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29.07.1994

Handfeste Beweise fuer kuenftige Kommunikationsmoeglichkeiten

Hendrik Meijer

Direktor Marketing Unisys Deutschland

Keine Experimente" lautete jahrelang die Devise vieler DV-Leiter. DV-Spezialisten verstehen, warum. In den zentralistisch wohlgeordneten DV-Strukturen konnten Experimente gravierende Folgen haben. Trotz dieser mangelnden Flexibilitaet geraten heute einige Experten ins Schwaermen, wenn sie an die Vorzuege dieser geschlossenen DV-Systeme denken. Massendatenverarbeitung bei extrem hohen Uebertragungsraten, hohe Sicherheit und mehr als 99prozentige Verfuegbarkeit waren die Vorzuege der proprietaeren Grossrechner in der frueheren "heilen DV-Welt". Sie sind es noch heute. Doch reichen diese Staerken nicht mehr aus. Zwar lautet die neue Devise "Offenheit", doch stellt diese sich in der Praxis oft anders dar, als manche Anwender annehmen. Offenheit erweist sich selbst in der Technik als ein relativer Begriff. Dennoch laesst sich der Wechsel von einer sogenannten offenen Hardwareplattform auf eine andere jetzt einfach realisieren. Aber letztlich verlagert sich die bisherige Hardware-Abhaengigkeit nun auf die Software. Wegen der notwendigen Anpassungen an individuelle Anforderungen gilt das selbst fuer Standardsoftware. Was haben die Kunden gewonnen?

Eine gewisse Abhaengigkeit ist in allen Bereichen von Politik und Wirtschaft schon immer gegeben und deshalb fuer Praktiker mehr ein philosophisches Thema. Gegenseitiges Vertrauen war die eigentliche Geschaeftsbasis, und dem wird auch weiterhin so sein. Warum also das Getoese vom Wandel und ueber Offenheit, wenn im Prinzip alles beim alten zu bleiben scheint? Es bleibt nicht alles beim alten. Im Gegenteil, der Wandel, in dem sich die DV-Welt befindet, verlaeuft geradezu dramatisch und ist durchaus vergleichbar mit dem politischen Wandel, wie ihn zum Beispiel die Wahl von Nelson Mandela zum ersten schwarzen Praesidenten der Republik Suedafrika oder die gegenseitige Anerkennung von Israel und der PLO in juengster Zeit verdeutlichen.

Dass es in der IT-Branche um mehr geht als um traditionelle Konzern-Umstrukturierungen, zeigen die Massnahmen, die bei Digital Equipment und der IBM durchgefuehrt werden, oder die Uebernahmeschlachten zwischen Mediengiganten und Telefonriesen oder auch unser erfolgreicher Turnaround vom Hersteller proprietaerer Systeme zum Dienstleistungskonzern fuer Informationstechnologie und Protagonisten von offenen Systemen.

Die strategischen Allianzen zwischen frueheren "Feinden" wie Russland und den USA in der Politik, IBM und Apple in der Wirtschaft, sind deutliche Zeichen dafuer, dass sich in beiden Bereichen wirklich ungeheure Veraenderungen vollziehen. Dabei stehen wir erst am Anfang. Jetzt koennten Sie sagen, das klingt alles schoen und schon deshalb richtig, weil es so allgemein und abstrakt gefasst ist wie ein Horoskop. Was bringt mir der Frieden zwischen den USA und Russland, Israel und der PLO, was strategische Allianzen in der DV-Industrie?

Der Frieden USA/Russland ebenso wie die strategischen Allianzen sind nicht allein symbolisch zu verstehen. Sie sind handfeste Beweise fuer die beginnende Oeffnung von zuvor geschlossenen, voneinander getrennten Welten und die damit verbundenen kuenftigen Kommunikations-moeglichkeiten. In der DV-Industrie ist diese zunehmende Offenheit fuer Kunden und Anbieter eine voellig neue Ausgangslage.

Die Kunden muessen ihre Organisationsstrukturen nicht mehr an den DV-Vorgaben ausrichten. Im Gegenteil, die DV muss flexibel die Anforderungen einer Unternehmensorganisation erfuellen. Die Standardantworten auf Anwenderfragen "Das geht nicht" oder "Keine Experimente" sind aus dem Vokabular gestrichen.

Nicht mehr die einzelne Hardwarebox steht im Vordergrund, sondern die Funktionalitaet, die eine Loesung bietet. Dazu zaehlen insbesondere die Integrations- und Kommunikationsmoeglichkeiten zwischen unterschiedlichen Systemen, Interoperabilitaet und Portabilitaet. Diese Vorteile sind unter Offenheit und Unabhaengigkeit zu verstehen.

Den Unternehmen, deren DV immer noch zentralistisch orientiert ist, stehen radikale Veraenderungen der bislang starren Organisationsstrukturen bevor. Die hierzu erforderlichen IT- Loesungen lassen sich nur noch gemeinsam von Kunden und Anbietern erarbeiten. Es geht um die objektiv technisch besten und wirtschaftlichsten Installationen. Nicht der Preis eines einzelnen PCs oder irgendeiner anderen Komponente entscheidet, sondern der Nutzen, den die Gesamtloesung bringt. In der Praxis sind daher Generalanbieter gefragt, die auch die Verantwortung fuer Fremdsysteme und -leistungen uebernehmen.