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14.04.2000 - 

Dataquest-Studie: Nokia wird zunächst die Nummer eins bleiben

Handy-Boom freut die Hersteller

MÜNCHEN (CW) - Neben Weltmarktführer Nokia profitierten auch die meisten anderen Hersteller von Mobiltelefonen im vergangenen Jahr vom Handy-Boom - trotz sinkender Margen. Das Geschäft der einschlägigen Anbieter wird sich nach einer Studie von Dataquest auch weiterhin durch überdurchschnittliche Wachstumsraten auszeichnen. Zu Marktverschiebungen dürfte es kaum kommen.

Der weltweite Handy-Markt boomt und ein Ende dieser Erfolgsgeschichte scheint so bald nicht abzusehen. So stiegen 1999 die Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr um 65 Prozent an - 283 Millionen Handys gingen weltweit über die Ladentische. Analysten des US-Marktforschungsunternehmens Dataquest erwarten ein weiteres kräftiges Wachstum um 45 Prozent bis zum Ende 2000. Nicht zuletzt wegen der Markteinführung Web-fähiger Handys dürften damit dieses Jahr rund 410 Millionen Mobiltelefone verkauft werden.

Neben Nokia glänzte nur noch SamsungLaut Dataquest hat der finnische Handy-Hersteller Nokia seinen Vorsprung als weltweite Nummer eins mit einem Marktanteil von 26,9 (1998: 22,5) Prozent noch ausgebaut (siehe Abbildung Seite 56). Neben Nokia verbesserte nur die koreanische Samsung Electronics ihre Marktposition. Sie verzeichnet für 1999 ein Absatzplus von 276 Prozent und erweiterte damit ihren Marktanteil von 2,7 auf 6,2 Prozent. Sowohl der US-Konzern Motorola als auch der schwedische TK-Riese Ericsson verloren trotz höherer Umsatzzahlen in einem allgemein wachsenden Markt an Anteilen und müssen sich für 1999 mit 16,9 beziehungsweise 10,5 Prozent des Marktes zufrieden geben.

Alcatel und andere haben noch NachholbedarfZwar sind mit Siemens und Alcatel zwei der prominenten europäischen Hersteller nicht unter den ersten vier Anbietern weltweit, doch auch sie haben im letzten Jahr vergleichsweise gut abgeschnitten. Die beiden Elektronik-Giganten sind in ihren Heimatmärkten gut platziert: Siemens in Deutschland und Alcatel in Frankreich und in südeuropäischen Ländern. Bisher ist es den beiden jedoch nicht gelungen, ihre Reichweite nach Amerika oder Südostasien auszudehnen, wo wiederum Nokia eine starke Position hat, meinen die Auguren.

Doch was macht Nokia zur unangefochtenen Nummer eins, die ihrem nächsten Rivalen mit einem um rund zehn Prozent größeren Marktanteil mehr als nur eine Nasenlänge voraus ist? Peter Richardson, Analyst bei Dataquest, glaubt, dass Nokia besser als seine Wettbewerber Produkte auf spezifische Marktsegmente beziehungsweise Kundenprofile zuschneidet. Das Design der Telefone treffe den Zeitgeist, das Produktportfolio habe eine gewisse Konsistenz, und wenn man bei Nokia anruft, dann spüre man, dass es eine einheitliche Identifikation mit dem Produkt gibt. "Die Marke ist die Basis für alles, was Nokia tut", meint Richardson.

Zum Star der Branche wird man natürlich nicht über Nacht. Nokia-Chef Jorma Ollila arbeitet Insidern zufolge seit 1992 daran, das Handy-Segment des finnischen Mischkonzerns kontinuierlich und erfolgsorientiert auszubauen.

Setzte das Unternehmen noch vor zehn Jahren lediglich 3,92 Milliarden Euro um, davon zehn Prozent mit Mobiltelefonen, machten die Handys 1999 bei einem Gesamtumsatz von 19,77 Millarden Euro bereits zwei Drittel aus. Der Erfolg der konzerninternen Umstrukturierung lässt sich auch noch anders messen: Allein in den Jahren 1993 bis Ende 1999 stieg der Kurs der Nokia-Aktie um 16000 Prozent.

Wer erst einmal im Markt so dominant ist, profitiert natürlich auch von den besseren Gewinnmargen. Laut eigenen Angaben liegt Nokias Umsatzrendite derzeit bei 23,5 Prozent, wohingegen sich der schwedische Konkurrent Ericsson mit deutlich niedrigeren 5,6 Prozent zufrieden geben muss. Und als im vergangenen Jahr die gestiegene Nachfrage nach Handys eine Komponentenknappheit zur Folge hatte, bekam der Marktführer das am wenigsten zu spüren, denn die Chip-Produzenten kümmerten sich zunächst um den größten Hersteller. Das macht(e) es für die Finnen einfacher, schnell mit neuen Produkten auf den Markt zu kommen.

Ohne Frage hat der finnische Konzern mit einer Wachstumsrate von 98 Prozent bei Mobiltelefonen überdurchschnittlich zugelegt. Samsung hat vom Wachstum der CDMA-Märkte in Amerika und Korea profitiert - sich aber auch in den GSM-Märkten Europa und Asien behauptet, was die Stärke dieses Unternehmens und sein Potenzial, künftig im Mobilfunk eine größere Rolle zu spielen. Dies wird Nokia während der nächsten drei bis vier Jahre zwar nicht von seinem Gewinnerpodest stürzen können, doch der Abstand zur Konkurrenz wird kleiner werden, sagt Richardson voraus. Neben Samsung will beispielsweise auch der japanische Sony-Konzern im Handy-Markt stärker mitmischen.

Verkauft wurden die meisten Handys im vergangenen Jahr in Europa, gefolgt von Südostasien und den USA auf dem dritten Platz. Das größte Wachstum der Absatzzahlen um 103 Prozent brachte jedoch der lateinamerikanische Markt hervor. In Europa nahmen die Verkäufe um 70, in Nordamerika und Asien um 60 beziehungsweise 50 Prozent zu.

Bisher hat Nokia-Chef Ollila mit seinem Gespür für technische Trends offensichlich Recht behalten. Er setzt jedenfalls auf die dritte Handy-Generation, die das Internet mobil macht. Doch nicht nur er. Das E-Business wandle sich zum Mobile-Business und werde dank der besseren Mobilinfrastruktur seinen Siegeszug von Europa aus antreten, prognostizierte auch Siemens-Manager Volker Jung auf der diesjährigen CeBIT. Er sehe deswegen eine Chance, seine Company unter den Top drei der Mobiltelefonanbieter zu etablieren.

Ob allerdings das derzeit vielzitierte Wireless Application Protocol (WAP) der Standard der Zukunft sein wird, halten die Analysten von Dataquest für noch nicht ausgemacht. Zwar warnen sie davor, WAP als bloßen Hype abzutun - sie gehen davon aus, dass Internet-fähige Handys in diesem Jahr einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent erreichen werden. Sie glauben jedoch, dass das Wachstum des Handy-Marktes hauptsächlich auf den Verkauf von Produkten des Einstiegsniveaus zurückzuführen ist. Richardson: "Ich denke nicht, dass WAP das Internet, so wie wir es kennen, zum Handy bringen wird. Werden die Schwächen nicht beseitigt, hat WAP keine lange Zukunft."

Abb.: Eindeutige Verhältnisse: Nokia konnte 1999 seine führende Position ausbauen. Quelle: Dataquest