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19.02.1982

Handgestrickt immer noch beliebter als fremdgestrickt

Die Forderungen der Fachabteilung nach neuen Anwendungen werden auch in "Sparzeiten" nicht zurückgestellt. Obwohl die kommerziellen Programmierbüros nach wie vor überzeugt sind, daß sich die Unternehmen auf dem Markt verstärkt an Standard-Software orientieren, stricken viele DV-Anwender ihre Programme nach wie vor selbst. Viele Benutzer werden zur Eigenproduktion gezwungen, weil der Markt keine Lösung für ihre Probleme anbietet. DV-Leiter Josef Fromme begründet seine Programmierfreudigkeit indes mit einer menschlichen Komponente: "Wir stricken Programme für Leute, die wir gut kennen. Bei einem Softwarehaus ist der Auftraggeber nur einer von vielen." Die derzeitige Situation kann indes nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich Standardsoftware durchsetzen wird.

Klaus Borgmann DV-Leiter, Essen (Nixdorf 8870)

Die Frage, ob Software bei uns gestrickt oder gekauft wird, entscheiden wir je nach Anwendungsbereich und Projektgröße. Sofern es sich um eine übliche Lösung aus Rechnungswesen, Lohn und Gehalt oder ähnlichen standardisierten Bereichen handelt, werden wir immer versuchen, eine Lösung zu kaufen. Voraussetzung ist, daß es sich um eine Standardvision handelt, die gut am Markt eingeführt ist. Sollte sich aber herausstellen, daß diese Standardlösungen in dem Anpassungsaufwand auf eventuell notwendig, werdende individuelle Vorstellungen zu groß ist und dieser Aufwand in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen steht, werden wir eine Individuallösung wählen.

Es ist uns passiert, daß wir eine Standardlösung gekauft haben, diese auf unsere individuellen Bedürfnisse hin abänderten, was mit relativ hohen Kosten verbunden war und mit dem Ergebnis nicht so ganz glücklich waren. Dabei spielten die schwierige Wartung der Programme, die umständliche Handhabung und letztlich auch das nicht befriedigende Laufzeitverhalten eine Rolle. Es wäre besser gewesen, das ganze Programm von Anfang an neu zu konzipieren.

Wir entwickeln für fast alle Bereiche unseres Unternehmens die Software selber, abgesehen von den zuvor gekannten Bereichen, weil es draußen am Markt sehr schwierig ist, Lösungen zu finden, die unsere individuellen Vorstellungen vonständig abdecken. Speziell für den Textileinzelhandel bietet der Markt noch recht wenig an. Dadurch sind wir gezwungen, selbst zu konzipieren und die Programme in die Tat umzusetzen. Wenn wir feststellen, daß die durchzuführenden Projekte zu schwierig für uns sind, wie beispielweise Datenbanken, oder die Projektgröße von uns selbst nicht bewerkstelligt werden kann, ziehen wir ein Softwarebüro hinzu. Es kommt nur in absoluten Ausnahmefällen vor, daß wir dem Wunsch der Fachabteilungen nach neuen DV-Abwicklungen nicht kurzfristig nachkommen.

Wenn die Fachabteilung deutlich macht, daß die gewünschte Lösung die Abläufe beschleunigt und sie dadurch rationeller werden, könnte dies bedeuten, daß wir gegebenenfalls andere Projekte in Absprache mit der betroffenen Abteilung etwas zurückstellen. Sollte es aber auf keinen Fall möglich sein, andere Projekte aufzuschieben, erwägen wir, einen freien Mitarbeiter für einen gewissen Zeitraum anzuheuern. Wir haben hier recht positive Erfahrungen gesammelt, sowohl kosten- als auch terminmäßig. Das ist nur durchführbar, wenn die Projektgröße nicht mehrere Mannmonate übersteigt, das heißt, wenn das Projekt wirklich überschaubar ist.

Die Entscheidung, wo Prioritäten gesetzt werden beziehungsweise, ob ein freier Mitarbeiter eingestellt wird, liegt bei der Unternehmensleitung. Wir befinden uns derzeit in der glücklichen Lage, einen Stand erreicht zu haben, der kontinuierliche Arbeit zuläßt und uns vom Termindruck befreit. Aber wenn das Problem neuer Software auf uns zukommt, werden wir nicht von unseren Programmierern verlangen, daß sie anstatt acht jetzt sechzehn Stunden arbeiten. Dann realisieren wir das neue Projekt mit einem zusätzlichen freien Mitarbeiter.

Unsere glückliche Lage kann sich gegebenenfalls bald ändern, da wir an eine Hardwareumstellung auf eine Nixdorf 8890 denken. Je nach Umstellungszeitraum werden wir wie beschrieben vorgehen.

