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22.09.1978 - 

Rechner in der Backstube:

Hamburger Konditor kalkuliert Rezepte mit Mikrocomputer

HAMBURG (sf) - Der Computer hält Einzug in die Backstube: Konditormeister Kurt Vernimb, Inhaber eines Café- und Konditoreibetriebes in der Hamburger Innenstadt, kalkuliert die Kosten seiner Waren mit Hilfe eines Mikrocomputers der Firma digitronic. Die entsprechende Basic-Software hat der vormalige EDV-Laie selbst "gebacken". Hier sein Erfahrungsbericht:

Früher gültige Regeln, als die Personalkosten noch zwischen 20 und 25 Prozent und der Wareneinsatz zwischen 45 und 50 Prozent lagen, können bei der Kalkulation nicht mehr zugrunde gelegt werden. Heute machen die Personalkosten 40 bis 42 Prozent aus und der Wareneinsatz beträgt 27 bis 30 Prozent. Einer der wichtigsten Faktoren ist also die Arbeitszeit. Außerdem unterliegen die Rohstoffpreise einer ständigen Schwankung. Erinnert sei in diesem Zusammenhang nur an den Kuvertürepreis (Schokolade), der innerhalb kurzer Zeit von 4 auf mehr als 10 Mark gestiegen ist.

Die Methode, einen permanent gespeicherten Rezeptvorrat durch veränderbare Rohstoffpreise quasi sich selbst kalkulieren zu lassen, war in den Grundzügen schon klar, es fehlte aber an einem Rechner, der in Relation zu seinen Kosten akzeptabel war.

Ich fand ihn nach längerem Suchen in Form eines Mikrocomputersystems bei der digitronic Computersysteme GmbH, Wedel/Holstein. Es erfüllt alle Anforderungen und ist durch geeignete Programme ohne Mehrkosten enorm erweiterbar. Der Preis von etwa 270 Mark monatlich ist nicht zu hoch, wenn man bedenkt, daß man bei richtigem Einsatz ein Mehrfaches einspart. Es fehlte allerdings die Software.

Das Programm zu erstellen war eine etwas heikle Angelegenheit, weil Programmieren (in Basic) etwas Neues für mich war. Ich bekam allerdings Hilfestellung von digitronic durch eine mehrtägige Basic-Einführung. Nach mehreren Wochen intensiver Arbeit stand das Programm. Jetzt sind mehr als 100 Rezepte gespeichert, und es kommen laufend neue hinzu.

Auf einer der Speicherdisketten haben rund 500 Rezepte und etwa 500 Rohstoffe Platz. Man muß dabei bedenken, daß viele Rezepte für Halbfabrikate (Mürbteig, Wiener Böden, Butterkrem etc.) wieder in die Rohstoffliste eingetragen werden, um damit weiter kalkulieren zu können. Sehr wichtig ist, daß der Mikrocomputer mit Disketten arbeitet, weil hier die Zugriffszeit nur Bruchteile von Sekunden beträgt. Die Kalkulation eines Rezeptes dauert etwa acht Sekunden. Bei Geräten mit Bandkassetten würde die Kalkulation je nach Bandlänge bis zu zwei Stunden dauern.

Die Rezepte werden derart eingegeben, daß auch die Arbeitszeit als Stunden oder Bruchteile von Stunden aufgeführt wird. Die Arbeitsstunde, errechnet aus sämtlichen Backstubenkosten, dividiert durch die tatsächlich geleisteten produktiven Stunden, muß natürlich auch in die Rohstoffliste eingetragen werden.