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Jüngste Intel-Prognose lässt weltweiten Abschwung befürchten

Halbleiterbranche zwischen Hoffen und Bangen

23.07.2004
MÜNCHEN (CW) - Mit ihrem nur mäßigen Ausblick auf den weiteren Geschäftsverlauf haben die beiden US-amerikanischen Halbleiterhersteller Intel und Advanced Micro Devices (AMD) vergangene Woche für Katerstimung an den Finanzmärkten gesorgt. Hohe Lagerbestände und der drohende Preisverfall lassen nun Analysten für das kommende Jahr einen kräftigen Abschwung in der Chipindustrie befürchten.

Zumindest in einem waren sich die Marktbeobachter einig: Der Auftakt in die aktuelle Berichtssaison, den Intel und AMD traditionsgemäß einläuten, war ein klassischer Fehlstart. Beide Halbleiterhersteller erzielten im zweiten Quartal zwar gute Ergebnisse und erfüllten ihre Prognosen, "schockierten" jedoch mit einem sehr durchwachsenen Ausblick. So kam Intel in seiner am 26. Juni abgeschlossenen Berichtsperiode auf einen Nettogewinn von 1,76 Milliarden Dollar, das entspricht einem Anstieg um 96 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (siehe Grafik "Intel: Eine Konstante in einer zyklischen Brance"). Die Einnahmen kletterten um 18 Prozent auf 8,05 Milliarden Dollar und lagen damit am unteren Ende der erwarteten Spanne zwischen 8,0 und 8,2 Milliarden Dollar. Ein kleiner Makel in der Bilanz war zudem die Bruttomarge, die mit 59,4 Prozent etwas niedriger als die vorhergesagten 60 bis 61 Prozent ausfiel.

Für schlechte Stimmung sorgte jedoch vor allem Chief Financial Officer (CFO) Andy Bryant, der die ursprünglich für das zweite Halbjahr in Aussicht gestellte Bruttomarge von rund 62 auf 60 Prozent reduzierte. Als Ursache nannte der Intel-Manager die Umstellung der Chipfertigung auf die effektivere 90-Nanometer-Technik. Durch die höhere Chipausbeute je Wafer seien die Lagerbestände in den vergangenen drei Monaten auf ein Rekordvolumen von 3,2 Milliarden Dollar angewachsen. Nun müsse man die Produktion neuer Prozessoren drosseln. Zudem sorge der wachsende Umsatzanteil von Speicherchips, die im Vergleich zu Prozessoren eine niedrigere Marge abwerfen, für eine geringere Rendite. Man hätte die Produktion "insgesamt vielleicht etwas früher zurückfahren sollen", gab Bryant in einer Telefonkonferenz mit Analysten unumwunden zu.

Ähnlich wie Intel sorgte vergangene Woche auch AMD mit einem sehr verhaltenen Ausblick für Unsicherheit an den Finanzmärkten. Weitere Prognosen seien angesichts der anhaltenden Unsicherheiten in Wirtschaft und Industrie "zur Zeit schwierig", hieß es beim Intel-Konkurrenten. In seinem am 27. Juni beendeten zweiten Fiskalquartal konnte das Unternehmen mit 1,26 Milliarden Dollar sogar einen neuen Rekordumsatz erzielen. Die Einnahmen lagen um 96 Prozent über denen der vergleichbaren Vorjahresperiode. Mit einem Nettogewinn in Höhe von 32 Millionen Dollar (im zweiten Quartal 2003 war noch ein Nettoverlust von 140 Millionen Dollar verbucht worden.

Trotz der eigentlich guten Zahlen beider Halbleiter-Protagonisten reagierte die Börse mit zum Teil deutlichen Kursabschlägen. Das Papier von AMD fiel im nachbörslichen Handel um zwei Prozent, die Intel-Aktie sackte zeitweise um mehr als zehn Prozent ab, Infineon und STMicroelectronics verloren knapp vier Prozent. Schon vor Bekanntgabe der jüngsten Intel- und AMD-Ergebnisse hatte Merrill Lynch den Chipsektor insgesamt heruntergestuft und der Branche für 2005 nur noch sechs Prozent Gewinnwachstum vorhergesagt. Bisher war die US-amerikanische Investmentbank kommendes Jahr von 16 Prozent Plus bei den Gewinnen der Halbleiterproduzenten ausgegangen. Immer mehr Experten befürchten nun, dass wieder einmal die Mechanismen des in der Chipindustrie hinlänglich bekannten "Schweinezyklus" greifen könnten - die Hersteller mit dem Bau neuer Fabriken und der Verbesserung ihrer Fertigungsabläufe über kurz oder lang ein Überangebot und damit einen Preisverfall auslösen könnten.

Einige Stimmen gehen sogar so weit und stellen den Aufschwung in der IT-Branche insgesamt in Frage. Die aktuellen Intel-Zahlen seien ein guter Anlass, sich mit der Vorstellung anzufreunden, dass die Neigung vieler Unternehmen, in ihre IT zu investieren, bereits wieder abnehme, hieß es.

Gartner rudert zurück

Insgesamt überwiegt jedoch die Einschätzung, dass es sich um eine "zyklische" Entwicklung in der Halbleiterindustrie handelt. Als kritischer Wendepunkt gelten jetzt das zweite oder dritte Quartal 2005; Gartner hatte ursprünglich erst für Mitte 2006 eine spürbare negative Trendumkehr in der Chipbranche prognostiziert. Was den Marktforschern vor allen Dingen Sorge macht, ist die Annahme, dass die PC-Nachfrage im kommenden Jahr deutlich unter den bisherigen Erwartungen bleiben könnte und dass dies durch den anhaltenden Boom bei Chips für Notebooks, Handys und Unterhaltungselektronik nicht aufgefangen werden kann. Laut Gartner-Analyst Andrew Norwood sei deshalb 2005 nur noch mit einem Wachstum der Branche von rund zehn Prozent auszugehen; bisher hatte Gartner 15 Prozent in Aussicht gestellt. (gh)

Abb: Intel: Konstant stark in einer zyklischen Branche

Trotz der Tatsache, dass Intel mit seinen Zahlen im Rahmen der Analystenerwartungen blieb, ist die Wallstreet unzufrieden. Die Prognosen des Prozessor-Marktführers für das zweite Halbjahr sind zurückhaltend. Quelle: Intel