Qualitäten und Abmessungen bestellt und für bestimmte Konstruktionen benötigt werden;

- wenn Restmengen (Bleche, Profile, Rohre etc.) von der Konstruktion disponiert und aufgebraucht werden sollen.

Dieses sind aber Fälle, die nur für den Sonderfertiger interessant sind und nicht ein allgemeines Kriterium für die Qualität eines PPS-System

darstellen. Wird fortgesetzt