Dietmar Hopp Geschäftsführer, SAP-GmbH, Walldorf

Unser Software-Unternehmen beschäftigt sich ausschließlich mit der Entwicklung und Vermarktung von Standard-Anwender-Software für den kommerziellen Bereich. Für diesen Softwarezweig erwarten wir für die Zukunft einen steigenden Bedarf. Das Problem "neue Software" wird wohl nur in den seltensten Fällen - und dann sicherlich als letzter Ausweg - mit dem Rotstift beantwortet werden. Dabei wird die Entscheidung nach unserer Meinung mit steigender Tendenz für den Einsatz der am Markt angebotenen Standardprodukte fallen.

Erklärungen gibt es dafür viele. Sicher ist der angesprochene Softwarebereich weniger von der augenblicklichen konjunkturellen Lage abhängig. Investitionen im DV-Bereich liegen heute in der langfristigen Unternehmensplanung und sind somit relativ unabhängig vom aktuellen Ertrag einer Unternehmung.

Stimulanz wird aber gerade aus der augenblicklichen konjunkturellen Lage hergeleitet. Hier zeigt sich das vielzitierte antizyklische Verhalten, das in anderen Bereichen so regelmäßig versagt. Es sieht eben anders aus, wenn es um die Betrachtung der Kosten geht und somit die Unternehmen in Zugzwang geraten. Wo auf der Erlösseite kein Spielraum bleibt, werden die Kosten traditionsgernäß einer strengen Kontrolle unterzogen: Die Zauberformel heißt "Rationalisieren".

Nun ist in der industriellen Fertigung ein Rationalisierungsgrad erreicht, der wohl allenfalls nur noch von den Japanern übertroffen wird. Um so mehr wird deshalb im soge nannten administrativen Bereich - in der Verwaltung - der Rotstift angesetzt und dabei sind Software-Systeme Rationalisierungsträger.

Nicht gern wird in Zeiten der Arbeitslosigkeit von Personaleinsparungen gesprochen, obgleich hier der optische Effekt am schnellsten erzielbar ist. Weit mehr wird aber durch den Einsatz von Realtime-Systemen die Transparenz und damit die Aussagefähigkeit der erfaßten und gespeicherten Informationen zum positiven Ergebnis der Unternehmensverwaltung beitragen. Als Beispiel sollen hier nur die Daten des Verkaufs mit der zeitgerechten Kreditkontrolle und einer Zahlungsverhaltensanalyse und dazu eine optimale Lagerhaltung angesprochen werden, die sich alle in ihrer Essenz zu den oftzitierten Management-Informationen verdichten.

Allgemein zeigt sich aber in der Wirtschaft ein zunehmender Trend zum Einsatz von Standard-Software.

Hat noch bisher der Anwender in Heimarbeit seine Probleme mit eigenen Kräften in angemessenen Zeiträumen als Einzellösungen realisieren können, so haben neue Techniken und vor allem der sogenannte Dialogverkehr mit dem Computer die EDV-Landschaft entscheidend verändert.

Im ursprünglichen Stapel-Betrieb konnten Lösungen noch von kleinen Teams und mit geringeren Kosten erarbeitet werden. Heute spricht man bei der Entwicklung von "...zig Mannjahren" und setzt dafür im Firmenetat Positionen in Millionenhöhe ein. Das hat dazu geführt, daß bei den Verantwortlichen ein Denken angeregt wurde, nach anderen Lösungen zu suchen.

War lange Zeit noch jeder bestrebt und geradezu stolz darauf, alles selbst zu machen, so sehen sich die Firmen jetzt verstärkt auf dem Markt nach Standardsoftware um. Kosten und Risiko sollen somit möglichst auf eine breite Basis auf die Basis vieler Anwender, verteiltwerden.

Gefestigt hat sich auch die Bereitschaft der Benutzer, Standard-Software wirklich als Standard einzusetzen. Nachdem hier die Anwender ihre ersten Erfahrungen - und zum Teil schmerzliche - hinter sich haben, wird nun bereits in der Auswahlphase besonders sorgfältig vorgegangen. Neben den Kosten für Kauf oder Miete soll nicht noch unübersehbarer Aufwand für die Einführung anfallen. Auch an den späteren Wartungsaufwand beim Einsatz einer neuen weiterentwickelten Version wird dabei gedacht.

Die Nachfrage nach Standard-Software wird zusätzlich von Interessenten belebt, die wohl durch das Angebot kostengünstiger Hardware in die Lage versetzt werden, anspruchsvolle Anwendungen einzusetzen, aber personell nicht auf deren eigene Verwirklichung ausgerichtet sind. Hier ist aber wieder ein spezieller Typ von Standard-Software gefragt: die vorgenerierten, sofort einsetzbaren Systeme, die allein durch organisatorische Maßnahmen in dem Betrieb des Benutzers eingeführt werden können.

