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11.09.1998 - 

Die Zahl verfügbarer Anwendungen steigt

Handheld-PCs etablieren sich in der Unternehmens-DV

11.09.1998

Noch vor einem Jahr wurden die Kleincomputer als Spielzeug für Technik-Freaks abgetan. Mit der wachsenden Zahl verfügbarer Software und Verbesserungen bei den Displays und Eingabemöglichkeiten haben sich die Rechner zu Massenprodukten entwickelt, die zunehmend auch unternehmensweite Anwendungen unterstützen. Die Möglichkeit, Daten über das Internet auszutauschen, hat die Popularität der Handhelds weiter erhöht. Die Analysten von IDC prophezeien den je nach Markteinteilung auch als Personal Digital Assistants (PDAs) oder Palm-PCs bezeichneten Minis eine goldene Zukunft: Der weltweite Absatz von Handheld-PCs werde von drei Millionen Stück 1997 auf über 13 Millionen Stück im Jahr 2001 steigen (siehe Grafik). Allein für das laufende Jahr rechnet IDC mit einem Zuwachs von 60 Prozent. Ähnlich hohe Wachstumsraten erwarten Marktforschungsunternehmen wie Dataquest oder In-Stat.

Als Marktführer unter den Minis gilt der unter der Bezeichnung "Palm Pilot" bekannt gewordene Rechner der Firma U.S. Robotics, die im Juni 1997 von 3Com übernommen wurde. Mehr als 1,4 Millionen der Kleinrechner sind nach Erhebungen der Gartner Group weltweit im Einsatz. Einer Dataquest-Studie zufolge entfielen 1997 etwa 63 Prozent aller abgesetzten Handhelds auf das 3Com-Produkt, das nach einem Urheberrechtsstreit nur noch den Namen "Palm" trägt. Damit konnte sich das System zunächst erfolgreich gegen die "Windows-CE"-Konkurrenz behaupten, die auf insgesamt 26 Prozent Marktanteil kam.

Die Aufteilung in Windows-CE-Rechner und Geräte, die auf dem 3Com-Betriebssystem "Palm OS" aufsetzen, markiert zwei heftig konkurrierende Lager in der PDA-Szene. Zwischen die Mühlen dieser Giganten, zu denen auch die IBM mit einer OEM-Version der Palm-Rechner zählt, ist der britischer Anbieter Psion geraten, eigentlich Pionier in Sachen Organizer und Handheld-PC. Die Psion-Rechner arbeiten mit dem herstellereigenen Betriebssystem "Epoc", das keine Windows-Anwendungen verarbeiten kann. Nach Ansicht von Analysten bekommen die Briten insbesondere den Druck von Anbietern Windows-CE-basierter Systeme zu spüren. Bis vor kurzem deutete vieles darauf hin, daß die Gates-Company nun auch im Segment der Handhelds Anbieter alternativer Plattformen überrollen würde.

Inzwischen haben die Briten zum Gegenschlag ausgeholt. Gemeinsam mit den Mobilfunkkonzernen Ericsson, Nokia und Motorola schmiedete der Hersteller eine Allianz mit dem Namen Symbian.

Ehrgeiziges Ziel des neuen Unternehmens ist es, das Betriebssystem Epoc zum Industriestandard für eine neue Generation von Kleinrechnern zu erheben, die die Eigenschaften von Palm-Computern mit denen von Mobiltelefonen zu sogenannten "Smartphones" verbinden soll. Die Mobilfunkanbieter entschieden sich dabei offenbar bewußt gegen Windows CE. "Wir wollen nicht zu reinen Boxenschiebern für Microsoft werden", ließ sich der Direktor eines Mobilfunkherstellers in der "Financial Times" zitieren. Der niederländische Philips-Konzern hatte bereits 1997 das Psion-Betriebssystem "Epoc 32" für sein Smartphone-Produkt "Synergy" lizenziert.

Das Angebot an PDAs und Handheld-PCs ist in den vergangenen zwölf Monaten geradezu explodiert. Neben den etablierten Systemen von 3Com mit der "Palm"-Linie und Psions "Serie 3" und "Serie 5" können Anwender unter einer großen Palette Windows-CE-basierter Rechner wählen. Zu den Anbietern zählen unter anderem Casio, Sharp, Philips, Compaq, HP und LG Electronics. Apple dagegen bietet seine auf dem "Newton"-Betriebssystem basierenden PDAs "Message Pad" und "Emate" nicht mehr an.

Das Marktpotential der Handhelds hat längst auch das Interesse der Software-Industrie geweckt. Wurden die Kleinrechner anfangs im Wortsinne als "Organizer" genutzt, um etwa Telefonnummern und Termine zu speichern, so können Benutzer heute auf ein breites Anwendungsspektrum zurückgreifen, das von der komfortablen Textverarbeitung über Präsentationsprogramme bis hin zu Web-Browsern und E-Mail-Funktionen reicht. Darüber hinaus arbeitet eine ganze Schar von Softwareherstellern daran, die Mini-PCs für die Einbindung in die Unternehmens-DV fit zu machen. Beispiele dafür liefern Oracle und Sybase, die mit "Personal Oracle Lite" und "Adaptive Server Anywhere" abgespeckte Versionen ihrer Datenbanksysteme für den Einsatz unter Windows CE anbieten.

