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Halbleiter-Debakel

25.07.1975

Es stimmt bedenklich, daß Professor Dr. Ing. Ruge, Direktor des Institutes für Festkörperphysik der Fraunhofer Gesellschaft, in Stuttgart anläßlich der Tagung "Anwendung von Halbleiter-Bauelementen" ausführte, er müsse aus seiner Sicht der Sachlage die Existenz einer technologischen Lücke zwischen Europa und den USA für das Gebiet der Halbleitertechnologie zumindest auf Laborebene verneinen.

Entweder der Professor irrt: Wo bei Siemens und AEG-Telefunken, den beiden einzigen nennenswerten deutschen Halbleiterproduzenten gibt es Pendants zu amerikanischen Neu-Entwicklungen der kommenden Bauelemente-Technologie?

Beispiel 1: Wie weit sind wir hierzulande mit den Magnetblasen-Speichern?

Im Univac-Labor, Blue Bell, Pennsylvania, sah ich vor zwei Jahren immerhin 13 Wissenschaftler an diesem Projekt arbeiten - bei IBM dürften es, so wurde dort geschätzt, um eine Zehnerpotenz mehr Entwicklungsingenieure sein.

Beispiel 2: Wie weit sind wir mit der Mikro-Miniaturisierung? Gibt es in deutschen Landen bereits auch nur annähernd eine Speicherdichte von 775 000 Bit pro Quadratzentimeter, wie sie IBM jüngst der Wissenschaft vorstellte?

Oder der Professor hat recht: Dann wäre es ja geradezu unglaublich, daß Heinz Nixdorf weit über 99 Prozent der benötigten integrierten Schaltkreise in den USA einkaufen muß, nur weil man es hierzulande nicht verstünde, nach der Beherrschung einer Technologie im Labor auch ein konkurrenzfähiges Produkt herzustellen.

Man fragt sich, wie es wohl in dieser für die gesamte europäische Computerindustrie so wichtigen Frage weitergehen soll.

Catamore-Prozeß als Signal?

Natürlich wird IBM in Berufung gehen. Denn wenn das Urteil im Prozeß des IBM-Kunden Catamore Enterprises Inc. gegen den Hersteller bereits rechtskräftig wäre, dürfte umgehend eine Prozeßlawine gegen den Marktführer ins Rollen kommen, gegen die die derzeitigen Anti-Trust-Verfahren sanftes Geplänkel sind. Aber wird IBM in den Berufungsverfahren das Gegenteil dessen beweisen können, was in der ersten Instanz Überzeugung einer zwei Wochen lang beratenden Jury wurde?

Die US-Fachpresse feiert den Prozeß bereits auf den Frontseiten als "klassischen Präzedenzfall", hier habe sich ein David gewehrt und gegen den Goliath Recht bekornmen. Mancher Anwender wird an seine eigenen bitteren Erfahrungen mit Hersteller-Versprechungen denken - und wird vielleicht den gleichen Schritt tun. 11,4 Millionen Dollar Schadenersatz sind ja auch eine ganz beträchtliche Summe.

Es funktioniert?

Daß die Microcomputer jetzt können, was man kaum den Minicomputern zutraute, ist für viele ein erschreckender Gedanke, weil das zum Umdenken zwingt. Den Herstellern von Minicomputern konnte derzeit gar nichts besseres passieren, als daß das erste Datei-Verwaltungssystem auf Microcomputer-Basis für rund 50 000 Mark Kaufpreis inklusive bedienerfreundlicher Software vorgestellt wurde.

CW-Redakteur Dieter Eckbauer war dabei. Auf einer Floppy-Disk wurde sein Name in die einer Datei von Arzten eingereiht, so wurde er zum Stabsarzt und war nach diesem Suchbegriff wieder auffindbar, sein Name konnte auf Adreß-Labels ausgedruckt werden, alles im Dialog am Bildschirm. Es funktioniert tatsächlich.

Wenn heute dergleichen auf One-Board-Microcomputern läuft, dann ist es vielleicht doch Zeit, sich mit den Einsatzmöglichkeiten von Minicomputern für kommerzielle Anwendungen näher zu beschäftigen.