Horst Gießler DV-Leiter, Bruderhilfe Kassel, Kassel (Honeywell Bull 64 DPS)

In unserem Haus werden neue Softwareprogramme selbst konzipiert. Ein Unternehmensberater, der schon seit Jahren mit uns zusammenarbeitet, hilft uns dabei. Dieser Berater hat die gesamten organisatorischen Arbeiten durchgeführt und wirkt auch weiterhin bei Planungsarbeiten mit.

Beim Einsatz eines externen und somit "nicht befangenen" Mitarbeiters erweist es sich als positiv, daß die sogenannte Betriebsblindheit von vorneherein auf ein Minimum beschränkt wird. Dabel stellte sich heraus, daß es für uns wesentlich günstiger ist, die Programmierarbeiten nicht außer Haus zu geben.

Wir arbeiten mit Mitarbeitern, die entsprechendes Fachwissen besitzen, meistens sogar Versicherungskaufleute sind und die in die Programmierung hineingewachsen sind. Früher wurde in Erwägung gezogen, Programme zu kaufen aber es erwies sich als zu problematisch. Der Aufwand war größer als bei Eigenprogrammierung.

Der Hauptgrund, warum wir keine Programme kaufen, ist unsere eigene Beweglichkeit. Wir können schneller auf die Wünsche der Fachabteilung reagieren. Allerdings muß hierbei berücksichtigt werden, daß wir mit 120 Mitarbeitern kein großes Unternehmen sind.

Unser Verhältnis zu den Fachabteilungen ist gut und dadurch, daß wir ihre Anforderungen erfüllen, wird es sogar noch gefestigt. Bei uns werden auch nicht die Wünsche der Fachabteilung eingefroren, sondern wir besprechen gemeinsam, welche Projekte vorrangig zu behandeln sind.

Josef Fromme DV-Leiter Hesse GmbH (Lacke und Farben), Hamm (Nixdorf 8890)

Unsere Schwerpunkte im Computereinsatz liegen bei der Auftrigserfassung und -bearbeitung im Dialog, der vollautomatischen Datenweitergabe für die Produktion einschließlich Ausgabe der Produktionsunterlagen, Warenauszeichnungsetiketten und Tourenlisten. Es ist jederzeit möglich, Informationen über den Auftragseingang und Fertigungsstand sowie alle statistischen Unterlagen zu erhalten. Das Prinzip der Einmal-Erfassung von benötigten Daten wird strikt eingehalten, alle Bildschirmprogramme sind im echten Dialog geschrieben.

Wir sind mittlerweile für unseren 24-Stunden-Service in der Branche bekannt. Warum soll ein lebendes "Programmpaket" von seiner "Mutter" getrennt werden? Warum soll ein Vermittler für jedes Gespräch mit einem Softwarehaus, das beispielsweise in Hamburg Frankfurt oder München sitzt telefonieren beziehungsweise mit dem Zug, Auto oder Flugzeug unterwegs sein? Warum soll alles mindestens zweimal durchgesprochen werden, bis bei beiden Parteien auch dasselbe gemeint ist. Nicht zu vergessen sind die Änderungswünsche oder plötzlich auftretenden Fehler, die im eigenen Haus in 15 bis 30 Minuten erledigt werden können.

Die EDV im Hause wächst und lebt mit der Organisation. Wir arbeiten acht Stunden pro Tag in der Firma mit den Menschen, für die wir die Organisationsprogramme schreiben.

Wir stricken Programme für Menschen im eigenen Unternehmen, die wir gut kennen. Ein Softwarehaus schreibt indessen nur für eine anonyme Firma. Selbst wenn sorgfältige Studien und Analysen von Fremdprogrammierern durchgeführt werden, bleibt der Auftraggeber doch nur einer von vielen, die gleichzeitig bedient werden; meistens sogar noch unter Zeitdruck. Schließlich waren schon einmal sämtliche 08/15-Programmierer Organisatoren und totgesagt. Die Parole hieß damals; Es lebe die Standardisierung. Aber die Totgesagten leben trotz allem noch immer. Allerdings haben auch wir bei der Finanz-, Lohn- und Gehaltsbuchhaltung eine Standardversion eingesetzt.

Wenn unsere Fachabteilungen mit Forderungen an uns herantreten, werden diese auf keinen Fall eingefroren. Sie werden auch nicht auf die Warteliste geschoben. Die DV-Abteilung wird von der Geschäftsleitung unterstützt. unser Verhältnis zu den Fachabteilungen ist gut. Wir haben von daher keine Probleme.