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24.09.1993

Halbleiterwerk in Crolles eroeffnet SGS-Thomson sucht jetzt erneut engere Kooperation mit Siemens Von CW-Mitarbeiter Lorenz Winter

Der franzoesisch-italienische Halbleiterfabrikant SGS-Thomson hat jetzt offiziell sein neues Werk in Crolles bei Grenoble eroeffnet. Das Unternehmen strebt eine engere Zusammenarbeit mit anderen europaeischen DV-Herstellern an und hat dabei unter anderem Siemens im Visier.

Crolles fungiert gleichzeitig als Forschungs- und Entwicklungszentrum fuer neue Integrierte Schaltkreise, als Pilotfabrik sowie in der geplanten Ausbauphase auch als Fertigungslinie fuer Serienprodukte. Als zweite Anlage in der Europaeischen Gemeinschaft nach dem Werk von IBM in Corbeil bei Paris meistert das Zentrum die Herstellung von Acht-Zoll-Wafern und kommt dabei auf eine Aufloesung von 0,5 Mikron fuer ICs. Siemens beispielsweise fertigt in Regensburg lediglich Speicherprodukte mit gleich hohem Aufloesungsgrad.

Frankreich und Italien investierten ueber die jeweiligen nationalen Aktionaersfirmen von SGS-Thomson bisher etwa 200 Millionen Dollar in das Zentrum am Alpenrand. Es umfasst etwa 14 400 Quadratmeter Nutzflaeche auf 20 Hektar Werksgrund. Fuer die Errichtung der Fertigungslinie und kuenftige Erweiterungen sind nochmals 400 Millionen Dollar vorgesehen.

Im Rahmen eines mehrjaehrigen Forschungs- und Entwicklungsprogramms wird Crolles auch oeffentliche Betriebszuschuesse erhalten. Industrieminister Ge- rard Longuet begruendete die Notwendigkeit solcher Subventionen, die von Bruessel bereits gebilligt wurden, mit dem weiterhin vorhandenen technischen Rueckstand Europas in der Halbleitertechnik: "Der Alte Kontinent verbraucht 25 Prozent des weltweiten Angebots aller hergestellten elektronischen Komponenten, produziert aber nur zehn Prozent davon."

Vollstaendig wird sich dieser Rueckstand freilich kaum aufholen lassen - das demonstriert allein schon die Tatsache, dass auch in Crolles 80 Prozent der installierten Fertigungseinrichtungen aus Laendern ausserhalb der EG stammen.

Das Zentrum liefert Chips fuer die Mikroprozessoren und -controller von SGS-Thomson schon seit Anfang Juli dieses Jahres. Ihre Endmontage erfolgt in diversen Fabriken der Gruppe in Niedriglohnlaendern. Der jetzige Ausstoss betraegt etwa 2000 Wafer pro Monat. Bis Ende 1994 soll er auf 10000, bis Ende 1995 auf 20000 Stueck im Monat steigen.

Franzoesischer Minister plant Besuch bei Siemens

Der fuer den Geschaeftsbereich programmierbare Produkte (EPROM/EEPROM) zustaendige Vizepraesident der Gruppe, Philippe Geyres, haelt eine rasche Erhoehung der Produktion fuer dringend erforderlich. Denn der weltweite Halbleitermarkt, speziell auch fuer "embedded products" der Telekommunikation, Automobil-, Industrie- und Konsumgueter-Elektronik, waechst momentan jaehrlich um bis zu 30 Prozent. Geyres: "Es gibt also ausreichend zusaetzlichen Bedarf fuer Erzeugnisse aus der neuen Anlage."

Der SGS-Manager rechnet deshalb fuer den Rest dieses Jahres und fuer 1994 mit Umsatzzuwaechsen seiner Gruppe von mindestens 25 Prozent. Im ersten Quartal 1993 verkaufte sie mit 439 Millionen Dollar bereits um 28 Prozent mehr als im Vergleichsquartal 1992. Gleichzeitig wurden von Januar bis Maerz 24,4 Millionen Dollar Reingewinn erwirtschaftet. Fuer das zweite Quartal 1993 erwartet das Unternehmen einen Nettogewinn von "deutlich ueber 50 Millionen Dollar".

Setzt sich dieser Trend bis zum Jahresende fort, erfuellt sich damit gleichzeitig die Prognose des fuer strategische Planung zustaendigen Vizepraesidenten Piero Martinotti, wonach SGS-Thomson "endgueltig in eine Phase strukturell positiver Ergebnisse" eingetreten sei. Zuvor hatte das Unternehmen nach jahrelangen Verlusten erst 1992 wieder ein hauchduennes Plus von drei Millionen Dollar erreicht. Als Abschlussziele fuer 1993 galten bisher 1,9 Milliarden Dollar Umsatz (Vorjahr 1,6 Milliarden) und 100 Millionen Dollar Reinertrag.

Zur Nutzung von Crolles unterzeichnete SGS-Thomson bereits 1992 ein Partnerschaftsabkommen mit Philips, in dessen Rahmen die Niederlaender mittlerweile 20 eigene Entwicklungsfachleute in das Zentrum entsandten. Dort arbeiten darueber hinaus derzeit noch etwa 180 Forscher und Techniker der Gruppe sowie des zu France Telecom gehoerigen Entwicklungslabors CNET.

Seine Aktionaere ermunterten Pistorio jetzt zu weiteren Buendnissen mit Hersteller- und Abnehmerfirmen der Halbleiterindustrie Europas. Um dieser Aufforderung politischen Nachdruck zu verleihen, kuendigte Industrieminister Gerard Longuet in Grenoble fuer Ende September einen persoenlichen Besuch bei Siemens-Chairman Heinrich von Pierer an.