Oracles Datenbanksoftware soll zudem auch unter dem Palm OS arbeiten. Mit dem Programm erhalten Handheld-Benutzer über eine Internet-Verbindung Zugriff auf "Oracle-8"-Applikationen. Datenbankinhalte lassen sich offline bearbeiten; die Daten werden bei der Verbindung mit dem Server automatisch abgeglichen. Rüdiger Spies, Analyst beim Marktforschungsinstitut Meta Group, glaubt, daß sämtliche Datenbankprodukte, die mobil einsetzbar sind, schon bald unter Windows CE zur Verfügung stehen werden.

Neben dem Datenbankzugriff ist auch die Verbindung der Handhelds mit betriebswirtschaftlichen Standardpaketen wie SAPs R/3 keine Utopie mehr. So kooperiert etwa 3Com mit Symbol Technologies und der Abaco International Group, um über Palm-Geräte via Internet auf R/3-Anwendungen zugreifen zu können. Hewlett-Packard hat gemeinsam mit der Unternehmensberatung KPMG ein Remote-Access-System entwickelt, das den Zugriff auf R/3 über die Windows-CE-basierten HP-Palmtops "320", "360" und "620 LX" ermöglicht.

Beim professionellen Einsatz von Handheld-PCs in größeren Organisationen spielen wie so oft die Vereinigten Staaten eine Vorreiterrolle. So rüstete beispielsweise die Stadtverwaltung von Palo Alto in Kalifornien ihre Helpdesk-Mannschaft mit Palm-Rechnern von 3Com aus. Bei der Betreuung der rund 1300 Computerarbeitsplätze benutzen die Supportmitarbeiter die Handhelds zur Protokollierung von Anwenderproblemen und deren Lösung. Das aufwendige Schreiben von Berichten auf Papier entfällt damit. Ein weiteres prominentes Beispiel aus den USA liefert die Online-Metzgerei Peabod. Mit Hilfe eines Barcode-Lesegerätes auf Basis der Palm-Technik scannen Angestellte dort Lagerbestände, erzeugen automatisch elektronische Einkaufslisten und erstellen Auftragsformulare. Ähnliche Anwendungen sind in den Bereichen Gesundheitswesen, Transport und Logistik zu erwarten.

In Deutschland zählte die britische Firma Psion zu den ersten Anbietern, die Handhelds in größerem Umfang an Unternehmen verkaufen konnte. So setzt beispielsweise die Osnabrücker Spedition Hellmann Psion-Rechner vom Typ "Workabout" zur Erfassung und Kontrolle von Tourendaten ein. Die Fahrer übermitteln via Handheld und Funkverbindung laufend Informationen zum Stand der Warenauslieferungen. Vertriebsmitarbeiter bei Händlern der Ingolstädter Audi AG setzen Psion-Rechner bei der Kundenberatung ein. Ausstattungstabellen, Preislisten oder Finanzierungsdaten, die zuvor auf PCs vorgehalten wurden, rufen die Verkäufer während eines Beratungsgesprächs von den Kleinrechnern ab.

Die Konkurrenz aus dem Windows-CE-Lager holt allerdings auf. Im Segment der CE-basierten Rechner nahm Hewlett-Packard laut Dataquest mit einem Anteil von 43 Prozent nach weltweit ausgelieferten Systemen 1997 die Führungsrolle ein. "Wir sind mit unseren 620er Handhelds erst seit Januar 1998 auf dem Markt", berichtet Horst Hildenbrand, Vertriebsmanager Palmtops und Handhelds bei HP. Es gebe aber schon etliche Projekte, in denen die Kleinrechner bei Kunden eingesetzt werden. So benutzt etwa Mercedes die Handhelds in der Entwicklung. Audi teste derzeit den Einsatz von HP-Handhelds für Mitarbeiter in der Entwicklungsabteilung. Auch im Finanzsektor sieht Hildenbrand ein lukratives Marktsegment. Das Dresdner Softwarehaus Schneider Datentechnik portiert derzeit eine Homebanking-Anwendung, die bislang nur für die Psion-Plattform zur Verfügung stand, auf Windows CE. Kunden könnten für einen Betrag von 40 bis 50 Mark pro Monat einen Handheld-PC leasen und damit ihre Bankgeschäfte unterwegs abwickeln, so Hildenbrand.

Handheld-Support kann teuer werden

Für die IT-Abteilungen größerer Unternehmen wird das Leben mit dem Vordringen der Minirechner nicht leichter. Die technische Betreuung unterschiedlicher Handheld-Typen, die Anwender häufig auch privat erwerben, kann die Betriebskosten in die Höhe treiben, warnen Analysten. Über das Internet können Benutzer schon jetzt Hunderte von Anwendungen auf die Kleincomputer laden - ein Alptraum für Supportverantwortliche. Noch ernstere Gefahren drohen, wenn Mitarbeiter Paßwörter und andere kritische Informationen auf den Handhelds speichern. Bei Verlust oder Diebstahl der Kleinrechner sind die Schäden kaum abzusehen.

Norbert Kriebel vom US-Marktforschungsunternehmen Giga Information Group weist auf die hohen Aufwendungen hin, die mit dem Einsatz der Minis verbunden sind. Um die Kosten niedrig zu halten, empfiehlt er IT-Verantwortlichen, verbindliche Richtlinien für die Beschaffung und Nutzung der Handhelds zu entwickeln. Der effizienteste Weg, einen Wildwuchs an Minirechnern zu verhindern, liegt nach Meinung der Giga-Experten in der Standardisierung auf eine Handheld-Plattform. Dabei kämen auf lange Sicht nur zwei Systeme in Frage: 3Coms Palm-OS und Windows CE.